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Der Rattenfänger von Hameln

Julius Wolff: Der Rattenfänger von Hameln - Kapitel 3
Quellenangabe
typeepos
booktitleDer Rattenfänger von Hameln
authorJulius Wolff
publisherVitalis Verlag
addressFurth im Wald / Prag
isbn3-934774-08-3
titleDer Rattenfänger von Hameln
pages1-245
created20010721
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1876
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I. Zu Rathhause
 

                      In dem Rathhaussaal zu Hameln
Tagt des Raths Wohledle Weisheit.
Dicke Mauern, deren Pfeiler
Hochgeschwungne Bogen tragen,
Gürten die gewölbte Halle.
An der Decke ist der Himmel
Abgemalt mit Mond und Sternen;
Wie die Sonne aus den Wolken
Strahlt herab das Gottesauge
Deß zum Zeichen, daß auch Alles,
Was in diesem Saale vorgeht,
Der Allgegenwärt'ge schauet.
An der Wandung breit'ster Fläche
Ist des heiligen Bonifacii,
Dem das alte Stift geweiht ist,
Irdische Mission geschildert,
Wie die Heiden er bekehret,
Hier die Donnereiche fället,
Dort von Friesen wird erschlagen.
Und in einem andern Felde,
Wie Bernhardus, Graf von Bühren,
Von Angarien auch genannt wohl,
Und Christina, seine Gattin,
Mit dem schatzbeladnen Esel
Betend stehen und geloben,
Eine Kirche da zu bauen,
Wo sich Bruder Langohr müde
Oder faul zur Ruhe strecke.
Hier just blieb der Esel liegen,
Und auf so geweihtem Boden
Gründeten sie Bonifacio
Eine Stätte, die mit Mönchen
Aus dem Orden Benedicti
Segenspendend er besetzte.
Eine kleine Stufe höher,
Als des Saales grauer Estrich,
Abgesperrt durch eine Schranke,
Steht der Sitzungstisch des Rathes,
Drauf des Heilands Bild am Kreuze
Und das Stadtbuch, der Donat,
Hameln's Codex statutorum,
Um den Tisch im Halbkreis sitzen
Auf den lederüberzognen,
Hochgelehnten Polsterstühlen
Die zwölf Rathsherrn, und den Vorsitz
Führt Herr Wichard Gruwelholt,
Hameln's wackrer Bürgermeister.
Edle Herren sind die Zwölfe,
Graue Häupter der Geschlechter,
Männer auch in besten Jahren
Sind dabei, die Schwert und Lanze
Besser, als die Feder führen;
In die Stirne hängt das Haupthaar,
Wallt auf steif getüllten Kragen,
Der den kräft'gen Hals umschließet
Und das bärtige Gesicht.
Wamms und Mantel zeigen Wohlstand,
Nicht gespart sind Sammt und Seide
Auf dem feinen Tuch aus Flandern,
Und man sieht, bewußt ist jeder
Seines Amtes sich und Werthes
In der schwierigen Berathung.

