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Der Morgen des Gutsherrn/Die Dekabristen/Kriegsbilder

Lew Tolstoi: Der Morgen des Gutsherrn/Die Dekabristen/Kriegsbilder - Kapitel 17
Quellenangabe
authorLew Tolstoj
titleDer Morgen des Gutsherrn/Die Dekabristen/Kriegsbilder
publisherVerlag von Josef Habbel
yearo.J.
translatorHanny Brentano
illustratorA. Brentano
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170404
projectidc8e1392f
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XVI.

»Um was ich Sie wegen meiner Kinder bitten wollte. Euer Durchlaucht,« sagte der Alte, der das böse Gesicht des Herrn nicht bemerkte oder wenigstens so tat, als bemerke er es nicht.

»Was?«

»Sehen Sie, Pferde haben wir ja gottlob in genügender Menge, ein Knecht ist auch da, – die Fronarbeit ist nichts Rechtes für uns.«

»Also was ist's?«

»Wenn Sie die Gnade hätten, die Burschen gegen eine Abgabe zu entlassen, so könnten Iljuschka und Ignaz mit drei Dreigespannen den ganzen Sommer über das Fuhrwesen betreiben; vielleicht würden sie dabei etwas verdienen.«

»Wohin sollen sie denn gehen?«

»Wie es sich grade trifft,« mischte sich Iljuschka ins Gespräch; er hatte die Pferde unter dem Schuppendach angebunden und war an den Vater herangetreten; »die Kadminskischen Jungen sind mit acht Dreigespannen nach Romno gefahren, und es heißt, sie hätten ihr gutes Auskommen gefunden und außerdem noch gegen dreißig Rubel für jedes Gespann heimgebracht; auch in Odessa, sagt man, ist das Futter billig.«

»Ich wollte grade über diese Angelegenheit mit dir sprechen,« sagte der Herr zu dem Alten gewandt; er wollte ihn so geschickt als möglich auf das Gespräch von der Bauernwirtschaft bringen. »Sag' doch, bitte, ist das Fuhrwesen wirklich einträglicher als die Landwirtschaft?«

»Wie sollte es nicht einträglicher sein, Euer Durchlaucht,« rief Ilja wieder, indem er lebhaft sein Haar aus der Stirn warf; »daheim fehlt's doch an Futter für die Pferde.«

»Nun, und wieviel verdienst du den Sommer über?«

»Im Frühling, als das Futter noch teuer war, hab' ich Waren nach Kiew geführt; dann im Kurskschen Gouvernement haben wir Grütze für Moskau aufgeladen; so hab' ich mich selbst durchgefüttert und die Pferde waren satt, und ich hab' auch noch fünfzehn Rubel an Bargeld heimgebracht.«

»Es ist gewiß nicht schlecht, einen ehrlichen Erwerb zu treiben, welcher es auch sei,« sagte der Herr wieder zum Alten gewandt, »aber es will mir scheinen, es ließe sich auch eine andere Beschäftigung finden; und diese Arbeit bringt es doch mit sich, daß so ein junger Bursche überall hinkommt, allerlei Volk kennen lernt und verdorben werden kann,« wiederholte er die Worte, die er von Karpus gehört hatte.

»Welchen Erwerb soll denn unsereins, ein Bauer, betreiben, wenn nicht das Fuhrwesen?« erwiderte der Alte mit seinem milden Lächeln; »wenn man eine gute Fahrt hat, wird man selbst satt und kann die Pferde füttern; und was das Verdorbenwerden betrifft, so fahren meine Jungen, Gott sei Dank, nicht das erste Jahr; und auch ich selbst bin gefahren und habe nie etwas Schlechtes gesehen, nur Gutes.«

»Es gibt so vieles, was ihr zu Hause treiben könntet: ihr könntet euch mit den Feldern beschäftigen, mit den Wiesen –«

»Wie ist das möglich, Euer Durchlaucht?« unterbrach Iljuschka ihn lebhaft, »wir sind schon damit auf die Welt gekommen, kennen das alles, es paßt zu uns und ist uns das Liebste, Euer Durchlaucht. Es gibt nichts Schöneres für unsereins, als mit den Fuhren zu fahren.«

»Aber, Euer Durchlaucht, wir bitten uns die Ehre anzutun und in die Stube zu kommen! Sie geruhten noch nicht in unserer neuen Wohnung zu sein,« sagte der Alte, indem er sich tief verneigte und dem Sohne mit den Augen ein Zeichen machte. Iljuschka lief schnell ins Haus, Nechljudow und der Alte folgten ihm.

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