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Der Pedlar

Otto Ruppius: Der Pedlar - Kapitel 4
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typefiction
authorOtto Ruppius
titleDer Pedlar
publisherHesse & Becker Verlag
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Erstes Kapitel. Zwei Landhäuser

Es war Mitte Dezember, aber in den beglückten Tälern, wie sie zwischen den südlichen Ausläufern des Alleghany- und Cumberlandgebirges liegen, hatte noch kein unfreundlicher Sturm die Blätter von den Bäumen geweht. Der ›Indian Summer‹ lag mit seinem tiefblauen Himmel mild über den buntschattierten Wäldern, und nur die kahlen Felder verrieten die weit vorgerückte Jahreszeit: Eins dieser Täler, von allen Seiten durch abgestufte bewaldete Höhenzüge gedeckt, zieht sich von der südlichsten Biegung des Tennessee-River nach Alabama hinein, und wen sein Reiseglück einmal hindurchgeführt hat, dem schwindet das üppige Landschaftsbild, in das der menschliche Reichtum überall seine Spuren eingestreut, sobald nicht wieder aus der Seele. Soweit das Auge von der gut chaussierten Hauptstraße abschweifen kann, trifft es überall auf weiße, aus dem sie umgebenden Grün hervorleuchtende Villen, sämtlich aus Stein im italienischen Stile gebaut und von ausgedehnten Gartenanlagen umgeben. Es sind die Wohnhäuser der Pflanzer, die hier durchgängig mit viel größerem Geschmack ihren Reichtum zeigen als in irgendeinem anderen Teile des südwestlichen Landes.

Ungefähr eine Meile seitwärts von der Hauptstraße und etwa zehn vom Tennesseeflusse entfernt, lag eine dieser Villen zwischen dem immergrünenden Wäldchen, das sie umgab, wie eine Perle im Moose. Ein breiter, von Säulen getragener Portico umgab das ganze Haus, auf den sich an Stelle der Fenster breite, durch grüne Jalousien geschützte Glastüren öffneten. Rechts und links zeigten sich beim Eintritt in die Halle geräumige, mit allem Luxus ausgestattete Parlors, und der Blick durch die Hintertür fiel über einen mit Kies bestreuten Platz weg auf ein großes, aus Draht angefertigtes Vogelhaus, in dem sich alle Sorten von Geflügel umhertummelten. Ein gesatteltes Roß stand jetzt, an einen Baum gebunden, in der Nähe desselben.

In einem der Frontparlors saß eine junge, bleiche Dame im Schaukelstuhle und vor ihr, sich ungeniert auf den Hinterbeinen eines Stuhles wiegend, ein Mann im Ausgange der Zwanziger, dessen Anzug und Bewegungen man es ansah, daß er die östlichen Hauptstädte gesehen.

»Sie sind ein Kind, Alice!« sagte er soeben und fuhr mit der Hand nach dem Munde, als wolle er ein Gähnen verbergen. »Ich habe Sie geliebt, sehr geliebt, aber es war dennoch kein Gefühl für die Ewigkeit. Wechsel kommen in uns, ohne daß wir etwas dazu tun. Ich bin kaum aus dem Osten zurück und statte Ihnen schon meinen Besuch ab,« fuhr er mit einem Lächeln fort, das einen häßlichen Zug um seinen Mund legte, »können Sie noch mehr Aufmerksamkeit verlangen?«.

Das Mädchen schlug ein großes, dunkles Auge zu dem Redenden auf. »Ich kenne Sie, Henry, ich kenne Ihre ganze Schlechtigkeit, und doch zwinge ich mich oft, nicht daran zu glauben. Meinetwegen sind Sie doch heute nicht hierher gekommen,« fuhr sie mit einem leichten Zittern in der Stimme fort, »was ist denn also der eigentliche Grund Ihres Besuches?«

Der Mann hatte nur zu Anfang ihrer Rede einen Blick in ihr Auge geworfen und es dann vermieden. Jetzt sprang er von seinem Stuhle auf und ging, wie mit einem Entschlusse nicht ganz fertig, zweimal das Zimmer auf und ab. »Alice,« sagte er endlich, an einer der Glastüren stehen bleibend und ins Freie schauend, »ich brauche etwas Geld – können Sie mir einiges geben?«

Alice sah rasch auf und sank dann, wie von aller Spannkraft verlassen, in sich zusammen. »Ich habe kein Geld, Mr. Baker,« erwiderte sie langsam, »Vater kommt erst nächste Woche zurück, und ich habe kaum genug, um unsere Ausgaben zu bestreiten.«

»Sie werden doch vielleicht etwas haben, Miß Morton, wenn ich Sie darum bitte!« erwiderte er, ohne seine Stellung zu verändern.

