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Der schüchterne Liebhaber

Charles Paul de Kock: Der schüchterne Liebhaber - Kapitel 9
Quellenangabe
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typefiction
authorPaul de Kock
titleDer schüchterne Liebhaber
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. (A. Benedict.)
printrunDritte Auflage
year1860
translatorHeinrich Elsner
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Achtes Kapitel

Herr Gerundium.

Die bei Nicolle neu angelangte Person war ein Mann von vierzig Jahren, mittlerer Größe, eher fett als mager, mit einem gemeinen Gesichte, aus welchem der Wunsch hervorblickte, sich wichtig zu machen, und die Gewohnheit, sich vor denen, die hinsichtlich ihrer Stellung oder ihres Vermögens über ihm standen, hundsdemüthig zu ducken.

Herr Gerundium hatte braune, dicke, lange und rauhe Haare, die vorne nahe über den Augbrauen gleichförmig abgeschnitten waren und hinten über den Kragen seines Rockes herunterhingen; auf den Seiten wurden sie durch seine beiden Ohren in den Schranken gehalten. Der Schullehrer hatte graue Augen, deren Größe man schwer unterscheiden konnte, weil er sie fortwährend, sogar wenn er mit Jemand sprach, niederschlug; er hatte einen großen Mund, den aber sehr schöne Zähne zierten; und geschah es nun, um diese Schönheit seines Individuums bemerklich zu machen, oder um einen vortheilhaften Begriff von der Liebenswürdigkeit seines Charakters den Leuten beizubringen, – kurz, er lächelte während des Sprechens fast immer und verfehlte dabei nicht, seinen Mund aufzureißen, daß man sein ganzes Gebiß sehen konnte.

Eine unverhältnißmäßig große Nase, die beinahe stets mit Finnen bedeckt war, schadete der ganzen Physiognomie des Lehrers unendlich; und seine Gewohnheit, daran zu kratzen und sie mit Tabak vollzustopfen, gab diesem Vorsprung jeder Zeit einen grell abstechenden, roth und schwarzen Anstrich, der sogar etwas Zurückstoßendes an sich gehabt hätte, wenn der erste unangenehme Eindruck dieses Nasenmonstrums nicht durch die sanfte, honigsüße Stimme des Herrn Gerundiums gemildert worden wäre.

Die Kleidung des Schulmeisters war sehr ernst, da er sich aus besonderer Vorliebe stets schwarz trug; Rock, Hosen und Weste bestanden allerdings aus schwarzem Tuche, aber die Zeit hatte solche Verheerungen an diesen Gegenständen angerichtet, daß sie schon oft mit Flecken hatten ausgebessert werden müssen; und war es nun Unachtsamkeit von dem, der diese Kleidungsstücke geflickt hatte, oder war das schwarze Tuch in dieser Gegend rarer als ein anderes, kurz, man hatte die schadhaften Stellen mit blauen, grünen, grauen und braunen Flicklappen bedeckt, was dem Herrn Gerundium eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Hanswurst gab; denket euch hierzu noch Socken und Holzschuhe, überhaupt ein nach allen Theilen schmutziges Aussehen, und ihr werdet einen Begriff von der Person erhalten, die man als Lehrer für den jungen Marquis von Grandvilain holen ließ.

Von seiner Kopfbedeckung haben wir aus dem einfachen Grunde nicht gesprochen, weil Herr Gerundium niemals Hut oder Kappe trug, und man sich nicht einmal erinnerte, etwas Derartiges in seiner Hand gesehen zu haben. Wenn es regnete, so schützte er sich mit einem alten Schirme, der nur noch drei Fischbeine hatte; sorglos barg er sein Haupt unter diesem alten Regendache, obwohl es sich, da es mehrfach zerbrochen war, beim leichtesten Windstoß zu einer Tulpe gestaltete.

