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Der Roman von Tristan und Isolde

Arthur Schurig: Der Roman von Tristan und Isolde - Kapitel 13
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typefiction
authorArthur Schurig
titleDer Roman von Tristan und Isolde
publisherJ. Gnadenfeld & Co
correctorreuters@abc.de
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I

Die alten Fassungen des Romans von Tristan und Isolde

  1. Eilhart v. Oberg, Tristant. Um 1175. Der Dichter (ein Niedersachse) lebte in der Gegend von Hildesheim. Sein Gedicht (in mittelhochdeutscher Sprache) ist nur in einer erweiternden) Bearbeitung aus dem XIII. Jahrhundert erhalten (8935 Verse). – Ausgabe von Franz Lichtenstein: Straßburg 1877 [1878], bei Karl J. Trübner.
  2. Marie de France, Chievrefueil [Der Gaisblatt-Lai]. Zweite Hälfte des XII. Jahrhunderts. [Eine Episode aus dem Tristan.] 118 Verse. – Ausgabe von E. Hoepffner: in der Bibliotheca Romanica (No. 274, 275: Marie de France, Les Lais I – IV), Straßburg [1921]. – Deutsche Übersetzung von Wilhelm: Hertz, in Marie de France, Poetische Erzählungen, Stuttgart 1862. – Englische Übersetzung von Edith Rickert, in: Marie de France, London 1901.
  3. Folie Tristan. [Eine Episode.] Ausgang des XII. Jahrhunderts. – Text A: die Berner Handschrift. 574 Verse. Herausgegeben von Henri Morf, Romania Bd. XV [1886], S. 559 bis 574. – Text B: die (jüngere) Oxforder Handschrift. 996 Verse. Ausgabe von Franz Michel: The poetical romances of Tristan, London 1835, Bd. I, S. 215 bis 241. – Gesamtausgabe: Les deux poèmes de Tristan fou, herausgegeben von Joseph Bédier, Paris 1908. (Societe des anciens textes français.)
  4. Donnei des Amants. [Gespräch der Liebenden.] Ausgang des XII. Jahrhunderts. – Text herausgegeben von Gaston Paris: Romania Bd. XXV.
  5. Tristan der Mönch. [Eine Episode.] XIII. Jahrhundert. 2705 Verse. – Text, herausgegeben von Hermann Paul: Sitzungsberichte der Münchner Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Klasse, Jahrgang 1895 (3. Heft), S.317-427.
  6. Gottfried v. Straßburg, Tristan. Mittelhochdeutsch. Unvollendet; der Dichter ist um 1210 gestorben. – Neuere Ausgaben: (A) von Wolfgang Golther. Berlin und Stuttgart 1889, zwei Bände. (Deutsche National-Literatur Bd. IV, 2 und 3.) – (B) von Karl Marold. Leipzig 1906, ein Band. – Übersetzung ins heutige Deutsch: von Karl Pannier. Reclams Universal-Bibliothek [1903]. – Freie dichterische Übertragung: von Wilhelm Hertz. Stuttgart 1877, bei Cotta.
  7. Der französische Prosa-Roman: [? Lucas de Gast,] Le Roman de Tristan. Um 1225. – Ausgaben: (A) von Löseth: Le Roman en prose de Tristan, Paris 1890. – (B) nach der Pariser Handschrift 103: Rouen 1489, chez Jean Bourgoys.
  8. Fortsetzung von Gottfrieds Tristan: von Ulrich v. Türheim. Um 1240. – Text zu finden im Anhange der Hagen'schen Ausgabe von Gottfrieds Tristan, 1823.
  9. Fortsetzung von Gottfrieds Tristan: von Heinrich v. Freiberg. Um 1290. – Ausgabe von Alois Bernt, Halle a. S. 1906, bei Max Niemeyer.
  10. Norwegische Bearbeitung des Tristan von Thomas: verfaßt im Jahre 1226. – Ausgabe von E. Kölbing: Tristams Saga ok Isondar. Heilbronn 1878.
  11. Niederfränkische Bearbeitung des Tristan von Thomas. XIII. Jahrhundert. 175 Verse (= Thomas, Vers 2194 bis 2430). – Text, herausgegeben von Lambel: Germania Bd. 26, S. 356 ff; – herausgegeben von Titz: Zeitschrift für deutsches Altertum, Bd. 25, S.248 ff.
  12. Die Geschichte vom lauschenden König. [Episode.] Alte italienische Novelle; Ende des XIII. Jahrhunderts. – Deutsche Übersetzung von J. Ulrich: Romanische Meistererzähler (1905), Bd. I, S. 69 ff.
  13. Italienische Prosa-Bearbeitung des Tristan von Thomas: La Tavola ritonda. Um 1300.
  14. Nordenglische Bearbeitung des Tristan von Thomas: Sir Tristrem. Um 1320. 304 Strophen; der Schluß ist verloren. – Erster Herausgeber: Walter Scott, 1804. (Mit hinzugefügtem Schluß.) – Neuere Ausgabe von E. Kölbing, Heilbronn 1882.
  15. Böhmische Übersetzung des Tristrant von Eilhart v. Oberg, entstanden im XIV. Jahrhundert. – Deutsche Übersetzung von Johann Knieschek: Zeitschrift für deutsches Altertum, Bd. 28 (1884), S. 261 – 358.
  16. Sir Thomas Malory, Le Morte d'Arthur. 1470; erster Druck 1485. – Englische Ausgabe von H. Oskar Sommer, drei Bände. London 1889 ff. – Deutsche Übersetzung: Der Tod Arthurs, im Insel-Verlag, Leipzig, 3 Bände.
  17. Der deutsche Prosa-Roman: Tristrant und Isalde. Aus dem XV. Jahrhundert. Erstdruck: Augsburg, bei Anton Sorg 1584 (4º, 185 Blätter). Die Histori von Herren Tristrant und der schönen Isalden von Irlande.... (Neudruck: München 1909.) – Ausgabe von Friedrich Pfaff: Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart, Bd. 152, Tübingen 1881, 202 Seiten. – Ältere Ausgabe von Joh. Gustav Büsching und Friedrich Heinrich v. d. Hagen: Buch der Liebe, Bd. I., Berlin 1809.
  18. Louis Tressan, Conte de Vergne [1705-1783], Tristan de Léonois, Paris 1780, bei Didot.

