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Der Schatz der Inkas

Karl May: Der Schatz der Inkas - Kapitel 28
Quellenangabe
pfad/may/sendado2/sendado2.xml
typefiction
authorKarl May
titleLopez Jordan
publisherDeutscher Hausschatz in Wort und Bild
booktitleEl Sendador
firstpub 1890/1891
correctorreuters@abc.de
senderwww.karl-may-gesellschaft.de
created20090708
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27. Fortsetzung

Die Fährte ging geradeaus, wie mit der Schnur gezogen. Das mußte uns jetzt sehr lieb sein, da dieser Umstand es uns ermöglichte, die Indianer schon aus bedeutender Entfernung zu erblicken. Ich wollte den hinter mir herschreitenden Pena auf diesen Vorteil aufmerksam machen, warf ihm daher einige Worte zu, ohne mich umzusehen, und erhielt eine Antwort, welche ich nicht verstehen konnte. Ich fragte, was er gesagt habe, und verstand auch die nachfolgenden Worte so wenig, daß ich mich nun nach ihm umblickte. Fast hätte ich laut aufgelacht. Der gute Mann hatte den Mund so voll stecken, daß er allerdings nicht deutlich zu sprechen vermochte. Er kaute, als ob es sich um Tod oder Leben handle.

»Machen Sie es wie ich!« sagte er. »Schneiden Sie Ihren Nasenbären auch an!«

»Danke! Habe keine Lust.«

Wir waren der Fährte, seit wir den Wald hinter uns hatten, vielleicht zwei Stunden lang gefolgt, als wir wieder einen dunklen Streifen hinter uns sahen.

»Das ist wieder Wald. Nicht?« fragte Pena.

»Wald, ja. Vielleicht ruhen die Roten dort unter den Bäumen aus. Sie haben einen Vorsprung von zwei Stunden vor uns, und länger macht kein Indianer Rast, wenn er sich auf einem Raub- und Kriegszug befindet.«

»Von zwei Stunden ist keine Rede mehr. Bedenken Sie, daß die Roten sich durch das hohe Gras Bahn brechen mußten und also nicht so schnell vorwärts kamen wie wir, die wir einen offenen Weg haben. Die zwei Stunden haben sich auf eine vermindert.«

»Meinen Sie?«

»Ja, man sieht es ja auch aus der Fährte.«

»Das ist gut! Wenn sie noch lagern, können wir sie beschleichen, um Gewißheit zu erhalten, woran wir mit ihnen sind. Also gehen wir weiter!«

Er wollte voranschreiten; ich faßte ihn am Arme und hielt ihn zurück.

»Halt, Sennor! Wollen Sie in einer halben Stunde tot sein? Sie laufen den Wilden gerade in die Hände!«

»Hm! Sie meinen, daß sie uns sehen?«

»Ja. Der Weg führt schnurgerade nach dem Walde. Wenn die Roten diesseits desselben sitzen, so müssen sie uns von weitem kommen sehen. Wenn wir nur dreihundert Schritte tun, sind wir von dort aus deutlich zu erkennen.«

»So wollen Sie wohl hier warten, bis wir annehmen können, daß sie fort sind?«

»Das fällt mir nicht ein. Wir müssen nach dem Walde, aber nicht auf die Fährte. Wir schlagen einen kurzen Bogen, um ihn an einer entfernten Stelle zu erreichen.«

»Da versäumen wir Zeit!«

»Lieber eine Viertelstunde verloren als das Leben!«

Ich wandte mich rechts, um einen Umweg zu machen, und er gab zu, daß ich recht hatte. Wir erreichten den Wald an einem Punkte, welcher nach meiner Schätzung vielleicht zehn Minuten von demjenigen entfernt lag, an welchem die Fährte auf die Bäume stieß.

Diese standen ziemlich weit aus einander, zwischen ihnen nur einige Büsche, so daß es gar keiner Anstrengung bedurfte, vorwärts zu kommen. Wir wendeten uns links, um die Fährte wieder zu erreichen, aber mit größter Vorsicht, da wir bei jedem Schritte vorwärts auf die Roten stoßen konnten. Jeden Baum als Deckung nehmend, kamen wir langsam weiter. Wir hatten schon über die Hälfte der Entfernung zurückgelegt, als wir Stimmen hörten.