Der Schulmeister, der viel von Schwielen und Hühneraugen litt, stützte sich unterwegs auf Jakobs Arm; aus diesem Grunde wahrscheinlich sagte auch Nicolle's Gatte, daß er den Herrn Gerundium hergeführt habe. Als der Schullehrer erfuhr, daß man ihn von Seiten des Marquis von Grandvilain zu sprechen wünsche, ließ er sich keine Zeit mehr, seine Kartoffeln aus der Bäckerin Ofen zu holen, hielt es auch für unnöthig, sich die Hände zu waschen, ein Geschäft, das er überhaupt nur an Sonn- und Feiertagen verrichtete.

Jasmin ließ seinen jungen Herrn vor sich hergehen. Cherubin hielt Louisens Hand fest, gleich, als ob er noch gefürchtet hätte, daß man ihn von seiner theuren Gespielin trennen wolle. Der alte Kammerdiener folgte ihnen, immer den Hut in der Hand, Nicolle kam zuletzt, und so ging man dem Schulmeister entgegen, der sehr verlegen darüber, ob es sich schicke oder nicht, in Holzschuhen vor die vornehmen Personen zu treten, welche ihn rufen ließen, auf der Schwelle der Hausthüre stehen geblieben war; endlich beschloß er, solche auszuziehen und sich in Socken zu präsentiren. Beim Anblick von Jasmin's kahlem Haupte, dessen anständige Kleidung keinen Bedienten verrieth, stürzte sich Herr Gerundium ihm entgegen, lächelte auf die geeignetste Weise, um seine Backen- und Schneidezähne sehen zu lassen, und begrüßte ihn mit den Worten:

»Ehre, dem Ehre gebührt ... Salutem vos ... Herr Marquis, ich schätze mich äußerst glücklich, in diesem Augenblick vor Ihnen zu stehen.«

Während Herr Gerundium sein Compliment machte und sich bis auf den Boden verneigte, beeilte sich Jasmin, der wohl einsah, daß sich der Lehrer täusche und ihn für den Marquis halte, mit seinem jungen Herrn den Platz zu wechseln, was Cherubin that, ohne jedoch Louisens Hand loszulassen, so daß Herr Gerundium, als er seine Nase in die Höhe streckte, sich vor den beiden Kindern befand; er glaubte sich geirrt zu haben und stieß den kleinen Knaben und seine Gespielin ziemlich unsanft bei Seite, um sich wieder vor Jasmin zu stellen, der in eine andere Ecke der Stube gegangen war.

»Entschuldigen Sie diesen Verstoß ...« sprach er weiter, » errare humanum est ... Ich stehe zu Ihren Diensten, Herr Marquis ... ich habe mir nicht einmal Zeit vergönnt, mein frugales Mahl einzunehmen ... um unverzüglich Ihren Befehlen Folge zu leisten.«

Während der Schullehrer sprach, hatte Jasmin abermals seinen Platz gewechselt und sich hinter seinen Herrn gestellt, und Herr Gerundium machte Miene, ihn im ganzen Zimmer herumzutreiben, als Nicolle lachend zu ihm sagte:

»Aber Sie sind im Irrthum, Herr Gerundium, mein Söhnchen, mein Pflegling ... der hübsche Junge da ... das ist der Marquis.«

»Und ich bin nur sein ergebenster Diener, der ehemalige Kammerdiener des Herrn Marquis, seines seligen Vaters, der mich sterbend gewürdigt hat, mir die Sorge für seinen Erben zu übertragen,« vollendete Jasmin, sich vor Cherubin verbeugend.

Herr Gerundium fügte sich unverzüglich in diesen Umstand; er lächelte wiederum, stellte sich vor Cherubin und sagte zu diesem:

»Ich bitte um Verzeihung ut iterum, das hindert mich nicht, mich aufs Neue den ganz gehorsamsten Diener des Herrn Marquis junior zu nennen.«

»Nicht Junior! ... von Grandvilain,« fiel ihm Jasmin ernsthaft in's Wort.

