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Der Scharfrichter von Bern oder das Winzerfest. Zweiter Theil

James Fenimore Cooper: Der Scharfrichter von Bern oder das Winzerfest. Zweiter Theil - Kapitel 16
Quellenangabe
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Scharfrichter von Bern oder das Winzerfest. Zweiter Theil
publisherVerlag von Joh. David Sauerländer
printrunZweite Auflage
year1841
correctorreuters@abc.de
senderHerbert Niephaus
created20181217
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Fünfzehntes Kapitel.

Wir ruh'n – ein Traum kann unsern Schlaf vergiften;
Erwachen – Ein Gedanke beschimpft den Tag;
Empfinden, denken, lachen oder weinen;
Erdulden, oder lächeln unsrer Plag'.

Shelley.

Balthasar's Erzählung war einfach aber beredt. Seine Verbindung mit Margarethe war trotz der Schmach und Ungerechtigkeit der Welt von jenem weisen und gütigen Wesen gesegnet worden, welches den Wind für das geschorne Lamm zu sänftigen weiß.

»Wir wußten, daß wir uns gegenseitig alles waren,« fuhr er fort, nachdem er die frühere Geschichte ihrer Geburt und Liebe kurz angedeutet hatte, »und wir fühlten die Nothwendigkeit, für uns zu leben. Ihr, die Ihr zu Ehren geboren seid; die Ihr bei allen, die Euch begegnen, Lächeln und ehrfurchtsvolle Blicke findet, Ihr kennt die Gefühle nicht, welche Unglückliche aneinander fesseln. Als Gott uns unsern Erstgebornen schenkte, und er, ein lächelnder Cherub, in ihrem Schooß lag und mit der Unschuld zu ihr aufblickte, welche den Menschen Engeln am ähnlichsten macht, – da vergoß Margarethe bittere Thränen über den Gedanken, daß ein solches Wesen verdammt sein sollte, Menschenblut zu vergießen. Der Gedanke, daß er stets als ein Geächteter seiner Gattung leben sollte; war bitter für ein Mutterherz. Wir machten dem Canton viele Anerbietungen, um von diesem Amte befreit zu werden; wir flehten – Herr Melchior, Ihr müßt wissen, wie wir den Rath anflehten, wie andere und ohne diesen fürchterlichen Fluch leben zu dürfen – aber man wollte nicht. Man sagte, der Gebrauch sei alt, der Wechsel gefährlich und was Gott wolle, müsse geschehen. Wir konnten es nicht ertragen, daß die Last, welche so schwer auf uns drückte, für immer als ein Fluch auf unsere Nachkommen vererben sollte, Herr Doge,« fuhr er fort, sein sanftes Gesicht mit dem Stolze der Ehrlichkeit erhebend: »die da in der Welt Ehren leben, können stolz auf ihre Vorrechte sein; ist aber Kränkung und Verachtung das Erbe, und sieht uns die Welt mit Widerwillen an, dann zieht sich das Herz krampfhaft zusammen. So fühlten wir, als wir auf unsern Erstgebornen blickten. Der Wunsch, ihn der Schmach zu entreißen, siegte und wir sannen über die Mittel nach.«

»Ja,« fiel Margarethe finster ein: »ich trennte mich von meinem Kinde und unterdrückte, stolze Herrn, der Mutter Sehnsucht, damit er nicht das Werkzeug Eurer erbarmungslosen Grundsätze werde; ich entsagte der Freude einer Mutter, ihr Kind zu nähren und zu pflegen, damit der kleine Unschuldige unter seinen Mitgeschöpfen lebe, wie Gott ihn erschaffen, ihres Gleichen und nicht ihr Opfer!«

Balthasar schwieg, wie er gewöhnlich that, wenn sein kräftiges Weib eine ihrer starken und männlichen Eigenschaften an den Tag legte und als ein tiefes Schweigen ihrer Bemerkung folgte, fuhr er fort:

»Es fehlte uns nicht an Reichthum; wir wünschten nur in der Achtung der Welt den Andern gleich zu stehen. Mit unserm Gelde fanden wir leicht außerhalb unsers Cantons Leute, welche sich entschlossen, den kleinen Sigismund zu sich zu nehmen. Ein vorgeblicher Tod, ein stilles Begräbniß thaten dann das ihrige. Die Täuschung war nicht schwer, denn Wenigen lag etwas an den Schmerzen einer Scharfrichter-Familie, so wie an ihrem Glücke. Das Kind war fast ein Jahr alt, als ich aufgefordert ward, mein Amt an einem Fremden zu verrichten. Der Verurtheilte hatte bei einem Säufer-Zwist in einer unserer Cantonstädte gemordet und sollte ein Mann sein, der mit dem kostbaren Geschenk der Geburt sein Spiel getrieben, denn man vermuthete, er sei von Adel. Ich ging schweren Herzens, denn nie bestieg ich das Gerüste ohne zu wünschen, es möchte das letzte Mal sein; aber mein Herz wurde schwerer, als ich den Ort erreichte, wo der Verbrecher sein Schicksal erwartete. Die Nachricht von dem Tode meines armen Kindes erwartete mich, als ich die Schwelle des trostlosen Gefängnisses betrat, und ich ging zur Seite, um über mein Unglück zu weinen, ehe ich in das Gemach meines Opfers schritt. Der Verurtheilte entsagte dem Leben ungern; er hatte mehrere Stunden vor dem verhängnißvollen Augenblick nach mir geschickt, um, wie er sagte, mit der Hand Bekanntschaft zu machen, welche sein Erscheinen vor dem höchsten und ewigen Richter beschleunigen sollte.«