Ernste Dinge, schwere Sorgen
Stehen auf der Tagesordnung,
Und die Wichtigkeit der Sitzung
Blickt aus jeder Rathsherrnmiene.
Um gemeiner Stadt Vermögen
Handelt's heut sich, um den Säckel,
Den der Bürgerschaft Erwählte
Ihrem braven Monetarius
Johann Steneken vertrauten.
Eben hat in längrer Rede,
Wohl gespickt mit glatten Zahlen,
Er vom Stande der Finanzen
Ein nicht grade sehr erbaulich
Bild dem hohen Rath entwickelt.
Näher rückt das Fest Martini,
Wo die Stadt dem Herzog Albrecht,
Braunschweig's Fürst und Oberlehnsherr
Der Vogtei, hat zu bezahlen
Vierzig silberne Talente.
Sind auch schwere Kriegesschulden
Aus der großen Mind'ner Fehde
Noch zu tilgen, die um Hameln
Einst der Ebersteiner führte
Mit dem Bischof Wedekinde,
Und die für die Stadt sich schimpflich
Wendete und ach! so traurig
Mit der Schlacht von Sedemünden.
Auch um Herzog Albrecht's Kasse
Stand's gewöhnlich nicht zum Besten;
Oftmals war die Stadt verpfändet,
– So auch jetzt dem Lüneburger –
Doch den Pfandschilling zu leisten,
Fehlt' es wieder mal dem Lehnsherrn,
Und um Brandschatzung zu meiden,
Mußte sich der Rath bequemen,
An Herrn Otto den Gestrengen"
Auch den Pfandschilling zu zahlen.
Wie zu tragen solche Lasten,
Stritt sich nun der Rechenmeister,
Eine spröde Zahlenseele,
Scharf und klar wie ein Exempel,
Mit Henricus Hogeherte,
Der die Zölle und Gefälle
Hatte jährlich auszuschreiben
Das verdrießlichste der Ämter.
Forderte der Monetarius
Von dem Zöllner neue Steuern,
Weil nicht anders auszukommen,
Schalt der Zöllner die Verwaltung
Die nicht hauszuhalten wüßte,
Hier verschwendete, dort kargte,
Aber nie am rechten Orte.
Bürgerschaft und Zünfte waren
Nicht des Zöllners beste Freunde,
Doch im Strauße mit dem Geldmann
Steneken, dem Pfennigfuchser,
Hatt' er sie auf seiner Seite;
»Es geschieht nichts«, hieß es mürrisch,
»Für den Schoß, den wir bezahlen,
Nirgends sieht man eine Bess'rung
Und Verwendung, möchten wissen,
Wo das viele Geld mag bleiben.«
Also klagten sie und drohten,
Hielten Reden auf den Stuben
Über ihres Rathes Wirthschaft,
Und der Vierundzwanz'ger »Umstand«
Paßte scharf ihm auf die Finger.
Heute wieder kam's zum Klappen
Zwischen jenen beiden Rathsherrn,
Und es fielen schwere Worte.
Bald der Eine, bald der Andre
Sprang vom Stuhl auf im Gefechte;
Wenn der Zöllner heftig ausfiel,
Braun und blau vor Ärger wurde,
Blieb der Geldmann kalt und trocken,
Doch mit spitzen Redestacheln
Reizte er noch mehr den Gegner.
Jeder hatte seinen Anhang
Hier am Tische, zu Parteien
Schloßen sich die Bundsgenossen,
Und es kreuzten sich wie Klingen
Ruf und Schelten aller Zwölfe.
Mit Herrn Steneken getreulich
Hielt es Ludolph Senepmole,
War ein Greis, beredt und lebhaft,
Und Marquardus de Golterne,
Ein geschworner Feind der Zünfte,
Welche ihm sein reich gestepptes
Wamms aus Bremen nicht verziehen;
Bertram Lupus mit der Narbe,
Bischöflichen Angedenkens,
Brauste auf in jähem Zorne;
Tile Scadelant, sein Schwäher,
Und sein Vetter Klaus Grobowe
Stimmten blindlings immer mit ihm.
Auf Herrn Hogeherte's Seite,
Der ein Lebemann und selber
Großen Aufwand macht' im Hause,
Stand nun Giso Senewolde,
Edelmüthig von Gesinnung,
Doch mit raschem, heißem Blute,
Thidericus de Emberne,
Stolz und vornehm, aber bissig,
Hetzte ihn und gab das Stichwort,
Das am meisten jene wurmte
Und wie Kipper klang und Wipper;
Heftig lärmten Bruno Dives,
Amelung de Oldendorpe,
Der, wie jedermann bekannt war,
Nach dem Ritterschilde strebte,
Und Matthias Werengisi,
Ein gewalt'ger Mann, der trutzig
Sein Baret mit langer Feder
Tief sich in die Stirne drückte
Und mit Sporen stets einherging.
Drohend stieg das Ungewitter,
Rothe Zornesadern schwollen,
Und ein Stampfen gab's und Toben
Daß die Fensterscheiben klirrten.
Einer aber hatt' ein Gaudium
An dem lichterlohen Brande:
Jacob Werner Ethelerus,
Hohen Raths gelehrter Schreiber;
Außen ließ er sich nichts merken,
Wem er Recht gab in der Meinung,
Doch er lachte sich ins Fäustchen,
Freute sich am Zank und gönnte
Jedem recht sein Fett von Herzen,
Ja, er hätt' es gern gesehen,
Daß sie sich beim Kragen kriegten
Und statt scharfer, grober Worte
Hageldichte Streiche fielen.
Aber kam es auch im Rathe
Nicht zum Spruche und Beschlusse,
Wie das Geld wohl zu beschaffen,
Bis zum Prügeln kam's nun doch nicht;
Dem Getöse und Gezänke
Macht' ein End' der Bürgermeister,
Der mit seines Schwertes Knaufe
An die eichne Tafel pochte
Und mit Amtes Kraft und Würde
Sich nun also ließ vernehmen:

»Ehrenfeste und Fürsicht'ge,
Günst'ge, liebe Herrn Collegae!
Maßen, wie es hat den Anschein,
Wir den Gegenstand des Streites
Heute nicht zum Austrag bringen,
Lasset uns nichts überstürzen
Und die leid'ge Geldnothfrage
Auf die nächste Sitzung schieben,
Sintemalen eine Sache
Hoher Wichtigkeit noch heute
Zu erledigen uns obliegt.
Männiglich bekannt und ruchbar
In der Stadt, die wir regieren,
Ist die schrecklich große Plage,
Die das überhand genomm'ne
Grausliche, vermaledeite
Ungeziefer uns bereitet.
Ratten, Ratten ohne Ende,
Mäuse auch wie Sand am Meere
Haben zwischen unsern Mauern
Überall sich eingenistet,
Hausen frech in unsrer Wohnung,
In der Küch' und Kemenate,
Auf dem Söller wie im Keller,
Nagen uns zu Kopf, zu Füßen,
Schlüpfen über unsre Betten
Selbst, wenn wir darinnen liegen,
Daß wir ihre kalten Schwänze
Manchesmal im Antlitz fühlen,
Naschen uns an Trank und Speise,
Stecken ihre garst'gen Schnauzen
In die Schüsseln, Krüg' und Töpfe,
Fressen sich in alle Schränke,
Wühlen sich durch alle Wände.
Sind wir doch hier auf dem Rathhaus
Nicht mal sicher vor den Bestien,
Saht's wohl nicht vorhin, Ihr Herren,
Wie sogar vor unsern Augen
Ratten durch den Saal hier tanzten,
Und doch war's nicht eben still hier.
Nichts schlägt an zu Hülf' und Abwehr,
Immer schlimmer wird die Plage
Immer größer wird der Jammer,
Denn sie mehren sich entsetzlich;
Eine echte Rattenmutter
Hält, Ihr wißt es, jeden Monat
Regelmäßig Wochenstube,
Bringt zur Welt dann Siebenlinge.
Geht's so fort in dem Verhältniß,
Fressen Ratten ja und Mäuse
Wahrlich bei lebend'gem Leibe
Noch die Haare uns vom Kopfe,
Und uns bleibt nichts Andres übrig,
Als – damit wir in den Kleidern,
Die wir tragen, und Geräthen
Diese Pest nicht noch verschleppen –
Splitternackend auszuwandern
Und die Stadt der Brut zu lassen.
Nachts, wenn ich so schlaflos liege,
Schlaflos, weil in meiner Kammer
Hin und her das hopft und trappelt,
Und das Sägen, Raspeln, Bohren
Von verfluchten Mäusezähnen
Mich nicht läßt die Augen schließen,
Hab' ich oft im höchsten Zorne
Alles, was ich konnt' erreichen,
Schuh und Kleidung, Krug und Leuchter
Nach den Ecken schon geschleudert,
Brachte doch das Teufelsviehzeug
Nimmermehr damit zur Ruhe,
Aber mich nur in Verzweiflung,
Daß ich lag in Schweiß gebadet.
Brauche Umfrag nicht zu halten,
Ob's nicht ähnlich Euch ergangen,
Ob es Einer anders wüßte;
(Alle schüttelten die Köpfe)
Also komm' ich nun zur Sache.
Gestern hat bei mir gemeldet
Sich ein Fahrender, ein Spielmann
Scheint er mir von äußrem Ansehn,
Sagt, daß er von unserm Elend
Unterrichtet und bereit sei,
Uns mit seiner Kunst zu dienen,
Denn ihm sei die Macht gegeben
Über alles Ungeziefer,
Wolle uns davon befreien,
Wenn er mit des Königs Frieden
Dürfe in der Stadt verweilen
Und wir mit ihm handelseinig
Einen Pakt zu schließen willig.
Ich beschied ihn her und hieß ihn
Auf dem Gange draußen warten,
Bis er vorgelassen werde,
Wenn's dem hohen Rath gefällig.«
Lauter Beifall tönte ringsum
Zu des Bürgermeisters Weisheit,
Untermischt mit manchem derben
Fluche auf die Langgeschwänzten,
Welche sich dadurch mit nichten
In dem lustigen Turniere
Vor der hohen Rathsversammlung
Im Geringsten stören ließen.
Und es rief Herr Gruwelholt:
»Stadtknecht, führt herein den Fremden!«