»Ich habe nichts, wie ich Ihnen sagte!« »Oder werden für die Hausbedürfnisse sich anderwärts etwas anschaffen können?«

»Ich kann nicht, ohne mich allerlei Vermutungen auszusetzen.«

»Besser ungegründete Vermutungen als gegründetes Gerede!«

Das Mädchen fuhr im Schaukelstuhl in die Höhe, wie von einer Schlange gestochen. »Henry,« sagte sie, sich totenblaß erhebend, »Henry, Sie sind ein Teufel!«

»Warum denn nun gleich ein Teufel?« sagte er, sich mit dem früheren häßlichen Lächeln umdrehend. »Sagen Sie, Alice, haben Sie mich nicht früher oft genug einen Engel genannt, und jetzt, weil ich einen kleinen notwendigen Liebesdienst von Ihnen fordere, muß ich so verändert sein?«

»Aber ich kann doch nicht, ich weiß nicht einmal den geringsten Vorwand, Geld irgendwo zu verlangen.«

Baker zuckte die Achseln. »Wie Sie wollen. Miß Morton!« sagte er kalt und ging nach dem Ausgange.

Des Mädchens Augen folgten ihm, weit aufgerissen. »Henry!« rief sie, als er ohne Zögern die Tür öffnete.

»Miß Morton?« erwiderte er, sich halb umdrehend. Sie warf einen Blick voller Angst in sein eiskaltes Gesicht, dann ließ sie den Kopf sinken, ging langsam nach einem eleganten Schreibtische, der an der Wand des Zimmers stand, nahm ein silbernes Portemonnaie heraus und legte es obenauf. Ohne nach dem Anwesenden einen Blick zu tun, deutete sie mit der Hand darauf, fiel dann in den Schaukelstuhl und schlug beide Hände vor das Gesicht. Baker trat in das Zimmer zurück und schloß die Türe. »Ich bitte Sie, Alice,« sagte er, »machen Sie mir keine Szene; ich will kein Geld von Ihnen erpressen, sondern es freundlich von Ihnen erhalten haben. Ich habe Ihnen weder mit etwas gedroht noch ein unschönes Wort gesagt, merken Sie das wohl, Alice, ich habe Sie nur gebeten. Kommen Sie und geben Sie es mir in einer Art, wie es unter so guten Freunden, wie wir gewesen sind, Stil ist.«

Das Mädchen zuckte wie unter verhaltenem Schluchzen zusammen. »Nehmen Sie, dort liegt es,« sagte sie endlich langsam, »aber töten Sie mich nicht noch.«

Baker sah einen Augenblick scharf prüfend auf, zuckte dann die Achseln und leerte das Portemonnaie, jede Banknote glatt legend, sie durchzählend und sorgfältig in sein Taschenbuch steckend. »Ich danke vorläufig, Alice!« sagte er dann und verließ das Zimmer. Als er sein Pferd auf dem Hinterplatze losband, kam von der Seite des Portico her, auf den sich einzelne mit Jalousien geschlossene Glastüren des Parlors öffneten, den Baker eben verlassen, ein unter der Last seines Kastens gebückter alter Pedlar (Hausierer), und ging, ohne aufzusehen, nach den Hütten der Schwarzen zu, die einige hundert Schritte hinter dem Hause ihren Anfang nahmen.

