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Gutenberg > Friedrich Schiller >

Der Parasit

Friedrich Schiller: Der Parasit - Kapitel 6
Quellenangabe
typecomedy
booktitleSchillers Sämmtliche Werke, Dritter Band
authorFriedrich Schiller
year1879
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung
addressStuttgart
titleDer Parasit
pages1-53
created20020613
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Aufzug.

Erster Auftritt.

La Roche kommt.

Sie sitzen noch an Tafel – Er wird gleich herauskommen, der Minister – Hab' ich mich doch ganz außer Athem gelaufen – Aber, dem Himmel sei Dank, ich bin aus der Spur, ich weiß alles. – Hab' ich dich endlich, Freund Selicour! – Mit dem Minister war nichts für dich zu machen, so lang er tugendhaft war – aber Gott segne mir seine Laster! Da gibt's Geheimnisse zu verschweigen, da gibt's Dienste zu erzeigen! Und der Vertraute, der Kuppler hat gewonnen Spiel – Er glaubt dem Minister eine Schwachheit abgemerkt zu haben – Welch herrlicher Spielraum für seine Niederträchtigkeit! – Nur zu! Nur zu! Wir sind besser unterrichtet, Freund Selicour! – Und dir ahnet nicht, daß wir dir eine böse, böse Schlinge legen – Der Minister kommt – Muth gefaßt! Jetzt gilt es, den entscheidenden Streich zu thun.

 
Zweiter Auftritt.

Narbonne. La Roche.

Narbonne. Was seh' ich? Sind Sie es schon wieder, der mich hat herausrufen lassen?

La Roche. Möge dies die letzte Unterredung sein, die Sie mir bewilligen, Herr von Narbonne, wenn ich Sie auch diesmal nicht überzeugen kann – Ihre eigene Ehre aber und die meine erfordern es, daß ich darauf bestehe – Alles, was ich bis jetzt versucht habe, diesen Herrn Selicour in Ihrer guten Meinung zu stürzen, ist zu seiner Ehre und zu meiner Beschämung ausgeschlagen – dennoch gebe ich die Hoffnung nicht auf, ihn endlich zu entlarven.

Narbonne. Das geht zu weit! Meine Geduld ist am Ende!

La Roche. Ein einziges Wort, Herr Minister! – Sie suchen eben jetzt ein Quartier in der Vorstadt? Ist's nicht so?

Narbonne. Wie? Was ist das?

La Roche. Es ist für ein Frauenzimmer bestimmt, die sich mit ihrer ganzen Familie im größten Elend befindet. Hab' ich nicht Recht?

Narbonne. Wie? Was? Sie erdreisten sich, meinen Schritten nachzuspüren?

La Roche. Zürnen Sie nicht – ich hab' es bloß Ihrem Freund Selicour nachgethan. Er war es, der diesen Morgen zuerst diese Nachricht von Ihrem Kammerdiener heraus zu locken wußte – Er gab der Sache sogleich die beleidigendste Auslegung – Ich hingegen habe Ursache, ganz anders davon zu denken. Denn, daß ich's nur gestehe, ich stellte genauere Nachforschung an – ich war dort – ich sah das Frauenzimmer, von dem die Rede ist – (Er lacht.) Sie hat ein ganz ansehnliches Alter – Selicour hält sie für eine junge Schönheit – – O entrüsten Sie sich nicht – Ich bitte, lassen Sie ihn ankommen! Hören Sie ihn zu Ende, und wenn Sie ihn nicht als einen ganzen Schurken kennen lernen, so will ich mein ganzes Leben lang ein Schelm sein – Da kommt er – ich will ihm nur Platz machen, damit Sie's auf der Stelle ergründen. (Ab.)

Narbonne. Der rasende Mensch! Wie weit ihn seine Leidenschaft verblendet. Wie? Selicour könnte – Nein, nein, nein, nein, es ist nicht möglich! nicht möglich!

 
Dritter Auftritt.

Narbonne. Selicour.