Balthasar hielt inne; er schien über eine Scene nachzudenken, welche wahrscheinlich einen unverlöschlichen Eindruck auf sein Gemüth gemacht hatte. Unwillkührlich schaudernd, erhob er sein Auge von dem Boden der Kirche und setzte, stets in der ruhigen und demüthigen Weise, seine Erzählung fort.

»Ich war wider Willen das Werkzeug manches gewaltsamen Todes – ich habe die leichtsinnigsten Sünder in dem Todeskampfe plötzlicher und gezwungener Reue gesehen, aber ich war nie Zeuge eines so schrecklichen und wilden Kampfes zwischen Erde und Himmel – der Welt und dem Grabe – der Leidenschaft und der Strafe der Vorsehung – wie die letzten Stunden dieses Unglücklichen ihn zeigten. Es gab zwar Augenblicke, in welchen des Heilands milder Geist über seinen bösen Sinn siegte, aber das Gemälde war im Allgemeinen das einer so ungestümen Rache, wie die Höllenmächte allein sie in einer Menschenbrust erzeugen konnten. Er hatte ein Kind bei sich, das gerade in dem Alter war, wo es der Brust entwöhnt werden konnte. Das Kind schien den heftigsten Kampf der Gefühle in ihm zu erregen; er weinte über ihm und verfluchte seinen Anblick, obgleich der Haß die Oberhand zu haben schien.«

»Schrecklich! schrecklich!« murmelte der Doge.

»Es war um so schrecklicher, Herr Doge, da es von dem kam, der eben zum Tode verurtheilt war. Er wies die Geistlichen zurück; nur mich wollte er um sich haben. Mein Herz verabscheute den Elenden – aber so Wenige zeigten uns Theilnahme – und es wäre grausam gewesen, einen Sterbenden zu verlassen! Endlich überließ er das Kind meiner Sorgfalt und zahlte mehr Gold als nöthig war, um es anständig bis zum Mannesalter zu erziehen, so wie er mir auch anderes Werthvolle übergab, das ich als Belege aufhob, die eines Tages nützlich werden könnten. Was ich von des Kindes Abstammung erfahren konnte, war einfach Folgendes: Es stammte aus Italien und von italienischen Eltern, seine Mutter war bald nach seiner Geburt gestorben,« – ein Seufzer entschlüpfte dem Dogen – »sein Vater lebte noch und war der Gegenstand des unversöhnlichen Hasses des Verurtheilten, so wie seine Mutter der seiner glühenden Liebe gewesen war; er war edler Herkunft und hatte in der Taufe den Namen Gaetano erhalten.«

»Er muß es sein – er ist – er ist mein geliebter Sohn!« rief der Doge, nicht fähig, sich länger zu halten. Er breitete seine Arme weit aus, Sigismund warf sich an seine Brust, obgleich er noch mächtige Besorgnisse hegte, Alles möchte nur ein Traum sein. »Fahre fort – fahre fort – wackerer Balthasar,« setzte Signor Grimaldi hinzu, seine Augen trocknend und bemüht, sich zu fassen. »Ich kann nicht ruhen, ehe deine ganze wunderbare und herrliche Geschichte bis zur letzten Sylbe enthüllt sein wird.«

»Es ist nur wenig mehr zu sagen, Herr Doge. Als die verhängnißvolle Stunde gekommen, wurde der Verbrecher zu dem Orte gebracht, wo er sein Leben endigen sollte. Während er auf dem Stuhle saß, in welchem er den Todesstreich empfangen sollte, bestürmten die Qualen der Hölle seinen Geist. Ich habe Grund zu glauben, daß es Augenblicke gab, in welchen er gerne seinen Frieden mit dem Himmel abgeschlossen hätte. Aber die Teufel siegten; er starb in seinen Sünden. Von der Stunde an, wo der kleine Gaetano meiner Sorgfalt übergeben wurde, bemühte ich mich unablässig, das Geheimniß der Abkunft des Kindes zu entdecken; die einzige Antwort jedoch, die ich erhielt, war der Befehl, das erhaltene Gold für mich zu benützen und den Knaben als meinen Sohn anzunehmen. Das Schwert war in meiner Hand und das Zeichen, den Streich zu führen, gegeben, als ich zum letzten Male nach dem Namen des Geschlechtes und der Heimath des Kindes fragte, wie es eine Pflicht, die ich nicht vernachlässigen konnte, mir gebot. »Es ist dein – es ist dein!« war die Antwort: »sage mir, Balthasar, ist dein Amt erblich, wie es in diesem Lande zu sein pflegt?« Ich war gezwungen, ja zu sagen. »Dann nehme den Jungen an Kindesstatt an; erziehe ihn, daß er sich von dem Blut seiner Mitmenschen mäste.« Als sein Haupt fiel, sah man in seinen wilden Zügen noch Spuren des höllischen Triumphs, mit welchem sein Geist geschieden war!«