»Das Eine schließt das Andere nicht aus,« entgegnete Herr Gerundium mit einem gewissen boshaften Lächeln; ... »erlaubt mir diese Bemerkung, wackerer Eumäus, denn Ihr erinnert mich lebhaft an diesen tugendhaften und getreuen Diener des Ulysses, König von Ittaka ...ich weiß zwar nicht, ob er auch kahl war, Homer erwähnt solches nicht, aber wahrscheinlich ist es ... ich stehe folglich zu den Befehlen des Herrn Marquis von Grandvilain, der mir jetzt sagen kann, was er so schleunig von mir wünscht.«

Des Schulmeisters Phrasen und die Citationen, womit er seine Reden ausschmückte, machten auf Jasmin, der, wie die meisten Ignoranten, was er nicht verstand, für schön hielt, den vorteilhaftesten Eindruck; er gab Nicollen ein Zeichen und flüsterte ihr zu:

»Das ist ein Gelehrter! ... ein Grundgelehrter sogar ... solch einen brauchen wir.«

Cherubin, der nicht der Ansicht seines alten Kammerdieners war, und Herrn Gerundium langweilig fand, antwortete ihm unverweilt:

»Ich wünsche ganz und gar nichts ... Jasmin wollte Sie durchaus kommen lassen, damit Sie mir Unterricht geben sollen ... worin, daß weiß ich nicht! ... ich will jedoch gerne lernen, aber Louise muß während der Stunden bei mir bleiben.« Nachdem Cherubin solches gesagt hatte, drehte er dem Schulmeister ohne Weiteres den Rücken, Louise that dasselbe, indem sie laut über Herrn Gerundiums Nase lachte, und beide Kinder entfernten sich hastig aus der Stube, um im Garten wieder Zwetschen zu essen.

Man hielt es für passend, sie nicht zurückzuhalten, und Jasmin trat auf Herrn Gerundium zu, den er mit achtungsvoller Miene fragte, ob er seinen Herrn, der zwar noch nichts gelernt habe, für den es aber, wenn er kein Ignorant bleiben wolle, die höchste Zeit sei, zu unterrichten Lust habe.«

Herr Gerundium nahm mit Freuden diesen Vorschlag an, drückte Jasmin die Hände und sprach:

»Vertrauet mir, wir werden die verlorene Zeit wieder einbringen! Der junge Marquis muß arbeiten wie ein Pferd.«

»O! nein,« hielt ihm der alte Diener entgegen, »mein junger Herr ist zärtlich, er ist nicht ans Studiren gewöhnt, Sie würden ihn krank machen, Sie müssen im Gegentheil behutsam zu Werke gehen.«

»Das versteht sich von selbst,« entgegnete Gerundium, sich an der Nase kratzend. »Wenn ich sage wie ein Pferd, so ist dies nur ein Gleichniß ... ein bildlicher Ausdruck, wenn Ihr lieber wollt; und junge Pferde, wie gleichnißweise der Herr Marquis, werden ja nie zu strenger Arbeit angehalten ... wir werden piano und sano, ecce rem vorwärts schreiten! Ich lehre den Herrn Marquis, außer dem Schreiben und der Mathematik, seine Muttersprache aus dem Grunde, so daß er sie sprechen kann wie ich selbst, das heißt ausgewählt ... überdies das Lateinische, Griechische, Italienische, die Philosophie, die Geschichte, sowohl die alte als die neue, die Mythologie, die Rhetorik, die Kunst Verse zu machen ... die Geographie, die Astronomie, etwas Physik, Chemie, Mineralogie, Bot ...«

»O! genug, Herr Professor! ... genug!« rief Jasmin, der bei dem, was er hörte, vor Bewunderung der Kenntnisse des Herrn Gerundium ganz außer sich war. »Wenn mein junger Herr nur das Alles weiß, ist er schon gelehrt genug ...«

»Wenn Ihr noch Weiteres wünscht, so habt Ihr nur zu sprechen ... ich darf behaupten, daß ich hinsichtlich des Wissens ein wahrer Born bin ... mit fünf Jahren erhielt ich eine Prämie und mit sieben zierten drei Kronen mein Haupt ... von Eichenlaub nämlich ... denjenigen gleich, welche die Druiden, alte gallische Priester, trugen, die den Teut oder Merkur und die Mistel, eine Schmarozerpflanze, anbeteten, die ihnen zu Folge alle Schmerzen heilen sollte. Ich bin indessen nicht ihrer Ansicht, denn ich habe Hühneraugen, die mir sehr wehe thun, habe Mistel darauf gelegt, und sie thaten mir noch weher.«

