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Der Piratenschoner / Der Spangenschuh der Lady Broog

Walther Kabel: Der Piratenschoner / Der Spangenschuh der Lady Broog - Kapitel 4
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typenarrative
authorWalther Kabel
titleDer Piratenschoner / Der Spangenschuh der Lady Broog
publishero.A.
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
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3. Kapitel. Wir lernen James Goorb kennen

Albemarle schwieg eine Weile und fügte hinzu: »Das ist alles, Master Harst.«

»Weshalb haben Sie Ihre Kenntnis dieser Einzelheiten der Hafenpolizei gegenüber verschwiegen, Mylord?« fragte Harald nun.

»Weil ich mich nicht noch lächerlicher machen wollte! Nur deshalb. Sollte ich der Polizei verraten, daß ich Britton Bessies wegen beschäftigte?!«

»Nun gut, Mylord. Es schadet jetzt nichts, daß Sie schwiegen. – Wo befindet sich Britton?«

»Er beobachtet die Mohalla.«

»Hat er Neues in Erfahrung gebracht?«

»Nichts. Nur das eine, daß tatsächlich nur drei Mann die Jacht bewachen, der Steuermann Malcolm und Brigham und noch ein Matrose.«

»Aus der Geschichte wird kein Mensch klug,« meinte Harald.

»Das sagt Britton auch, Master Harst.«

Harald begann zu rauchen. Der Lord bot mir eine Zigarre an. Als ich ihm das Feuerzeug hinhielt, fragte er:

»Was nun, Master Harst?«

Harald blieb stumm. – Ich flüsterte Albemarle zu: »Stören Sie ihn nicht, Mylord –«

Harst sprang plötzlich auf. »Ich muß Britton sprechen. Wo ist er zu finden?«

»Er steckt in einer leeren Kiste gegenüber dem Liegeplatz der Mohalla.«

»Mylord, besitzen Sie eine Jacht?«

»Welche Frage! Natürlich! Die schnellste Motorjacht der ganzen Ostküste. Mein Meteor ist berühmt.«

»Geben Sie sofort Befehl, daß die Jacht jeder Zeit reisefertig ist.«

»Oh – das ist sie, Master Harst. Sie liegt im Jachthafen des hiesigen Jachtklubs.«

»Dann gehen Sie an Bord und erwarten Sie uns dort. Lord Blackmoore nebst Gattin wohnen im Imperial. Wecken Sie sie und nehmen Sie sie mit auf den Meteor. Wer ohne jedes Aufsehen. Am besten geschieht das alles heimlich. Ich vermute, daß die Mohalla sehr bald in See stechen wird. Wir müssen ihr dann auf den Fersen bleiben.«

Wir trennten uns nun.

Eine Viertelstunde später umschlichen wir einen Stapel leere Kisten, der auf dem Kai gegenüber der Mohalla lag. Unterwegs zum Hafen hatte ich Harald gefragt, ob er nun bereits eine Lösung all dieser seltsamen Ereignisse gefunden hätte, worauf er erwiderte: »Du verlangst zu viel, mein Alter. Wenn Du Dir das, was wir jetzt wissen, genau überlegst, stößt Du überall auf Widersprüche. Ich hoffe aber, daß die Karo-Sieben einiges klären wird.« –

Harald pochte hin und wieder an eine der Kisten an und rief leise: »Britton – Albemarle schickt uns.«

Niemand meldete sich. Dann kamen wir an eine ganz große Kiste, die etwas abseits lag. Wieder rief Harst. Und jetzt erhielten wir Antwort.

»Was gibt's?«

Zu unserem Erstaunen hob sich dann der eine Seitenteil der Kiste, der oben Scharniere haben mußte.

»Schnell hinein zu mir,« flüsterte der Detektiv.

Harald versetzte mir einen leichten Stoß in die Rippen. Das hieß: »Achtung!«

Die Kiste war sehr lang und vielleicht 1¼ Meter hoch.

Harald kroch voran. Ich hielt den Seitendeckel hoch. Dann folgte ich Harst – mit recht gemischten Gefühlen. Ich ahnte schon, daß hier etwas nicht stimmte.