Eine halbe Meile weiter dem Gebirge zu, aber näher dem Flusse, lag auf einer Erhöhung ein zweites Landhaus, das kaum mit dem Dache über den Kranz von Eichen, der die untere Hälfte des Hügels einsäumte, heraussah. Nach diesem Eichenschmuck trug es auch seinen Namen: Oaklea. Kaum hundert Schritte dahinter, wo es wieder talabwärts bis zu einem kristallklaren Gebirgsbache ging, standen die Negerhütten, ein kleines Dorf bildend, über den ganzen Abhang hingestreut, jede »Hütte« mit einem eingezäunten Platze, in dem sich Schweine und oft ein ganzes Volk Federvieh herumtrieben, und einem Gemüsegarten versehen. Dem fremden Beschauer, der hindurchwandelte, fiel zuerst die eigentümliche Ordnung und Sauberkeit auf, die überall hervortrat; die kleinen Häuser, obgleich nur aus rohen Stämmen ausgebaut, hatten spiegelklare Fenster, oft mit Vorhängen versehen, und hier und da rankten sich außerhalb immergrüne Schlingpflanzen daran bis zum Dache empor; die Einzäunungen verrieten eine sorgsame Unterhaltung, und wo an einzelnen Plätzen die offene Türe einen Einblick ins Innere der Hütten gestattete, traf das Auge auf ein sauberes Bett und an vielen Orten auf alte, aber reingehaltene Fußteppiche.

Das Abenddunkel war schon hereingebrochen, als zwischen den Negerhütten hervor ein hoher, stattlicher Mann dem Landhause zuritt. Als er einen der hinteren Seitenflügel desselben, worin Küche, Waschhaus und die Vorratskammern sich befanden, erreicht hatte, hielt er das Pferd an und sah scharf nach einem Gegenstande hinter dem Hause. »Wer ist hier?« rief er nach einer kurzen Weile. Die Gestalt eines jungen, schlanken Schwarzen näherte sich. »Ich bin's, Mr. Elliot– Cäsar!« sagte er und nahm die Mütze ab.

»So? Well, wie steht die Geschichte? Bist du mit Sara im klaren? Ich mag das Herumschleichen hier am Hause bei Nacht nicht gerne leiden. Macht eure Sache kurz ab, dann will ich mit deinem Herrn irgendein Arrangement treffen, daß er dich mir abtritt, und ihr könnt euren Haushalt miteinander anfangen.«

»Bitte, Master, seien Sie nicht böse auf mich, aber die Sara ist seit acht Tagen nicht mehr herausgekommen, und ich habe nicht mit ihr reden können.«

»So? Seid ihr denn nicht vorher miteinander einverstanden gewesen?«

»Ich dachte so, Master!«

»Well, das nächtliche Herumstreichen taugt nichts, die Sache muß zu einem Ende kommen. Geh' jetzt heim, Cäsar, ich werde mit dem Mädchen reden, und morgen abend soll sie dir selbst Bescheid geben.«

»Dank Ihnen tausendmal, Master!« und mit einem Sprunge war der Schwarze über die nächste Einzäunung und verschwand im Dunkeln. Elliot wandte sich nach den Ställen, wo ihm ein Neger das Pferd abnahm, und ging sodann dem Hause zu. In einem Zimmer des oberen Stocks befanden sich währenddem zwei Mädchen, die ein eigentümliches Genrebild geboten hätten. Das eine, frisch wie eine aufbrechende Rosenknospe, lag an dem geöffneten Fenster nachlässig im Schaukelstuhle und wiegte sich, die Spitzen der beiden kleinen Füße auf einen gepolsterten Schemel gestützt, langsam rück- und vorwärts, Sie war halb entkleidet, und die kaum entwickelten Formen wurden nur leicht durch einen dünnen Schal verdeckt. An dem geräumigen, von Marmor eingefaßten Kamine, in welchem trotz des milden Abends ein prasselndes Feuer brannte, stand das andere Mädchen, und der Lichtschein brach sich in einem ebenholzschwarzen Gesichte, das trotzdem die klare Röte des aufsteigenden Blutes erkennen ließ. Der kleine Mund war kaum mehr ausgeworfen, als erforderlich war, um dem Gesichte einen pikanten Charakter zu geben, dem die abgestumpfte, aber zierliche Nase und die blitzenden schwarzen Augen vollkommen entsprachen. Eine kokette Schoßjacke schloß, die vollen Formen abzeichnend, knapp um eine Taille, die den Neid mancher Salondame erregt haben würde, und wie sie so dastand, den einen Arm auf das Kaminsims gelehnt und mit dem anderen ein weißes Negligee haltend, lag eine wundersame Grazie in ihrer Stellung, die sich indessen bei den meisten in den Familien der Weißen erzogenen Haussklaven von edlerer Rasse herausbildet. Die Beleuchtung des Zimmers ging nur von dem hellodernden Holzfeuer im Kamin aus.