Selicour (bei Seite). Er ist allein! Jetzt kann ich's anbringen! – Wenn ich jetzt nicht eile, mich ihm nothwendig zu machen, so setzt dieser Firmin sich in seine Gunst. – Hab' ich einmal sein Geheimniß, so ist er ganz in meinen Händen.

Narbonne. Ich denke eben daran, lieber Selicour, was man im Ministerium zu Ihrem Aufsatz sagen wird – Ich hab' ihn sogleich abgehen lassen, er wird diesen Augenblick gelesen, und ich zweifle nicht, er wird den vollkommensten Beifall haben.

Selicour. Wenn er den Ihrigen hat, so sind alle meine Wünsche befriedigt. (Für sich). Wie leit' ich's nur ein? – Wagen kann ich dabei nichts, denn die Sache ist richtig. Ich will nur gerade zugehen –

Narbonne. Sie scheinen in Gedanken, lieber Selicour!

Selicour. Ja – ich – ich denke nach, welche boshafte Auslegungen doch die Verleumdung den unschuldigsten Dingen zu geben im Stand ist!

Narbonne. Was meinen Sie damit?

Selicour. Es muß heraus – ich darf es nicht länger bei mir behalten – Böse Zungen haben sich Angriffe gegen Sie erlaubt – Es hat verlauten wollen – Ich bitte – beantworten Sie mir ein paar Fragen, und verzeihen Sie der besorgten Freundschaft, wenn ich unbescheiden scheine.

Narbonne. Fragen Sie! Ich will alles beantworten.

Selicour. Wenn ich Ihrem Kammerdiener glauben darf, so suchen Sie ein Quartier in der Vorstadt?

Narbonne. Weil Sie es denn wissen – ja.

Selicour. Und ganz in geheim, hör' ich.

Narbonne. Ich habe bis jetzt wenigstens ein Geheimniß daraus gemacht.

Selicour. Für ein unverheiratetes Frauenzimmer?

Narbonne. Ja.

Selicour. Die Ihnen sehr – (stockt) sehr werth ist?

Narbonne. Ich gestehe es, ich nehme großen Antheil an ihr.

Selicour (für sich). Er hat es gar keinen Hehl – die Sache ist richtig. – Und Sie möchten gern das Aufsehen vermeiden, nicht wahr?

Narbonne. Wenn es möglich wäre, ja!

Selicour. Ach, gut! Gut! Ich verstehe! Die Sache ist von zärtlicher Natur, und die Welt urtheilt so boshaft. – Aber ich kann Ihnen dienen.

Narbonne. Sie?

Selicour. Kann Ihnen dienen! Verlassen Sie sich auf mich!

Narbonne. Aber wie denn?

Selicour. Ich schaffe Ihnen, was Sie brauchen.

Narbonne. Wie denn? Was denn?

Selicour. Ich hab's! Ich schaff's Ihnen – Ein stilles Häuschen, abgelegen – einfach von außen und unverdächtig! – Aber innen aufs zärtlichste eingerichtet – die Meubles, die Tapeten nach dem neuesten Geschmack – ein Cabinet – himmlisch und reizend – kurz – das schönste Boudoir, das weit und breit zu finden.

Narbonne (für sich). Sollte La Roche Recht behalten – (Laut.) Und welche geheime Ursache hätte ich, ein solches Quartier zu suchen?

Selicour (lächelnd). In Sachen, die man vor mir geheim halten will, weiß ich mich einer vorlauten Neugier zu enthalten – Erkennen Sie übrigens einen dienstfertigen Freund in mir – Es ist nichts, wozu ich nicht bereit wäre, um Ihnen gefällig zu sein. Befehlen Sie, was Sie wollen, ich werde gehorchen, ohne zu untersuchen – Sie verstehen mich.

Narbonne. Vollkommen.