»Das Ungeheuer war ein gerechtes Opfer der Gesetze des Cantons,« rief der Landvogt aus. »Du siehst, Herr Melchior, daß wir recht thun, die Hand des Scharfrichters zu bewaffnen, trotz der Gefühllosigkeit der Schwachsinnigen. Solch ein Elender war gewiß unwürdig zu leben.«

Der Ausbruch des Amtseifers Peterchens, der selten eine Gelegenheit versäumte, die bestehende Ordnung der Dinge, wie die Mehrzahl derer, welche ihren ausschließlichen Vortheil im Auge haben, zu thun pflegt, zu preisen und das Schädliche aller Neuerungen hervorzuheben, fand nur geringe Aufmerksamkeit, da die Anwesenden mit Balthasar's Erzählung zu sehr beschäftigt waren, um an etwas Anderes zu denken.

»Was wurde aus dem Knaben?« fragte der würdige Schlüsselmeister, welcher an dem Fortgange der Erzählung eine eben so große Theilnahme zeigte, wie die Uebrigen.

»Ich konnte ihn nicht aufgeben, Vater, und wünschte es auch nicht zu thun. Er kam in einem Augenblick unter meine Obhut, als Gott unsern kleinen Sigismund zu sich genommen hatte, um unsern Kummer über ein Loos zu strafen, das er uns aufzuerlegen für gut befunden hatte. Das lebende Kind kam an die Stelle des Todten; ich gab ihm den Namen meines Sohnes und ich kann mit Wahrheit sagen, daß ich die Liebe auf ihn übertrug, welche ich für mein eigenes Kind fühlte, obgleich die Zeit, die Gewohnheit und die Bekanntschaft mit des Kindes Charakter vielleicht nothwendig waren, um das Uebrige zu thun. Margarethe wußte nie von der Täuschung, obgleich der Instinkt und die Zärtlichkeit der Mutter Unruhe empfand und Zweifel erhob. Wir haben nie offen von dieser Sache mit einander gesprochen und, wie ihr, hört sie jetzt die Wahrheit zum ersten Male.«

»Es war ein schreckliches Geheimniß zwischen Gott und meinem Herzen!« sagte Margarethe leise. »Ich enthielt mich, nachzuforschen – Sigismund, oder Gaetano, oder wie ihr ihn genannt wissen wollt, hatte meine ganze Liebe und ich bemühte mich, ruhig zu sein. Der Jüngling ist mir theuer und wird es immer sein, wenn ihr ihn auch auf einen Thron setztet; aber Christine – die arme unglückliche Christine – sie ist wahrhaft das Kind meines Herzens!«

Sigismund kniete vor ihr nieder, die er stets für seine Mutter gehalten und bat sie zärtlich um ihren Segen und ihre fernere Liebe. Die Thränen strömten aus Margarethens Augen, als sie jenen freudig gab und diese nie vorzuenthalten versprach.

»Hast du irgend eine Kleinigkeit oder eines der Kleider, welche du mit dem Kinde erhieltst, oder kannst du Auskunft von dem Orte geben, wo sie noch gefunden werden können?« fragte der Doge, dessen Geist zu sehr beschäftigt war, seine Zweifel zu beseitigen, um etwas anderm Gehör zu geben.

»Alles findet sich hier in dem Kloster. Das Gold wurde redlich angewendet, um Sigismund als Krieger auszurüsten. Der Knabe blieb außerhalb des Cantons, erhielt den Unterricht, den ein gelehrter Geistlicher ihm geben konnte, und als er das Alter erreicht hatte, schickte ich ihn nach Italien, das ich als sein Geburtsland kannte, obgleich ich nie erfahren konnte, wessen Fürsten Unterthan er sei, um dort Kriegsdienste zu nehmen. Die Zeit war nun gekommen, wo ich es für meine Pflicht hielt, den jungen Mann von dem Verhältnisse zwischen uns zu unterrichten; die Furcht, Margarethe und meinem Herzen wehe zu thun, hielt mich zurück; auch kannte ich ihn hinreichend, um zu glauben, er werde eher uns, so gering und verachtet wir sind, angehören wollen, als namenlos und verstoßen, ohne Heimath, Vaterland und Verwandte in der Welt umher zu irren. Es war jedoch nothwendig zu sprechen und es war meine Absicht, hier in dem Kloster und in Christinens Gegenwart die Wahrheit zu enthüllen. Aus diesem Grunde, und um Sigismund in den Stand zu setzen, Erkundigungen nach seiner Familie einzuziehen, wurde alles, was mir der unglückliche Verbrecher übergeben hatte, seinem Gepäcke heimlich beigefügt. Alles befindet sich in diesem Augenblicke auf dem Berge.«