Jasmin wagte nicht zu athmen, wahrend Herr Gerundium sprach, Nicolle und ihr Gatte theilten seine Bewunderung, und der Schulmeister, erfreut über die Wirkung, die er hervorbrachte, hörte sich mit großem Selbstgefallen sprechen, als ihn der alte Diener mit den Worten unterbrach:

»Tausendfache Entschuldigung, mein Herr, daß ich mir erlaube, ein Wörtchen einschlüpfen zu lassen, aber es scheint mir nöthig, unsern Vertrag festzustellen, was verlangen Sie monatlich, um meinen jungen Herrn in so Vielem zu unterrichten? Wohlverstanden, daß Sie alle Tage, mit Ausnahme des Sonntags, kommen müssen.«

Herr Gerundium sann einen Augenblick nach und erwiederte sodann mit schüchterner Miene:

»Um dem Herrn Marquis von Grandvilain so viel Wissenschaft einzupfropfen, als mir möglich ist, sollte ich glauben, daß eine Forderung von fünfzehn Franken monatlich ...«

»Fünfzehn Franken!« rief Jasmin mit entrüsteter Miene aus. »Fünfzehn Franken für das Alles ... Sie scherzen wahrscheinlich, mein Herr?« Herr Gerundium lächelte nicht mehr, er befürchtete schon zu große Ansprüche gemacht zu haben, schlug die Augen nieder und murmelte:

»Nun ... wenn Sie meinen, daß es zu viel sei, so wollen wir eine geringere Summe ...«

»Meinen es sei zu viel!« entgegnete Jasmin. »O im Gegentheil, mein Herr, ich finde, es sei nicht genug! ... Gott sei Dank, mein junger Gebieter ist reich und hat die Mittel, seine Lehrer zu bezahlen. Wie? ich, sein Kammerdiener, sollte neben freier Wohnung, Kost und Heizung sechshundert Franken Gage jährlich haben ... während ein so gelehrter Mann wie Sie, der meinen Herrn in so vielen schönen Wissenschaften unterrichten wird, weniger hätte? ... O nein! mein Herr, ich biete Ihnen monatlich hundertfünfzig Franken an, und finde nicht, daß es für Ihre Kenntnisse zu viel sei.«

»Hundertfünfzig Franken ... monatlich!« ... schrie Herr Gerundium, dessen Züge ein trunkenes Entzücken ausdrückten. »Hundertfünfzig Franken ... ich nehme sie an, Herr Jasmin ... ich nehme sie dankbarst an ... ich werde sie zu verdienen suchen und beinahe den ganzen Tag bei meinem Zögling zubringen; die Schule soll mich nicht daran Verbindern ... ich halte ohnedies einen Unterlehrer, dem ich drei Franken monatlich gebe ... ich werde ihm aufbessern, wenn es nöthig ist, und, wenn es sein muß, meine Stelle ganz aufgeben, um mich ausschließlich dem interessanten Kinde, das Sie mir anvertrauen, zu widmen.«

Und der Schullehrer ergriff Jasmins Hände und drückte sie mit Wonne; dann drückte er auch Jakobs und Nicolle's Hände, und als keine mehr zu drücken da waren, schlug er die seinen übereinander und rief aus:

»Hosanna! Hosanna! ... applaudite cives! ...«

Auf dieses sagte Jasmin leise zu Jakob:

»– Ich glaube, Herr Gerundium wünscht etwas zu essen.«

»– Zu essen habe ich im Augenblicke nichts, aber ich will von unserem Wein heraufholen,« entgegnete Jakob, »den wird der Herr Schulmeister, so weit ich ihn kenne, auch nicht ausschlagen.«

Nicolle brachte Wein und Gläser herbei. Herr Gerundium ließ sich gerne zum Trinken einladen, bat übrigens die Bäuerin zuvor um ein Stückchen Brod, weil es ihm, da er keine Zeit gehabt, seine Kartoffeln zu kochen, sehr magenschwach geworden sei. Jasmin ließ Nicollen einen Vorrath von Essen aus dem naheliegenden Wirthshause herbeiholen und setzte ihn auf den Tisch; dann schnitt sich Herr Gerundium ein ungeheures Stück Brod ab und griff eine Platte mit zähem Ochsenfleisch und langfaserigen Bohnen mit einem Eifer an, der etwas Erschreckendes an sich hatte.