II

Nennenswerte moderne Tristan-Dichtungen

  1. Karl Immermann [1796-1840], Tristan und Isolde. Ein Gedicht in Romanzen. [1841.] Ausgabe: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 911-913.
  2. Richard Wagner [1813-1883], Tristan und Isolde. [Textbuch zu seiner Oper, 1858 f. Erstdruck 1859. Uraufführung in München am 10. Juni 1865. Seine Hauptquelle: Gottfrieds Tristan in der neuhochdeutschen Übersetzung von Hermann Kurz, 1844.]
  3. Algernon Charles Swinburne [1837-1909], Tristram of Lyonesse. [Epos.] – Erstdruck: 1882. [Seine Hauptquellen: Malory, Le Morte d'Arthur, und Sir Tristrem.]
  4. Joseph Bédier [geb. 1864], Le Roman de Tristan et Iseut, traduit et restauré par Josef Bédier. Préface de Gaston Paris. Paris 1900.
  5. Albert Geiger [1866-1915], Tristan, ein Minnedrama in zwei Teilen, Karlsruhe 1906.
  6. Ernst Hardt [geb. 1876], Tantris der Narr. Drama in fünf Akten. Leipzig 1907, im Insel-Verlag.
  7. Robert Prechtl [Robert Friedländer, geb. 1874], Trilogie der Leidenschaft: Ysot, Marke, Tristan. München [1921], Musarion-Verlag.
  8. Georg Kaiser [geb. 1878], König Hahnrei, Tragödie [in fünf Akten]. Potsdam [1923], bei Gustav Kiepenheuer.

III

Der Schauplatz des Romans: Die Bretagne

Beste Karte der Bretagne: Französische Generalstabskarte i: 320000 (Kupferstich) vom Jahre 1857, die vier Blätter: Brest, Rennes, Orient, Nantes. (Ein Exemplar vorhanden in der Wehrkreisbücherei zu Dresden.)

