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Der Mann, der seinen Namen änderte

Edgar Wallace: Der Mann, der seinen Namen änderte - Kapitel 16
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleDer Mann, der seinen Namen änderte
publisherWilhelm Goldmann Verlag
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
isbn3-442-01194-9
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15

Lord Wadham brachte Marjorie spät in der Nacht in seinem Wagen nach Hause. Er war von dem Verlauf des Festes begeistert und daher in der fröhlichsten Stimmung. Dauernd schrie er ihr mit seiner lauten Stimme in die Ohren, so daß sie schon halb taub war.

»Das ist ein feiner, großartiger Vertreter, dieser Prinz. Einer von der alten, guten Art. Wenn wir solche Leute an der Spitze des Staates haben, brauchen wir uns nicht um Revolution und Anarchie zu kümmern. Und Sie haben sich auch glänzend gehalten, meine Liebe, wirklich glänzend! Ich habe noch nie eine Dame gesehen, die eine derartig schwierige Situation so fabelhaft gemeistert hätte wie Sie.«

Sie lächelte schwach und tastete mit der Hand nach dem Orden an ihrer Brust, denn sie war menschlich genug, sich über diese Auszeichnung und Ehrung zu freuen. Im Augenblick hatte sie vergessen, wie schwer man sie beleidigt hatte, und dachte nur an angenehme Dinge.

»Der junge Kelman ist ein alberner, nichtsnutziger Schlingel!« brüllte Lord Wadham. »Aber ich bin davon überzeugt, daß er von anderer Seite aus zu dieser Gemeinheit angestiftet worden ist. Diese Tynewood steckt dahinter! Ich sage Ihnen, das ist eine ganz gefährliche Frau.«

Er schimpfte noch eine Weile über Alma, und wenn seine Sprache auch nicht restlos salonfähig war, so nahm ihm Marjorie das im Moment nicht übel. Sie glaubte, daß er recht hatte, und sie war ihm dankbar, daß er sie verteidigte. Der Wagen hielt schließlich vor dem Haus, und Wadham begleitete sie noch bis zur Tür. Marjories gute Stimmung dauerte an, bis sie ins Wohnzimmer kam, aber als sie sich dann ganz allein fühlte, erschien ihr das Schicksal fast unerträglich. Sie sank in einen Sessel und war dem Zusammenbruch nahe.

Gerade in diesem Augenblick erschien Mrs. Stedman, die in ausgezeichneter Laune war.

»Nun, wie ist alles gegangen?« erkundigte sie sich eifrig. »Sicher hast du großen Erfolg in deinem Kleid gehabt. Ich hätte nur gewünscht, daß dein armer Vater dich noch so hätte sehen können. Persönlich finde ich allerdings die Zusammenstellung von Silber und Weiß nicht schön. Es ist ein wenig zu auffällig. Aber die jungen Mädchen sind ja heutzutage ganz anders als früher. Mein Gott, wenn ich an die Zeiten denke, als ich noch jung war! Ist der Prinz eigentlich nett zu dir gewesen?«

Marjorie erhob sich mühsam.

»Er hat mir diesen Orden überreicht«, sagte sie und zeigte ihrer Mutter die Dekoration.

Auf Mrs. Stedman machte diese Auszeichnung großen Eindruck.

»Das ist ja entzückend von dem Prinzen. Ist es Gold oder nur vergoldetes Messing? Dein armer Onkel John, der von dem Autobus überfahren wurde, besaß einen persischen Orden, den ihm der Schah verliehen hatte. Es war aber nur wertloses Zeug, einfach vergoldetes Blech.«

»Mutter«, sagte Marjorie und nahm den Orden ab, »ich werde mich verheiraten.«

Mrs. Stedman sah sie verblüfft an.

»Was sagst du da – du willst dich verheiraten?« erwiderte sie vorwurfsvoll. »Aber Liebling, davon hast du mir ja überhaupt noch nichts erzählt! Das mußt du doch schon gewußt haben! Ich habe dir doch immer gesagt, die beste Freundin eines jungen Mädchens ist seine Mutter, und deiner Mutter solltest du doch so wichtige Dinge zuallererst mitteilen.«

»Ich heirate Pretoria-Smith«, erklärte Marjorie rücksichtslos. »Er heißt aber nicht Smith, und ich weiß auch nicht, wer er eigentlich ist. Vielleicht war er früher in Südafrika ein Bankräuber oder ein Dieb oder etwas Ähnliches. Er ist sehr reich, und außerdem trinkt er.«

Mrs. Stedman sah ihre Tochter entsetzt an.