Es war auch so. Kaum war der Deckel hinter mir zugefallen, als der andere Seitenteil gelüftet wurde und blitzschnell ein Mensch hinausschoß. Dann kippte die Kiste um, stand nun auf dem einen Deckel. Wir beide rutschten übereinander, lagen nun mit den Köpfen nach unten in dem großen Kasten.

Hammerschlage dröhnten über uns. Und abermals kantete man die Kiste um, so daß wir auf die Füße zu stehen kamen.

»Schießen!« raunte ich Harst zu. »Schießen! – Da – die Kerle nageln auch den anderen Deckel zu –«

»Meinetwegen. Dann schieße aber bitte in die Erde. Tu's nur. Es sieht auch echter aus.«

»Was heißt das?«

»Daß ich ganz einverstanden bin, auf die Mohalla geschleppt zu werden, mein Alter –«

Ich holte die Clementpistole hervor, drückte zweimal ab.

Die Kiste wurde schon angehoben. Man rannte im Trab mit uns davon. Mit einem Male ein harter Stoß, noch einer. Wir flogen mit den Köpfen gegeneinander.

Dann stand unser Gefängnis still. Und eine Stimme sagte sehr laut in tadellosem Englisch:

»Wenn Sie nochmals schießen, haben Sie auf Schonung nicht zu rechnen!«

»Sie auch nicht,« erwiderte Harst. »Ich möchte Ihnen nur erklären, daß die Mohalla sofort von der Hafenpolizei durchsucht werden wird.«

Ein helles Lachen folgte. Es war fast, als ob eine Frau lachte.

»Die Polizei kommt zu spät. Die Mohalla geht in See.« sagte eine andere Stimme, die sehr rauh und sehr verstellt klang. »Wir wissen, wer Sie beide sind. Mit Leuten Ihres Schlages werden wir noch jeder Zeit fertig. Werfen Sie die Pistolen aus der Kiste. Ich werde den Deckel etwas lüften lassen. Gehorchen Sie nicht, dann gießen, wir Chloroform in den Kasten.«

Harald drückte mir den Arm.

»Ein Weib!« hauchte er. »Sollte das Bessie sein?!«

Er rief dann ganz laut:

»Gut, wir gehorchen –«

Als wir unsere Waffen auf dieser Weise losgeworden waren, hob sich der eine Deckel vollends, und dieselbe unnatürlich rauhe Stimme befahl:

»Kommen Sie heraus!«

Wir krochen hervor, richteten uns auf. Wir befanden uns in einem Salon, wie er eleganter kaum eingerichtet sein konnte. Uns gegenüber saß in einem Lederklubsessel ein älterer Herr in blauem Jackenanzug. Sein grauer Spitzbart und das graue, gescheitelte Haar paßten nicht recht zu dem schmalen, tiefgebräunten, aber faltenlosen Gesicht.

Der Herr hielt in der Rechten eine unserer Pistolen, winkte uns zu und deutete auf die Kiste.

»Setzen Sie sich dort hinauf. Ich schieße sofort, wenn einer von Ihnen sich mir nähert,« sagte er drohend.

Wir taten wie befohlen. Wir waren mit diesem etwas merkwürdigen Herrn ganz allein im Salon.

»Master Harst,« begann er dann, »Sie hätten besser getan, sich nicht in diese Sache einzumischen. Sie werden es bereuen.«

Wir merkten, daß die Jacht bereits auf der offenen Reede sein mußte. Sie schwankte immer stärker. Wir hörten auf Deck mehrere Leute hin und her laufen.

Harst musterte den Unbekannten eine Weile.

»Miß Bessie Flepp,« sagte er dann lächelnd, »Sie werden doch einen Harald Harst nicht über Ihr wahres Geschlecht täuschen wollen?!«

Die Verkleidete stampfte sehr temperamentvoll mit dem Fuße auf.

»Ich bin nicht Bessie Flepp!« rief sie, immer noch die Stimme verstellend. »Ich bin der Besitzer der Mohalla, bin James Goorb!«

»Angenehm!« meinte Harst mit ironischer Verbeugung. »Also James Goorb! Ganz interessant, die Geschichte wird immer verzwickter. Daß noch eine zweite Frau hier mit im Spiel ist, macht die Sache weit komplizierter. Auf den Vornamen James haben Sie jedenfalls keinen Anspruch, Miß oder Mistreß Goorb. James müßte ein Mann sein, und Sie sind kein Mann.«

Die Verkleidete sprang auf und legte auf Harst an.

