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Der Mann im Nebel

Gustav Falke: Der Mann im Nebel - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
authorGustav Falke
titleDer Mann im Nebel
senderPG-US eBook #11075
created20040528
firstpub1899
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2.

Auf der Wattenseite, auf halbem Wege zwischen Rantum und Hörnum lag im Schutz des mächtigen Dünenwalles ein kleines einstöckiges Blockhaus. Ein leidenschaftlicher Seehundsjäger hatte es sich dahinbauen lassen. Seit Jahren stand es unbenutzt.

Das war etwas für Randers. Er erhielt das Häuschen für einen Spottpreis. Es war auch ärmlich genug für einen längeren Aufenthalt, nur für einen anspruchslosen Jäger auf einige Wochen ein Unterschlupf. Unten war ein grosser Raum mit einer kleinen Kammer daneben, oben, auf einer schmalen Holzstiege erreichbar, noch eine geräumige Kammer unter dem spitzen Giebel und etwas, anscheinend nie benutzter Bodenraum. Aber es befand sich doch eine Kochstelle im Erdgeschoss, ein primitiver Herd, worauf der alte »Seehund« sich seinen Grog gebraut haben mochte.

Randers liess alles instandsetzen, liess sich aus Westerland einen Tischler kommen und richtete sich ein. Das untere Hauptgelass war geräumig genug. Da fand ein grosser Schreibtisch aus Tannenholz Platz, vor dem Fenster, das auf die Watten hinaussah. Ein Chaiselongue, vier Stühle, ein kleiner runder Tisch, was brauchte er mehr? Ihm fiel zuerst nichts weiter ein. In die Kammer kam ein Bett und ein Waschgestell aus Draht. Auch ein paar neue Fensterscheiben waren nötig. Die alten waren ganz erblindet und rissig.

In die Giebelkammer liess er ein zweites Bett stellen. Er verwandte fast mehr Sorgfalt auf dieses »Fremdenzimmer« als auf seinen eigenen Wohnraum. Es kam ein solider Waschtisch herein, eine Kommode, eine Garderobe und nachträglich noch ein Spiegel. Er liess den ganzen Fussboden mit einem weichen Teppich belegen und das Fenster mit Vorhängen versehen.

Als er seinen Einzug hielt, hatte er einen Augenblick den Gedanken, die erste Nacht unter seinem Dache dort oben zu schlafen. Aber er unterdrückte diese Anwandlung. Doch ging er noch einmal mit einem Licht hinauf und stellte ein paar Herbstblumen, die er sich aus Westerland vom Gärtner geholt, in ein Wasserglas auf den kleinen dreibeinigen Wandtisch, den er in der Wirtschaft des Rantumer Strandvogts für ein geringes erstanden hatte.

Er dachte lange, bis er endlich einschlief, an die einsamen Astern oben im Giebelzimmer und belebte den Raum mit allerlei Traumgestalten. Am Morgen aber lachte er über die Blumen und warf sie zum Fenster hinaus.

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