»Sie sind noch da!« sagte Pena. »Jetzt heißt es, sich in acht nehmen! Wollen wir warten, bis sie fort sind, oder schleichen wir uns näher?«

»Das letztere. Ich muß wissen, wer sie sind! Legen Sie sich nieder, und kriechen Sie hinter mir her! Wir müssen es so einrichten, daß wir immer einen oder mehrere Stämme zwischen uns und ihnen haben. Da seitwärts rechts stehen einige Mimosenbüsche. Gelingt es uns, diese unbemerkt zu erreichen, so haben wir gewonnen.«

Wir schoben uns langsam dicht an der Erde hin und erreichten die Mimosen glücklich. Es galt, uns unter ihnen zu verbergen, was keine leichte Aufgabe war. Die Roten saßen nicht weiter als dreißig Schritte von diesem Gesträuch entfernt. Wenn wir die Zweige desselben bewegten, mußten sie es sehen. Dazu kam, daß die Mimosen außerordentlich stachelig waren. Aus diesen Gründen schoben wir uns nur Zoll um Zoll hinein, und es verging von dem Augenblicke, an welchem wir bei ihnen angelangt waren, gewiß fast eine halbe Stunde, bis wir unsern Zweck erreicht hatten. Wir staken so zwischen den engen, dichtbelaubten Büschen, daß wir keine Angst vor Entdeckung zu haben brauchten, falls die Roten nicht einen besonderen Grund fanden, ihre Aufmerksamkeit auf die Mimosen zu richten.

Auf dem Bauche liegend, schoben wir uns so weit vor, daß wir die Indianer sehen konnten. Es standen nur drei Bäume zwischen uns und ihnen, zwischen denen wir aber hindurchblicken konnten. Sie hatten ein Feuer brennen, und der Duft gebratenen Fleisches drang in unser Versteck.

»Ist das nicht ärgerlich?« flüsterte Pena mir zu. »Ich habe den Rüsselbären roh anbeißen müssen, und diese Wilden machen sich den saftigsten Braten!«

»Der Braten läßt mich sehr gleichgültig. Ich möchte wissen, zu welchem Stamme sie gehören.«

»Das ist schwer zu sagen.«

»Nun, Sie sind doch ein Kenner des Gran Chaco. Sie müssen also die einzelnen Völkerschaften desselben von einander unterscheiden können.«

»Das kann niemand! Denken Sie etwa, es ist so wie bei den Indianern Nordamerikas? Bei diesen hat freilich jeder Stamm seine besonderen Merkmale, seine eigene Kriegsfarbe. Hier aber ist das anders. Sehen Sie sich diese Kerle an! Wie sind sie gekleidet? Eine weiße Leinwand- oder Kalikohose und ein eben solches Hemd darüber, einen uralten Hut oder irgend einen ähnlichen Fetzen auf dem Kopfe. Sind das Unterscheidungsmerkmale?«

»Allerdings nicht. Wollen also wenigstens hören, was sie sprechen.«

»Ja, dann werde ich Ihnen freilich sagen können, zu welchem Stamme sie gehören. Horchen wir also!«

Die Roten schienen bei sehr guter Laune zu sein, denn sie sprachen sehr munter, aber nicht laut. Nur zuweilen ertönte ein Ruf der Freude oder der Verwunderung, und ein solcher war es gewesen, welchen wir gehört hatten und durch den wir auf sie aufmerksam geworden waren. Pena horchte lange. Interjektionen sind meist das Gemeingut sämtlicher Stämme; darum bilden sie kein Merkmal der Unterscheidung derselben.

