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Der Mensch als Beherrscher der Natur

Curt Grottewitz: Der Mensch als Beherrscher der Natur - Kapitel 2
Quellenangabe
typetractate
authorCurt Grottewitz
titleDer Mensch als Beherrscher der Natur
publisherDer Bücherkreis GmbH Berlin
year1928
illustratorA.W.Baum
created20050501
senderJoerg@Krueger-on-net.de (Jörg Krüger)
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II. Veränderungen in der deutschen Baumwelt

Welche ungeheueren Veränderungen die Natur seit etwa zweitausend Jahren in Europa erfahren hat, das grenzt fast ans Unglaubliche. Damals gaben undurchdringliche Wälder und unüberschreitbare Sümpfe die Hauptphysiognomie großer Teile unseres Erdteils ab, es war dort eine rauhe, unkultivierte Wildnis, in der furchtbare Raubtiere den Menschen bedrohten und mächtige Bäume mit wirrem unfruchtbarem Unterholz menschliche Ansiedlungen erschwerten. Wie anders sieht es heute in Europa aus! Es gibt jetzt nur noch wenige Gegenden, wo die Natur sich selbst überlassen bleibt, wo es ihr noch freisteht, ihre Gebilde ohne Rücksicht auf den Schaden oder Nutzen der Menschen hervorzubringen. Im allgemeinen ist heute jeder Fleck europäischer Erde mehr oder weniger Gegenstand menschlicher Kultur. Der Mensch ist es, der bestimmend in die Gesetze der Natur eingreift, der den Boden zubereitet und die Fruchtbarkeit erhöht, der bestimmte Pflanzen, die er als Unkraut bezeichnet, ausrottet, und andere Pflanzen systematisch anbaut, pflegt und möglichst veredelt.

Das Tempo der Naturumgestaltung ist aber im letzten Jahrhundert noch bedeutend schneller geworden.

Die eigenartige Kulturrichtung, die bereits seit vielen Jahrzehnten in allen zivilisierten Staaten herrscht, hat die Natur Deutschlands mehr verändert, als es viele frühere Jahrhunderte zusammen vermocht haben. Zwei Momente treten dabei in den Vordergrund.

Einmal dehnt sich die menschliche Tätigkeit so fieberhaft schnell über alle Natur aus, daß diese in ihrem Platz immer mehr beschränkt wird.

Dann aber hat das Bestreben, alles augenblicklich Unrentable durch Rentables zu ersetzen, der Natur, auch wo sie im übrigen sich selbst überlassen wird, einen besonderen Stempel aufgedrückt.

Diese Züge machen sich in der Tierwelt, viel auffälliger aber noch in der Pflanzenwelt und da besonders auch in dem Bestand und der Verteilung der Baumarten bemerkbar.

Neben der allgemeinen Vereinfachung und Vereinheitlichung tritt dagegen in einzelnen Fällen das erfreuliche Streben hervor, die Mannigfaltigkeit der Natur zu erhalten oder womöglich noch zu erhöhen.

Wenn man das Gesamtbild der Natur in Deutschland betrachtet, so wird man seit der historischen Zeit drei deutlich voneinander abgegrenzte Epochen unterscheiden können. Jene alte Urwaldzeit, dann die Zeit, in der der Kulturboden und die Naturlandschaft in gleichem Verhältnis zueinander standen, und schließlich die neueste Zeit, die durch die intensive Bodenwirtschaft gekennzeichnei wird, bei der der Mensch auch die Wiesen, Moore und Wälder nach einem strengen System unter sein Joch bringt.

Manche Forscher sind der Ansicht, daß Deutschland in ältester Zeit vollständig mit Urwald bedeckt gewesen ist, auch die heutigen Sümpfe, Moore, Wiesen, Heiden und Steppen. Für die norddeutschen Heiden hat es der verdienstvolle Pflanzengeograph Graebner wahrscheinlich gemacht, daß ihr Boden allmählich durch die Einwirkung des Regens immer mehr der Nährstoffe beraubt und infolgedessen immer ärmer geworden ist. Wo früher noch Birke und Kiefer gedeihen konnten, da vermag jetzt der Boden nur noch das niedrige Heidekraut zu ernähren.

