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Der schmale Weg zum Glück

Paul Ernst: Der schmale Weg zum Glück - Kapitel 13
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typefiction
authorPaul Ernst
titleDer schmale Weg zum Glück
publisherGeorg Müller
firstpub1901
year1919
correctorreuters@abc.de
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created20081218
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Es ist schon früher berichtet, daß die Gräfin viele Jahre lang bettlägerig gewesen ist. Welche Krankheit sie haben mochte, das konnten die Ärzte nicht bestimmt sagen, denn es wechselten die Schmerzen und die Stellen des Leidens und alle Anzeichen, und nur das war immer das gleiche, daß sie nicht ihr Bett verlassen konnte.

Sie war eine harte Frau und hatte einen unruhigen Verstand, der zu allen Dingen schweifte, und seit ihrer Krankheit vornehmlich aber zu den verschiedenen Angelegenheiten des Haushaltes. Diesen wollte sie beständig von ihrem Lager, aus leiten, und die Dienstboten mußten ihr alles genau berichten und erklären, und indem sie in ihrer Einsamkeit nach diesen Antworten und Erzählungen sich ein vollständiges Bild von allem machte, befahl sie ihnen genau alles bis in das geringste, was getan werden sollte. Aber da die Dienstboten sich sehr häufig nicht an ihre Befehle kehrten und nach ihrem Belieben wirtschafteten und ihr dann später trügerischerweise Falsches berichteten, bildete sie sich doch eine unrichtige Vorstellung von allem, was vorhanden war und was geschah. Dann kam es, daß die Leute ihre früheren Lügen vergaßen und nach dem wirklichen Stande erzählten, auch sonst sich Widersprüche herausstellten zwischen ihrem Bilde, das sie sich gemacht, und den wirklichen Zuständen. Hierüber geriet sie immer in großen Zorn, schalt viel und klagte dann das Geschehene ihrem Mann, der sich hierdurch noch mehr von ihr entfremdete, als ohnedies durch ihre Krankheit geschah. Wie sie das verspürte, machte sie ihm Vorwürfe und trieb sich und ihn immer weiter in den Unfrieden hinein.

Die beiden Söhne, die mit alten und in der Familie erblichen Namen Bolko und Ivo genannt wurden, hatten sich inzwischen in der bereits früher geschilderten Art entwickelt und waren von Hause fortgekommen als Offiziere. Die ganze Zeit über verlangten sie von ihrem Vater immer sehr viel Geld, der zwar für sich selbst leichtfertig und unbedacht war, für seiner Söhne zielloses Leben aber doch einen klaren Blick hatte, auf seine Ermahnungen freilich hörten sie nicht, sondern hielten ihm keck sein eignes Beispiel vor; und indem er Furcht hatte, über seine Verhältnisse selbst klar zu werden, vermochte er ihnen auf diesen Einwurf nicht eindringlich zu antworten, denn sie lebten in der Meinung, daß das elterliche Vermögen viel größer sei, als es in der Tat war. So war er dahin gelangt, daß er schon Geld auf Wechsel genommen hatte, und war in die Hände der Wucherer geraten; nun befiel ihn zuzeiten eine heftige Angst und sinnlose Reue; und während solche Stimmungen früher von selbst wieder verschwunden waren durch die Wirkung seines leichten Gemütes, kostete es ihn jetzt Anstrengung, sich von ihnen frei zu halten. Die Frau durfte von allen diesen Sorgen nichts erfahren, und wenn sie in ihrer Unwissenheit oft Verfügungen traf, die ihm in seinem Mangel schwierig wurden, so mußte er allerhand Ausflüchte ersinnen, Lügen erzählen und lange Geschichten vorbringen und zuweilen sich gekränkt stellen oder Vergeßlichkeit heucheln.

Die Tochter, die allein zu Hause geblieben war, stand ohne eine rechte Bedeutung an der Seite, denn sie merkte wohl, daß der Vater Geheimnisse hatte, und aus Scheu und Mitleid wurde dadurch ihr Benehmen fremd gegen ihn, was er nach seinem bösen Gewissen ausdeutete, als wisse sie vieles und zürne ihm; und die Mutter hielt sie von den Angelegenheiten des Hauses entfernt aus Eifersucht, weil sie selbst die Leitung behalten wollte, und auch aus geheimer Furcht, daß ihre Unzulänglichkeit aufgedeckt werde. So brachte die junge Dame ein freudeloses Leben hin in Sehnsucht nach einer Tätigkeit und Wirkung.