Die einzelnen Örtlichkeiten:

Das alte Herzogtum Leonnois, der nordwestliche Teil der Bretagne, begrenzt gegen das benachbarte Herzogtum Arund (Arundel) durch die Montagne d'Arrée, das Pays de Léon. – Bei Berol: Loenoi; bei Eilhart: Lohnois; im französischen Prosaroman: Léonois.

Cornouaille (Cornu Galliae), später zeitweise Name für die ganze Bretagne, das Herzogtum (Königreich) des Königs Marke.

Irland (die Grüne Insel) mit der Hauptstadt Dowelin (das heutige Dublin).

Aremorika, die römische Provinz mit der Hauptstadt Vannes. An der bretagnischen Küste findet man noch heute zahlreiche Überbleibsel von Römerstraßen und römischen Villen.

Tintagol, das heutige Tinténiac, vierzig Kilometer (Luftlinie) südlich der Küste (St.Malo), an der Rance (heute zum Kanal ausgebaut). – Die Burg heißt bei Berol Tintaguel und Tintajol; bei Eilhart: Tintanjol; im französischen Prosa-Roman: Cintagel und Tintanel; bei Gottfried v. Strassburg: Tintajoel und Tintajol; im deutschen Roman: Tintariol. – Mit der nachträglichen Verlegung des Schauplatzes der Begebenheiten von Cornouaille nach Cornwall (in England) wurde Tinténiac identisch mit Tintagell.

Kanohel (Canoel), die Burg der Herzöge von Leonnois, gegründet im Jahre 513 durch Herzog Riwal, zu suchen zwischen den heutigen Orten St. Pol de Léon und Lannion. – Nach der Verlegung des Schauplatzes der Begebenheiten nach England wurde Canoël identisch mit Carlisle.

Kerahes, Hauptstadt und Burg des Herzogtums Arund, das heutige Carhaix. Bei Thomas und Gottfried: Karke; bei Berol: Cahares; bei Eilhart: Karahes.

Antrain, alte Stadt; der Gerichtsort der Herzöge von Cornouaille, sechzig Kilometer (Luftlinie) nordöstlich von Tinténiac. – Bei Berol: Lantien oder Lancien. – Ähnlich klingende Orte in der Gegend: Lancieux (bei Ploubalay, an der Küste); Roz Landrieux (bei Dole).

Dol, alte Stadt der Bretagne; in der Eglise de Saint Samson daselbst ließen sich im IX. Jahrhundert die bretonischen Fürsten krönen. Das Kloster ward im VI. Jahrhundert erbaut vom Heiligen Samson, dem ersten Bischof von Dol.

Morlaix, alte Stadt der Bretagne. Der Wald von Morlaix ist der Sammelname für die ausgedehnte Waldungen östlich und südöstlich der Stadt. Die Bretagne war im Gegensatz zum heutigen Zustand ehedem stark bewaldet. Bei Berol: Forest de Morrois; im französischen Roman: Forest du Moroys.

Dinan, alte Stadt und Burg an der Nordküste der Bretagne, südlich von St. Malo. Die Entfernung von Carhaix bis Dinan beträgt einhundertundzwanzig Kilometer; da Dinan fast durchweg als Station zwischen Kerahes und Tintagol genannt wird, war die alte Straße Carhaix-Dinan offenbar die gangbarste.

Douarnenez,Stadt an der Bucht von Douarnenez. In der Nähe die Tristans-Insel (Isle Tristan).

Gamaroch (Camaracum), die Burg des Grafen Bedenis.

Die Kaiser-Insel, die heutige Insel Jersey.

Die Insel Sankt Samson; Lage unbestimmt. Der Heilige Samson ist einer der tausend Heiligen der Bretagne.

Das Jagdschloß Yvignac, zwanzig Kilometer westlich von Tintagol, in der Weißen Haide. Bei Berol,Vers 4310: St. Lubin.)