Wie dem auch sei, jedenfalls wurde unter dem Einflüsse des Menschen der Urwald nach und nach gelichtet. Den besten Boden, der von Bäumen bedeckt war, nahm der Mensch zum Körner- und Futterbau in Beschlag. Der Wald erhielt sich nur da, wo der Boden zu landwirtschaftlichen Zwecken nicht zu gebrauchen war. Also in den Gebirgen, wo die steilen Gehänge schwierig oder gar nicht zu bearbeiten sind, der Kulturboden außerdem der Gefahr ausgesetzt ist, von Regengüssen zerrissen und ins Tal getragen zu werden. Auf den höheren Bergen ist außerdem das Klima der Ansiedlung des Menschen und der Erhaltung der Baumwelt nicht günstig. Auch in der Ebene haben sich kleine Wäldchen an steilen Talwänden bis in die Gegenwart herübergerettet. Größere Ausdehnung in der Ebene hat der Wald noch in den dürren Sandgegenden des nordöstlichen Deutschlands, hier ist der Boden zum Ackerbau zu schlecht. Abgesehen von diesen landwirtschaftlich ungünstigen Verhältnissen, die hier den Fortbestand der Baumvegetation sicherten, erhielt sich der Wald in vorteilhaften Lagen nur da, wo er Besitz des Staates, einer größeren wohlhabenden Gemeinde oder eines reichen Magnaten war.

So lagen die Verhältnisse bis vor etwa fünfzig Jahren. Von da an begann eine neue Periode in dem Verhältnis zwischen Mensch und Baumwelt.

Von jetzt an ist der Begriff »rationelle Wirtschaft« das leitende Prinzip bei allen kulturellen Veränderungen, die mit der Natur vorgenommen werden.

Im allgemeinen ist diese Periode der Baumvegetation ungünstig gewesen. In kurzer Zeit sind in den fruchtbaren Gegenden Mittel- und Süddeutschlands unzählige Buschwäldchen ausgerodet worden, obwohl sie in landwirtschaftlich ungünstiger Lage standen. Aber die verbesserte Technik, die künstlichen Düngemittel, die fast zur Mode gewordene und mitunter sehr kostspielige Sucht, Meliorationen vorzunehmen, hat den bisherigen Waldesboden immer mehr in das Bereich des Landwirtes gezogen. Auch die waldreichen Sandgebiete Norddeutschlands haben in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Lichtung erfahren. Die Beobachtung, daß in frisch gerodeten Wäldern Roggen, zumal bei künstlichem Dünger, bisweilen sehr gut gerät, führte zu umfangreichen Ausrodungen. Der Boden verarmte freilich immer mehr, es stellten sich Mißernten ein, Mittel und Energie zur Aufforstung fehlten oder wo sie vorhanden waren, schlug der Versuch fehl, wie denn die Kiefer nach landwirtschaftlicher Nutzung des Bodens nicht leicht mehr aufkommt. So liegen denn jetzt weite Felder, die früher Kiefernwald trugen, brach und veröden und verarmen. Sie tragen zudem dazu bei, die Trockenheit des Klimas, den größten Nachteil der norddeutschen Sandgegenden, zu erhöhen.

Die Bereitwilligkeit, große Waldstriche auszuroden, wurde und wird noch jetzt durch die verlockenden Angebote der Holzhändler gefördert, die ihrerseits die Bedürfnisse der Bergwerke an Grubenholz und die stetig wachsende Nachfrage der Holzstoffabriken zu befriedigen haben. In den norddeutschen Kieferngegenden sind große Waldbestände im Besitze von Privatleuten, besonders von mittleren und kleineren Bauern, die den Lockungen zur Ausrodung ihrer Wälder nicht widerstehen können. Und doch birgt diese augenblicklich günstige Ausnutzung des Bodenertrags große Gefahren für die Zukunft. Auch die Gemeinden, die reichen Gutsherren, ja selbst der Staat hüten in letzter Zeit nicht mehr so sorgfältig wie früher ihren Waldbesitz. Die großen Angebote von Bau- und Terraingesellschaften, die Ausdehnung der Städte, die für den Moment vorteilhafte Einnahme aus dem geschlagenen Holz verringern fortgesetzt den Waldbestand.

Der Wald selbst, die Baumwelt hat jetzt ein neues Gepräge erhalten. An die Stelle des alten Plänterwaldes, der in Anlehnung an die Natur Bäume aller Jahrgänge gemischt enthielt, ist der moderne Forst getreten, in dem in regelmäßigen Revieren Bäume nach Jahrgängen geordnet sind. In solchen Forsten, in denen einzelne Reviere auf einmal kahl gehauen und ebenso in einem Jahre wieder aufgeforstet werden, ist natürlich die alte Mannigfaltigkeit des Waldes ganz verschwunden, es ist kein Wald mehr, sondern eine Baumplantage.