Dann aber schien einer etwas zu erzählen, was ihn in Eifer versetzte. Er sprach darum vernehmlicher, als bisher geredet worden war, und da flüsterte Pena mir zu:

»Jetzt habe ich es; jetzt weiß ich es. Es sind Mbocovis.«

»Kennen Sie diesen Stamm?«

»Stamm darf man nicht sagen; es ist ein Volk, welches wieder in mehrere Stämme zerfällt. Ich befand mich vor fünf oder sechs Jahren mehrere Monate lang bei einem derselben, in dessen Gebiete vortreffliche Chinchonas Fieberrindenbäume standen. Der Wortschatz dieser Leute ist nicht bedeutend, und ich lernte in der Zeit, so kurz sie war, mich ganz gut ausdrücken; verstehen aber konnte ich sie noch viel besser.«

»Sie sollen das kriegerischste Volk des Gran Chaco sein?«

»Das ist wahr. Glücklicher Weise sind sie nicht zahlreich und schwinden eben dieses streitlustigen Charakters wegen schnell und immer mehr zusammen.«

»Auch las und hörte ich, daß sie ganz besondere Feinde der Tobas-Indianer seien?«

»Auch das ist richtig. Diese letzteren sind friedfertiger Natur und den Weißen freundlich gesinnt; es gibt sogar welche unter ihnen, die sich seßhaft gemacht haben und einen kleinen Acker bauen, nämlich was man hier so nennt. Aber wenn sie angegriffen werden, so stellen sie ihren Mann. Sie sind der schönste Schlag der Indianer, während die Mbocovis, welche wir vor uns haben, mehr verkommen aussehen. Sie – alle Teufel, wer kommt denn da?«

Er hatte seine Rede unterbrochen und stieß diese letzteren Verwunderungsworte hervor, weil von der uns entgegengesetzten Seite zwei Männer kamen und sich zu den anderen setzten. Der eine war ein Indianer, auch nicht besser gekleidet als die übrigen; aber er trug eine Art Federkrone auf dem Kopfe und eine Flinte in der Hand, während die, welche wir bisher gesehen hatten, nur mit Messern, Lanzen und den gefürchteten Blasrohren bewaffnet waren.

Der andere war ein Weißer, kurz, breit und sehr kräftig gebaut. Ein dichter, schwarzer Vollbart rahmte sein Gesicht ein, welches ein alter, abgerissener Sombrero beschattete. Auch er trug ein Schießgewehr in der Hand; die Griffe eines Messers und zweier Pistolen blickten aus der breiten, roten Schärpe, welche er als Gürtel um seine Hüften geschlungen hatte.

»Kennen Sie diesen Weißen?« fragte ich meinen Gefährten.

»Nein, aber seinen Begleiter. Ich habe ihn einmal in Paso de los Torros und das andere Mal in Cardozo gesehen. Es ist El Venenoso, der Häuptling der Mbocovis.«

»Diesen Namen habe ich noch nicht gehört.«

»Weil Sie noch nie hier gewesen sind. Hätten Sie sich nur eine Woche lang am Rio Salado befunden, so hätten Sie gewiß manches über diesen Mann erfahren.«

»EI Venenoso; das heißt zu deutsch doch wohl der Giftige?«

»Ja.«

»Verdient er diesen Namen?«

»Vollständig. Er ist der unversöhnlichste Feind der Weißen, weshalb es mich jetzt wundert, einen solchen in seiner Gesellschaft zu erblicken, und zugleich der größte Spitzbube des Gran Chaco. Blutdürstig wie ein Panther, hält er niemals Ruhe. Man kennt alle seine Taten; aber er ist so listig und verschlagen, so ungeheuer vorsichtig, daß ihm niemals etwas zu beweisen ist.«

»Besitzt er auch Tapferkeit?«

»Keine Spur. Legen Sie überhaupt den Maßstab eines Sioux oder Apachen nicht an die Indianer des Gran Chaco. Rauben und stehlen, auch morden können sie; aber der Gefahr weichen sie stets aus. Es ist ein verächtliches und verkommenes Geschlecht.«

Die Roten aßen jetzt. Wir sahen schweigend zu, bis sie fertig waren. Dann standen sie auf, griffen zu ihren Waffen, und marschierten fort, ohne sich die Mühe zu geben, das Feuer auszulöschen. Der Häuptling und der Weiße gingen an der Spitze.