Aus der Dunkelheit des Ganges
Schritt durch die gewölbte Pforte
Langsam in den Saal der Fremdling
Und trat höflich sich verneigend
Mitten vor den Tisch des Rathes.
War ein Mann von schlankem Wuchse,
Auf der markigen Gestalt,
Die so leicht und doch so sicher
In der kleidsam engen Tracht
Sich bewegte, lag die Ruhe
Und die Kraft des Selbstvertrauens.
Um die freie Stirne wehte
Was wie Stolz, und aus den lebhaft
Sprechenden, entschiednen Zügen
Lauerte verschlagne Klugheit.
Um das Antlitz, das gebräunte
Mit der leicht gebognen Nase
Hingen lange, dunkle Locken,
Und auf rother Lippe krümmte
Übermüthig sich der Schnurrbart.
Wachsam unter schwarzen Brauen
Funkelten zwei tiefe Augen,
Die mit einem schnellen Blicke
Scharf wie eines Falken Seher
Über die Versammlung blitzten.
»Fremder,« sprach der Bürgermeister,
»Sagt uns vörderst Euren Namen,
Eure Herkunft, Stand und Alter.«
»Weiß nicht, Herr, wo ich geboren,
Auf der Heerstraß' ist's gewesen
In dem Troß auf einer Kriegsfahrt,
Ist wohl dreißig Jahr und länger,
Bin ein Bankert, – nicht verschweig' ich's –
Kannte Vater nicht und Mutter;
War ein Reitersmann der Eine,
Aber frei und ritterbürtig,
Der im tiefen, nassen Graben
Irgend einer Burg mag faulen,
Und die Andre mußt' ihr Leben
Lassen, als das meine anfing.
Doch die Alte, die mich aufzog,
Sagte, schön sei sie gewesen,
Habe Lieder singen können,
Wie kein andrer Mund auf Erden.
Was die Alte davon wußte,
Hat sie später mich gelehret
Und dazu manch weises Sprüchlein,
Denn die Kunst und Lust am Singen
War mir selber angeboren;
So bin ich ein Spielmann worden,
Fahre unstet durch die Lande,
Lieder hab' ich ungezählte,
Eine Heimath hab' ich nicht.«
»Und Eu'r Name?« – »Hunold Singuf.«
»Hunold Singuf, Ihr getraut Euch,
Unsre Stadt vom Ungeziefer,
So von Ratten wie von Mäusen
Binnen kurzer Frist zu säubern?«
»So von Ratten wie von Mäusen,
Ja! Herr, wenn mit Königs Frieden
Ich in Eurer Stadt darf weilen.«
»Und was fordert Ihr zum Lohne?«
»Hundert Mark in gutem Silber
Hamelenscher Witt' und Wichte.«
»Könnt Ihr es nicht bill'ger machen?«
Fragte schnell der Rechenmeister.
»Keinen Albus dürft Ihr handeln,
Ich bin nicht gewohnt zu mäkeln.«
»Welche Frist begehrt Ihr, Singuf,
Bis zum Tod der letzten Ratte?«
Frug Henricus Hogeherte.
»Mit dem Vollmond«, sprach der Spielmann,
»Kann ich erst mein Werk beginnen.
Gestern hatten wir ja Neumond;
So von heute an gerechnet
Brauch' ich dreimal sieben Tage
Bis zum Tod der letzten Ratte;
Und wenn nach drei andern Tagen
Sich nicht Ratz noch Maus mehr zeiget
Dann beding' ich noch ein Badgeld,
Eine sondere Verstattung,
Doch es sei nicht bare Münze,
Auch nicht Geldwerth oder Ehre,
Die dem Spielmann nicht gebühre.«
»Welche Mittel doch und Wege,
Welches Kraut und welchen Zauber
Wollt Ihr brauchen?« fragte Lupus.
»Herr, das ist nun mein Geheimniß,
Laßt mich schalten, laßt mich walten,
Was Ihr sehen mögt und hören,
Stört mich nicht in meinem Treiben,
Schließt um Mitternacht die Häuser,
Doch ein Stadtthor laßt mir offen;
Einsam seien dann die Gassen,
Daß mir Niemand dort begegne;
Als Eu'r Gast und Schützling weil' ich
In der Stadt mit Königs Frieden,
Haltet Eu'r Wort, halt' ich meines,
Säubere Euch alle Häuser
So von Ratten wie von Mäusen.« –