Diese Forstwirtschaft ist jetzt überall in Deutschland durchgeführt, selbst in den Gebirgen, wenn sie hier auch nicht ganz so streng gehandhabt wird. Nur kleine Privatwälder, besonders Buschwälder an Abhangen, einzelne Partien unkultivierter Gegenden, z. B. des Böhmer Waldes, haben noch die alte Naturwildheit bewahrt.

Dieser Forstbetrieb bietet gewiß sehr viele Vorteile, er erleichtert die Wirtschaft außerordentlich, macht sie übersichtlich und vereinfacht die Abholzung und Abfuhr der Stämme. Er begünstigt aber auch das Auftreten verheerender Krankheiten, die besonders leicht über eine junge Schonung herfallen. Die Aufforstung ist öfter durch Witterungseinflüsse gefährdet, da die jungen Pflanzen den fehlenden Schutz der alten Bäume nicht immer leicht ertragen. Nach F. Petzi waren im Bayrischen Walde um das Jahr 1850 noch siebzig Prozent des Bestandes Tanne, jetzt sind es nur noch dreißig Prozent, ja, in Jungständen kaum zwanzig Prozent. Petzi sagt, daß diese Erscheinung durch die heutige Forstwirtschaft hervorgerufen sei. Auf Revieren, die durch Kahlhieb vollständig von allem Baumwuchs entblößt sind, kommt die Tanne nur schwer auf.

Es wurde schon darauf hingewiesen, daß die heutige Forstwirtschaft nicht nur das Bild des Waldes, sondern auch den Artenbestand verändert.

Zwar ist auch schon früher unter dem Einfluß des Menschen mitunter eine Verschiebung von Baumarten vorgekommen, so ist der Thüringer Wald früher mit Laubbäumen bedeckt gewesen und erst allmählich ist an ihre Stelle der Fichtenbestand getreten.

Aber jetzt wird diese Verschiebung systematischer vorgenommen, der gemischte Laubwald weicht mehr und mehr den reinen Beständen von Buchen, Eichen, Fichten und Kiefern.

Das führt zu einer großen Eintönigkeit, die vom Standpunkte landschaftlicher Schönheit tief zu bedauern ist. Die weniger nützlichen Bäume werden immer mehr unterdrückt. Linden, Ahorn, Weiden, Erlen, selbst Ulmen und Birken werden in den Forsten immer seltener.

Es ist merkwürdigerweise bisher noch nicht vorgekommen, daß ein Baum Deutschlands unter dem Einflüsse der Kultur vollständig ausgerottet worden wäre.

Aber schon nach Ablauf der zweiten Periode waren einige Baumarten selten geworden, und die jetzige Phase der Waldwirtschaft hat natürlich die Existenzbedingungen jener Arten noch ein bedeutendes verschlechtert.

Es handelt sich hier um drei Bäume; die Eibe (Taxus) und zwei Kernobstarten, die Elsbeere und den Speierling.

Die Eibe ist bereits in früherer Zeit selten geworden, da sie wegen ihres vorzüglichen Holzes sehr begehrt war und der Wald nach dieser Baumart abgesucht wurde. Das langsame Wachstum, die geringe Vermehrungsfähigkeit machen die Eibe für unsere raschlebige Zeit untauglich, in Norddeutschland kann man die wildwachsenden Taxusexemplare zählen, und auch im übrigen Deutschland sind sie selten genug.

Abb. 3. A Eibe, B Wacholder.

Sehr selten ist sodann der Speierling (Pirus domestica), der der Eberesche äußerlich ähnlich und ihr auch am nächsten verwandt ist.

Die Elsbeere (Pirus torminalis) mit weißdornartigen Blättern besitzt im nördlichen Deutschland nur wenig Standorte, und auch in den übrigen Teilen des Reiches ist sie nur hin und wieder zu finden.

Ein dritter Kernobstbaum, die Mehlbeere, ist zwar etwas häufiger als die beiden vorerwähnten, aber sie hat nicht entfernt die Verbreitung wie die Linde und die Eberesche, von der Eiche und der Fichte ganz zu schweigen.

Deutschland zählt gegen vierzig Baumarten. Sehr reichartig ist es also in dieser Beziehung nicht, besonders wenn man gleichgroße Gebiete derselben Breitengrade in Nordamerika oder im östlichen Asien zum Vergleich heranzieht.

Abb. 4. Elsbeere.

Vor der Eiszeit besaß auch unser Vaterland bedeutend mehr Baumarten, die denselben Gattungen angehörten, wie jene nordamerikanischen und ostasiatischen. Aber die Eiszeit vernichtete bei uns diese Bäume.