»Sie brechen auf,« sagte Pena. »Gehen wir ihnen gleich nach?«

»Nein. Noch wissen wir nicht genau, ob sie wirklich fortgehen. Ich werde mich ihnen nachschleichen. Warten Sie hier, bis ich zurückkehre!«

Ich kroch unter dem Busche hervor und ging den Roten eine ganze Strecke nach, bis ich überzeugt war, daß sie wirklich den Weitermarsch angetreten hatten. Dann wendete ich mich wieder um. Pena steckte nicht etwa noch unter der Mimose, sondern er saß am Feuer. Er hatte dem Coati das Fell abgezogen, die Keulen desselben an einen Ast gespießt und hielt sie über das Feuer, um sie zu braten.

»Die Roten sind doch brave Leute!« lachte er. »Sie haben das Feuer nur deshalb nicht ausgelöscht, daß wir uns gleich an dasselbe setzen können. Sind sie fort?«

»Ja. Es wäre für Sie auch gar nicht gut, wenn sie noch da wären. Röstet dieser Mann ganz gemütlich seinen Asado, ohne überzeugt zu sein, ob sie zurückkehren oder nicht!«

»Der Hunger war größer als die Angst. Machen Sie es ebenso wie ich! Einen halben Coati für jetzt und die andere Hälfte für heute abend.«

»Wer weiß, ob wir heute abend zum Essen kommen! Ich muß wissen, wohin diese Mbocovis wollen; darum werden wir ihre Nähe aufsuchen, um sie besser zu belauschen als jetzt. Am Abend können wir uns ihnen weit unbesorgter nähern als am Tage. Vielleicht hören Sie etwas über die Absichten, welche sie verfolgen.«

»Wahrscheinlich! Aber wenn wir heute abend kein Feuer machen dürfen, so werde ich jetzt dafür sorgen, daß ich nicht zu hungern brauche. Ich brate also den ganzen Rüsselbären.«

Ich folgte seinem Beispiele. Nach Verlauf einer Stunde hatten wir gegessen und besaßen mehr als hinreichenden Vorrat für den Abend. Dann brachen wir wieder auf, um den Indianern zu folgen. Eigentlich hätten wir das gar nicht nötig gehabt. Wir wußten nun, woran wir waren, und brauchten uns, streng genommen, nicht weiter um sie zu bekümmern; aber sie gingen den Weg, den auch wir einschlagen mußten, und so waren wir unter allen Umständen gezwungen, uns auch weiter mit ihnen zu beschäftigen.

Ihre Spur war im Walde natürlich nicht so deutlich zu sehen wie draußen in der grasigen Pampa; aber sie war dennoch so leicht sichtbar, daß selbst einer, der nie in seinem Leben eine Fährte gelesen hat, nicht hätte irre werden können.

Dieses Mal besaß der Wald eine weit beträchtlichere Ausdehnung als vorher. Es ging fast drei Stunden lang in demselben fort, und er war leider nicht so licht und zugänglich wie zu Anfang. Es trat mehr und mehr Unterholz auf, welches dichter und immer dichter wurde. Uns freilich war es leicht geworden, hindurch zu kommen, denn die Roten hatten uns vortrefflich Bahn gebrochen. Aber wir durften das nicht benutzen, sondern mußten unsere Schritte zügeln, um nicht gar auf sie zu stoßen. Wir waren ihnen einige Male so nahe, daß wir ihre Stimmen hörten und das Knacken der zerbrochenen Äste und Zweige vernahmen.

Endlich aber hatte der Wald doch ein Ende. Wir kamen zwischen Büschen hindurch wieder auf Gras, mußten uns hier aber niedersetzen, da wir die Indianer vor uns sahen und, falls sie sich umblickten, auch von ihnen gesehen werden mußten. Erst als sie uns aus den Augen geschwunden waren, setzten wir den Weg fort. Das Gras hörte auf und dann kam eine breite Sandwüste. Der Sand war so kleinkörnig und tief, daß sich die Spuren der Roten auf das deutlichste abgedrückt hatten. Sie zu verlieren, brauchten wir nicht die mindeste Sorge tragen.