Die Weiße Haide, nordwestlich und westlich von Tintagol. – Bei Berol: La Blanche Lande; bei Eilhart: Blankenland, Blankenwald.

Die Klause Ugrims (L'Hermitage), wohl im Forêt de Lorges, sechzig Kilometer westlich von Dinan. (Eingezeichnet im Blatt Rennes der Karte 1: 320000.)

Das Rote Kreuz (Croix Rouge; nur auf der französischen Generalstabskarte 1: 80000, Blatt Dinan), dicht südlich des Dorfes Yvignac, am Wege Dinan-Broons. Bei Berol: La Croiz Roge; bei Eilhart (Vers 4819): daz crûce.

Die Siechenbrücke (Pont au Ladre), zu finden (nur auf der Karte 1:80000) zwischen den Dörfern Médreac und Landujan, südwestlich von Tinténiac.

Die Kapelle des Heiligen Michael, nicht identisch mit dem berühmten Kloster Mont Saint Michel (in der Baie de Saint Michel, westlich von Avranches), zu suchen auf dem Berge St. Michel (Höhe 391) dicht südlich der Montagne d'Arrée; ihm zu Füßen der Marais de St. Michel und der älteste Weg von Brest nach Carhaix. – Bei Eilhart Vers 7380: Sant Michelstein.

Der Dornbusch (L'Espine), Gehölz in der Nähe von Markes Jagdschloß St. Lubin (im vorliegenden Roman identifiziert mit Yvignac). Vergleiche Berol,Vers 1491. Die Lage von St. Lubin (vielleicht verstümmelt aus: St. Aubin?) ist unbestimmt. Es gibt einen Forest de St. Aubin, fünfundzwanzig Kilometer westlich von Dinan (unweit östlich Lamballe).

Die Frohe Warte (Joyeuse Garde) im Walde von Morlaix, ein Jagdhaus, wohl zu suchen in der Nähe von Belle-Isle-en-Terre (zwanzig Kilometer südlich von Lannion), unbedingt aber im Gebiete von Leonnois. Andre suchen La Joyeuse Garde in der Gegend zwischen Brest und Landerneau; vergleiche: Chevalier de Fréminville, Mémoire sur le Château de la Joyeuse-Garde sur la Rivière d'Elorn, près Landerneau, abgedruckt in: Mémoires et Dissertations sur les Antiquités, Société royale des Antiquaires de France, Bd. 10, Paris 1824.

Der Doler Berg, Höhe 65 nördlich Dol. Über die topographischen, geographischen usw. Verhältnisse unterrichtet gut: Camille Vallaux, La Basse-Bretagne, Etude de Géographie humaine, Paris 1906.

IV

Die Namen und Gestalten

Tristan (lateinisch Trustanus; ursprünglich Drostan, das heißt Torstein). Keltischer Name. – Bei Berol: Tristran; bei Eilhart: Tristrant; bei Marie de France: Tristram; in der Folie Tristan: Tritan. – Tristan ist der Sohn des Herzogs (Königs) Riwal von Leonnois; sein Heimatland heißt Ermenia (bei Gottfried verdorben: Parmenie), entstanden aus dem lateinischen Aremorica (Meerland). – Die Urgestalt des Helden, der geschichtliche Tristan mag um die Mitte des VI. Jahrhunderts gelebt haben.

Isolde (Isalde, Iswalde, Ysolt, Iselt, Ishilt, Essylt). Germanischer Name. – Bei Berol: Yseut; bei Thomas: Ysolt; bei Gottfried: Isot; im französischen Prosaroman: Yseult; bei Eilhart: Isald; im deutschen Roman: Isalde; in der norwegischen Saga: Isondar.

Marke (latein.Marcus). Keltischer Name. – Im französischen Roman: Marc; im deutschen: Marchs. – Der geschichtliche Marcus rex (von Cornouaille) wird erwähnt in der Vita S.Pauli Aureliani, deren Verfasser ein Mönch des IX. Jahrhunderts in Landevennec (Bretagne) ist.

