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Der Schatz der Inkas

Karl May: Der Schatz der Inkas - Kapitel 35
Quellenangabe
pfad/may/sendado2/sendado2.xml
typefiction
authorKarl May
titleLopez Jordan
publisherDeutscher Hausschatz in Wort und Bild
booktitleEl Sendador
firstpub 1890/1891
correctorreuters@abc.de
senderwww.karl-may-gesellschaft.de
created20090708
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34. Fortsetzung

»Das will ich wohl gern tun, zweifle aber sehr daran, daß sich ein so prachtvoller Gedanke einstellen werde. Daß die Feinde uns einzeln in die Hände laufen, so daß wir sie nur willkommen zu heißen brauchen, das wäre mir freilich das allerliebste!«

»Vielleicht ist's möglich zu machen.«

»Nie! Sie mögen ja manches erlebt haben, aber dieses Land und diese Verhältnisse kennen Sie nicht!«

»Das ist sehr richtig. Aber wenn Sie mich jetzt umherführen wollen, so lerne ich sie kennen.«

»Wir können sofort aufbrechen, wenn Sie das wünschen. Während wir unsere Wanderung vornehmen, kann Unica den Tisch für Sie bereiten, an den wir bis jetzt noch nicht denken konnten. Sie werden nicht nur ermüdet, sondern hungrig sein. Bitte, kommen Sie!«

Wir leerten unsere Gläser und mußten uns Zigarren einstecken. Dann verließen wir die Laube, um uns aus dem Garten in die Wohnung zu begeben. Wir gingen denselben Weg, den wir gekommen waren, Unica voran und der Alte hinterher. Er war in der Totenkopfstube für einen Augenblick zurückgeblieben. Als wir an den Eingang kamen und Unica die Türe geöffnet hatte, sah ich, daß er einen dunkeln, breitrandigen Sombrero auf hatte. Dieser Hut war vorher nicht im Zimmer gewesen; daraus schloß ich, daß sich neben demselben noch ein anderes befinde, dessen Türe uns nicht sichtbar gewesen war.

Unica schritt mit der Sicherheit der Gewohnheit über den Ast hinüber, faltete drüben den Saum ihres Gewandes fest zusammen und turnte sich mit großer Gewandtheit von Ast zu Ast bis zum Erdboden hinab, wo sie sich sofort entfernte, ohne auf uns zu warten. Als auch wir unten angekommen waren, sagte der Alte:

»Das Dorf besichtigen wir zuletzt. Jetzt will ich Sie zunächst nach dem See führen.«

Wir kamen an die Stelle, wo ich vorher mit Pena am Wasser gestanden hatte, um die Lagune zu überblicken. Von da aus gingen wir nach links weiter, immer am Ufer hin. Der Wald reichte überall bis an das Wasser, so daß wir uns unausgesetzt unter seinem Laubdache befanden. Nach einiger Zeit lag das Ufer plötzlich in einem fast rechten Winkel links ab und kehrte in einem weiten Bogen nach seiner vorherigen Richtung zurück. Dadurch bildete die Lagune einen Busen, in welchem eine ziemlich große Insel lag, die wir, als wir nach unserer Ankunft das Wasser erreichten, für Uferland gehalten hatten. Auch sie war mit Bäumen bestanden. Hinter ihr folgten noch mehrere, aber kleinere Inseln, welche näher am Ufer lagen als die erstere.

Unser Weg wurde jetzt schmal und bildete einen kurzen, brückenartigen Bogen, bei welchem linker Hand der Boden plötzlich abwärts stieg und eine Senkung bildete, die sich fernhin zwischen den Bäumen hindurch weiter zog.

»Das ist der Graben,« erklärte der Alte, »und wir stehen auf dem verdeckten Kanal, durch den er aus der Lagune gespeist wird. Später werden sie das besser sehen.«

Wir waren noch nicht viel weiter gekommen, als die Bäume aus einander traten, und wir nun einen weiten Platz vor uns liegen sahen, auf welchem zahlreiche, verschiedengestaltete Hütten standen, zwischen denen sich regsame Menschen bewegten. Eben jetzt war von dorther der Klang einer Trommel zu hören.

»Das ist das Dorf,« erklärte der Alte.

»Und warum trommelt man?« fragte ich.