»Marjorie, du hast doch nicht etwa zuviel Alkohol getrunken? Mein armes Kind, das ist ja furchtbar. Das sollten junge Mädchen niemals tun. Als ich noch jung war, tranken wir zu dreien ein Glas Portwein, und ich muß sagen, das war eigentlich auch schon zuviel für mich, denn mein Kopf war nachher ganz benommen.«

Marjorie verließ das Zimmer rasch, kam aber gleich darauf mit dem Brief ihres Onkels zurück.

»Bitte, lies das einmal«, forderte sie ihre Mutter auf.

Mrs. Stedman sah ihre Tochter argwöhnisch an und nahm die Brille aus der Tasche.

»Willst du Lance heiraten?«

»Lance!« rief Marjorie so wütend, daß Mrs. Stedman entsetzt zurückfuhr.

»Ich begreife dich nicht. Er ist doch ein netter, lieber Junge«, erklärte die alte Frau.

»Lies erst den Brief, bevor du wieder sprichst. Ich werde noch verrückt, wenn du immer weiterredest.«

Mrs. Stedman hatte inzwischen die Brille aufgesetzt. Als sie zu Ende gelesen hatte, sah sie bleich aus.

»Aber natürlich wirst du doch den Wunsch deines Onkels erfüllen, mein Liebling. Du kennst diesen Herrn zwar nicht, aber ich bin fest davon überzeugt, daß dein Onkel nur eine sehr respektable Persönlichkeit für dich aussucht.«

»Meinst du?« entgegnete Marjorie bitter. »Diese Persönlichkeit ist so respektabel, daß sie heute abend während des Festessens in vollständig betrunkenem Zustand in den Saal kam und aussah wie ein Strauchdieb!

Ich weiß nicht, was der Prinz von allem gedacht haben muß. Denke dir, direkt vor unserem Tisch ist dieser Pretoria-Smith auf den Boden gefallen, Und kein anderer als der gemeine Lance Kelman hat ihn hereingebracht!«

»Der arme, gute Junge würde sich niemals derartig, skandalös benehmen, davon bin ich überzeugt. Aber du wirst doch Pretoria-Smith heiraten, nicht wahr?«

»Vermutlich.«

»Nun, das ist lieb von dir«, sagte Mrs. Stedman befriedigt, nahm ihre Brille ab und steckte sie in die Hülle. »Es mag dein Glück sein. Diese romantischen Eheschließungen geben meistens sehr glücklich aus.«

»Romantisch nennst du die Geschichte obendrein noch?« rief Marjorie verzweifelt. »Mutter, siehst du denn nicht, was eine solche Heirat für mich bedeutet? Ahnst du nicht, wie sehr ich darunter leide? Glaubst du vielleicht, ich habe diesen entsetzlichen Vorschlag meines Onkels mit leichtem Herzen angenommen, weil ich ihn für romantisch halte? Mein Leben lang werde ich unglücklich sein!«

»Warum tust du es dann?« fragte Mrs. Stedman mit weinerlicher Stimme. »Meinethalben kann man mich ja aus dem Hause weisen«, sagte sie und wischte sich eine Träne ab. »Mir soll es recht sein, wenn ich auf der Landstraße verhungern muß. Tue es nicht, wenn du dich so bitter darüber beschwerst. Ich will später keine Vorwürfe von dir hören, auf mich brauchst du keine Rücksicht zu nehmen! Ich bin ja sowieso in deinen Augen nichts.«

Und nun begann sie regelrecht zu schluchzen und preßte das Taschentuch vors Gesicht.

Glücklicherweise klopfte es in diesem Augenblick an die Tür. Marjorie hörte es, ebenso Mrs. Stedman, die sofort ihren Kummer vergaß.

»Ich möchte nur wissen, wer uns jetzt noch besucht?« fragte sie. »Es ist doch schon entsetzlich spät.«

Marjorie fürchtete, daß Pretoria-Smith zur Tür hereintreten würde, und mußte sich zusammennehmen, um nicht umzusinken. Aber als das Dienstmädchen verschlafen hereinkam und meldete, daß Lance Kelman die Damen zu sprechen wünsche, wich der Alpdruck von ihr.

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