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Der Mann im Nebel

Gustav Falke: Der Mann im Nebel - Kapitel 55
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Falke
titleDer Mann im Nebel
senderPG-US eBook #11075
created20040528
firstpub1899
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27.

Gerd Gerdsen an Randers.

Lieber Freund!

Ein Geständnis aus melancholischem Herzen. Während ich an Ihrem Roman arbeite und mich mit Ihren Amouren abquäle, stecke ich selbst darin, bin selbst verliebt. Verliebt – armseliges Wort. Eine wunderliche, verspätete Leidenschaft, so tief und keusch, wie ich vordem nie empfunden habe. Ein Kind, eine Schülerin, mir in ein paar Jahren heimlich ans Herz gewachsen, ins Herz gewachsen, Saiten in meiner Seele zum Klingen bringend, die bisher ruhten.

Diese Verse geben Ihnen meine Stimmung. Bewahren Sie dies Geständnis in treuem Herzen.

Märchen.

In deiner lieben Nähe
Bin ich so glücklich. Ich mein,
Ich müsste wieder der wilde
Selige Knabe sein.

Das macht deiner süssen Jugend
Sonniger Frühlingshauch,
Ich hab dich so lieb, und draussen
Blühen die Rosen ja auch.

O Traum der goldenen Tage.
Herz, es war einmal. –
Abendwolken wandern
Über mein Jugendtal.


Fromm.

Der Mond scheint auf mein Lager,
Ich schlafe nicht,
Meine gefalteten Hände ruhen
In seinem Licht.
Meine Seele ist still. Sie kehrte
Von Gott zurück.
Und mein Herz hat nur einen Gedanken:
Dich und dein Glück.


Ja, mein tägliches Gebet geht dahin: alle Rosen des Glücks auf den blonden Scheitel dieses lieben siebzehnjährigen Kindes! Und das Köstlichste:


Ein treues Herz,
Das ihr nur schlägt,
Und dem auch sie,
Herz an Herz,
Entgegenglüht,
In Liebe entgegen:
Mein!
Mein Glück!

Sie wissen, wie ich Frau und Kinder lieb habe. Sie verstehen aber auch, wie man trotzdem – es ist Schicksal, man kann nichts dagegen machen. Dulden und überwinden.

Ihnen aber, der Sie frei sind, wünsche ich von Herzen, dass Sie einmal die Ruhe in der Liebe finden, das über alle Leidenschaft herausgehobene Glück: Du bist mein und ich bin dein! Vielleicht sind Sie ja schon auf dem Weg, und das letzte Kapitel unseres Romans wird ein fröhlicher Festgesang.

Inzwischen erhebe uns Gobinaus Wort, nach dem die Grösse der Seele darin besteht, dass sie nicht zerbricht.

Und so tapfer durch den Tag bis ans Ende. Jede Schuld vergrössere und stärke unsere Sehnsucht nach Licht und Güte. Jede Niederlage werde uns eine Stufe zum Sieg.

Ihr Gerd Gerdsen.

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