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Der Mann, der seinen Namen änderte

Edgar Wallace: Der Mann, der seinen Namen änderte - Kapitel 34
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Mann, der seinen Namen änderte
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
isbn3-442-01194-9
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33

»Seit meiner Jugend bin ich stets auf Reisen gewesen«, sagte Pretoria-Smith. »Mit siebzehn Jahren erbte ich den Titel. Ich war damals auf der Schule in Eton, bin von dort aus direkt nach Afrika gegangen und nur selten nach England zurückgekommen. Ich war ein begeisterter Jäger und hielt mich lieber in den Dschungeln Afrikas auf als zu Hause. Meine Mutter heiratete nach dem Tod meines Vaters zum zweitenmal, und zwar Sir John Garrick. Aus dieser Ehe stammte ein Sohn – Norman.

Der Junge war immer sehr wild, aber ich hatte ihn gern. Als meine Mutter starb, nahm sie mir das Versprechen ab, daß ich mich um ihn kümmern und ihn vor Unglück bewahren sollte. Ihr Mann war schon ein Jahr früher gestorben. Leider habe ich das Versprechen nicht gehalten. Ich sagte schon, daß ich ein leidenschaftlicher Jäger war und nur selten nach England kam. Der Junge blieb sich also selbst überlassen.

Norman war eitel und verkehrte viel in Schauspielerkreisen. Wurde er von anderen so vorgestellt, oder nannte er sich selbst Sir James Tynewood? Ich weiß es nicht. Er konnte es ja auch ruhig tun, weil mich nur wenige Leute kannten. Norman war in Frankreich erzogen worden und früher ebensowenig zu Hause wie ich. Er hatte einen schwachen Charakter und gab immer mehr aus, als sein Einkommen betrug. Er – er hat auch meinen Namen gefälscht.« Er zögerte einen Augenblick, bevor er weitersprach. »Es ist besser, daß ich dir die volle Wahrheit sage. Er hat fast hunderttausend Pfund Schulden gemacht. Ein großer Teil dieser Summe floß in die Taschen von Alma Trebizond.

Mr. Vance entdeckte die Sache und erfuhr auch, daß Norman unter meinem Namen auftrat. Er schickte deshalb durch dich einen Brief an ihn und teilte ihm mit, daß ich am nächsten Morgen nach England zurückkehren würde; er gab ihm den guten Rat, sich von seinen Freunden zu trennen und einige Zeit aufs Land zu gehen. Aber Mr. Vance hatte ihn früher schon öfter gewarnt, ohne daß ich zurückkam. Norman dachte deshalb, daß es sich wieder um einen falschen Alarm handelte.

Ich weiß nicht, wie Alma Trebizond es fertigbrachte, aber seine Ehe mit ihr wurde auf dem Standesamt geschlossen.

Ich kam damals mit Doktor Fordham, meinem besten Freund, von einer Reise nach Südafrika zurück. Er las in der Abendzeitung einen Artikel, in dem von der Heirat Sir James Tynewoods die Rede war, und zeigte ihn mir. Wir vermuteten, was geschehen war, und ich wußte zunächst nicht, was ich tun sollte. Wir wohnten im Grand Western Hotel in Southampton, und ich trug mich unter dem Namen meines Bruders in die Fremdenliste ein. Hätte ich meinen richtigen Namen gebraucht, so wäre ein Skandal entstanden, weil damals die Geschichte in allen Zeitungen stand.

Ich kam direkt nach London – du sahst mich damals im Büro von Mr. Vance. Am nächsten Nachmittag fuhr ich nach Schloß Tynewood. Alma hatte natürlich jenen Artikel gelesen, in dem auch das berühmte Brillantkollier aus dem Familienschmuck der Tynewoods erwähnt war. In ihrer Habgier verlangte sie von meinem Bruder, daß er es ihr sofort beschaffen sollte. Der Schmuck befindet sich im Gewahrsam der Bank, aber Norman glaubte, daß er ihn in dem Geldschrank meines Arbeitszimmers in Tynewood finden würde. Er fuhr also dorthin und war gerade dabei, die Holztür zu zertrümmern, die den Safe verdeckt, als Fordham und ich dahinkamen. Ich glaube, daß er den verzweifelten Plan gefaßt hatte, das Brillanthalsband zu stehlen und mit Alma zu fliehen.

Wir hatten eine Auseinandersetzung. Ich versuchte, so sachlich wie möglich zu bleiben, und ich bin jetzt noch beruhigt darüber, daß ich damals einen klaren, kühlen Kopf bewahrte. Norman brach schließlich zusammen und erzählte die Wahrheit. Er sprach von seinen Fälschungen, von seiner Heirat und allen übrigen Torheiten, die er begangen hatte. Während der Unterredung wurden wir plötzlich durch ein Klingeln gestört, und da keine Diener im Schloß waren, ging Fordham und ließ dich herein.

Als er zurückkam, hatte Norman die Arme auf den Tisch gelegt und das Gesicht darin vergraben. Er mußte den Revolver schon in der Hand haben. Wir wechselten nur noch ein paar Worte, dann fiel der verhängnisvolle Schuß. Bevor ich wußte, was geschehen war, fiel Norman zu Boden.

Ich hatte damals den Eindruck, daß meine Vorhaltungen ihn zu dieser verzweifelten Tat getrieben hatten, und darauf bezogen sich die Worte, die du hörtest. Fordham handelte wirklich als mein Freund. Er setzte alles aufs Spiel und bescheinigte in seiner Eigenschaft als Arzt, daß der Tod auf natürliche Weise eingetreten wäre. Mein Bruder wurde dann in der Schloßkapelle beigesetzt.

Um Normans Geheimnis zu hüten, blieb mir nichts anderes übrig, als das Land sofort wieder zu verlassen. Von jenem Tage an war ich für die Welt gestorben. Ich veranlaßte Mr. Vance, der Frau eine Rente zu zahlen, jedoch nur unter der Bedingung, daß sie das Schloß und den Park nicht betreten durfte. Am nächsten Tag fuhr ich nach Südafrika. Nun weißt du alles.«

Sie sah ihn mit strahlenden Augen an und holte tief Atem.

»Sir James Tynewood! Wie herrlich! Aber wer ist denn eigentlich Jot?«

»Das bin ich auch«, erwiderte er lächelnd. »Der Name ist aus meinen Anfangsbuchstaben zusammengesetzt: James Oliver Tynewood. Meine Freunde in Eton nannten mich so, und auch Norman gebrauchte nur diesen Namen. Du hättest eigentlich vermuten sollen –«

»Daß du Sir James warst? Aber wie hätte ich denn darauf kommen sollen?« fragte sie erstaunt.

»Weißt du nicht, daß nach Familientradition nur ein Tynewood in der Schloßkapelle getraut werden darf?«

Sie nickte.

»Ach, es ist zu schön. Ich kann es kaum für möglich halten.«

»Früher oder später wirst du dich doch von der Wahrheit überzeugen, Lady Tynewood.«

Sie errötete leicht. »Ach ja, natürlich, ich bin jetzt –«

»Du bist Lady Tynewood.«

»Ich glaube, es ist doch alles nur ein Traum.«

»Vielleicht findest du schneller zur Wirklichkeit zurück, wenn ich dir jetzt noch einen Kuß gebe?«

»Ich weiß nicht«, sagte sie leise. »Aber probiere es doch mal.«.

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