»Sie sind verrückt! Noch niemand hat –« – Sie schwieg plötzlich.

Eine der vier Türen des Salons war aufgerissen worden. Der Matrose Brigham steckte den Kopf herein.

»Master Goorb – einen Augenblick!«

Die maskierte Frau winkte ihm. Sie behielt uns scharf im Auge, während sie mit Brigham nun erregt flüsterte. Dann gab sie Brigham die Pistole und ging eilends hinaus. Der Matrose setzte sich in denselben Sessel. Sein pockennarbiges Gesicht suchte zuerst eine höhnisch-triumphierende Miene anzunehmen. Aber unter Harsts dringendem Blick wurde Brigham immer unruhiger.

»Brigham, das kostet verschiedene Jahre Zuchthaus,« sagte Harald dann sehr langsam. »Sorgen Sie dafür, daß wir nachher in eine Kabine gebracht werden, in der man uns nur so bewacht, wie es Gentlemen zukommt. Ich werde dann später für Sie ein gutes Wort einlegen.«

Der alte Matrose probierte ein ironisches Auflachen. Aber es geriet ihm nicht. Sein Gesicht wurde zur Fratze, aus der man als stärkste Seelenempfindung Angst herauslesen konnte. Er schaute zu Boden.

Es wäre ein leichtes gewesen, ihn zu überrumpeln. Aber Harst verfolgte offenbar andere Absichten.

Gleich darauf trat James Goorb wieder ein. Abermals flüsterte diese verkleidete Frau, die unmöglich alt sein konnte, mit Brigham ebenso leise wie vertraulich. Der Matrose schien ihr einen Vorschlag zu machen. Sie sträubte sich erst. Dann nickte sie widerwillig, gab Brigham die andere Clementpistole, die sie in der Jackentasche hatte, und rief uns mit derselben rauhen Stimme zu: »Wir werden Sie beide in einer Kabine unterbringen. Gehen Sie voraus durch jene Tür.« Sie deutete auf dieselbe Tür, durch die Brigham vorhin erschienen war.

Hinter dieser Tür lag ein Gang, der ebenfalls durch elektrische Deckenlampen erleuchtet war. An der Seite befanden sich drei Kabinentüren. Wir mußten in die letzte rechter Hand hinein.

Die Tür schlug hinter uns zu. Ein Schlüssel wurde umgedreht. Der Knall der zufallenden Tür hatte einen ganz besonderen Klang. – Wir standen im Dunkeln. Harald fand dann den Lichtschalter. Die Deckenlampe flammte auf.

Rechts und links an der Wand je ein Kojenbett. Geradeaus an der Schiffswand ein Schrank und ein einfacher Schreibtisch. Neben der Tür ein Waschtisch und ein kleinerer Schrank. Dazu drei kleine, weißlackierte Rohrsessel. In der Schiffswand zwei runde Fenster, sogenannte Bullaugen. – Das war unser Kerker auf der Mohalla.

Harald untersuchte die Tür. »Eisen!« sagte er kurz.

Dann setzte er sich an den Schreibtisch, holte sein Zigarettenetui hervor und hielt es mir hin.

»Bediene Dich. Wir müssen uns darüber schlüssig werden, wie wir uns zu diesem merkwürdigen James stellen wollen.«

Ich nahm neben ihm Platz. Er rauchte eine Weile und starrte vor sich hin. Inzwischen hatte ich mir über Lord Robert Albemarle bereits mein Urteil gebildet.