Indem die Dinge so lagen, kam plötzlich der älteste Sohn Bolko unvorbereitet zu einem kurzen Besuch; der Vater erschrak, als er das Telegramm erhielt, und wie des Sohnes sporenklirrender Schritt auf dem Gange hörbar wurde, stockte ihm das Blut. Er führte ihn zur Mutter, die den Ältesten immer besonders geliebt hatte, indem sie von seinem wahren Leben gar nichts wußte, sondern ihn immer nur kannte, wie er als ein hübscher und schlanker Mensch mit offenem Gesicht ehrerbietig in ihrem dämmerigen Krankenzimmer stand. Sie freute sich mit einem glücklichen Gesicht, wie er ihr die Hand küßte, und mit großer Zärtlichkeit streichelte sie seine blonden Haare. Dann ließ sie sich von ihm erzählen, und er mußte Bälle beschreiben und Schlittenfahrten, und auch von seinen Pferden sprach er. So hörte sie immer mit glücklichem Lächeln zu, und als sie selbst einmal einiges sprach, suchte sie seinen Gedanken eine leise Richtung zu geben, denn sie hatte eine Heirat für ihn im Sinn und hätte gern gewußt, welches seine Meinung sei; und in dieser kurzen Zeit erschien ihr plötzlich ihr eignes Leben gar nicht so unglücklich wie sonst, und ihres Sohnes künftiges Leben war ihr heiter und sonnig. Er lachte aber über ihre Anspielungen und machte Scherze, so daß sie ein wenig gekränkt wurde; aber nur ein wenig, sie verzog den Mund, wie sie als junges Mädchen getan, und ganz schnell wurde sie wieder zufrieden und heiter, seit sehr langer Zeit war sie nicht in solcher Verfassung gewesen. Nach einer Weile stand er auf, um das Zimmer zu verlassen; groß und stattlich war er vor ihr, und sie blickte in ein ungetrübtes und lachendes Gesicht. Da überkam sie eine besondere Zärtlichkeit, und gab ihm einen Wink, daß er sich über sie beugen mußte, und sie selbst hob ihren Kopf und drückte ihm einen Kuß auf die Stirn; dabei überflog Röte ihr ganzes Gesicht, und ihre Augen glänzten. Wie er zum Vater zurückkehrte, fand er den in einer Ecke seines großen Lehnstuhls, da sah er ganz verfallen und grau aus; schweigend wies er dem Sohn einen Platz an. Die Furcht vor dem Gespräch lastete auf beiden, und um die Stille zu brechen, sagte der junge Mann endlich gleichgültige Sätze über die Ernte. Der Vater nickte nur, denn ihm verschloß die Angst den Mund noch fester wie dem Sohne, zuletzt aber fragte er doch nach dem Grund des Besuches, unvermittelt. Da schwieg der junge Offizier zuerst lange, und endlich erzählte er, daß er Abschied von den Eltern nehmen wolle, weil er am andern Tage einen Zweikampf habe, in dem er fallen werde. Nichts weiter sagte er, aber der Vater merkte, daß sein Sohn sich schämen mußte über die Ursache, und daß alles unabwendbar war, und saß da mit entsetztem Ausdruck und offenem Munde, und den Sohn überkam ein Ekel vor dem gedunsenen und schlaffen Schlemmergesicht; deshalb fügte er in härterer Sprache hinzu, daß er seine Schulden und andre Verpflichtungen aufgeschrieben habe und ihm das Verzeichnis geben wolle, damit der Vater später alles begleiche.

