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Der Mann im Nebel

Gustav Falke: Der Mann im Nebel - Kapitel 38
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Falke
titleDer Mann im Nebel
senderPG-US eBook #11075
created20040528
firstpub1899
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10.

Randers ging am Aussenstrand.

Ob sie nach der Bake will? Dann triffst du sie.

Oder auch nicht.

Eigentlich hätte er ihr nachgehen sollen. Sie hatte doch nicht allein das Recht, an der Wattenseite zu gehen.

Warum war er ihr nicht nachgegangen? Er war doch sonst nicht änglichst in solchen Sachen. Warum gerade jetzt?

Er kletterte zweimal auf die Dünen hinauf und hielt Rundschau. Aber keine Spur von einer Dame. Ein paar Dünenschafe jagte er auf, das war alles.

Du bist ein Narr!

Vielleicht ist sie längst wieder auf dem Rückweg.

Aber er lief doch bis Hörnum Odde, ganz bis an die äusserste Spitze. Er war tatsächlich schon im Laufen. Der glatte Strandsand bot während der Ebbe dem Fussgänger keine Schwierigkeit. Aber Randers wurde doch warm. Er nahm seine Mütze ab und sah dabei, dass sie schon recht schmutzig war; sie war so schön weiss gewesen, leuchtend.

»Das geht doch nicht,« sagte er laut. Er setzte die Mütze wieder auf, schob sie ganz in den Nacken und stapfte weiter.

Der Sand ward tiefer, und Randers musste »storchen«, dabei schlenkerte er mit seinen langen Armen, als wäre er besonders unternehmungslustig. Er dachte aber nur, ob er sich nicht heute Nachmittag schon in Westerland eine neue Mütze kaufen solle. Ja, das wollte er!

Der Entschluss schien ihn zu beruhigen. Er schlenkerte nicht mehr so heftig mit den Armen. Und dann begann er zu singen.

»Winterstürme wichen dem Wonnemond.«

Als er nach Rantum zurückkehrte, hörte er, die Dame sei nach einer halben Stunde wieder vorbei gekommen, in die Dünen hineingegangen und wäre wahrscheinlich am Strand nach Wenningstedt zurückgegangen.

Randers lächelte kaum merklich. Dumm, dachte er. Aber er war doch nicht so sehr ärgerlich. Nur etwas müde war er geworden und beschloss infolgedessen, die Mütze erst morgen zu kaufen.

Er betrachtete die alte noch einmal, zeigte sie Moiken und meinte:

»Was sagen Sie zu der Mütze?«

Moiken wusste nicht, was er wollte.

»Ist sie nicht schon recht schmutzig?« fragte er.

»Die ist noch lange gut,« meinte Moiken.

Randers setzte die Mütze auf, zog das Sturmband unters Kinn und trat vor den kleinen Wandspiegel. Er drehte den Kopf wie ein eitles Frauenzimmer.

»Ach nee,« sagte er, »das geht nicht!«

Er warf die Mütze auf den Tisch und setzte sich vor die Suppe, die Moiken ihm aufgetragen hatte. Er ass in der Regel im Krug zu Mittag.

Moiken setzte sich zu ihm. Sie roch nach Kaffeepunsch, den ihr ein Gast gespendet hatte.

Randers war heute empfindlich, mochte diesen Kaffeepunschatem nicht. Ihr breites, gutes Gesicht mit den vollen, sinnlichen Lippen kam ihm gewöhnlicher als sonst vor:

»Willst du dich nicht 'n bisschen schlafen legen?« fragte er.

Er duzte sie oft.

»Schlafen?« fragte sie verwundert.

»Du hast ja Punsch getrunken.«

Sie lachte laut auf.

»Ach, das tut mir nichts.«

»Du trinkst wohl oft mal so einen heimlichen?«

»Sie glauben auch wohl.«

»Na, na!«

»Aber was ich sage!«

Sie war wirklich entrüstet.

Er lachte gutmütig.

»Lass gut sein. Ich scherz ja nur.«

Nach dem Essen konnte er sich nicht enthalten, ihr rundes Gesicht, das wirklich ein wenig glühte, zwischen beide Hände zu nehmen.

Sie wehrte sich, aber es half ihr nichts, ihr Kopf sass wie zwischen dem Schraubstock.

»Wie 'n Backofen,« sagte er und bog ihr den widerstrebenden Kopf nach hinten.

»Jetzt bekommst du einen Kuss, Moiken,« sagte er.

Aber es wurden zwei.

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