»Albemarle hat uns hineingelegt!« platzte ich jetzt heraus. »Er hat Bessie doch entführen lassen. Er schickte uns zu dem Stapel Kisten, damit man uns dort festnehmen könnte. Vielleicht gibt es gar keinen Detektiv Britton.«

»Hm – ich glaube doch, mein Alter. Wenn Du genau hingesehen hättest, wäre Dir aufgefallen, daß von den sechs Türen des Kabinenganges draußen zwei einen besonderen, frischeren Anstrich hatten und daß nur in diesen Türen die Schlüssel von außen steckten. Die eine dieser Türen ist die unsrige, und die zweite die der Nachbarkabine. – Gib mal acht –«

Er pochte leise an die Verbindungswand. Diese bestand aus dunkelgebeiztem Mahagoniholz, das durch Leisten und Rillen in Felder geteilt und verziert war. – Er pochte in ganz bestimmten Zwischenräumen. Dann erfolgte Antwort – drei Klopftöne. Nun dauerte es nicht lange, bis Harst mit dem Mann drüben sich durch diese Klopfzeichen verständigen konnte. Als er den Namen Britton hinübertelegraphierte, erfolgte als Antwort ein »Ja«. Dann depeschierte Harst unsere Namen:

»Schraut und Harst.«

»Erfreut. Mohalla Piratenschoner,« war die Antwort.

»James Goorb Weib,« fragte Harald an.

»Ja. Im übrigen keine Ahnung.«

»Wir nicht viel mehr. Schluß vorläufig.« –

»Na,« meinte Harst, »nun wirst Du wohl einsehen, daß Lord Albemarle harmlos ist. Ich wußte es gleich. Ich habe ja Albemarle und Brighams Gespräch belauscht. Diese Unterhaltung hätte sonst ja Komödie sein müssen. Und – das war sie nicht. Das merkte ich. – Nein, Albemarle hat uns in nichts betrogen.«

Harald hatte am Schreibtisch Platz genommen. Ich saß neben ihm. Er zog jetzt die Spielkarte, die Karo-Sieben, aus der Tasche und legte sie vor sich hin.

Das Kartenblatt war nur wenig zerknüllt, obwohl Mutter Flepp es doch frei in der Tasche getragen hatte.

»Bitte,« sagte Harald. – Das hieß, ich solle es mir ansehen.

»Du hast es ja selbst kaum erst flüchtig betrachtet« meinte ich.

»Es genügte,« erklärte er und kniff lächelnd die Augen etwas zusammen. »Mutter Flepp fehlen die Detektivblicke. Du bist ja Detektiv, mein Alter. Also – los!«

Ich nahm die Karo-Sieben und tat mit ihr alles, was ein Mann vom Fach in solchen Fällen zu tun pflegt. Ich mühte mich zehn Minuten ab. Ich fand nichts.

»Rückseite!« half Harald mir da.

Rückseite?! – Die hatte ein grün und braun gestreiftes Muster. Ich hatte auch dieses Muster sehr genau besichtigt.

»Halte die Karte schräg gegen das Licht,« meinte Harst. – Auch das hatte ich getan.

»Du glaubst, daß die Reihen von Punkten, die sich durch das Muster ziehen, mit dazu gehören,« fügte Harald hinzu. »Das ist nicht der Fall. Die Punkte sind nachträglich mit einer Feder und brauner und grüner Tusche hergestellt. Ihnen fehlt der Glanz des übrigen Musters. Sie heben sich als matte Pünktchen ab. Schau' sie nur genau an, und Du merkst, daß sehr oft ein grüner Punkt auf den braunen Streifen und umgekehrt steht. Wenn die Punkte eine Geheimschrift darstellen, so kann es nur eine solche sein, die etwa durch die Morsezeichen zu lösen ist. Probieren wir, ob etwa der grüne Punkt soviel wie Strich und der braune soviel wie »Punkt« des Morsealphabets bedeutet –«

Er nahm Papier und Bleistift aus seiner Brieftasche und sah sich nach einer Schreibunterlage um. Links auf dem Schreibtisch lagen mehrere englische Zeitungen, – Morning Post, Standard, Times, und als einzige französische die Gazette de Marseille.