»Der Befehl dazu wurde jedenfalls von Unica gegeben. Sie versammelt die Leute, um ihnen mitzuteilen, daß sie überfallen werden sollen. Bei dieser Gelegenheit wird sie auch Ihre Anwesenheit erwähnen, und Sie werden sich eines höchst feierlichen Empfanges zu erfreuen haben.«

Bei diesen Worten ging ein leichtes, halb spöttisches und halb zufriedenes Lächeln über sein Gesicht. Dann fuhr er fort:

»Jetzt fahren wir nach der Insel. Die müssen Sie sehen.«

Es lagen mehrere größere und kleinere Boote am Ufer. Wir sprangen in eines der letzteren. Pena und ich griffen zu den Rudern und hielten auf die Insel zu, welche vielleicht fünf Minuten lang und halb so breit war. Wir sahen weder Menschen noch Tiere auf derselben. Am Ostrande standen schattige Bäume. Wo dieselben aufhörten, begannen Felder, welche von den Erfolgen des viejo Desierto zeug ten. Dieser führte uns nach den Bäumen. Dort erblickten wir, unter den hohen Wipfeln derselben liegend, ein Gebäude, welches aus Ziegeln errichtet und mit Schilf gedeckt war. Aus seinem Firste stieg ein Kreuz empor, und über der Türe waren in dunklen Buchstaben auf Kalkgrund die Worte Soli Deo Gloria zu lesen.

»Die Kirche,« erklärte der Alte.

»Wer ist der Priester?« fragte ich.

»Wir haben natürlich keinen,« antwortete er. »Die Gemeinde versammelt sich hier, und ich übersetze ein Evangelium oder eine Epistel und lese aus der Postille eine Erklärung. Der gute Wille ist für die Tat zu nehmen.«

Er zeigte uns die kleinen Felder, welche besser Gärten zu nennen waren; dann fuhren wir nach der nächsten Insel. Dort und auf den anderen weideten Pferde und Rinder.

»Pferde im Chaco sind selten,« sagte er. »Sie gehen auch leicht an der Moskitoplage zu Grunde. Wir wohnen aber in einer Gegend, wo es viel offenes Land, Sand- oder Grasflächen gibt, und da sind Pferde von großem Nutzen. Die Tiere geben meinen Leuten eine bedeutende Überlegenheit gegen die anderen roten Stämme.«

Nun kehrten wir an das Ufer zurück und schritten dem Dorfe zu. Als wir aus dem Boote stiegen, hatte ich einen kleinen, rotbraunen Buben gar nicht beachtet, welcher dort gestanden hatte. Jetzt rannte er, was die Beine nur hergaben, dem Dorf zu und schrie dabei auf eine so entsetzliche Weise, daß es mir bange um das Kerlchen wurde.

»Was hat der Kleine?« fragte ich. »Hat er solche Angst vor uns?«

»O nein,« antwortete der Desierto. »Er ist der Posten, welcher ausgesandt wurde, Ihre Ankunft der Festungskommandantin Unica zu melden. Sie werden eine großartige Parade sehen.«

Er sagte das mit einem Behagen, welches seinem sonst so finsterm Gesichte einen wirklich rührenden Ausdruck gab.

Die ersten Häuser des Dorfes bildeten eine breite Straße. Die Gebäude waren aus Holz, Lehm und Ziegeln errichtet und meist mit Schilf gedeckt. Sie hatten ein sauberes Aussehen. Es gab kein einziges, neben, vor oder hinter welchem nicht ein Gärtchen gelegen hätte. Menschen waren nicht zu sehen. Dieser Umstand erklärte sich sehr bald, als die Häuser weiter aus einander traten und eine Art Ring oder Marktplatz bildeten. Dort war nämlich alles versammelt, was in dem Dorfe lebte und webte. Es waren lauter Frauen, Mädchen und Kinder. Die Männer waren auf dem Kriegszuge abwesend. Einige Greise erblickte ich, welche zu alt und schwach waren, um an demselben teilnehmen zu können.

Alle Personen, welche da standen, wo wir vorüber kamen, verbeugten sich und sagten einen Gruß, den ich nicht verstand. Auf der Mitte des Platzes standen – – zwei Bataillone Militär, Fußtruppen! Das erste Bataillon, welches auch das erste Treffen bildete, bestand aus dreißig kräftigen Indianern, welche in zwei Gliedern standen und ihre Gewehre am Fuße hatten. Der Flügelmann aber trug das Seinige umgehängt, weil er die Hände zur Bedienung der Trommel brauchte, welche an seinem Gürtel befestigt war. Sie bestand aus einem Kessel, welcher mit Fell überzogen war.