Hundert Mark! – 's ging ihnen nahe
Und im Säckel tiefe Ebbe;
Was die Zünfte sagen würden,
Wenn sie von dem Pakte hörten,
Und dann die geheime Klausel
Von der sonderen Verstattung,
Die er noch nicht nennen wollte
Oder konnte, das bedachten
Alles die wohlweisen Rathsherrn,
Blickten stumm sich gegenseitig
In das sorgenvoll gefaltne,
Aber wohlgenährte Antlitz.
»Hundert Mark in gutem Silber
Hamelenscher Witt' und Wichte!«
Murmelte der Ein' und Andre,
Hundert Mark! ein Sündengeld zwar
Doch an Ratten und an Mäusen
Waren ja viel hunderttausend,
Und wenn sie der Qualen dachten,
Die in einer Nacht nur eine,
Eine einz'ge Maus in ihrer
Stillen Kemenate ihnen
Knuspernd, kraspelnd konnt' bereiten,
Fühlten sie es heiß und kalt schon
Über ihren Rücken laufen,
Und es däuchte hundert Mark dann
Ihnen eine Bettelgabe,
Aus der Stadt gemeinem Säckel
Ruh und Schlummer sich zu kaufen
Vor den Ratten und den Mäusen
Und den lieben Eh'gesponsten.

So zur Stetigkeit und Urkund
Ward der Pakt geschlossen und dann
Zu den Heiligen geschworen,
Da man zählte Jahr des Herrn ...
Einen Tag vor Sankt Lamberti,
Und der Stadt gelehrter Schreiber
Jacob Werner Ethelerus
Nahm's zu öffentlichem Briefe,
Hängte dran das Ingesiegel,
Drauf ein Mühlstein in dem Schilde.
Den zwei grimme Löwen hielten.
Hunold wandte sich zur Thüre
In die Dunkelheit des Ganges,
War im Augenblick verschwunden.
»Geht hinab zum Herrenkeller,
Laßt ein Trinken Euch zum Willkomm
Auf des Rathes Kosten geben!«
Rief ihm nach Herr Hogeherte.

Eines edlen Rathes Sitzung
Schloß darauf der Bürgermeister,
Und die Rathsherrn, froh im Herzen,
Daß doch etwas war beschlossen,
Schnell versöhnt mit Händeschütteln,
Trennten sich nach vielen Grüßen,
Wandelten in ihre Häuser
Zu den lieben Eh'gesponsten,
Zu den Ratten und den Mäusen.
Manchem doch ward's von den Herren
Um die Stirn ein wenig schwüle,
Wenn ihm mit devotem Gruße
Auf der Gaß' ein Hudemeister
In den Weg kam, und er dachte:
Was die Zünfte sagen werden!


 

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