Da war es, als sei dem Alten das Wichtigste gar nicht klar geworden, und nur das Geringere berühre ihn, und fing an, mit heftigen Worten auf den Sohn zu schelten, daß der Schulden gemacht habe, und in seiner Verstörtheit gebrauchte er ganz gemeine Ausdrücke. Hierdurch geriet der Junge in eine feindliche Erregung und sprang ungestüm von seinem Stuhl auf und erwiderte die Vorwürfe und sagte dem Vater, daß er keine Eltern gehabt habe, und auch sein Bruder habe keine Eltern gehabt und auch seine Schwester nicht; niemand habe sich um sie gekümmert wie bezahlte Leute, denn den Eltern waren sie zur Last, weil die andre Dinge vorhatten; nur wurden sie zuweilen der Mutter vorgeführt in geputzten Kleidern und mit einstudierten Reden; nie haben die Eltern ein Herz gehabt für die Kinder, deshalb seien die nie mit einer Bitte zu ihnen gekommen; ein einziges Mal habe er erlebt, daß die Schwester gebeten, sie möchte gern Kaninchen haben, da sei ihr von der Mutter geantwortet, daß kein Raum vorhanden sei. Viele Vorwürfe habe er sich selbst schon gemacht über sein verkehrtes Leben, das nun jetzt in jungen Jahren zu Ende sei, und er wisse wohl, daß er selbst schuld habe, denn trotz allem hätte er ein andrer Mensch werden können; aber außer ihm selbst seien die Verursacher seines Untergangs sein Vater und seine Mutter. Und nicht lange könne es dauern, dann werde sein Bruder Ivo nach Hause kommen in derselben Weise wie jetzt er. Damit warf er das Verzeichnis der Schulden auf den Tisch und sagte, sein Erbteil müsse hinreichend groß sein, daß diese Summen nur eine Kleinigkeit dagegen ausmachten, und dann ging er aus der Tür; erleichterten Herzens, denn er war ein schwacher und schlechter Mensch und war nun beruhigt in seinem Gewissen, weil er sein Unrecht einem andern aufgeladen hatte. Wie nun die Nachricht kam von dem Tode des jungen Herrn, da ereignete sich das Sonderbare, daß die alte Gräfin plötzlich von ihrem Lager aufstand, auf dem sie fünfzehn Jahre lang verharrt, und war, als sei sie nie krank gewesen. Sie ließ sich die Kleider kommen, die sie damals zuletzt getragen, als sie sich gelegt, und wählte sich ein dunkelfarbiges Gewand aus; es schien aber, als sei sie größer geworden, und ihre Figur hatte sich verschmälert, so daß das Kleid in sonderbarer Weise auf ihr hing, und indem es gleichzeitig unmodern geworden war und für einen jugendlicheren Menschen gearbeitet, machte sie einen seltsam unheimlichen Eindruck in ihrem Aufzug. Mit Leichtigkeit stieg sie die Treppen und besuchte alle Räume und Winkel und betrachtete Vorräte und Einrichtungen und fand alles ganz anders, wie sie es sich auf ihrem Lager gedacht, und geriet in heftige Erregung über die Dienstboten, und so schalt sie im Hause herum und zankte mit Bosheit, während die Leiche des Erstgeborenen gebracht wurde und der alte Herr verstört in seinem verschlossenen und verriegelten Zimmer saß. Nach dem Herkommen wurde der Tote in einem großen Saal aufgebahrt, der mit Tannengrün geschmückt war; in dem Saal hatten seit vielen hundert Jahren die Toten des Geschlechtes gelegen, von Lichten auf alten Leuchtern ihre wachsfarbenen Gesichter beschienen. Die Leute aus der Gegend und die Bedienten und die Arbeiter von den Gütern kamen, die Leiche anzusehen; sie kamen mit ihren Frauen und den schüchternen Kindern und hatten ihre Sonntagskleider angezogen. Da sahen sie die Gräfin in wunderlicher Kleidung, die über die Leiche des Sohnes ausgestreckt lag und schluchzte, daß ihre Gestalt erschüttert wurde. Viele Stunden lag sie so, und wie sie sich erhob, begann sie wieder ihr mißtöniges Schelten mit den erschreckten Leuten und eilte aufgeregt durch alle Räume, Kommodenschubladen aufziehend, in denen sie vor fünfzehn Jahren alte Flicken aufgehoben, in Schränken wühlend und nach längst vertragenen Kleidern forschend, das Porzellan und Glas betrachtend, das die Wirtschafterin mit zitternden Händen auf den großen Ausziehtisch stellen mußte, und das Silber nachzählend, das sie selber putzen wollte.

Der alte Herr hatte mit schweren Sinnen gerechnet und gezählt; zum ersten Male kam ihm jetzt eine Art Klarheit seiner Lage, und er fühlte sich gänzlich hilflos. Mit schweren Schritten ging er die Treppe hinab, und gebeugt bestieg er den Wagen, um nach dem Orte zu reisen, wo sein Sohn gestanden. Hier suchte er den Wucherer auf in seinem Hause, das erst neu gebaut war, denn der Mann war ein Bauunternehmer; eine marmorne Treppe erstieg er, die mit einem teuren Teppich belegt war, und kam in ein prunkvolles Gemach; es war ihm, als verlasse ihn alles Selbstbewußtsein, das ihm sonst immer natürlich gewesen war, wie er dem stiernackigen Menschen gegenüberstand, der seine gewöhnliche und gemeine Art mit Kaltblütigkeit hinter einer eignen Höflichkeit verbarg, welche der Graf in den Kreisen, welche er sonst gekannt, noch nie getroffen hatte, vielleicht war der Mensch erst vor kurzem aus dem Zuchthause entlassen, und trotzdem wußte er sich so zu haben, daß der adelige Mann verwirrt wurde vor ihm. Vergeblich versuchte der in einer vornehmen und nachlässigen Manier zu sprechen, er mußte abbrechen und nach einer andern Weise suchen; am Ende legte er dem andern mit Schüchternheit seine Verhältnisse offen dar, als sei der gegen ihn ein alter und würdiger Herr, dem er vertrauen müsse, und der ihn ermahnen und tadeln, aber auch unterstützen werde. In diesen Minuten, als ihm der künstlich erhaltene Stolz vor der Kraft eines ehrlosen Menschen zusammenbrach, begann in dem Grafen eine Verstörtheit, die ihn am Ende kindisch machte. Der andre, der seinen Vorteil bald bemerkte, wußte ihn zu den Absichten zu bestimmen, die er selbst sich gesetzt, und so wurden die Schulden derart geordnet, daß der Graf ihm kaum je wieder aus den Händen kommen konnte. Ivo, der zweite Sohn, wurde zu der Beerdigung erwartet, er verspätete sich aber in auffälliger Weise und kam erst, als die Träger den zugeschraubten Sarg eben auf die Achseln nehmen wollten. Nachdem die Feierlichkeit beendet war, saßen die vier Familienmitglieder in trüben Gedanken beisammen. Am Ende begann der Sohn mit einem Scheine, als handle es sich nur um Unbedeutendes, daß er den Vater auf andre Gedanken bringen wolle, und habe er in der letzten Zeit Unglück im Spiel gehabt, und brauche er bis zum übernächsten Tage eine bestimmte Geldsumme, die ihm der Vater gewiß geben werde; absichtlich brachte er die Bitte in Gegenwart der beiden Frauen vor, weil er dachte, daß für das erste sein Anliegen dadurch geringfügiger erscheinen müsse.