Riwal (lateinisch Riwallus). Herzog von Leonnois. Tristans Vater. – Bei Eilhart: Rivalin; bei Gottfried: Riwalin von Parmenien; im Sir Tristrem: Rouland. – Der geschichtliche Riwal (Riwallo) gründete sein bretonisches Reich im Jahre 513, indem er zwischen Dol und Saint Pol de Léon eine Burg am Meer erbaute. Er kam aus Britannien.

Blankeflor (Blanchefleur). Gallischer Name. Tristans Mutter; eine der beiden Schwestern Markes. – Im französischen Roman: Helyabel, Gattin des Meliadus v. Léonois.

Hangwin. Normannischer Name. Isoldes Vater. – Bei Berol und Eilhart: namenlos; bei Thomas: Gormon (offenbar identifiziert mit dem geschichtlichen Gormo Anglicus, der im Jahre 878 vom König Alfred besiegt ward); im französischen Roman: Hanguin (identisch mit Hengist?); bei Gottfried: Gurmun v. Irland.

Ysabel. Isoldes Mutter. Name wohl späterer Erfindung.

Kurwenal. Bretonischer Name (hergeleitet von: gouverner erziehen). Tristans Hofmeister, Freund und Gefährte. – Bei Berol: Governal; bei Thomas: Guvernal; bei Eilhart und Gottfried: Kurwenal; im französischen Roman: Gouvernal, auch Gourneval; im deutschen Roman: Kurneval.

Brangäne. Name unaufgeklärt. Isoldes treue Gefährtin, eine von Seeräubern verschleppte Fürstentochter. – Bei Thomas: Bringvain; bei Gottfried: Brangaene; im französischen Roman: Brangain; im deutschen Roman: Brangel; bei Heinrich v. Freiberg: Brangane.

Paranis. Bretonischer Name. Isoldes Kämmerer. Ein blonder Franke. – In der Folie Tristan: Perenis; bei Gottfried: Paranis; im deutschen Roman: Peronis; bei Berol: Perinis.

Howel (lateinisch: Hoelus). Bretonischer Name. König von Arund. Schwiegervater Tristans. Eine geschichtliche Persönlichkeit. (Vergleiche Graf Pierre Daru, Histoire de Bretagne, 1826.) Im VI. Jahrhundert hat ein bretonischer Fürst Howel in Fehde gestanden mit einem Grafen von Nantes. Howels Tochter Eleonore oder Eleine soll mit einem Herrn von Léon vermählt gewesen sein. Man zeigt noch heute ihren Grabhügel (Tombeleine) auf einer kleinen Felseninsel bei St. Malo. – Bei Gottfried: Jovelin; im französischen Roman: Hoêl; bei Eilhart: Havelin; im deutschen Roman: Haubalin.

Karsie. Howels Gattin. Name nur bei Gottfried und Heinrich v. Freiberg.

Isolde (Weißhand). Tristans Frau. Tochter des Königs Howel von Arund.

Tynas. Bretonischer Name. Graf von Dinan, Seneschall von Cornouaille. – Bei Eilhart: Dinas; im deutschen Roman: Thynas v. Litan.

Audret. Bretonischer Name. Herzog; Sohn von Markes zweiter Schwester. Tristans Hauptfeind am Hofe Markes. – Bei Thomas: Meriadoc; bei Gottfried: Marjodo; bei Eilhart: Audret; im deutschen Roman: Auctrat; im Sir Tristrem: Caradoc; in der norwegischen Saga: Meriadokk. Verdorbene Form: Andret/André.

Denowal (Denoalen). Bretonischer Name. Parteigenosse des Herzogs Audret.

Ganelun (auch:Guenelon). Parteigenosse Audrets.

Godwin (Goduin, Gondoïne). Parteigenosse Audrets.

Melot. Der Zwerg am Hofe Markes. Aus Aquitanien. – Bei Berol: Frocin; bei Gottfried: Melot.

Morold. Germanischer Name. Isoldes Bruder. – Bei Berol: Morhout; im französischen Roman: Morhoult; Gottfried: Morolt von Irland (Isoldes Oheim; Gurmuns Schwager).