Der ehrwürdige alte Fürst zitterte heftig; denn mit dem tiefen Gefühle dessen, der da bangt, seine theuersten Hoffnungen vernichtet zu sehen, fürchtete er und verlangte zugleich sehnsuchtsvoll, diese stummen aber wahren Beweise zu sehen.

»Laßt alles herbeibringen! – Laßt alles sogleich herbeibringen und untersuchen!« sagte er ängstlich zu denen, die ihn umgaben. Dann wandte er sich zu dem unbeweglichen Maso und fragte:

»Und du, Mann der Lüge und des Blutes! Was hast du auf diese klare und wahrscheinliche Angabe zu erwiedern?«

Il Maledetto lächelte, als wäre er über eine Schwäche erhaben, welche die Andern geblendet. Der Ausdruck seines Gesichtes hatte jene ruhige Ueberlegenheit, welche die Gewißheit dem wohl Unterrichteten über den Zweifelnden und Getäuschten gibt.

»Ich habe zu erwiedern, Signore und geehrter Vater,« antwortete er kalt, »daß Balthasar eine scharfsinnig ausgedachte Erzählung recht geschickt vorgetragen hat. Daß ich Bartolo bin, kann, ich wiederhole es, durch hundert lebende Zeugen in Italien bewiesen werden. Du weißt am besten, wer Bartolo Contini ist, Doge von Genua.«

»Er sagt die Wahrheit,« antwortete der Fürst, sein Haupt schmerzlich getäuscht senkend. »O Melchior, ich habe nur zu sichere Beweise dessen gehabt, was er sagt. Ich war lange gewiß, daß dieser verworfene Bartolo mein Sohn sei, obgleich ich nie vorher das Unglück hatte, ihn zu sehen. So schlecht ich mir ihn denken mußte, so hat doch meine ärgste Furcht ihn nicht gemalt, wie ihn die Wirklichkeit jetzt zeigt.«

»Lief kein Betrug hier unter – bist du nicht das Spiel irgend eines Planes, bei welchem es auf Geld abgesehen war?«

Der Doge schüttelte den Kopf, als könne er sich unmöglich mit einer solchen Hoffnung schmeicheln.

»Nein! Meine Geldanerbietungen sind immer zurückgewiesen worden.«

»Warum hätte ich das Geld meines Vaters nehmen sollen?« setzte Il Maledetto hinzu: »mein Geschick und mein Muth halfen mir stets, mehr als das Nöthige erwerben.«

Die Art der Antwort und die große Fassung Maso's erzeugten eine verlegene Pause.

»Laßt Beide sich hinstellen und vergleichen wir sie miteinander,« sagte endlich der verwirrte Schlüsselmeister: »die Natur enthüllt oft Geheimnisse, wenn die höchsten Anstrengungen der Menschen nicht ausreichen – wenn einer von beiden das rechte Kind des Fürsten ist, so muß sich eine Aehnlichkeit finden, welche den Anspruch unterstützt.«

So zweifelhaft der Versuch war, wurde der Gedanke doch eifrig ergriffen, denn die Wahrheit war jetzt so verwickelt geworden, daß alle Anwesende die größte Theilnahme bezeigten. Der Wunsch, das Geheimniß aufgeklärt zu sehen, war allgemein und die unbedeutendsten Mittel, einen solchen Zweck zu erreichen, stiegen in dem Verhältniß an Werth, in welchem die Schwierigkeiten sich mehrten. Sigismund und Maso traten in das Licht der Lampe vor und jedes Auge wandte sich begierig auf ihre Züge, um einige jener geheimen Merkmale, an welchen die geheimnißvollen Naturverwandtschaften erkannt werden können, zu entdecken, oder sich einzubilden, es habe sie entdeckt. Man hätte keinen verwirrenderen Vorschlag machen können. Nach einigen Zeichen konnte der Sieg jedem der Anspruch machenden zugestanden werden, wenn ja ein solcher Ausdruck in Bezug an den passiven Sigismund gebraucht werden darf, vieles aber stellte die Rechte des letzteren in Abrede. In Betracht der olivenfarbnen Haut, des dunkeln, glänzenden, rollenden Auges und in der Gestalt war der Vortheil ganz auf Maso's Seite, dessen Gesichtsumriß und durchdringender Ausdruck auch mit denen des Dogen eine so hervorstechende Aehnlichkeit hatte, daß sie jedem auffallen mußte, der sie finden wollte. Die Lebensart des Seemanns hatte wahrscheinlich die Aehnlichkeit vermindert, aber sie war zu augenscheinlich, um der Beachtung zu entgehen. Jenes abgehärtete und rauhe Aussehen, welches eine Folge seines wüsten Umschweifens war und es unmöglich machte, sein wirkliches Alter genau anzugeben, trug auch ein wenig dazu bei, das, was man den sichtbaren Charakter seines Gesichtes nennen konnte, zu verbergen; aber die Züge selbst waren unläugbar eine rohe Copie der feineren Züge des Fürsten.