Das zweite Bataillon war Dameninfanterie und viel stärker als das erstere. Auch diese Amazonen standen in zwei Gliedern, die Köcher hinten, die Blas Rohre in der Rechten und die Bogen in der linken niedergesunkenen Hand.

Vor diesen beiden taktischen Körpern stand Unica mit umgehängtem Gewehre und einem Blasrohre in der Rechten. Als sie glaubte, daß wir nahe genug seien, schwang sie das Rohr, und der Trommler begann zu wirbeln, was er nur wirbeln konnten. Dann rief die Kommandantin ein lautes Kommandowort, auf welches die Gewehre, Blasrohre und Bogen präsentiert wurden. Dabei schrieen die Truppen ein Wort oder zwei, deren Bedeutung mir höchst unklar war. Der Alte sah es mir an und fragte mich:

»Verstehen Sie, was sie schreien?«

»Nein.«

»Ich kenne die Sprachwerkzeuge meiner Roten und verstehe also die Worte. Unica hat sie ihnen einige Male vorgesagt, wie ich vermute, und zwar Ihnen zu Ehren, und nun schreit sie jeder und jede, wie es eben gelingen will. Es soll heißen: ›Deutschland hoch!‹ Hören Sie es nun heraus?«

Die Rotte Korah brüllte noch immer ohne Aufhören. Eine der Silben klang beinahe wie ›hoch‹, aber wehe dem armen ›Deutschland‹; was war aus ihm geworden! Kein einziger dieser Soldaten, und keine einzige der Amazonen konnte das Wort richtig aussprechen, und je länger sie schrieen, desto mehr veränderten sie es. Der Doppellaut eu und die Vokale a und o blieben, aber die Konsonanten wurden in die so schwer auszusprechenden indianischen Gaumenlaute verwandelt. Die Zuschauer hielten es für ihre Pflicht, in die Ovation einzustimmen, und endlich heulte die ganze Menge, wobei die Schreier während der Pausen, in denen sie Atem holen mußten, so selbstgefällig fragende Blicke auf uns warfen, als ob sie sagen wollten: »Hört ihr es, wie vortrefflich wir mit eurer Sprache umzugehen verstehen!«

Wir traten zu Unica, um ihr zu danken, und sie gab ein Zeichen, worauf das Gebrüll augenblicklich verstummte.

»Soll ich exerzieren lassen?« fragte sie.

»Ja, bitte!« antwortete ich, um sie nicht zu betrüben, denn sie freute sich gewiß darauf, uns zu zeigen, was ihre Truppen leisten konnten.

Sie ließ rechts, links und auch ganz kehrt machen und dann marschieren. Die Truppen befleißigten sich des Gleichschritts, aber wenn der Erfinder desselben, der ›alte Dessauer‹ jetzt neben uns gestanden hätte, so wäre er ob dieses so verschiedenen Trampelns ein wenig oder auch ganz aus der Haut gefahren. Endlich standen die Bataillone wieder in der alten Ordnung und ich lobte die prächtigen Evolutionen.

Nun wollte uns der Alte den Graben zeigen, und wir stiegen in denselben hinab. Der natürliche Teil desselben war mit Bäumen bestanden; am künstlich ausgeworfenen standen sie bis an das Ufer heran. Wir schritten da unten weiter, wohl drei Viertelstunden lang, rund um das Dorf; bis wir an die Schleuse kamen und in das Dorf zurückkehrten.

An dem großen Platze desselben, worauf vorhin exerziert worden war, stand ein nach den hiesigen Verhältnissen allerliebstes Häuschen, welches für Unica nach der Anweisung des Alten gebaut worden war. Darin residierte sie mit ihrem Hofstaate, und vor der Türe desselben war für uns gedeckt.

Das heißt nämlich auf einem langen, roh gezimmerten Tische standen große, tönerne Schalen mit riesigen, dampfenden Fleischmassen, und auf kleineren Schalen gab es Früchte und allerlei Gemüse, welches gar nicht übel zubereitet war. Gabeln und Löffel waren nicht vorhanden; ein Messer hatte jeder mit. Die Stühle bestanden aus Holzteilen, welche durch Lederriemen fest verbunden waren.