»'s ist hübsch im Osten, Sara!« sagte soeben das Mädchen im Schaukelstuhle, »viel Pracht und äußerliche Herrlichkeit, aber mir ist es immer so steif vorgekommen wie auf einem Haubenstock zur Schau ausgestellt; ich bin froh, daß mich Vater so bald wieder geholt hat: ich gebe unseren warmen Himmel und unser grünes Oaklea nicht für den ganzen Osten hin.«

»Aber, Miß Ellen, gibt's nicht eine ganze Menge feiner Herren dort, wie wir ein paar im Globe-Hotel in der Stadt sahen, als Sie zurückkamen? Oder wie – Mr. Baker?«

»Mr. Baker, pah!« sagte die erstere und kräuselte in nachlässiger Geringschätzung die Lippe, »du hast doch sonst einen besseren Geschmack, Sara! – Und was haben mich denn die Herren im Osten gekümmert? Ich habe kaum ein paar zu Gesicht bekommen. Und du solltest lieber an den armen Cäsar denken, als von solchen Dingen schwatzen!«

»Cäsar, pah!« erwiderte die Schwarze mit aufgeworfener Oberlippe.

»Nun?« fragte Ellen, sich halb ausrichtend, »'s ist doch alles zwischen euch in Ordnung?«

»Ich weiß noch gar nicht!«

»Du bist das launigste Ding!« lachte die andere auf, »aber der arme Junge tut mir leid!«

Die Schwarze sah nur mit verzogenem Munde ins Feuer.

Es pochte an die Zimmertür. »Sara soll zu Mr. Elliot kommen, wenn sie von Miß Ellen nicht mehr gebraucht wird!« klang es hindurch' und Sara warf ihrer jungen Herrin das Negligee über, vertauschte deren Stiefeletten mit weichen Samtschuhen und ließ sie allein.

Mr. Elliot saß in dem erleuchteten »Bibliothekzimmer«, das aber nur ein kleines Regal voll Bücher aufzuweisen hatte und durch den dort befindlichen Schreibtisch samt einer Menge umherliegender Papiere eher den Charakter eines Geschäftszimmers zeigte, am Feuer und las in einer Zeitung, als Sara eintrat.

»Komm her, Mädchen,« sagte er, »wie steht's mit dem Cäsar? Ich will die Sache zu Ende haben!«

»Ich will ihn nicht, Sir!«

»So, was ist denn die Ursache auf einmal?«

»Ich mag ihn nicht!«

»Gut, wie du willst, Sara! Aber merk' auf. Du bist durch Ellen verwöhnt und hast Kaprizen, mehr, als mir lieb ist. Erst war Cäsar alles und Ellen quälte mich, ihn zu kaufen, damit ihr hier zusammenleben könntet – jetzt, wo ich bereit bin, willst du ihn wieder nicht. Hör' an! Bei deiner nächsten Liebschaft mag dein neuer Schatz sehen, daß sein Herr dich kauft, dann werde ich für Ellen ein anderes Mädchen finden, obgleich du mit ihr aufgewachsen bist.«

Er sah forschend in ihr Gesicht, aber keine Miene verzog sich dort.

»'s ist mir alles recht, Sir!« sagte sie kalt.

»Du kannst gehen!«

Das Mädchen verließ das Gemach, blieb aber plötzlich an der offenen Hintertüre des Hauses, die sie passierte, horchend stehen. Sic sah sich vorsichtig um, steckte hieraus den Kopf hinaus, einen spähenden Blick umherwerfend, und schlüpfte dann, an dem Hause hingleitend, in die Dunkelheit hinein.

Elliot schlug seine Zeitung zusammen, zündete ein Licht an und setzte sich dann an seinen Arbeitstisch, langsam die Blätter eines dort liegenden Kontobuches umschlagend und überschauend. Er war noch nicht lange damit beschäftigt, als das Gesicht einer alten Negerin durch die geöffnete Tür hereinsah. »Master,« sagte sie, »der alte Isaak läßt fragen, ob er hier über Nacht bleiben könnte.«

»Gib ihm ordentlich zu essen, Flora,« erwiderte Elliot, »und sage ihm, ich möchte alsdann noch ein paar Worte mit ihm sprechen.«