Rualt. Bretonischer Name. Tristans Pflegevater; Statthalter von Leonnois. – Bei Gottfried: Rual li Foitenant; bei Eilhart: Roal.

Floräte. Rualts Frau. Name nur bei Gottfried.

Kaherdin. Bretonischer Name. Tristans Schwager und Freund. – Bei Eilhart: Kahenis, Kehenis; im französischen Roman: Kehedin; im Tristan der Mönch: Kêidin; bei Gottfried: Kâedin; im deutschen Roman: Caynis.

Bedenis. Bretonischer Name. Graf von Gamomaroch. Garioles Gatte. Seine Burg (bei Heinrich v.Freiberg: Gamaroch in Gamarke; lateinisch: Camaracum). Eine der zahlreichen Urgestalten des Ritters Blaubart. – Im französischen Roman: Bedalis; bei Eilhart: Nampetenis (verdorben aus: li naim Bedenis); bei Heinrich v. Freiberg und Ulrich v.Türheim: Nampotenis; bei Thomas: ohne Namen.

Gariole. Keltischer Name. Kaherdins Jugendgespielin und Geliebte. Frau des Grafen Bedenis. – Im französischen Roman: Gargeolain; bei Eilhart: Garjole; im deutschen Roman: Gardeloye.

Andree (Andreas) von Nicole. Bretonischer Name. Edelmann am Hofe Markes. Nicole wohl: St. Nicolas du Pelem (Bretagne).

Rigol (Rigolin), Graf von Nantes. Bretonischer Name. – Bei Eilhart: Riol; im deutschen Roman: Ryol.

Iwein. Leprakranker Edelmann in Cornouaille.

Ugrim der Einsiedler. Bei Eilhart: Ogrin.

Orri. Markes Leibjäger.

Gudri (Goudri), der Schmied.

Hüsdan (Heißzahn?). Bretonisch. Tristans Hund, den er Isolde beim Abschied schenkt. – Bei Gottfried: Hiudan; im französ. Roman: Houdenc; im deutschen Roman: Uctant.

Hagbard und Signe, in Bruchstücken erhaltenes altdänisches Heldenlied, das ergreifendste und wohl älteste literarische Denkmal der germanischen Geistes- und Sittenwelt. Überliefert durch Saxos Chronik Gesta Danorum (um das Jahr 1200).

V

Die in den Tristan-Roman verwobenen ältern Motive

  1. Der Holmgang mit Morold. Reminiszenz an die Wikingerzeit.
  2. Der Jungfrauen-Tribut. Minotauros-Sage.
  3. Die Jungfrau mit dem Goldhaar; die Meerfahrt ins Unbekannte. Alte Feenmärchenmotive.
  4. Verkleidung Tristans und Kurwenals als Spielleute. Weiterhin erscheint Tristan verkleidet als Pilger, Kaufmann, Aussätziger und Narr. Spielmannsmotive.
  5. Isolde als Ärztin. Das antike Önone-Motiv.
  6. Das Schwertsplitter-Motiv.
  7. Der Liebestrank. Antikes Motiv (wohl nach Ovid).
  8. Brangäne opfert ihre Jungfrauenschaft. Motiv von der untergeschobenen Braut.
  9. Isoldes Befehl, Brangäne zu morden; die Hundezunge. Allbekanntes Motiv (zum Beispiel in der Genoveva-Sage).
  10. Der alte König, den sein junges Weib und ihr junger Liebhaber betrügen. Altes Novellenmotiv.
  11. Der heimtückische Zwerg. Märchenmotiv.
  12. Die Späne in der Wasserleitung. Keltisches Sagenmotiv.
  13. Der lauschende König. Mittelalterliches Schwankmotiv. (Dekameron.)
  14. Der zweideutige Schwur. Altes Schwankmotiv.
  15. Das Sensen-Motiv. Mittelalterliches Novellenmotiv.
  16. Das blanke Schwert zwischen den Liebenden als Symbol der Keuschheit. Nordgermanisches Sagenmotiv. (Sigurd und Brynhild!)
  17. Tristan und die beiden Isolden. Antikes Motiv. (Paris zwischen Helena und Önone.
  18. Die Sage vom Ritter Blaubart. Keltisches Sagen-Motiv.
  19. Die Wunde durch die vergiftete Lanze und die abgeschlagene Heilung durch eine verlassene geliebte Frau. Antikes Motiv. (Paris, vor Troja vom vergifteten Pfeil des Philoktet verwundet, erinnert sich Önones Wort und schickt nach ihr, sie solle ihm helfen. Sie erwidert dem Boten höhnisch, Paris möge sich an Helena wenden. Trotzdem kommt sie, zu spät, da Paris bei der abschlägigen Nachricht gestorben ist.)
  20. Das Geißblatt. Spielmannsmotiv.
  21. Die Erkennung des Heimkehrenden durch seinen Hund. Odysseus-Sage.
  22. Der Jaspisring und seine Mahnung. Rittertümliches Motiv.
  23. Das weiße und schwarze Segel. Theseus-Sage.
  24. Rebe und Rose. Motiv aus dem Volksgemüt.