In dem alten Herrn wurden durch diese Worte längst vergessene Erinnerungen lebendig, und deren Drang übertäubte in seinem geschwächten Geist das Verständnis dessen, das er gehört. So begann er von seiner Jugend zu erzählen, und wie man damals anspruchsloser gelebt habe, denn nur an Königs Geburtstag habe man Wein getrunken, und sonst Kofent, und er selbst habe einmal seinem Vater kleine Schulden beichten müssen, da habe ihn der übel aufgenommen und ihm vorgerechnet, was er selbst arbeite und verbrauche, und habe ihm dann Hausarrest gegeben vier Wochen lang. Heute aber sei die Jugend leichtfertig, und das Eindringen der reichen Bürgerlichen in die Armee habe die Zeiten vornehmer Einfachheit verdrängt. Ivo saß da in großer Besorgnis, denn in Wahrheit hatte er große Schulden und wußte nicht, wie er seines Vaters Reden auffassen sollte. Und wie der Vater geendet hatte, begann die Mutter, schalt auf die heutigen Zeiten, in denen es keine treuen und sorgsamen Dienstboten mehr gäbe, und erzählte weitläufig von ihrer Leinenaussteuer, wieviel Dutzend sie von jeder Sache gehabt, und wie das alles auseinandergerissen sei, so daß sie nichts Vollständiges mehr vorfinde, und das Wenige, das noch in den Schränken liege, sei übel gewaschen. Dabei war, als seien die fünfzehn Jahre ihres Krankenlagers gar nicht gewesen, und sie verwechselte die Zeiten, denn indem sie von einigen Leuten sprach, dachte sie an deren Eltern, die in den Jahren, welche sie im Sinn hatte, so aussahen wie die jetzt. Dem Ivo wurde es unheimlich durch seine eigne Angst und durch das wirre Sprechen der Eltern, und er blickte hilfesuchend auf seine Schwester, die aber hatte ihren eignen Gedanken nachgehangen und seine Bitte überhört, weil sie im Ton nicht auffällig gewesen war, und da sie den Verfall der Eltern allmählich hatte vor sich gehen sehen, so waren ihr auch diese Reden nicht auffällig gewesen. So saß sie da im schwarzen und geschlossenen Kleid, die Hände im Schoße liegend und ins Leere blickend; sie bedachte aber, wie sie es erreichen könne, daß sie diesem Leben entfliehe, denn bis zur Unerträglichkeit hatte sich der Überdruß in ihr gesteigert.

Aber wie der junge Offizier sich derart ganz allein zwischen diesen drei Menschen fühlte und seine Sorge ihm mit Schwere auf das Herz fiel, stieg es ihm heiß in die Augen, und zwei Tränen rannen ihm über die Backen und in die Winkel des zuckenden Mundes. Hierdurch wurde die Schwester aufmerksam, und indem ihr nun seine früheren Worte in klares Bewußtsein traten, fragte sie erschreckt, ob seine Schuldenlast vielleicht sehr hoch sei; er aber war so bekümmert, daß er nicht zu reden vermochte, und so nickte er nur mit dem Kopfe. Dann, während sich inzwischen unter den Eltern ein Streit entspann um ein silbernes Salzfaß, das die Mutter vermißte, klagte er mit abgerissenen Worten der Schwester, daß es ihm an Mut fehle, um seinem Leben ein Ende zu machen, denn das sei ja doch der einzige Ausweg. Als er das sagte, schrie sie laut auf und verhüllte ihr Gesicht; der Vater wendete sich langsam zu ihr und fragte sie nach der Ursache ihres Schreiens, und indem er an den Wortwechsel über das Salzfaß dachte und in seinen trüben Gedanken meinte, daß es sich bei diesem um etwas Wichtiges handle, das auch seine Tochter schwer betrübe, suchte er mit der alten Gewohnheit liebenswürdiger Gesinnung sie zu trösten, indem er sagte, daß dieses Salzfaß sich schon noch wiederfinden werde, und sie als ein Kind brauche sich nicht solche Sorgen zu machen wie die Erwachsenen. Bei diesen Reden wurde dem jungen Ivo der Zustand seiner Eltern endlich ganz klar, und er verspürte mit Erschrecken, daß er zu seinen eignen verworrenen Verhältnissen nun auch noch das Bedenken der Familienangelegenheiten auf sich nehmen müsse, und nur geringer Trost war es ihm, daß er jetzt die Möglichkeit in der Hand habe, seine Lage in die Richte zu bringen, denn es ahnte ihm wohl, wie arg alles verwickelt war. Indessen besprach er sich nun mit der Schwester, was zu tun sei, und beruhigten die beiden die Eltern und brachten die mit Schonung dahin, daß sie ungestört von ihnen blieben und sich mit Ruhe beraten konnten.