Wir nahmen Platz und ließen es uns schmecken, während die sehr loyale Bevölkerung uns zusah. Dabei patrouillierte die Leibgarde gravitätisch auf und ab. Der Tambour ließ seine Künste hören, und bald gesellten sich noch andere Jünger der edlen Musika zu ihm, welche ein Konzert aufführten, bei welchem mir gewiß die Zähne locker geworden wären, wenn ich ihnen Zeit dazu gelassen hätte.

Das Publikum wollte sehen, wie wir aßen. Es drängte sich herbei, bis nahe zum Tisch heran. Zuweilen rief die Königin irgend einen kleinen Liebling zu sich, um ihm einen Bissen in den Mund zu schieben. Ich folgte diesem Beispiele und hatte sehr bald auf jedem Knie ein rotes Knirpslein hocken, welche beiden hoffnungsvollen Zappelmänner sich solche Fleischstücke in den Mund steckten, daß zwar nicht ihnen, desto mehr aber mir vor Angst der Atem verging.

Die Leute hatten gehört, daß ihnen ein feindlicher Überfall drohe. Europäer wären da viel zu ängstlich und voller Sorge gewesen, als daß sie es über sich gebracht hätten, hier so ruhig zuzuschauen. Die Tobas aber hielten sich so unbefangen, als ob sie von dem gegen sie geplanten Angriffe gar nichts wüßten. So können nur Indianer sein.

Der viejo Desierto hatte lange Jahre bei ihnen gewohnt, vermochte es aber doch nicht, seine Abstammung zu verleugnen. Er war voller Unruhe und konnte es kaum erwarten, bis das Essen zu Ende ging. Dann aber ließ er den Leuten wissen, daß jetzt Beratung gehalten werden solle. Die Zuschauer zogen sich sofort zurück; die Musikinstrumente schwiegen, und es trat eine Ruhe ein, als ob das ganze Dorf ausgestorben sei.

Eine Beratung in deutscher Sprache hatte es hier jedenfalls noch nie gegeben. Es war mir trotz der fremdartigen Umgebung so zu Mute, als ob ich mich daheim befinde.

»Sie haben nun die Inseln und das Dorf gesehen,« sagte der Alte. »Sie hofften, daß Ihnen dann ein Gedanke kommen werde. Ist er da?«

»Ja,« nickte ich. »Es bleibt, wie ich sagte, daß die Feinde uns einzeln in die Hände laufen.«

»Herr, Ihr Wort in allen Ehren, aber das ist unmöglich!«

»Es ist sogar ziemlich leicht. Wenn Pena meiner Meinung ist, hoffe ich zuversichtlich, daß es gelingen werde.«

»Ich?« fragte der Genannte. »Natürlich bin ich Ihrer Meinung!«

»Langsam! Sie sollen eine gefährliche Rolle dabei spielen!«

»Das wird man gewohnt. Hier zu Lande ist eben alles gefährlich. Machen denn Sie selbst mit?«

»Ja.«

»Nun, da dürfen Sie ja nicht denken, daß ich zurückbleibe. Dabei hoffe ich aber, daß die Rolle, welche Sie mir zugedacht haben, mich nicht von Ihnen trennt.«

»Sie bleiben an meiner Seite und teilen mein Los, mag geschehen, was da wolle.«

»So bin ich befriedigt. Sagen Sie nur, was geschehen soll!«

»Nun, die Sache ist eigentlich einfach,« erklärte ich. »Sie gehen hinüber nach der großen Insel und legen sich mit Ihren dreißig Männern unter die Bäume, nahe an das Ufer; ich aber bringe Ihnen die Mbocovis hinüber, immer fünf oder sechs auf einmal, und Pena hilft mir dabei. Sie haben nichts zu tun, als sie zu empfangen und festzunehmen.«

Der Alte starrte mich an, ob ich das im Ernste sage. Er schien gar nicht zu wissen, wie er meine Worte aufnehmen solle. Endlich rief er aus:

»Die Mbocovis werden sich hüten, sich so auf die Insel liefern zu lassen!«

»Warum nicht!« sagte Pena. »Sie wissen ja noch gar nicht, wie er es anfangen will!«

»Mag er es immer wie anfangen; sie machen nicht mit. Und warum gerade nach der Insel? Warum nicht hierher?«