Selicour. Man muß Nachsicht haben. – Ich – ich halte zwar auf gute Sitten – Aber, was diesen Punkt betrifft – wenn man nur den öffentlichen Anstoß vermeidet – Ich gehe vielleicht darin zu weit – aber das gute Herz reißt mich hin – und mein höchster Wunsch ist, Sie glücklich zu sehen –

 
Vierter Auftritt.

Vorige. Michel.

Michel. So eben gibt man diese Briefe ab.

Narbonne (zu Selicour). Die sind für Sie.

Selicour. Mit Ihrer Erlaubniß! Es sind Geschäftsbriefe, die gleich expediert sein wollen – Frisch zur Arbeit und frisch ans Vergnügen. So bin ich einmal! (Geht ab.)

 
Fünfter Auftritt.

Narbonne allein.

Kaum kann ich mich von meinem Erstaunen erholen – Dieser Selicour – ja, nun zweifle ich nicht mehr, dieser Selicour war der schändliche Helfershelfer meines Vorgängers – Ich gebe mich nicht für besser, als Andere. Jeder hat seine Fehler – aber sich mit dieser Schamlosigkeit anzubieten! – Und diesem Nichtswürdigen wollte ich mein Kind hinopfern – mit diesem Verräther wollte ich den Staat betrügen? – Aus Freundschaft will er alles für mich thun, sagt er. Sind das unsere Freunde, die unsern Lastern dienen?

 
Sechster Auftritt.

Narbonne und La Roche.

La Roche. Nun, er ging so eben von Ihnen hinweg – darf ich fragen?

Narbonne. Ich habe Sie und ihn unrecht beurtheilt – Sie haben mir einen wesentlichen Dienst erzeigt, Herr La Roche, und ich lasse Ihnen endlich Gerechtigkeit widerfahren.

La Roche (mit freudiger Rührung). Bin ich endlich für einen redlichen Mann erkannt? Darf ich das Haupt wieder frei erheben?

Narbonne. Sie haben es erreicht – Sie haben den Betrüger entlarvt – aber wie soll ich eine so lang bewährte Ueberzeugung aufgeben, daß Geist und Talent bei keinem verderbten Herzen wohnen? – Dieser Mensch, den ich jetzt als einen Niederträchtigen kennen lerne, er hat mir noch heute eine Schrift zugestellt, die dem größten Staatsmann und Schriftsteller Ehre machte – Ist es möglich? Ich begreife es nicht – so gesunde Begriffe, so viel Geist bei einem so weggeworfenen Charakter! Ich habe das Memoire auf der Stelle ans Gouvernement gesendet, und ich will wetten, daß die Briefe, die ich soeben erhalte, von dem Lobe desselben voll sind. (Er erbricht einen der Briefe und liest.) Ganz richtig! Es ist, wie ich sagte!

La Roche. Ich kann nicht daraus klug werden. – Das Werk ist also wirklich gut?

Narbonne. Vortrefflich!

La Roche. So wollte ich wetten, daß er nicht der Verfasser ist.

Narbonne. Wer sollte es denn sein?

La Roche. Er ist's nicht, ich will meine Seele zum Pfand setzen – denn am Ende will ich ihm doch noch eher Herz als Kopf zugestehen. – Wenn man versuchte – Ja! – richtig – ich hab' es! – Das muß gelingen – Herr von Narbonne! Wenn Sie mir beistehen wollen, so soll er sich selbst verrathen.

Narbonne. Wie denn?

La Roche. Lassen Sie mich machen – Er kömmt! Unterstützen Sie mich!

 
Siebenter Auftritt.

Vorige. Selicour.

La Roche (mit Leidenschaft). Mein Gott! Welches entsetzliche Unglück!

Selicour. Was gibt's, Herr La Roche?

La Roche. Welche Veränderung in einem einzigen Augenblick?

Selicour. Was haben Sie? Was bedeutet dieses Jammern, dieser Ausruf des Schreckens?

La Roche. Ich bin wie vom Donner getroffen!

Selicour. Aber was denn?

La Roche. Dieser Unglücksbrief – So eben erhält ihn der Minister – (Zu Narbonne.) Darf ich? Soll ich?