»Gegessen hat er schon, Sir!«

»Aha! Und euch auch schon die Taschen ausgeleert!«

»Noch nicht ganz, Sir,« kicherte die Negerin, »aber er hätte recht schöne Sachen für Weihnachten, läßt er dem Master sagen.«

»'s ist schon gut, er soll hereinkommen.«

Nach kurzer Zeit trat mit einem Bückling ein alter Mann mit grauem Barte ins Zimmer, dessen Züge den Juden nicht verkennen ließen. Elliot stand auf, rückte einen Stuhl ans Feuer und deutete dem Eingetretenen an, Platz zu nehmen. »Well, Isaak, wie steht's?« sagte er, als dieser seinem Winke gefolgt war.

»Well, Sir, 's Geld ist rar, aber Sie können haben, was Sie verlangten, ich hab' heute erst Nachricht bekommen; sobald Sie die Papiere fertig haben, werde ich sorgen, daß auch das Geld da ist.«

»So!« erwiderte der Pflanzer und stützte den Kopf in die Hand, »'s ist ein schlimmes Ding, schon auf die nächste Ernte los borgen zu müssen, und bekommen wir ein schlechtes Jahr für die Baumwolle, so sitzt man noch weiter drin.«

Der Jude zuckte die Achseln. »Was hilft's? Wo viel Geld fortgeht und keins gleich wieder zufließt, kommt einmal eine Klemme.«

Elliot fuhr mit der Hand über das Gesicht. »Ich muß das für die Zukunft ändern«, sagte er nach einer kurzen Pause. »Wie steht's mit dem jungen Menschen, Isaak, von dem Ihr mir sagtet?«

»Er wird zu Weihnachten hier sein, wie Sie's wünschten, Sir, und ich denke, wir werden nachher wohl kein Geschäft weiter miteinander zu machen haben; bei Ihnen braucht's eben nur ein bißchen Aufpassen und ein bißchen Ordnung im Buche, dann ist alles wieder im Geleise.«

»Macht Ihr viele solcher Geldgeschäfte hier herum, Isaak?«

»Ich habe ein schlechtes Gedächtnis, Sir, aber es kann wohl schon passieren, daß einer als ein reicher Mann gilt, den Sommer mit seinen Ladies in Saratoga und anderen Bädern zubringt, viel Geld ausgibt und doch die Ernte auf drei Jahre hinaus nicht mehr sein eigen ist. Sie brauchen sich unser jetziges Geschäft nicht zu Herzen zu nehmen.«

»Sagt einmal, Isaak, Ihr pedelt (hausiert) doch nicht, um Euer Leben zu machen?« Der Jude zuckte wieder die Achseln, »Warum reiten Sie oft den ganzen Tag auf Ihrer Farm herum, schwitzen und kommen so schmutzig heim wie der ärgste Nigger? 's gehört alles zum Lebenmachen, wenn einer ein Geschäft hat.«

»Sonst was Neues, Isaak?«

»Ich wollte nur noch sagen, Sir, es treibt sich ein verteufelt bissiger Fuchs hier herum; ich sah heute erst ein wunderschönes Huhn, das zwischen seinen Zähnen zappelte, und wenn ich nicht ganz falsch bin, schleicht er auch um Ihren Hühnerstall, Sir.«

Elliot hatte den Kopf gehoben, »Was ist das? Sprecht deutlich!«

Isaak schüttelte den Kopf, »Man soll das Wild nicht sehen machen, wenn man's fangen will, ich habe selber noch eine kleine Rechnung mit ihm. Ich wollte Ihnen nur sagen, Sir, daß Sie die Augen offen halten. Aber«, fuhr er fort und stand auf, »kann ich Ihnen nicht etwas von Zeugen, Tüchern, Bändern und billigen Schmucksachen für die Weihnachten verkaufen, Sir?«

»Morgen früh! Meine Ellen mag aussuchen, was sie an die Schwarzen verschenken will. Aber wenn Ihr irgendwo etwas Unrechtes gesehen habt, so wäre mir's lieber, Ihr sprächet deutlich.«

»Es war an einem anderen Platze, wo ich das Huhn zappeln sah,« erwiderte der Pedlar, »und so kann ich eben nichts weiter sagen, als halten Sie Wache am eigenen Hühnerstall, Gute Nacht, Sir – bis morgen früh!«

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