Die ganze Nacht brannte in dem Arbeitszimmer des alten Grafen eine schlechte Lampe ohne Glocke, die sie sich aus der Küche hatten heraufbringen lassen; bei ihrem Schein lasen sie Aufzeichnungen, Ausgabenberechnungen, Einnahmenverzeichnisse und allerhand Aufstellungen über die Vermögensverhältnisse, und als letztes fiel ihnen das Blatt Bolkos in die Hand und die Urkunden über die Unterhandlungen mit dem Wucherer. Es war den Ungeübten nicht möglich, ein klares Bild aus dem Wirrwarr zu gewinnen, in dem sich der alte Herr selbst ja schon seit langen Jahren nicht mehr zurechtgefunden hatte; aber eine recht deutliche Vorstellung von ihrer Lage gewannen sie doch vornehmlich aus einem Schreiben, in welchem der frühere Vermögensverwalter um seine Entlassung bat, der eine andre Stellung angenommen hatte. Indessen drängte die Zeit, denn Ivos Hauptschuld war fällig, und er hatte seine Ehre verpfändet, und so ersparte die Notwendigkeit eines schnellen Entschlusses ihnen die Verzweiflung, die sie überfallen hätte, wenn sie sich länger hätten bedenken können, und es blieb kein weiterer Ausweg, als daß sich Ivo an den Wucherer seines Vaters wendete, da dieser die Verhältnisse am besten kannte und deshalb am leichtesten geneigt sein mußte zur Aushilfe. Was dann weiter geschehen sollte, insbesondere mit dem Vater, und wie Ivo die Ordnung und Verwaltung der Geschäfte in die Hand nehmen würde, das mußte man nachher bedenken.

Eine kurze Zeit war noch bis zur Abfahrt des Wagens für den Zug, den Ivo benutzen mußte. Er trat zu seiner Schwester, und sein Gesicht, das gestern noch leichtfertige und leere Züge aufgewiesen hatte, erschien gealtert und männlicher geworden, und indem er ihre Hand erfaßte, sprach er zu ihr in einem neuen und tiefen Ton, den sie bis dahin nicht von ihm gehört.

