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Der Kuß des Ungeborenen und andere Novellen

Fjodor Sologub: Der Kuß des Ungeborenen und andere Novellen - Kapitel 92
Quellenangabe
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typenovelette
authorFjodor Ssologub
titleDer Kuß des Ungeborenen und andere Novellen
publisherGustav Kiepenheuer Verlag
year1918
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20081108
modified20170929
projectid036b853d
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XIV.

Das Flehen und Stöhnen ringsum klang plötzlich gedämpft, wie im Schlafe.

Nun kam die seltsame kurze halbe Stunde der Stille, der Spannung, der unendlichen Ermattung und des leisen, unheimlichen Irreredens.

Der Widerhall des Irreredens schwebte über der Menge als ein stilles, erstickendes, unheimliches Dröhnen.

Der Wahnsinn war in allen Dingen, und die drei Kinder sahen durch den Nebel des Wahnsinns hindurch die grausige Gewißheit des Todes.

Die beiden Schwestern schluchzten schwer.

»Engel Gottes!« schrie jemand in der Nähe leise auf.

Die morgendliche Schlaftrunkenheit in der Menge halbzerdrückten Menschen wurde ab und zu von wilden Aufschreien der Verzweiflung unterbrochen.

Und wieder wurde es still, und über der Menge schwebte ein unheimliches dumpfes Dröhnen, das nicht die Kraft hatte, in den jubelnden Himmelsraum, zur unbeweglichen bösen Schlange der Höhen zu steigen.

Jemand schluchzte, und es klang wie wenn jemand in furchtbarer Pein stürbe.

Ljoscha hörte es und erriet sogleich, daß das Schluchzen aus Nadjas Munde kam.

Mühselig wandte er den Kopf zu ihr hin.

Nadja öffnete und schloß mechanisch ihre blauangelaufenen Lippen. Die Augen sahen nichts mehr, und das Gesicht hatte eine trübe leblose Farbe.

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