Der Fall war hinsichtlich Sigismund's anders. Der Vortheil der frischen und kräftigen Jugend ließ seine Aehnlichkeit mit dem Dogen – in den Punkten, in welchen eine solche bestand – so hervortreten, wie wir sie zwischen Bejahrten und den Portraits gewahren, welche in ihren jüngern und glücklichern Tagen gemalt worden sind. Der kühne Umriß der Züge war dem edeln Ausdruck des ehrwürdigen Dogen nicht unähnlich, aber Auge, Haar und Gesichtsfarbe war nicht italienisch.

»Du siehst,« sagte Maso spöttisch, als der getäuschte Schlüsselmeister den Unterschied in den letztern Einzelnheiten zugestand – »dies ist ein Betrug, der nicht Stich hält. Ich schwöre Euch, so wahr Glauben in dem Menschen und Hoffnung in dem Herzen des sterbenden Christen wohnt, daß ich, so weit jemand seine Abstammung kennen kann, das Kind Gaetano Grimaldi's, des jetzigen Dogen von Genua und keines andern Mannes bin! Mögen die Heiligen mich verlassen – die heilige Mutter Gottes gegen meine Gebete taub sein – alle Menschen mich mit ihrem Fluche verfolgen, wenn ich nicht die heilige Wahrheit rede!«

Der schreckliche Nachdruck, mit welchem er diesen feierlichen Eid aussprach und eine gewisse Ehrlichkeit, die sein Wesen und wir möchten, trotz der wüsten Sorglosigkeit seiner Grundsätze, sagen, seinen Charakter auszeichneten, trugen viel dazu bei, die wachsende Meinung zu Gunsten seines Mitwerbers zu schwächen.

»Und dieser edle Jüngling?« fragte der bekümmerte Doge – »dieser herrliche, treffliche Jüngling, den ich bereits mit der ganzen Freude eines Vaters an meinem Herzen hielt – wer und was ist er?«

»Eccellenza, ich wünsche nichts gegen den Signor Sigismondo zu sagen. Er ist ein wackerer Schwimmer und eine feste Stütze zur Zeit der Noth. Sei er ein Schweizer oder ein Genueser – jedes Land kann stolz auf ihn sein; aber die Selbstliebe lehrt uns alle, unser Bestes vor dem jedes Andern zu wahren. Es ist weit angenehmer, in dem Palazzo Grimaldi, an unserm warmen und sonnigen Golf, geehrt und geachtet als der Erbe eines edeln Namens zu leben, als Kopfabschneider zu Bern zu sein; und der ehrliche Balthasar folgt nur seinem Instinct, wenn er seines Sohnes Beförderung sucht.«

Jedes Auge wandte sich jetzt auf den Scharfrichter, der durch diese forschenden Blicke nicht geschreckt ward, sondern den festen Ausdruck dessen beibehielt, der sich keines Unrechts bewußt ist.

»Ich habe nicht gesagt, daß Sigismund irgend eines Mannes Sohn sei,« antwortete er sanft, aber mit einer Festigkeit, welche ihm das Zutrauen der Hörer gewann. »Ich habe nur gesagt, er gehöre nicht mir an. Kein Vater kann sich einen würdigern Sohn wünschen und der Himmel weiß, daß ich meiner Tochter mit einem Schmerz entsage, welchen ich kaum ertragen würde, hoffte ich nicht, daß ein besseres Schicksal seiner harrt, als das, welches aus der Verbindung mit einem verfluchten Geschlechte hervorgehen kann. Die Aehnlichkeit, welche man bei Maso findet und die Sigismund fehlen soll, beweist wenig, edle Herren und hochwürdige Mönche, denn alle, die sich mit dergleichen genauer befaßt haben, wissen, daß man oft Aehnlichkeiten zwischen entfernten Gliedern derselben Familie findet, so wie zwischen denen, die näher verbunden sind. Sigismund stammt nicht von uns ab, und niemand kann in seiner Person und in seinen Zügen eine Spur von meiner oder Margarethens Familie finden.«

Balthasar schwieg, damit man diese Aussage der Prüfung unterwerfe, und in der That hätte der durchdringendste Blick nicht die entfernteste Verwandtschaft in dem Aeußern des jungen Kriegers und derer entdecken können, welche er so lange für seine Eltern gehalten hatte.