So hat denn Deutschland gewiß nicht so viel Ueberfluß an Baumarten, daß es auch nur eine von ihnen gänzlich aussterben lassen dürfte. In neuester Zeit wird daher den gefährdeten Baumarten eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Denn obwohl im allgemeinen das heutige Verhältnis des Menschen zur Vegetation die Mannigfaltigkeit, Ursprünglichkeit und Ausdehnung des Baumbestandes erheblich einschränkt, so fehlt es doch nicht an Bestrebungen, dieser Richtung der Entwicklung einigermaßen entgegenzuarbeiten. Was zunächst die Fürsorge für die selten gewordenen Bäume betrifft, so hat Conwentz in Danzig die Anregung gegeben, daß ihnen von Staats wegen ein Schutz gewährt wird. Dieser Schutz soll sich überhaupt auf alle Bäume erstrecken, die durch ihre Größe, ihr Alter, ihre Geschichte oder aus irgendeinem andern Grunde der Erhaltung wert sind. Für die Provinz Westpreußen speziell hat Conwentz ein »Forstbotanisches Merkbuch« herausgegeben, in dem diese einzelnen Baumindividuen bezeichnet werden. Andere Provinzen und Staaten sind im Begriff, diesem Beispiel zu folgen. Werden die Forstbeamten alsdann auf die in ihren Revieren stehenden merkwürdigen Bäume aufmerksam gemacht, so wird es in Zukunft verhütet werden, daß sie der Axt zum Opfer fallen.

Ein nicht unbedeutendes Terrain hat sich die Baumwelt in den letzten Jahrzehnten dadurch erobert, daß die zahlreichen neu entstandenen Straßen eine Bepflanzung erforderten. Es hat sich überhaupt die Kenntnis Bahn gebrochen, daß auch Gemeinde- und Feldwege durch die Bepflanzung mit Bäumen bei Nacht und bei Schneewetter an Verkehrswert gewinnen und außerdem einen nicht zu verachtenden Nebengewinn gewähren. In Sachsen ist es neuerdings Vorschrift, auch an Feldwegen Bäume anzupflanzen. An Gemeinde- und Privatwegen finden in günstigen Gegenden meistens Obstbäume ihren Platz, im Süden vorwiegend Kernobst, in Sachsen und Schlesien Kirschen und Pflaumen.

In den warmen Gegenden des südwestlichen Deutschlands war vor einigen Jahrzehnten noch der Walnußbaum häufig anzutreffen, der mit seinen großen Blättern und seiner ausgedehnten Krone herrliche schattige Alleen bildete. Jetzt muß er dem Kernobst mehr und mehr weichen. Der ausschlaggebende Grund ist nach einer Fachzeitschrift im Obstbau derselbe, der auch sonst verschiedene Baumarten in den Hintergrund gedrängt hat: die gegenwärtige Unrentabilität. Die Ernte der Nüsse ist umständlich und gefährlich, dazu haben sie jetzt keinen hohen Preis mehr. Außerdem beeinträchtigt der Baum mit seiner großen Krone und seinen weitziehenden Wurzeln den Ertrag der angrenzenden Felder.

In den norddeutschen Sandgegenden hat die Akazie als Straßenbaum für unchaussierte Wege eine große Bedeutung erlangt. Silberweiden, Schwarz- und Spitzpappeln sind wegen ihres schnellen Wachstums gerade für die Wegränder geeignet, da Bäume im jugendlichen Alter hier immer vielen Gefahren ausgesetzt sind. An den Chausseen kommt mancher Baum zur Geltung, der in den Forsten zurückgesetzt wird, der Ahorn, die Linde, die Eberesche. Auf den Chausseen sieht man nicht nur auf die Rentabilität, sondern auch auf die Stattlichkeit der Bäume.

Das ist auch auf den Straßen innerhalb der Städte der Fall. Nur ist hier die Auswahl in den ungünstigen Luft- und Lichtverhältnissen, unter dem absperrenden Pflaster sehr beschränkt.

Ueberall hat das lebhafte Verlangen nach Eleganz zur Einführung von ausländischen Baumarten geführt. Die einheimischen Lindenarten sind durch die Krimlinde ersetzt worden, die eine schönere Belaubung besitzt und sich auch in den Herbst hinein länger frisch erhält. Der kalifornische Ahorn, der Silberahorn, der ebenfalls aus Nordamerika stammt, die amerikanische Ulme, die größere Blätter besitzt und schneller wächst als die einheimischen Arten, die Scharlacheiche mit ihrer prachtvollen leuchtendroten Herbstfärbung – all diese Baumarten sind häufig an den Chausseen zu sehen.