Unser Hunger war gestillt; desto mehr meldete sich der Durst. Wir hatten seit früh kein Wasser gefunden. Wo Bäume sind und Gras wächst, muß Wasser sein; das ist gewiß; aber wir waren eben nicht an eine Stelle gekommen, wo es zu haben war. Darum freuten wir uns herzlich, als wir in der Ferne eine Lagune erblickten. Auf reines Wasser war da zwar nicht zu hoffen, aber das gibt es in Gran Chaco außerhalb der Flüsse überhaupt nicht, und ich hatte schon mehr als einmal aus Pfützen getrunken. Aber als wir näher kamen, sahen wir uns enttäuscht. Die Salzpflanzen, welche am Ufer standen, belehrten uns, noch ehe wir das Wasser erreichten, daß es nicht trinkbar sei. Die Lagune war nicht groß. Man konnte das Ufer rundum überblicken. Pena suchte dasselbe mit den Augen ab, und zwar in so eigenartig forschender Weise, daß es mir auffiel und ich ihn fragte:

»Was suchen Sie? Fast möchte man meinen, daß Ihnen dieser Salzsee bekannt sei.«

Er schwieg, noch immer suchend, und antwortete dann:

»Ja, ich täusche mich nicht. Sie ist es!«

»Wer? Was?«

»Die Lagune, an welcher wir damals überfallen wurden. Das ist eine lange, lange Zeit her, als wir, eine ganze Gesellschaft von Rindensuchern, hier lagerten und von den Roten überfallen wurden. Wir schickten die Halunken blutig heim; aber mehrere von uns waren verwundet, und einen hatte ein Giftpfeil getroffen. Wir haben ihn am nördlichen Ufer begraben und, da es keine Steine gab, ihm einen hohen Hügel auf das Grab gebaut. Sehen Sie ihn da drüben liegen?«

Ich folgte mit dem Blicke der Richtung, welche seine ausgestreckte Hand andeutete.

»So kennen Sie also die Gegend?«

»Ja. Es sind zwar Jahre her, aber kein Mensch legt hier die Axt an die Wälder: sie bleiben wie sie waren. Da links geht es nach dem Flusse, wo die Isla de Taboada liegt, und weiter fort nach Santiago. Von rechts kamen wir damals vom Rio Vermejo herunter, und gerade aus geht es nach der Laguna de Carapa.«

»Bezieht sich dieser Name auf den Baum, welcher das Carapafett gibt?«

»Ja. Das ist ein sehr wichtiger Baum. Die Rinde und die Blätter desselben sind ein unschätzbares Mittel gegen das Wechselfieber, und aus den Früchten, welche die Größe eines Hühnereies haben, wird ein butterartiges Fett und das bekannte Tolicuna-Öl gekocht. An jener Lagune sollen große Massen, ganze Wälder dieses Baumes stehen.«

»Waren Sie einmal dort?«

»Nein. Man weiß, daß die Tobas-Indianer diese Wälder bewohnen und sie eifersüchtig bewachen, sie sind ihnen heilig und ihr größter Häuptling wohnt dort. Es gehen eigentümliche Gerüchte über ihn. Er soll ein Nachkomme der Inkaherrscher sein und eine weiße Farbe wie ein Europäer besitzen. Niemand außer seinem Volke hat ihn jemals gesehen. Ihm soll es zuzuschreiben sein, daß die Tobas-Indianer den Weißen und der Zivilisation freundlich gesinnt sind. Ich habe Ihnen heute schon gesagt, daß die Mbocovis mit ihnen in ewiger Feindschaft leben. Diese Kerls werden doch nicht etwa dort einfallen wollen!«

Ich hatte die Mbocovis gezählt; darum antwortete ich:

»Achtundfünfzig Mann gegen einen ganzen Stamm der Tobas? Das wären ihrer doch wohl viel zu wenig!«

»Es kommt darauf an, was sie beabsichtigen und vorhaben. Sie wollen vielleicht heimlich stehlen. Da zieht man nicht mit großer Macht aus.«

»Stehlen? Und ein Weißer befindet sich bei ihnen?«

»Pah! Es gibt mehr weiße Spitzbuben als rote! Es gibt Leute, welche behaupten, daß die Roten das Stehlen erst von den Weißen gelernt haben, und ich werde mich hüten, diesen Menschen ihre Ansicht zu rauben. Denken Sie doch an den Sendador! Der Mann hat mehr auf dem Gewissen als zehn Indianerhäuptlinge. Aber da stehen wir und versäumen die Zeit. Wir wollen machen, daß wir weiter kommen.«

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