»Laßt den Dogen von Genua sein Gedächtniß zu Rath ziehen und weiter blicken, als er selbst schaut. Kann er kein schlummerndes Lächeln, keine Farbe des Haares, kein anderes äußeres Kennzeichen finden, das der Jüngling mit denen gemein hat, die er einst kannte und liebte?«

Der erregte Doge wandte sich rasch zu Sigismund und ein Strahl der Freude überglänzte sein Antlitz wieder, als er des jungen Mannes Züge betrachtete.

»Bei San Francesko! Melchior, der ehrliche Balthasar hat recht. Meine Großmutter war eine Venetianerin und sie hatte das blonde Haar des Jünglings, auch sein Auge ist das ihrige – und – ha!« sein Haupt neigte sich und er verhüllte seine Augen – »ich sehe den bekümmerten Blick, den die fromme und gekränkte Angiolina stets zeigte, nachdem mein größerer Reichthum und mein Ansehen ihre Verwandten bestochen, sie zu zwingen, mir ihre Hand wider ihren Willen zu reichen! – Elender! du bist nicht Bartolo! deine Aussage ist ein schlechter Betrug, um dich gegen die Strafe zu schützen, die deinem Verbrechen gebührt.«

»Eccellenza, wenn ich zugestehe, ich sei nicht Bartolo, macht Signor Sigismondo Ansprüche, derselbe zu seyn? Habt Ihr nicht versichert, ein gewisser Bartolo Contini, ein Mann, der sein Leben in offener Fehde mit den Gesetzen hinbrachte, sei Euer Kind? Habt Ihr nicht Euern Schreiber und Vertrauten gebraucht, Euch Gewißheit zu verschaffen? Hörte er nicht aus dem Munde eines frommen Geistlichen, der alle Umstände genau kannte, Bartolo Contini sei der Sohn Gaetano Grimaldi's? Hat nicht der Genosse Eures unversöhnlichen Feindes, Christofero Serrani, Euch dasselbe zugeschworen? Habt Ihr nicht Papiere gesehen, welche mit Euerm Kinde entkamen und die Alles bestätigt? Und habt Ihr nicht diesen Siegelring als Pfand gesendet, daß Bartolo Eurer Hülfe in jeder Fährlichkeit, die ihm in seiner wilden Lebensweise zustoßen könne, gewiß sein dürfe, als ihr erfuhrt, daß er entschlossen sei, lieber zu bleiben, was er war, als ein Bild kränkelnder Reue und frisch angenommenen Adels in Euerm prachtvollen Pallast in der Straße Balbi zu werden?«

Der Doge beugte sein Haupt abermals in Gram, denn er wußte, daß alles dies wahr sei und keinen Schatten von Hoffnung lasse.

»Hier waltet irgend ein trauriges Mißverständniß,« sagte er mit bitterm Kummer. »Du hast das Kind irgend eines andern beraubten Vaters angenommen, Balthasar; obgleich ich aber nicht hoffen kann, mich als Sigismund's natürlicher Vater zu erweisen, soll er in mir wenigstens die Liebe und die Hülfe eines Vaters finden. Wenn er mir sein Leben nicht schuldet, so danke ich ihm das meinige; diese Schuld soll ein Band zwischen uns bilden, das dem nicht nachstehen wird, welches von der Natur herrührt.«

»Herr Doge,« erwiederte der Scharfrichter ernst, »laßt uns nicht zu rasch sein. Wenn vieles zu Gunsten der Rechte Maso's spricht, so gibt es auch Umstände, welche für Sigismund reden. Mir ist die Geschichte des letztern wahrscheinlich klarer, als sie einem andern sein kann. Die Zeit, das Land, das Alter des Kindes, der Name und die schrecklichen Aussagen des Verbrechers. Alles spricht zu Gunsten Sigismund's. Hier ist Alles, was mir mit dem Kinde gegeben worden; möglich, daß auch dadurch seine Ansprüche mehr in das rechte Licht treten.«

Balthasar hatte Mittel gefunden, die fraglichen Gegenstände unter Sigismund's Gepäcke aufzufinden und herbeizuschaffen, und begann nun sie vorzuzeigen, während ein athemloses Schweigen die Theilnahme verrieth, mit welcher man das Ergebniß erwartete. Zuerst breitete er eine Anzahl Kinderkleider auf dem Boden auseinander. Die einzelnen Gegenstände waren reich und der Mode jener Zeit gemäß, aber sie enthielten keine bestimmten Beweise, welche die Abstammung des damit Bekleideten herstellen helfen konnte, nur machten sie es wahrscheinlich, daß er von einem höhern Lebensrange seine Abkunft herleite. Wie die verschiedenen Gegenstände auf dem Boden ausgebreitet lagen, knieten sich Adelheid und Christine daneben, da jede mit dem Fortgang der Untersuchung zu lebhaft beschäftigt war, als daß sie jener Formen hätten gedenken mögen, welche gemeiniglich den Sitten ihres Geschlechtes einen Zwang auflegen. Christine schien in einem neugebornen Interesse an dem Schicksale ihres Bruders für einen Augenblick ihres Kummers zu vergessen, während Adelheid's Ohr jede Sylbe, die den Lippen der verschiedenen Sprecher entfiel, mit einer Begierde trank, die nur das innigste Mitgefühl mit dem Jüngling einflößen konnte.