Eine große Pflege erfährt die Baumwelt in den Parkanlagen und Villengärten, die in den letzten Jahrzehnten in Fülle entstanden sind. Zwar nehmen oft die Villen und Villenstraßen einen Platz ein, an dem vorher eine Baumvegetation stand, aber es sind doch auch viele Villenorte mitten in baumloser Gegend emporgeblüht. In jedem Falle haben die Parkanlagen und Gärten eine große Mannigfaltigkeit in die Baumvegetation gebracht.

Man wird von künstlerischen Standpunkten aus nicht immer mit dieser Zusammenwürfelung von Bäumen aller Arten und aller Länder der gemäßigten Zone zufrieden sein können. Aber das dendrologische (baumkundliche) Interesse hat durch diese Baumwelt der Villengärten und Parkanlagen eine große Förderung erfahren. Welche Menge ausländischer Bäume sind dadurch bei uns eingeführt worden, die nun von jedem Naturfreunde bequem betrachtet und bewundert werden können. Es hat sich gezeigt, daß die nordamerikanischen Bäume bis weit in den Süden hinein, die Bäume Sibiriens, Chinas und Japans nördlich der subtropischen Zone, ja die des Himalaja, Nordpersiens und einige der südlich gemäßigten Zone bei uns gut gedeihen. So enthalten denn die neueren Parkanlagen viele Hunderte von Baumarten.

Von dieser großen Zahl ausländischer Baumarten sind freilich nur wenige geeignet, sich bei uns vollständig einzubürgern, so wie es mit der Akazie und der Roßkastanie der Fall ist. Es sind schon mehrfach Versuche gemacht worden, die ausländischen Bäume daraufhin zu prüfen, ob sie sich für uns zur Massenanpflanzung, also besonders zur forstlichen Verwendung eignen würden. Die Weymouthskiefer hat sich bereits als ein wertvoller Baum für den deutschen Wald erwiesen. In Bayern wurden unter Leitung von H. Mayr forstliche Anbauversuche mit ausländischen Baumarten angestellt. Als besonders wertvoll erwies sich dabei der abendländische Lebensbaum und die Bankskiefer, beide aus Nordamerika.

Der Lebensbaum eignet sich als Schutzholzart bei Aufforstung von sumpfigen Terrains ebenso wie von dürrem Oedland, da er sowohl außerordentliche Nässe wie große Trockenheit, Hitze wie Kälte gleich gut erträgt.

Für die Aufforstung von dürrsten Sandgegenden ist die Bankskiefer von großer Bedeutung. H. Mayr bezeichnete sie als die wertvollste forstliche Einführung aus Nordamerika während eines Jahrzehnts. Zu derselben Wertschätzung dieser Kiefernart gelangt auch Schwappach, der die in großem Maßstabe in den preußischen Staatsforsten ausgeführten Anbauversuche geleitet und ihre Ergebnisse in der »Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen« veröffentlicht hat.

Schwappach hat eine Reihe von ausländischen Baumarten anbauwürdig für den deutschen Wald gefunden. Die amerikanische Esche, die japanische Lärche, den Zuckerahorn, die Roteiche, die Zuckerbirke (Betula lenta) erweisen sich als den entsprechenden deutschen Arten ebenbürtig, in einzelnen Eigenschaften aber als überlegen.

Wertvoll ist außer der bereits erwähnten Bankskiefer die Douglastanne und die Lawsonzypresse, die beide raschwüchsig und nicht empfindlich sind, sodann die spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), die an Raschwüchsigkeit alle deutschen Forstbäume mit Ausnahme der Esche übertrifft und sich auch auf geringem Boden bewährt hat. Sie gibt ein vortreffliches Möbelholz.

Was den Holzwert anbelangt, so ist ihr die schwarze Walnuß noch überlegen. Da dieser Baum wegen seines sehr gesuchten Holzes in Nordamerika fast gänzlich ausgerottet ist, so würde der Anbau in Deutschland lohnend sein. Allerdings können zur Anpflanzung nur milde Gegenden mit gutem Boden in Betracht kommen. Jedenfalls würde der deutsche Wald durch häufigere Anpflanzung dieser ausländischen Holzarten an Mannigfaltigkeit des Aussehens gewinnen, wenn ihm auch die alte Naturmannigfaltigkeit, die Wildheit und Naturwüchsigkeit unwiederbringlich verlorengegangen sind.

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