»Liebe Schwester, wir sind die Letzten von einem alten Geschlecht, zu dem viele Menschen durch Jahrhunderte aufgesehen haben. Nun gehe ich einen schweren Weg, denn ich weiß nicht, ob ich bekommen werde, was ich suche; bekomme ich es aber nicht, so muß ich sterben, denn wenigstens liegt mir das ob, zu achten, daß unser Name nicht in Unehren erlischt. Du bleibst dann allein zurück, aber ich habe um dich keine Sorgen, denn du wirst schon eine Stelle für dich finden in der Welt; das sehe ich jetzt mit ruhigen Augen, denn seit mir offenkundig geworden ist, vor welcher Entscheidung und Ernsthaftigkeit ich stehe, habe ich plötzlich einen neuen Blick bekommen, Leben und Menschen zu betrachten, über die ich vorher gar nicht nachgedacht. Ich weiß, daß mein Bruder meinte, unsers verfehlten Lebens Ursache seien unsre Eltern, und ich selbst habe wohl dieser Meinung beigepflichtet in Stunden, wo das Gewissen mich mahnen wollte; aber dabei wußte ich doch, immer im Herzen, daß ich nur eine schlechte Ausflucht meiner Angst suchte, und im Innern wußte ich mit großer Furcht, meines verfehlten Lebens Ursache sei ich selbst, denn ich gab mich hin an schlechte Menschen und war gedankenlos und überlegte nicht meiner Schritte Folgen, und alles, was ich tat, verstrickte mich immer mehr in das Netz, dessen Maschen mich nun so eng umschnüren; und schon daraus, daß ich bisher immer mehr gefesselt wurde, würde ich annehmen, wie auf die Stimme eines Dämons hörend, daß mein Suchen vergeblich sein wird und meines Lebens Ende unabwendbar nahe ist. Nicht wenig aber hat die heimliche Gewissensangst selber zu meiner Verstrickung beigetragen, denn sie selbst machte blind, und gleicherweise das Streben, ihr zu entgehen, indem ich sie mir leugnete, machte blind. Nun aber, in dieser Nacht der Verzweiflung, habe ich ein neues Licht gesehen, und ich weiß nun, daß niemand eine Schuld hat, nicht meine Eltern und nicht ich, sondern wir sind getrieben durch eine Macht zu dem Ende, das sie gewollt hat, und ich glaube, daß ihr Wille gut und nützlich ist. Denn wenn die Macht den Willen hat, daß einer ins Licht kommen soll und sein Geschlecht in die Höhe führen, so ist der pflichtlos und heiter, sorgt nicht und ringt nicht, und ohne sein Zutun wächst er, wie der Baum wächst, hoch wird und breit, und seine Form ist ebenmäßig; aber wer ringt, und wessen Gewissen kämpft, und wer will, und wessen Verstand ein Ziel sieht, der ist ein Mensch, der zerfällt, denn er hat sein Band nicht mehr, und was er auch tut, das gereicht ihm alles zum Unsegen; und zum schlimmsten Unsegen gereicht es ihm, wenn sein Gewissen ein eifriger Mahner ist. Den andern aber treibt es ruhig und in Kraft zur Höhe, durch kluge Handlungen und törichte, und durch gute Taten und schlechte. Und nun ist das sonderbarste, daß mir jetzt plötzlich die Fähigkeit geworden ist, durch meinen Blick die Menschen zu unterscheiden, ob sie von dieser Art sind oder von jener; denn zwar hat unsre gegenwärtige Weise des Lebens die Kraft, die Menschen stärker zu zersetzen und aufzulösen wie frühere Zeiten, und so entgehen auch die zum Glück Bestimmten nicht solchen Jahren, wo es scheint, als haben sie ihr Band nicht mehr, und ihre Gedanken klagen einander an, und ihre Handlungen scheinen keinen guten Ausgang zu haben, aber dennoch kann ich diese Guten deutlich unterscheiden von den Geringen; und indem ich die Augen schließe, sehe ich deutlich vor mir, wie meine Freunde und Bekannten sich teilen in die beiden Lager. Diese Worte wollte ich dir hinterlassen zu einer Erinnerung an mich, und auch als einen Trost, wenn du über mein Schicksal bekümmert sein solltest, was ich zwar nicht denke, denn ich habe dir nichts erwiesen, aus dem du eine Liebe gegen mich hättest schöpfen können, und nun ist es ja für solches zu spät. Aber denke nur, daß ich ohne Bekümmernis und in Ruhe den Pfad schreite, der mir vorgeschrieben ist.«

Nach dieser Rede ging Ivo und machte denselben Weg, den sein Vater gemacht zwei Tage vorher; aber wie er vorausgesehen, hatte sein Suchen nach Geld keinen Erfolg. Und so kam die Kunde in die Heimat, daß der zweite Sohn seinem Leben selbst ein Ende gemacht habe, und mit dieser Kunde kam eine verwirrte Erzählung von einem Mädchen, die zu derselben Zeit in den Tod gegangen sei. Das war ein blutjunges Wesen, das kaum zur Jungfrau herangereift war, die wohnte mit ihrer Mutter in einem kleinen Stübchen, das ein schräges Dach hatte und ein einziges Mansardenfenster, aus dem man über die Dächer und in den rauchverhängten Himmel der Großstadt sah. Zwei weiß bezogene Betten, ein ärmlicher Tisch und zwei schlechte Stühle waren in dem Kämmerchen, und ein herrlicher großer Spiegel aus geschliffenem Glas in kunstvollem Glasrahmen aus Venedig, der das Licht tausendfach widerblitzte.

Die Kleine war eine Schauspielerin, die zu einem großen Theater gehörte, aber wegen ihrer Jugend, und weil sie sich auf der Bühne befangen und eckig zeigte, erhielt sie keine großen Rollen, sondern wurde immer nur zu ganz unbedeutenden Nebenfiguren verwendet, und meistens zu Dienstboten, wo sie dann einige unwichtige Worte zu sprechen hatte. Es lebte aber eine große Sehnsucht in ihr nach der Kunst, und es berauschte sie, wenn sie an die Lampen dachte und an den dunkeln Zuschauerraum, und an eine Leidenschaft, die ihr das Herz überfließend machte, daß sie hätte die Arme öffnen mögen, und an den schönen Klang voller und tiefer Worte. Deshalb lernte sie eifrig für sich und studierte, und wenn sie einen Abend frei hatte, so zündete sie Lichte an, daß der herrliche Spiegel blitzte und funkelte, und trat im Kostüm ihrer Rolle vor den Spiegel und spielte, was sie am meisten liebte, vornehmlich aber war das die Ophelia. Da trug sie ein weißes Kleid, das durch einen goldenen Gürtel gehalten wurde, und ihre gelben Locken flossen über ihren zarten Nacken. So stand sie vor dem blitzenden Spiegel und sprach:

»Da ist Rosmarin, das ist zur Erinnerung: ich bitte Euch, liebes Herz, gedenket meiner! Und das Vergißmeinnicht, das ist für Liebestreue. Da ist Fenchel für Euch und Akelei, da ist Raute für Euch, und hier ist welche für mich, wir können sie auch Reue, Gnadenkraut nennen – Ihr könnt Eure Raute mit einem Abzeichen tragen. Da ist Maßlieb – ich wollte Euch ein paar Veilchen geben, aber sie welkten alle, da mein Vater starb. Sie sagen, er nahm ein gutes Ende.«

Währenddem stand die alte Mutter in der Ecke, und Tränen des Glückes liefen über ihr blasses Gesicht, und sie freute sich der lieblichen und schön klingenden Stimme und der gelben Locken und zarten Gestalt. Und die Tochter umarmte sie, küßte sie und fragte: »Wann werde ich die Ophelia spielen dürfen? Meinst du, noch diese Spielzeit?« Und vor Sehnsucht und Glück weinte auch sie klare Tränen.

Und an dem Abend, da Ivo auf seiner einsamen Stube saß und an sie einen Brief schrieb voll schmerzlicher Worte des Abschiedes und der Sehnsucht nach Glück, und dann holte er seine Waffen hervor und machte sie bereit, da geschah es ihr, daß Hamlet gegeben wurde, und kurz vor dem Aufziehen des Vorhanges fiel die Darstellerin der Ophelia, die eine berühmte Künstlerin war, über einen vergessenen Bohrer, und verletzte sich den Fuß derart, daß sie nicht auftreten konnte, und wie der Inspizient und die Schauspieler in großer Verlegenheit standen, denn durch einen besonderen Zufall war die Darstellerin, der die Rolle sonst in der zweiten Besetzung anvertraut wurde, für den Abend krank gemeldet, da trat die Kleine mit klopfendem Herzen vor und bot sich an, und in der allgemeinen Kopflosigkeit nahm man ihr Anerbieten an, das in einem ruhigen Augenblick wohl lächelnd abgewiesen wäre. Und nun stellte sich die Kleine vor die Lampen und den dunkeln Zuschauerraum, im weißen Kleid mit dem goldenen Gürtel, wie sie so oft vor dem strahlenden Spiegel gestanden. Wie Laertes sie ermahnt: »Schlaf nicht, laß von dir hören«, antwortete sie in süßer Verwirrung ihr »Zweifelst du daran?« Und in drei Worten klang ihre Angst und Hoffnung, ihre Liebe und Furcht so wunderbar an die Ohren der Hörenden, daß alle zusammenzuckten, als in Ahnung des angeknüpften Unheils dieser lieblichen Gestalt; und in einem Nu war ein Faden gesponnen zwischen ihrem Munde und den Herzen der Zuschauer, den spürte sie immer stärker werden, wie sie dem Bruder ihre kindliche Ermahnung gibt und ihrem Vater antworten muß, bis zu dem »Ich will gehorchen, Herr«. Da war erst eine atemlose Stille, wie der Zwischenvorhang fiel, und ihr schien, als müßten alle ihre Herzschläge hören, und dann kam ein sonderbares Geräusch, das sie erst gar nicht verstand, wiewohl sie schon oft den Beifall für andre gehört hatte, und wie sie noch zweifelnd harrte, da ging der Vorhang wieder in die Höhe, und ihre Mitspieler führten sie mit dankbarer Verbeugung vor die Rampe. Dann sprachen andre mit ihr, und sie antwortete und fühlte, daß sie beglückwünscht wurde, und trat wieder auf, und das Stück hatte seinen Fortgang, und auch die Stelle sprach sie: »Da ist Rosmarin, das ist zur Erinnerung: ich bitte Euch, liebes Herz, gedenket meiner! Und da ist Vergißmeinnicht, das ist für Liebestreue.«

Schwankend und mit unsicheren Schritten ging sie nach Hause, wo ihre Mutter sie erwartete, die noch nichts ahnte, und wie sie in das helle Kämmerchen trat, wo das dürftige Abendbrot auf dem Tische stand und die Mutter fleißig an einem Kleid für sie nähte, da konnte sie sich zuerst gar nicht verständlich machen, aber die Mutter erriet schon und jubelte, und eine Lustigkeit kam ihr über das verhärmte Gesicht, und sie wurde beweglich und geschwätzig als eine alte Schauspielerin, die freilich nie zum Höheren gekommen war, und indes die Tochter munter aß, erzählte sie alte Bühnengeschichten und die Legenden, wie diese entdeckt war und jener seinen ersten Erfolg gehabt hatte, fragte dazwischen und beantwortete selbst ihre Fragen, und hatte endlich in allem ein so wunderliches Wesen, daß die Tochter zuletzt in ein lautes und herzliches Lachen ausbrechen mußte.