Nachwort

In seiner Sammlung altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen (Heidelberg 1811) sagt Wilhelm Karl Grimm, daß die Volksdichtung in einem beständigen Leben auf unendliche Art stets neu sich gestalte, und immer verschieden, immer doch auf demselben Grunde, wie auf einem Urfelsen, ruhe. Der alte keltische Roman von Tristan und Isolde ist zwar frühzeitig aus unaufgeschriebener Sage Buchdichtung geworden, wohl im zehnten Jahrhundert oder noch eher, aber da diese erste künstlerische Gestaltung längst verloren ist und die erhaltenen Fassungen des zwölften Jahrhunderts bereits Umwandlungen sekundärer Art sind, so ist der herrliche Stoff sozusagen für alle späteren Jahrhunderte ungeformte freie Legende geblieben. Wir wissen, die Urgestalten haben im sechsten Jahrhundert, offenbar in der Bretagne, gelebt; doch schon in dem verlorengegangenen Ur-Tristan, mag er um 950 oder schon früher niedergeschrieben sein, waren eine Menge damals moderner Dinge eingedrungen. Die alten Erzähler legten keinen Wert darauf, die Gestalten mit Seelen des sechsten Jahrhunderts reden und handeln zu lassen. Weder Berol noch Thomas, weder Eilhart noch Gottfried erstrebten derlei, sondern alle diese Dichter schauten ihre Helden einfach als Zeitgenossen.

Anders die heutigen Nacherzähler. So beteuert Joseph Bédier im Nachworte zu seiner Rekonstruktion (vgl. Deutsche Ausgabe, im Insel-Verlag, S. 224): Ich habe in diesem Buche versucht, jegliche Vermischung des Alten und Modernen zu vermeiden. Die Unstimmigkeiten, die Anachronismen, die falschen Ausschmückungen auszumerzen, das vetusta scribenti nescio quo pacto antiquus fit animus wahrzumachen, kraft meiner historischen und kritischen Wahrheitsliebe über mich selber Herr zu werden, niemals unsere modernen Auffassungen mit den alten Formen des Denkens und Fühlens zu vermengen: das war mein Vorwurf, meine Arbeit und, ohne Zweifel, ach, meine Schimäre...

In der Tat, dem Tristan Bédiers haftet das eigentümliche Parfüm des zwölften Jahrhunderts, herübergeholt aus Berol, Thomas, Eilhart und Gottfried, stark an; eine Rekonstruktion aber des verlorenen Ur-Tristans ist sein gelehrter Versuch keineswegs. Der von Marke ertappte Tristan winselt (Bédier, S. 79): Gewährt mir Gnade, Herr! Im Namen Gottes, der am Kreuze starb, Herr, Gnade für uns! Dann (S. 139) schwört Isolde auf die Gebeine von christlichen Heiligen. Und dem Einsiedler Ugrim (S. 117) sinkt sie, von Schmerz bewegt, zu Füßen.