»Hier ist ein Kästchen mit Gegenständen von Werth,« fügte Balthasar hinzu. »Der Verurtheilte sagte, sie seien aus Versehen mitgenommen worden und er habe das Kind in der Einsamkeit des Gefängnisses damit spielen lassen.«

»Dies waren die ersten Geschenke, die ich meiner Gattin für die Gabe machte, welche sie mir in dem holden Knaben bot!« sagte der Doge in einem gedämpften Tone, wie man sich dessen wohl bedient, wenn man Gegenstände untersucht, welche die Anwesenheit des Todten zurückrufen – »fromme Angiolina! diese Juwelen erinnern mich an dein blasses aber glückliches Gesicht; du fühltest in jenem geheiligten Augenblick die Freuden einer Mutter und konntest selbst mich anlächeln!«

»Und hier ist ein Talisman mit einem Saphir und vielen morgenländischen Schriftzeichen; ich erfuhr, er sei ein Familien-Erbstück und der Vater des Kindes habe ihm dasselbe bei seiner Geburt um den Hals gehängt.«

»Ich weiß genug – ich weiß genug! Gott sei für dies gepriesen – die letzte und grösste seiner Gnaden!« rief der Fürst, seine Hände andächtig faltend. »Dieses Kleinod habe ich als Kind getragen und, wie du sagtest, mit eigener Hand um den Hals des Kindes gehängt – ich verlange nicht mehr zu wissen.«

»Und Bartolo Contini?« sagte Il Maledetto.

»Maso!« rief eine Stimme, die bis jetzt in der Kirche stumm gewesen war. Adelheid hatte den Namen ausgesprochen. Ihr Haar war in wilder Fülle über ihre Schultern gefallen, wie sie sich über die Gegenstände auf dem Boden beugte, und sie faltete ihre Hände flehend, als wollte sie die rauhen Unterbrechungen abbitten, welche den Becher so oft von ihren Lippen gerissen hatten, wenn sie im Begriffe waren, sich dem entzückenden Glauben hinzugeben, Sigismund sei das Kind des Dogen von Genua.

»Du bist auch eine aus jenem zärtlichen und schwachen Geschlechte, welche die Zahl vertrauenvoller Seelen vermehren soll, die durch die Selbstsucht und die Falschheit der Männer verrathen wurden,« antwortete der Seemann höhnisch. »Fort, Mädchen – werde eine Nonne, dein Sigismund ist ein Betrüger.«

Adelheid hinderte durch eine schnelle aber entschiedene Dazwischenkunft ihrer Hand eine ungestüme Bewegung des jungen Kriegers, die seinen verwegenen Gegner zu seinen Füßen hingestreckt hätte. Ohne ihre kniende Stellung zu ändern, sprach sie nun bescheiden aber mit einer Festigkeit, welche großmüthige Regungen wohl dem Weibe schneller als dem stärkern Geschlechte mittheilen, wenn außerordentliche Gelegenheiten das Opfer jener Zurückhaltung fordern, hinter welche sich ihre Schwäche gewöhnlich zurückzieht.

»Ich weiß nicht, Maso, wie du das Band kennen gelernt hast, das mich an Sigismund fesselt,« sagte sie; »aber ich hege fortan den Wunsch nicht, es zu verheimlichen. Sei er der Sohn Balthasar's, oder der Sohn eines Fürsten, er hat mit der Einwilligung meines theuern Vaters mein Treuwort und unser Schicksal wird bald unzertrennlich sein. Es mag ungewöhnlich sein, daß eine Jungfrau ihre Neigung zu einem Jüngling so offen eingesteht; aber Sigismund hat hier, allein stehend, von der lange geduldeten Schmach niedergedrückt, und in seinen tiefsten Gefühlen berührt, ein Recht auf meine Stimme. Wem er auch gehören mag, ich spreche auf meines Vaters Geheiß, wenn ich sage, er gehört uns an.«

»Melchior, ist dies wahr?« rief der Doge.

»Des Mädchens Worte sind nur der Wiederhall dessen, was mein Herz fühlt,« antwortete der Freiherr, stolz um sich blickend, als zürne er jedem, der sich anmaße zu glauben, er habe durch diese Einwilligung seinem alten Stamme etwas vergeben.

