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Der Mann, der seinen Namen änderte

Edgar Wallace: Der Mann, der seinen Namen änderte - Kapitel 32
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Mann, der seinen Namen änderte
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
isbn3-442-01194-9
created20111021
projectid4dc4e359
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31

»Sie kennen ja Lady Tynewood«, sagte Mrs. Stedman.

Diesmal gab Pretoria-Smith der Dame die Hand.

»Ja, ich kenne sie, und ich fürchte, daß ich das letztemal etwas unhöflich zu ihr war. Hoffentlich hat sie es mir inzwischen verziehen.«

Alma lächelte. »Ich habe gehört, daß Sie einen schweren Malariaanfall hatten, Mr. Smith. Das entschuldigt alles.«

»Ja, es hatte mich ziemlich gepackt.«

Mrs. Stedman konnte es kaum erwarten, ihre Neuigkeit anzubringen, und ließ Alma deshalb gar nicht zu Wort kommen.

»Wissen Sie schon, daß Lady Tynewood vorige Nacht einen Einbrecher im Hause hatte?«

»Einen Einbrecher?« fragte er. »Das klingt ja interessant! Haben Sie ihn auch gleich über den Haufen geschossen?«

»Unglücklicherweise ist er entkommen. Mein Sekretär, Mr. Javot, hat ihn verfolgt.«

»Sicher hat er ihm einen Denkzettel gegeben. Das ist fein.«

»Nein, das ist ihm nicht gelungen«, erwiderte Alma gereizt. »Im Dunkeln hat sich der Mensch davonmachen können.«

»Vermissen Sie etwas?« fragte er.

»Nicht das mindeste. Wir haben ihn bei der Arbeit gestört.«

»Wie sah er denn aus?«

»Recht gewöhnlich und roh«, entgegnete sie und zuckte die Schultern. »Sein Gesicht konnte ich allerdings nicht sehen, weil er ein Taschentuch um die untere Hälfte gebunden hatte. Aber seine Stimme würde ich auf jeden Fall wiedererkennen.«

Bei den letzten Worten sah sie ihn scharf an.

»Nun, das ist wenigstens etwas. Was hätte er denn Ihrer Meinung nach stehlen wollen – etwa Ihren Schmuck?«

Darüber war sie sich selbst nicht klar. Sie hatte nur den Verdacht, daß Pretoria-Smith der Einbrecher war. Über diese Möglichkeit hatte sie den ganzen Morgen mit Mr. Javot gesprochen, aber der wollte nichts davon hören.

»Es mag ein Mann gewesen sein«, sagte sie mit Nachdruck, »gegen den ich Material sammle. Vielleicht vermutete er das und wollte meine Beweisstücke stehlen.«

»In diesem Fall hätte er doch bei der Polizeistation oder in Scotland Yard oder in der Kirche von St. Giles in Camberwell einbrechen sollen«, warf er leicht hin.

Lady Tynewood verfärbte sich. Sie antwortete ihm nicht und wandte sich an Mrs. Stedman. »Ich gehe jetzt zur Post. Diese Sendung muß ich nämlich eingeschrieben aufgeben.«

Sie hatte ein kleines Päckchen in der Hand.

»Ach, ist etwa die Fotografie darin, von der Sie mir schon erzählten?« fragte Mrs. Stedman.

»Ja, es ist das Bild«, bestätigte Alma. »Es wird mir endlich die Stellung verschaffen, die mir gebührt.«

»Das klingt ja ganz romantisch«, meinte Smith. »Ist es das Bild eines Freundes, Lady Tynewood?«

»Es ist das Bild meines Mannes!«

Pretoria-Smith runzelte die Stirn und machte ein ungläubiges Gesicht. Das genügte, um sie zum Äußersten zu reizen.

Sie riß die Schnur von dem Päckchen ab, entfernte die Siegel und wickelte die Fotografie aus dem Papier. »Kennen Sie den Mann?« fragte sie herausfordernd und hielt ihm das Bild hin.

Er betrachtete es, nahm es ihr dann plötzlich aus der Hand, und ehe sie wußte, was geschah, zerriß er es in kleine Stücke. Mit einem Wutschrei sprang sie auf ihn zu, aber sein starker Arm hielt sie zurück. Er wandte sich um und warf die einzelnen Stücke ins Kaminfeuer. »Ich kenne ihn sehr gut«, sagte er ruhig. »Aber er ist nicht Ihr Mann, Lady Tynewood!«

Marjorie hatte die Szene verstört beobachtet. Sie konnte sich weder sein kühnes Handeln noch Almas Wut erklären. Ihre Mutter war in heller Verzweiflung, aber Pretoria-Smith lächelte nur kalt.

Lady Tynewood trat einen Schritt zurück.

»Das soll Ihnen noch teuer zu stehen kommen!« sagte sie.

»Es hat mich schon viel mehr Mühe und Ärger gekostet als Sie, obgleich Sie eine harte Strafe verdienten«, erwiderte er ernst.

Der nächste Augenblick brachte eine dramatische Unterbrechung. Die Tür wurde aufgerissen, und Lance Kelman trat herein.

Marjorie hatte ihn seit ihrer Trauung nicht wiedergesehen und erschrak über die Veränderung, die mit ihm vorgegangen war. Seine Gesichtszüge hatten einen gewöhnlichen, fast rohen Ausdruck bekommen.

»Alma, ich hörte, daß Sie hier wären –«, begann er, vollendete aber den Satz nicht, als er sie näher ansah. »Was ist denn geschehen? Sie haben doch das Bild Ihres Mannes?«

Sie antwortete nicht, und sein Blick fiel nun auf Pretoria-Smith. »Und ich habe Sie jetzt!« rief er frohlockend. »Sie sind Norman Garrick, der Halbbruder von Sir James Tynewood, den Sie vor vier Jahren ermordet haben!«

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