Das sind frömmlerische Zutaten des zwölften Jahrhunderts. Die Spielleute und Dichter, die zweihundert Jahre zuvor den alten bretonischen Roman mündlich oder schriftlich verbreiteten, haben die beiden Gestalten unbedingt anders gesehen und hingestellt. Noch bestanden die heidnischen Elemente der Sage unverwischt und ungetilgt. Unecht auch ist alles, was die höfische Weltanschauung des zwölften Jahrhunderts eingefügt hat. Das Rittertum der Wikingerzeit oder gar unter den Merowingern war erheblich urwüchsiger und grausamer als zur Zeit der ersten Kreuzzüge.

Verlorene Werke zu rekonstruieren, ist unmöglich. Es gelingt weder Gelehrten noch Dichtern. Gewiß aber nähern wir uns dem alten Geist, der im Ur-Tristan gelebt und gewebt hat, wenn wir die geistlichen und höfischen Motive der späteren Bearbeiter bei Seite rücken.

Im Laufe der Jahrhunderte erweiterten sich die Begebenheiten des Romans. So ist der Kampf mit dem Drachen aus einer andern alten Sage in den Tristanroman geraten. Ebenso die Episode mit dem Hündchen Peticrü. Und vom Gottesurteil haben die Hörer des Romans im neunten Jahrhundert sicherlich nichts vernommen, geschweige daß die leibhafte Frau Isolde je das glühende Eisen in ihren schönen Händen gehalten hätte. Die älteste Fassung hat sich mit dem doppeldeutigen Schwur (im vorliegenden Versuche S. 132-133) begnügt.

Einige Nebengestalten sind im zwölften Jahrhundert zu zwei Figuren zerflossen; Morold und Morgan (vgl. Bédier S. 12), Paranis und Bleheri (vgl. Bédier S. 183), Brangäne und Camilla (vgl. Bédier S. 181) sind Doppelheiten, entstanden zum Nachteile der Komposition. Ähnlich steht es mit der zweimaligen Fahrt Tristans nach Dowelin (vgl. Bédier S. 23 und S. 30). Und am Schlusse, warum soll Kaherdin (vgl. Bédier S. 209) und nicht des totkranken Helden ältester und liebster Genosse Kurwenal den Jaspisring zu Isolden bringen?

Der Schauplatz des bretonischen Ur-Tristan ist, mit Ausnahme der Episode am Hofe König Hangwins, natürlich die Bretagne, die dem Dichter topographisch treu vor Augen gestanden hat. In der umfangreichen Tristan-Literatur Frankreichs und Deutschlands habe ich hier nur je einen Parteigänger. Die späteren Dichter, die keine Bretonen waren, haben die Hauptgeschehnisse aus dem bretonischen Cornouaille in das englische Cornwall gerückt. Es war ihr dichterisches Recht.

Über dem Chaos unsrer gottlosen Gegenwart weht etwas wie ein Hauch frischen Neuheidentums. Mehr als das gezierte Rittertum und die fromme Einfalt zu Zeiten Gottfrieds locken uns die furchtbaren Jahrhunderte der Völkerwanderung. Wie Tristan und Isolde lebten, war sie noch nicht zu Ende.

Der alte Roman ist noch immer nicht tote Literatur, nicht bloß dazu da, daß Doktordissertationen und Professorenbücher darüber geschrieben werden. Er lebt weiter, lebt immer wieder in andrer Form, unbekümmert um gelehrte Meinungen und Streitereien.

Wie weit sich die heutigen Europäer von der schlichten aber gewaltigen Weltanschauung des zehnten Jahrhunderts auch entfernt haben mögen, nicht zu ihrem Glück und nicht zum Ruhme der Menschheit, es lebt doch noch unter ihnen ein Fähnlein Erkorener, die alle die erschacherten kleinen eitlen Güter unsrer blutlosen Kultur mit Freuden weit von sich werfen würden, wenn sie nur einmal in ihrem langweiligen Leben einer Isolde in gleicher Inbrunst und Ehrlichkeit wie Gottfried von Straßburg jene jugendlichen unsterblichen Verse widmen dürften:

Ysot ma drue,
Ysot m'amie,
en vus ma mort,
en vus ma vie!

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