Narbonne. Sagen Sie alles!

La Roche. Er ist gestürzt!

Selicour. Um Gotteswillen!

La Roche. Seines Amtes entlassen!

Selicour. Es ist nicht möglich!

La Roche. Nur zu wahr! Es wollte schon vorhin etwas davon verlauten; ich wollt' es nicht glauben, ich eilte hieher, mich selbst zu unterrichten – und nun betätigt es der Minister selbst!

Selicour. So ist sie wahr, diese schreckliche Neuigkeit?

(Narbonne bestätigt es mit einem stummen Zeichen.)

 
Letzter Auftritt.

Vorige. Madame Belmont. Charlotte. Beide Firmin.

La Roche. Kommen Sie, Madame! Kommen Sie, Herr Firmin! –

Mad. Belmont. Was gibt's?

La Roche. Trösten Sie unsern Herrn – Sprechen Sie ihm Muth zu in seinem Unglücke!

Mad. Belmont. Seinem Unglücke!

Charlotte. Mein Gott! Was ist das?

La Roche. Er hat seine Stelle verloren.

Charlotte. Großer Gott!

Selicour. Ich bin erstaunt, wie Sie!

Mad. Belmont. Wer konnte ein solches Unglück vorhersehen!

Karl Firmin (leidenschaftlich). So ist das Talent geächtet, so ist die Redlichkeit ein Verbrechen in diesem verderbten Lande! Der rechtschaffene Mann behauptet sich kaum einen Tag lang, und das Glück bleibt nur dem Nichtswürdigen getreu.

Narbonne (sehr ernst). Nichts übereilt, junger Mann! – Der Himmel ist gerecht, und früher oder später erreicht den Schuldigen die Strafe.

Selicour. Aber sagen Sie mir, kennt man denn nicht wenigstens die Veranlassung dieses unglücklichen Vorfalls?

La Roche. Leider nur zu gut kennt man sie. Ein gewisses Memoire ist Schuld an dem ganzen Unglück.

Firmin (lebhaft). Ein Memoire! (Zum Minister) Dasselbe vielleicht, das ich Sie heute lesen sah?

Selicour. Wo die Regierung selbst mit einer Freiheit, einer Kühnheit behandelt wurde –

La Roche. Ganz recht! Das nämliche.

Selicour. Nun, da haben wirs! Hatte ich nun Unrecht, zu sagen, daß es nicht immer räthlich ist, die Wahrheit zu sagen?

Narbonne. Wo die Pflicht spricht, da bedenke ich nichts. Und was auch der Erfolg sei, nie werde ich's bereuen, meine Pflicht gethan zu haben.

Selicour. Schön gedacht! Allerdings! Aber es kostet Ihnen auch einen schönen Platz!

La Roche. Und damit ist's noch nicht alle! Es könnten wohl auch noch Andre um den ihrigen kommen. – Man weiß, daß ein Minister selten Verfasser der Schriften ist, die aus seinen Bureaux heraus kommen.

Selicour. Wie so? Wie das?

La Roche (für sich). Bei dem fällt kein Streich auf die Erde!

Firmin. Erklären Sie sich deutlicher!

La Roche. Man will schlechterdings heraus bringen, wer diese heftige Schrift geschmiedet hat.

Selicour. Will man? Und da würde er wohl in den Sturz des Ministers mit verwickelt werden?

La Roche. Freilich! Das ist sehr zu besorgen.

Selicour. Nun, ich bin's nicht!

Firmin. Ich bin der Verfasser!

Narbonne. Was hör' ich?

Mad. Belmont. Was? Sie, Herr Firmin?

Firmin. Ich bin's, und ich rühme mich dessen.

La Roche (zu Narbonne). Nun, was sagt' ich Ihnen?

Firmin. Den Ruhm dieser Arbeit konnte ich dem Herrn Selicour gern überlassen, aber nicht so die Gefahr und die Verantwortung – Ich habe geschwiegen bis jetzt, aber nun muß ich mich nennen.