»Ich habe dein Auge beobachtet, Maso, da mich die Wahrheit so nahe anging,« fuhr Adelheid fort, »und ich fordere dich nun auf, so lieb dir dein Seelenheil ist, dich offen auszusprechen. Während du die Wahrheit sprachst, hat die wachsame Liebe des Weibes mich sehen lassen, daß du nicht Alles gesagt hast. Sprich daher und löse diese Qual von der Seele des ehrwürdigen Dogen.«

»Um meinen Leib dem Rade zu überliefern! Der warmen Einbildungskraft eines liebekranken Mädchens mag das anstehen, wir Schleichhändler aber kennen die Menschen zu gut, um ohne Noth einen Vortheil wegzuwerfen.«

»Du kannst unserm Worte glauben. Ich habe dich in den letztern Tagen näher kennen gelernt, Maso, und möchte dich der blutigen That nicht fähig halten, die auf dem Berge begangen worden, obgleich ich fürchte, dein Leben sei nur zu regellos; aber ich will nicht glauben, daß der Held des Leman der Mörder des St. Bernhard sein könne.«

»Wenn deine Jugendträume vorüber sind, Holdselige, und du die Welt in ihrer wahren Farbe siehst, wirst du lernen, daß die Herzen der Männer halb dem Himmel und halb der Hölle angehören.«

Bei diesen Worten lachte Maso in seiner sorglosen Weise.

»Du kannst nicht läugnen, daß du Gefühl hast,« fuhr das Mädchen fest fort: »du freust dich heimlich mehr, deinen Mitmenschen nützlich zu sein, als sie zu kränken. Du kannst jene Fährlichkeiten nicht mit Sigismund bestanden haben, ohne dir einen Theil seiner edeln Großmuth angeeignet zu haben. Ihr habt beide zu unserm gemeinschaftlichen Besten gekämpft, ihr habt gleichen männlichen Muth, ein gleich kühnes Herz, eine gleich kräftige Hand und den gleichen Willen, Andern Gutes zuthun. Solch ein Herz muß der edeln und menschlichen Triebfedern genug haben, um ihm die Gerechtigkeit werth zu machen. Sprich darum, und ich gebe dir unser heiligstes Wort, daß deine Offenheit dir mehr Nutzen bringen soll, als wenn du dich hinter diesem Betruge versteckst. Bedenke, Maso, daß das Glück dieses alten Mannes, Sigismund und – denn ich erröthe nicht, es zu sagen – eines schwachen und liebevollen Mädchens in deiner Hand ist. Sage uns die Wahrheit, die heilige reine Wahrheit und wir verzeihen, was geschehen ist.«

Il Maledetto war von dem schönen Eifer der Sprechenden bewegt. Die Freimüthigkeit, mit welcher sie sich aussprach und die Feierlichkeit ihrer Aufforderung machten ihn in seinem Vorsatze wankend.

»Du weißt nicht, was du sagst, Fräulein; du forderst mein Leben,« antwortete er in sich versenkt, so daß die sterbenden Hoffnungen des Dogen sich neu belebten.

»Es gibt nichts Heiligeres, als die Gerechtigkeit,« fiel der Gerichtsherr ein, der allein hier Recht zu sprechen hatte – »und ihre Diener sind wohl berechtigt, sie ungesühnt zu lassen, damit ein höherer Zweck durch ein solches Opfer erreicht werde. Wenn du etwas darthun wirst, das für die Interessen des Fürsten von Genua von großer Bedeutung ist, so ist Wallis es der Liebe, welche es für jenen Freistaat hegt, schuldig, den Dienst zu belohnen.«

Maso hörte anfangs kalt zu. Er fühlte das Mißtrauen dessen, der die Welt hinreichend kennen gelernt hatte, um alle die tausend Ausflüchte zu kennen, zu welchen die Menschen greifen, um ihre täglichen Treulosigkeiten zu rechtfertigen. Er bat den Richter, sich bestimmt zu äußern, und erst nach geraumer Zeit und nach langen und beschwerlichen Erläuterungen von beiden Seiten kamen die Partheien zu einem Verständniß.

Von Seiten derer, welche bei dieser Gelegenheit die Stellvertreter jener erhabenen Eigenschaft der Gottheit waren, welche bei den Menschen Gerechtigkeit genannt wird, unterlag es keinem Zweifel, daß sie es verstanden, ihre Pflichten mit gewissen Beschränkungen zu erfüllen, welche nach Belieben zu Gunsten ihrer Absichten eintreten konnten; und von Maso's Seite wurde kein Versuch gemacht, den Argwohn, den er bis zuletzt nährte, zu verbergen, daß er der Strafe nicht entgehen werde, wenn er die Stärke der Schutzwehr im geringsten mindern, welche ihn bis jetzt als den wirklichen oder angeblichen Sohn einer so mächtigen Person wie des Dogen von Genua schirmte.

Wie es gewöhnlich geht, wenn der gegenseitige Wunsch da ist, das Aeußerste zu vermeiden, und die sich kreuzenden Interessen mit gleicher Geschicklichkeit vertheidigt werden, so endigte auch hier die Unterhandlung mit einem Vergleich. Da das Ergebniß aus dem regelmäßigen Gange der Erzählung hervorgehen wird, so verweisen wir den Leser wegen der Erläuterung auf das Schlußkapitel.


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