Erst spät gingen die beiden schlafen unter vielen Plänen und Hoffnungen, und früher wie sonst wachten sie wieder auf, wie die helle Wintersonne auf die gefrorenen Fensterscheiben schien. Lachend vor Kälte sprang sie aus dem Bett, heizte schnell den kleinen Eisenofen an und kroch wieder in das warme Lager, um noch in behaglichen Gesprächen abzuwarten, bis das Stübchen sich erwärmte und das dicke Eis des Fensters abtaute. Dann erhoben sich die beiden, kleideten sich an und bereiteten sich das Frühstück; wie sie sich setzen wollten, klingelte der Briefträger, sie kam jubelnd zurück; da war ein Brief von Ivo, der war gewiß gestern im Theater gewesen und hatte gleich geschrieben.

Aber wie sie den Brief aufgerissen hatte, wurde sie totenblaß; hastig kleidete sie sich für die Straße an und eilte in Ivos Wohnung. Da standen schon Neugierige auf der Straße, und Schutzleute bewachten den Eingang des Zimmers, damit nicht Unberufene eindringen sollten, aber durch ihren Anblick wurden sie bestürzt und ließen sie durch. Da lag Ivo auf dem Fußboden, unentstellt, denn seine Kugel hatte gut getroffen, und nur die Tischdecke war ein wenig verschoben. Der Pistolenkasten stand auf dem Schreibtisch; sie nahm die andre Waffe heraus, ehe den Schutzleuten ihre Bewegung klar wurde, und indem sie gegen sich abdrückte, fiel sie neben ihrem Geliebten zur Erde.

Wie die Unglücksfälle über die gräfliche Familie hereinbrachen, bemühten sich bereitwillige Verwandte um Hilfe. Ein Vetter erschien, ein älterer und unverheirateter Mann, der als ein Sonderling galt, der ordnete, was zunächst notwendig war, denn die junge Gräfin Maria war zu unerfahren, und die alten Herrschaften schienen beide ihrer Sinne nicht mehr ganz mächtig zu sein. Deren Schicksal war nun bestimmt und unabänderlich, und so bemühte sich der Vetter vornehmlich, für die junge Dame etwas auszudenken.

In der ersten Zeit erschien die recht verschlossen und ohne Teilnahme für irgend etwas, bis an einem Abend der Vetter im Ärger aus sich herausging und sie schalt, daß sie wohl auch nur so sei wie alle, die etwas musizieren, etwas malen, englische Romane lesen und Konversation machen. Auf die Vorwürfe erwiderte sie, daß sie gar keine besonderen Talente gehabt habe und wohl gern die Hauswirtschaft geleitet hätte, aber das habe sie nicht gedurft; aber wenn es möglich sei, daß sie etwas nach ihrem Willen tun dürfe, so möchte sie wohl Krankenpflegerin werden. Hierüber wurde der Verwandte recht erstaunt und fragte sie, ob sie denn fromm sei; das verneinte sie und sagte, sie habe vieles gelesen, und wenn sie sich auch kein Urteil anmaßen wolle, so müsse sie doch sagen, daß sie nicht kirchengläubig sei; und wie der Verwandte weiter forschte, stellte sich heraus, daß sie gänzlich atheistisch gesinnt war, und wollte aber Menschen nützlich sein und eine Beschäftigung haben, die sie befriedigte.

Da wurde der Verwandte gerührt und erzählte, daß er als junger Mann eine große Neigung zur Medizin gehabt, und weil das damals nicht als standesgemäß gegolten, ein solches Studium zu beginnen, so habe er sich von seiner Neigung abwenden lassen; dadurch aber habe er sein Leben eigentlich zugrunde gerichtet, denn indem er zu dem andern, das er nun wirklich getrieben, keine innere Neigung gehabt, sei er nie zu Befriedigung und rechter Arbeit gekommen. Deshalb, weil er selbst das durchgemacht habe, wolle er ihr helfen bei ihrem Vorhaben, und es freue ihn, daß sie ihrem jetzigen Leben entsagen wolle, denn das Leben der Vornehmen werde im Grunde doch nur durch die Furcht vor den Leuten bestimmt, die trotzdem nicht so schlimme Dinge verhüten könne, wie sie eben mit Vater und Brüdern durchgemacht. Nach solchen Worten schloß er sie in seine Arme und küßte sie auf die Stirn; und dann ermahnte er sie nochmals, sie solle bei ihrem Mute verharren, denn der komme aus einem guten Gewissen; und wenn Ängstliche ihr vorstellen würden, daß es ihre natürliche Pflicht sei, daß sie ihre Eltern pflege, so solle sie nicht darauf hören, sondern solle ruhig tun, was sie sich vorgenommen.

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