Er legte die Morning Post unter das Blatt Papier und begann die Geheimschrift zu dechiffrieren. Währenddessen hatte ich die Zeitungen zur Hand genommen. Die Nummern waren recht alt, einige über drei Jahre. Ich blätterte den Standard durch. Mit einem Male stutzte ich. Da war ein Artikel rot angestrichen:

»Die Hochzeitsfeier Lord Percy Blackmoores mit Lady Shairfield, die gestern auf dem Schlosse des Brautvaters in Schottland stattfand, erlitt eine unangenehme und peinliche Störung dadurch, daß sich eine Dame, die an Lord Blackmoore ältere Rechte zu haben glaubte, in die Schloßkapelle eingeschlichen hatte und während der Trauung plötzlich vom Chor herab dem Bräutigam eine furchtbare Drohung zurief. Fraglos hätte sie diese auch wahr gemacht, wenn nicht ein Zuschauer ihr den Revolver entrissen hätte. Die Dame ist im übrigen in ganz England als die exzentrischste Frau dieses Jahrhunderts geradezu berüchtigt. Ihr nach einigen Dutzend von Millionen zählendes Vermögen erlaubt ihr, jede ihrer tollen Launen –«

»Ich hab's!« rief Harald da. »Ich hab's! Hör' zu, was die Karo-Sieben verrät:

»Braxler will Montag bestimmt morgens zurück.« Na, mein Alter, was sagst Du nun?«

»Ich – ich sage gar nichts, denn ich verstehe diese Mitteilung nicht,« erklärte ich achselzuckend.

»Mitteilung – sehr richtig! Mutter Flepp wird Bessie sehr scharf überwacht haben. Deshalb hatte das Pärchen einen Briefwechsel mit Hilfe von Spielkarten ersonnen. Steuermann Melkope, der Verehrer Bessies, wird auf diese Idee gekommen sein. Solche Karten kann man irgendwo verstecken, etwa in der Kneipe, und der andere holt sie sich dann. Wird so eine Karte zufällig gefunden, so ahnt niemand, was eigentlich dahinter steckt. Diese Karo-Sieben besagt folgendes. »Braxler will«, das heißt, der Kapitän der Atlanta ist mit irgend etwas einverstanden. »Montag bestimmt«, das heißt, Montag nacht (wie geschehen), handeln wir wie schon verabredet. »Morgens zurück« kann nur bedeuten, daß die Atlanta ein Stück in See gehen wollte, womit Braxler einverstanden war, und morgens sollte die Atlanta wieder am Kai liegen.«

Ich schüttelte den Kopf. »Bitte – sie ist aber nicht zurückgekehrt,« meinte ich zweifelnd.

»Von dem internationalen Seerecht hast Du wenig Ahnung, mein Alter. Jeder Kapitän eines Handels- oder sonstigen Fahrzeugs darf unter bestimmten Umständen den Standesbeamten spielen. Ich bin überzeugt, daß Thomas Melkope und Bessie Flepp sich auf See haben trauen lassen wollen. Kapitän Braxler mag sich erst gesträubt haben. Dann war er einverstanden. Und der blondbärtige Herr, der Bessie aus dem Gayty-Theater abholte, wird Melkope in einer Verkleidung gewesen sein. Ein blonder Bart ist schnell befestigt, wenn man es versteht.«

»Nun ja – die Atlanta kehrte doch aber nicht zurück!« sagte ich hartnäckig.

»Nein – weil inzwischen etwas geschah, womit weder Braxler noch Melkope rechnen konnten. Mir ist jetzt nur noch ein einziger Punkt unklar: der Grund!«

»Welcher Grund?«

»Weißt Du das wirklich nicht?! Ich bitte Dich: Denke doch mal an Brittons Beobachtungen in der verhängnisvollen Nacht und an das, was er durch die Oberlichtfenster erlauschte.«

Ich sann nach.

»Ah – die Atlanta wurde entführt, und der Matrose Brigham hat den beiden Wachen auf der Atlanta mit dem Schnaps, den er ihnen spendete, ein Schlafmittel verabreicht –«

»Sehr richtig. Und dieser weibliche Jachtbesitzer James Goorb ist mit dem Motorboot hinter der Atlanta dreingefahren. Britton sagte ja auch durch Klopfzeichen: »Mohalla Piratenschoner«. – Also auch er nimmt an, daß die Leute der Mohalla nicht harmlos sind.«

»Ja – aber James Goorb ist jetzt doch wieder hier auf der Mohalla?!«

»Stimmt. Das hängt eben mit dem Grund zu der Entführung der Atlanta zusammen. Und diesen Grund kenne ich noch nicht. Jedenfalls wissen wir jetzt schon recht viel. Die Schleier lüften sich. Und der ängstlich gewordene Brigham wird –«

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