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Der schwarze Meilenstein

Louis Weinert-Wilton: Der schwarze Meilenstein - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorLouis Weinert-Wilton
titleDer schwarze Meilenstein
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1954
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
modified20160809
created20150721
projectidd8c2910e
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Der Dollar rutschte und rutschte, aber Miss Isabel Longden aus Shoshone, Idaho, U.S.A., schien dieser Jammer nicht zu berühren.

Nach ihrem Rolls Royce und ihren gediegenen Schiffskoffern kam sie in Ostende selbst an Bord des Kanaldampfers, und es gab einiges Aufsehen.

Nicht nur, weil Isabel Longden jung und ausnehmend hübsch war, sondern vor allem, weil sie sich mit solcher Sicherheit zu geben wußte.

Vielleicht war diese Sicherheit nicht ganz echt, denn die etwas hochmütige Falte um den reizenden Mund wollte weder zu den lachenden braunen Augen, noch zu den kleinen Grübchen in den Wangen passen. Aber Isabel hielt auf diese Falte, und als sie bemerkte, daß auch hier an Bord die seltsamen Blicke des eleganten jungen Gentleman wieder auf ihr ruhten, ließ sie sie noch schärfer und abweisender hervortreten.

Mit dieser Abweisung verhielt es sich ähnlich wie mit ihrer Selbstsicherheit, aber jedenfalls gab dieser schlanke, geschmeidige Mann mit dem ewigen freundlichen Lächeln in dem glatten, dunklen Gesicht Isabel Longden seit Tagen viel zu denken. In Paris war er plötzlich auf ihren Wegen aufgetaucht, und seither verfolgte er sie wie ihr Schatten. Ohne Zudringlichkeit, aber beharrlich und mit sicherem Spürsinn. Und nun war er auch hier wieder und fuhr mit über den Kanal . . .

Isabel war so empört, daß sie die Mundwinkel noch ein bißchen mehr herabzog. Aber doch nicht so empört, daß sie dem jungen Manne brüsk den Rücken gekehrt hätte. Sie tat es nur halb und blickte gleichgültig über die Reling. Und dann spitzte sie den kleinen Mund und begann ganz leise vor sich hinzupfeifen.

Sie hätte es aber wohl sein lassen und wäre wer weiß wohin geflohen, wenn sie auch nur einen der Gedanken des so treuherzig lächelnden Gentleman geahnt hätte.

»Meine liebe Miss Longden«, murmelte er dabei, indem er angelegentlich nach den gespitzten Lippen schielte, »gebe Gott, daß Sie nicht die Dollars besitzen, die ich brauche. Sonst würde Ihnen das Pfeifen vergehen – und das wäre eigentlich jammerschade . . .«

Aber was immer die selbstsichere Miss Isabel Longden und der etwas überhebliche Mr. Alf Duncan auch dachten, der Schwarze Meilenstein spielte hierbei keine Rolle, denn sie wußten nichts von ihm.

Und deshalb kam alles vielleicht ganz anders, sicher aber viel rascher, als sie es sich gedacht hatten.

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