Trotz des Essens fand der Schullehrer Zeit, sich mit Jasmin zu unterreden:

»Wir haben über die Wissenschaft gesprochen,« sagte er, mit den Zähnen schmatzend, »aber einen andern Gegenstand noch nicht abgehandelt ... den der Sitten. Auch in dieser Hinsicht können Sie sich ganz auf mich verlassen. Ich bin in diesem Punkte außerordentlich strenge ... denn die Sitten, Herr Jasmin, sind der Zügel der Gesellschaft. Ich darf behaupten, daß die meinigen tadellos sind! ... Das Gleiche soll bei meinem Zögling der Fall sein.«

»O! was das anbetrifft!« sagte der alte Kammerdiener lächelnd, »scheint mir, daß man im Alter meines jungen Herrn noch nichts zu fürchten habe ... später! ... da ist es etwas Anderes! ... aber bei einem Jüngling kommt das auch nicht so in Anschlag; wenn es ein Mädchen wäre ...«

»Da ist es noch viel schlimmer, Jasmin! o! da ist es noch viel gefährlicher, weil ein junger Mann, da er viel freier lebt, weit größere Fehler machen kann ... ich werde ihm aber Prinzipien einflößen, die ihn in den Schranken halten sollen ... ich werde der Mentor dieses zweiten Telemachs sein! ... Aber, entschuldigen Sie, ich muß eine Bemerkung machen: um die Studien des Herrn Marquis zu beginnen, ist es nöthig, daß ich Elementarbücher ... Grammatiken ... Wörterbücher kaufe; die in meiner Schule sind abgenützt ... ich bin in diesem Augenblicke nicht hinlänglich bei Kasse, um diese Einkäufe vorzunehmen ... wenn Sie mir einen Monat zum Voraus bezahlen könnten, dann ...«

»Mit Vergnügen, Herr Gerundium,« erwiderte Jasmin, »ich nehme immer Geld mit hierher, auf den Fall, daß mein Herr von mir verlangen würde. Hier sind hundertzwanzig Franken in Gold und dreißig Franken in Hundert-Sousstücken.«

Der Schulmeister betrachtete mit gierigem Blicke die ihm vorgezählte Summe. Er nahm sie, zählte sie und überzählte sie abermals, steckte sie in die Tasche und holte sie wieder hervor, um sie von Neuem zu zählen; er konnte nicht müde werden, dieses Gold und Silber durch seine Hände gleiten zu lassen. Niemals war er im Besitz einer solchen Summe gewesen. Man sprach mit ihm, er hörte nichts, antwortete nichts, aber ließ seine Goldstücke und Fünffrankenthaler klingen, und als er endlich das Geld in seiner Hosentasche untergebracht hatte, steckte er seine Hand hinein, die er beständig darauf ließ.

Unterdessen kam der Abend herbei, und Jasmin stieg, nachdem er sich bei seinem Herrn empfohlen und nochmals von diesem das Versprechen erhalten hatte, daß er lernen werde, in das Cabriolet, mit dem er gekommen war, und fuhr höchst zufrieden, ein Mittel gefunden zu haben, um aus Cherubin einen Gelehrten zu machen, nach Paris zurück.

Herr Gerundium verließ das Haus der Amme, nachdem er sich bei seinem Schüler verabschiedet und ihm angekündigt hatte, daß er am folgenden Morgen erscheinen werde, und begab sich nach Hause, ohne jedoch seine Hand aus der Tasche zu ziehen, die fortwährend die darin befindliche Summe betastete.

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