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Der Mann, der seinen Namen änderte

Edgar Wallace: Der Mann, der seinen Namen änderte - Kapitel 28
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Mann, der seinen Namen änderte
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
isbn3-442-01194-9
created20111021
projectid4dc4e359
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27

Pretoria-Smith schwieg eine Weile und steckte sich eine neue Zigarette an. »Sir James Tynewood ist tot«, sagte er dann langsam, »und es stimmt, daß ich davon weiß. Ich kenne auch die Frau, die ihn ums Leben gebracht hat.«

Sie wußte nicht, wie sie nun fortfahren sollte. Er bemerkte es und wandte sich freundlich, ja liebevoll zu ihr.

»Aber ich wollte dich nicht stören. Erzähle mir nur deine Geschichte.«

»Bevor Onkel Stedman uns half, ging es uns schlecht, und ich hatte eine Stellung als Privatsekretärin bei Mr. George Vance. Er war ein Freund meines Vaters und tat viel für mich. Ich hatte alle vertraulichen Angelegenheiten der Firma zu erledigen, und ich empfing auch dich, als du damals von Südafrika zurückkehrtest. Kannst du dich noch auf mich besinnen?«

»O ja, sehr gut.«

»An dem Tag, an dem du zurückkamst, rief er mich zu sich und übergab mir einen Brief, den er selbst geschrieben haben mußte. Er war an Sir James Tynewood adressiert.

›Miss Stedman‹, sagte er, ›ich tue es zwar ungern, aber in diesem Fall bleibt mir nichts anderes übrig. Besorgen Sie diesen Brief persönlich. Sie sind die einzige, auf die ich mich in dieser Angelegenheit verlassen kann.‹ Er erklärte mir auch, daß die Wohnung der Schauspielerin Alma Trebizond gehöre, einer sehr lebenslustigen jungen Dame. ›Sie treffen Sir James dort. Übergeben Sie ihm das Schreiben und bringen Sie mir eine Antwort. Was Sie dort sehen und hören, müssen Sie aber als striktes Geschäftsgeheimnis betrachten.‹

Ich hatte früher noch nie einen solchen Auftrag erhalten und war sehr gespannt, was ich erleben würde. Als ich bei der Wohnung ankam, war es schon dunkel geworden. Schon bevor ich klingelte, konnte ich die lärmende Gesellschaft hören, und es dauerte einige Zeit, bis mir jemand aufmachte. Endlich wurde ich hineingeführt, und Sir James trat auf mich zu.

Ich sagte ihm, daß ich von Rechtsanwalt Vance käme. Er fluchte, als ich ihm den Brief übergab, riß ihn auf und las ihn.

Er hatte zuviel getrunken und brüllte mir schließlich zu, ich könnte Mr. Vance bestellen, daß er sich zum Teufel scheren sollte. Damals sah ich auch Alma Trebizond zum erstenmal.

Als ich zu Mr. Vance zurückkam, berichtete ich ihm alles.«

»Was sagte er denn dazu?«

»Er war sehr aufgeregt und bat mich noch einmal dringend, über alles zu schweigen.«

»Und am selben Abend kam ich noch zum Büro. Was geschah denn am Tage darauf?«

»Am Nachmittag schickte mich Mr. Vance wieder mit einem Brief zu Doktor Fordham. Er war ein Freund von Sir James.«

Sie erzählte ihm nun alle weiteren Einzelheiten ihrer Fahrt bis zu dem dramatischen Ende.

»Es war schon sehr spät, als ich wieder in London ankam«, schloß sie, »aber Mr. Vance erwartete mich noch auf dem Bahnsteig. Als ich ihm alles mitgeteilt hatte, erklärte er entschieden, daß Sir James nicht tot sei. Und dann ersuchte er mich noch einmal, nie mit einem Menschen über die Tragödie zu sprechen. Und ich habe bis heute mein Wort gehalten.«

Pretoria-Smith stand langsam auf, warf die Zigarette fort.

»Du glaubst also, daß ich Sir James umgebracht habe?«

»Nein, jetzt nicht mehr«, erwiderte sie bestimmt. »Als ich natürlich in den Zeitungen las, daß Sir James ins Ausland gegangen und sein jüngerer Bruder an Typhus gestorben sei, wußte ich, daß Doktor Fordham einen falschen Totenschein ausgestellt hatte. Sir James hatte keinen Bruder.«

»Halbbruder. Aber wie hast du dir denn die Vorgänge erklärt?« fragte er. »Welche Lösung hast du gefunden?«

»Keine befriedigende. Vielleicht hat sich Sir James selbst erschossen, und sein Bruder ist ins Ausland gegangen, um den Skandal für die Familie abzuwenden. Man hat dann Sir James unter dem Namen seines Bruders begraben.«

Er überlegte einen Augenblick. »Hast du auch daran gedacht, daß der Bruder jeden Tag auftauchen und das Familienerbe für sich in Anspruch nehmen könnte?«

»Das könnte er doch wohl nicht. Er war nur ein Halbbruder. Ich dachte, die ganze Angelegenheit sollte in Vergessenheit geraten und das Familienerbe mit der Zeit –« Marjorie sprach nicht weiter.

»An Lady Tynewood fallen?« ergänzte er. »Das ist nicht wahrscheinlich. Aber wer ist dieser Halbbruder?«

Sie sah schnell zu ihm auf. »Wenn überhaupt ein Halbbruder lebt, dann bist du es«, sagte sie.

Er nickte. »Du kannst tatsächlich logisch und scharf denken.«.

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