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Der Kuß des Ungeborenen und andere Novellen

Fjodor Sologub: Der Kuß des Ungeborenen und andere Novellen - Kapitel 37
Quellenangabe
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typenovelette
authorFjodor Ssologub
titleDer Kuß des Ungeborenen und andere Novellen
publisherGustav Kiepenheuer Verlag
year1918
translatorAlexander Eliasberg
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20081108
modified20170929
projectid036b853d
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V.

Kolja zeigte seiner Mutter bekümmert die zerrissene Hose. Die Mutter lachte, als sie sein betrübtes Gesicht sah: sie war heute besonders gut gelaunt, weil man ihr für die Liebhabervorstellung gerade die Rolle zugewiesen hatte, die sie so gerne spielen wollte.

»Sei in Zukunft vorsichtiger!« sagte sie Kolja. »Nun ist die neue Hose hin.«

Kolja lächelte schuldbewußt, und die Mutter merkte sofort, daß er noch etwas auf dem Gewissen hatte. Die Mutter nahm ihn am Kinn und hob seinen Kopf in die Höhe.

»Warum bist du so blaß?« fragte sie.

Kolja errötete, befreite sein Kinn aus der Hand der Mutter und ließ den Kopf hängen.

»Was ist denn das?« sagte sie streng, sich über ihn beugend.

Kolja roch nach Tabak.

»Kolja!« schrie die Mutter zornig auf. »Was ist denn das? Du riechst ja nach Tabak! Es ist für dich zu früh, mein Lieber!«

Kolja begann zu weinen.

»Ich habe ja nur eine einzige Zigarette geraucht,« gestand er mit schuldbewußter, dünner Stimme.

Die Mutter ärgerte sich, war aber zugleich auch belustigt.

»Warum verkehrst du auch mit dem garstigen Wanja? Mit dem ekelhaften grünen Frosch?« fragte die Mutter ärgerlich.

»Ich will nicht mehr rauchen,« sagte Kolja weinend. »Ihm erlaubt es aber sein Vater.«

»Das ist gut!« sagte die Mutter empört.

»Er ist ja ein guter Junge und kann doch nichts dafür, daß man es ihm erlaubt!« beteuerte Kolja.

»Ach, du, Raucher!« sagte die Mutter. »Das soll mir nie wieder vorkommen! Hörst du?«

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