»Weil ich einen Grund haben muß, sie zu teilen,« antwortete ich. »Hierher können sie zugleich kommen, alle mit einander. Wenn sie aber nach der Insel müssen und es ist nur ein einziges, kleines Boot dazu da, so müssen sie sich teilen und werden in Folge dessen leichter überwältigt.«

»Aber wie wollen Sie sie denn auf den Gedanken bringen, gerade nach der Insel zu fahren?«

»Ich sage ihnen, daß Sie sich drüben befinden. Sie haben doch gehört, daß es zumeist auf Ihre Person und Ihren Besitz abgesehen ist.«

»So! Daß ich drüben bin? Und das wollen Sie ihnen sagen? Sie haben also die Absicht, mit ihnen zu sprechen?«

»Wie Sie hören! Wir haben doch eingesehen, daß es keinen Kampf geben kann, der nicht uns selbst auch Opfer bringt. Um diese zu vermeiden und um den ›Schwiegersohn‹ in unsere Hände zu bekommen, müssen wir zur List greifen, die einzig und allein darin besteht, daß wir die Feinde zu trennen suchen, um sie einzeln festnehmen zu können, und daß wir jeden Kampf mit ihnen vermeiden. Überfallen sie das Dorf, so können sie beisammen bleiben und es wird unbedingt zum Kampfe kommen. Müssen sie aber auf die Insel, so können sie nur einzeln oder vielmehr in kleinen Gruppen hinüber. Begreifen Sie mich?«

»Ja doch! Aber wie wollen Sie ihnen das mit der Insel plausibel machen?«

»Ich sage ihnen, daß Sie alle sich auf diese Eilande begeben haben.«

»Was können wir für einen Grund dazu haben?«

»Sie sollen überfallen werden und zwar von den Chiriguanos.«

»Ah, gegen welche meine Leute jetzt gezogen sind! Aber ich kann Ihren Plan doch nicht durchschauen.«

»Er ist sehr durchsichtig, weil einfach. Hören Sie! Pena und ich sind Cascarilleros. Wir Sind zu Ihnen gekommen und haben uns mit Ihnen verfeindet. Sie haben uns festgenommen, um uns zu züchtigen. Dabei sind wir von ihren Tobas vollständig ausgeraubt worden.«

»Warum denn das?«

»Weil wir, um Glauben und Vertrauen zu finden, so tun müssen, als ob wir Ihre Feinde seien und einen großen Haß auf Sie geworfen hätten.«

»Ah so! Weiter.«

»Sie haben uns hier eingesperrt und außerordentlich schlecht behandelt. Inzwischen sind Ihre Leute gegen die Chiriguanos gezogen, von diesen aber geschlagen worden. Ein Bote ist heute gekommen und hat Ihnen das gesagt. Er hat Ihnen auch gemeldet, daß die Chiriguanos nun ihrerseits kommen, um Sie zu überfallen und sich zu rächen. Um sich zu retten, haben Sie mit sämtlichen Bewohnern das Dorf verlassen und sich auf die Inseln geflüchtet. Verstehen Sie nun bald?«

»Jawohl! Sie wollen die Mbocovis nach der Insel locken und müssen ihnen also diese Geschichte erzählen.«

»Das wird nicht nur erzählt, sondern auch getan!«

»Warum?«

»Erstens können die Männer auf den Gedanken kommen, sich zu überzeugen, ob die Geschichte wahr ist, und zweitens wird der ›Schwiegersohn‹ sich gewiß herbeischleichen, um zu rekognoszieren. Er muß sehen, daß Sie nach den Inseln hinüberziehen!«

»Hm! Viel Arbeit!«

»Das müssen Sie mit in den Kauf nehmen. Bei diesem Umzuge und da Sie nicht wissen, wie die Sache ablaufen kann, sind wir beide, Ihre Gefangenen, Ihnen im Wege. Darum geben Sie uns die Freiheit, behalten aber alles, was Sie uns abgenommen haben. Sie lassen uns sogar durch einige Ihrer Leute aus dem Dorfe und eine Strecke fortbringen. Es schadet gar nichts, wenn uns einer dabei einen Hieb versetzt. Wir armen, ausgeraubten Teufels wandern nun mißmutig und voller Wut auf Sie fort und treffen dabei auf die Mbocovis.«

»Alle Wetter! Jetzt begreife ich Sie!« rief der Alte. »Der Plan ist kostbar. Sie wollen sich den Leuten anschließen und ihnen helfen, sich an mir zu rächen?«

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