Karl. Recht so, mein Vater! Das heißt als ein Mann von Ehre gesprochen – Seien Sie auf Ihr Unglück stolz, Herr von Narbonne! – Mein Vater kann nichts Strafbares geschrieben haben – O mein Herz sagt mir, dieser Unfall kann eine Quelle des Glückes werden – Charlottens Hand wird kein Opfer der Verhältnisse mehr sein – Die Größe verschwindet, und Muth gewinnt die furchtsame Liebe.

Mad. Belmont. Was hör' ich! Herr Firmin!

Firmin. Verzeihen Sie der Wärme seines Antheils; sein volles Herz vergreift sich im Ausdruck seiner Gefühle!

Narbonne. So hat denn Jeder von Ihnen sein Geheimniß verrathen – Herr Firmin! Sie sind der Verfasser dieses Memoire, so ist es billig, daß Sie auch den Ruhm und die Belohnung davon ernten. – Das Gouvernement ernennt Sie zum Gesandten – (Da Alle ihr Erstaunen bezeugen.) Ja, ich bin noch Minister, und ich freue mich, es zu sein, da ich es in der Gewalt habe, das wahre Verdienst zu belohnen.

Mad. Belmont. Was ist das?

Selicour (in der höchsten Bestürzung). Was hab' ich gemacht!

Narbonne (zu Selicour). Sie sehen Ihr Spiel verrathen – Wir kennen Sie nun, Heuchler an Talent und an Tugend! – Niedriger Mensch, konnten Sie mich für Ihres Gleichen halten?

La Roche. Wie schändlich er eine edle That auslegte! Ich weiß alles aus dem Munde der Dame selbst. Dieses Frauenzimmer, für das er Ihnen eine strafbare Neigung andichtete – es ist eine kranke, eine bejahrte Matrone, die Wittwe eines verdienstvollen Officiers, der im Dienst des Vaterlandes sein Leben ließ und gegen den Sie die Schuld des Staats bezahlten.

Narbonne. Nichts mehr davon, ich bitte Sie! (Zu Selicour.) Sie sehen, daß Sie hier überflüssig sind. (Selicour entfernt sich still.)

La Roche. Es thut mir leid um den armen Schelm – Wohl wußt' ich's vorher, mein Haß würde sich legen, sobald es mit seiner Herrlichkeit aus sein würde.

Firmin (drückt ihm leise die Hand). Lassen Sie's gut sein. Wir wollen ihn zu trösten suchen.

La Roche. Basta, ich bin dabei!

Narbonne (zu Karln). Unser lebhafter junger Freund ist auf einmal ganz stumm geworden – Ich habe in Ihrem Herzen gelesen – lieber Firmin! Der Ueberraschung danke ich Ihr Geheimniß und werde es nie vergessen, daß Ihre Neigung bei unserm Glücke bescheiden schwieg und nur laut wurde bei unserm Unglück. – Charlotte! (Sie wirft sich schweigend in ihres Vaters Arme.) Gut, wir verstehen uns! Erwarte alles von deines Vaters Liebe.

La Roche. Und ich will darauf schwören, Karl Firmin ist der wahre Verfasser des Gedichts.

Mad. Belmont. Wär's möglich?

Charlotte (mit einem zärtlichen Blick auf ihn). Ich habe nie daran gezweifelt! (Karl küßt ihre Hand mit Feuer.)

Mad. Belmont. O der bescheidene junge Mann! Gewiß, er wird unser Kind glücklich machen!

Narbonne. Bilden Sie sich nach Ihrem Vater – und mit Freuden werde ich Sie zum Sohn annehmen. – (Halb zu den Mitspielenden, halb zu den Zuschauern.) Diesmal hat das Verdienst den Sieg behalten. – Nicht immer ist es so. Das Gespinnst der Lüge umstrickt den Besten; der Redliche kann nicht durchdringen; die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter, als das geflügelte Talent; der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne.

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