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Gutenberg > Joseph Christian von Zedlitz >

Der Königin Ehre

Joseph Christian von Zedlitz: Der Königin Ehre - Kapitel 7
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authorJoseph Christian von Zedlitz
titleDer Königin Ehre
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seriesGes. Werke
volumeBand 6
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Fünfter Aufzug

Freier Platz. Vorn zur Rechten eine Estrade für de» König, links eine für die Königin, schwarz behangen. Ganz im Hintergrunde der mit Schranken eingefaßte Kampfplatz.

Erster Auftritt

Maurisches Volk

Erster Maure

Naht sich der Zug?

Zweiter Maure

Er naht. Vor kurzer Frist
Verließ ich ihn am Platze Zacatin;
Oft mußt' er halten. Von dem ungestümen
Andrang des Volkes wird der Weg gehemmt.
Nie sah ich solch ein thränenwerthes Schauspiel!
Die Straßen, Fenster, die Balkone, ja,
Die Dächer selbst sind rings erfüllt mit Menschen,
Und so durchschneidet Jammer bang die Luft,
Und laute Wehklag' aller Schauenden,
Als ob sein liebstes Kind ein Jeder säh'
Zu Grabe tragen. – Wahrlich, in Granada
Gibt es kein Auge, das in Zähren nicht
Des weichen Mitleids heut zerflossen wäre.
Laut schluchzend winken mit den weißen Tüchern
Die Fraun von den Balkonen Grüße zu
Der unglücksel'gen Königin. Sie aber
Dankt mit gefälliger Geberde, hold
Den Grüßenden, und sieht so mild und trägt
Das arge Unrecht mit so großer Seele,
Daß alle Herzen brechen bei dem Anblick.

Dritter Maure.

Die Mitleidswürdige!

Erster.

Grausamer König!

Dritter.

Fluch, Fluch den Zegris!

Erster.

Horch! – Es tönt Musik.

Zweiter.

Es naht der Zug.

Dritter.

Macht Platz!

Erster.

Zieht euch zurück.

Zweiter Auftritt.

Vorige. Ein Herold. Diesem folgen Gewaffnete. Spielleute, die einen Trauermarsch blasen. Die Stämme der maurischen Ritter, in ihre Farben gekleidet. Der König. Schwarze und Pagen in seinem Gefolge. Muca. Die Königin mit ihren Frauen. Stämme maurischer Ritter. Gewaffnete schließen den Zug. Der König besteigt die Estrade, dicht um ihn stellen sich die Stämme der Gomel's, Maca's, und die sonst zur Partei der Zegris gehören. Die Königin auf der anderen Estrade. Ihre Frauen, die Reduan's, Zarazine's, Almoradi's und andere Anhänger der Abenceragen stehen auf ihrer Seite. Muca und die Gewaffneten nehmen die Mitte, das Volk den Hintergrund ein.

Zuruf des Volkes

(bei dem Erscheinen der Königin).
Heil Alfänna! Heil der Königin!

Muca.

Herold, beginn' dein Amt!

Herold.

Vernehmt mein Wort!
Erlauchte Ritter und du, edles Volk
Von Granada! – Gott schütze unsern Herrn
Und der Prophet! – Mit lauter Stimme fordr' ich
Vor diese Schranken nun die Kläger her,
Und ruf' und nenne dich bei deinem Namen,
Mohadin Zegri, Hamet Zegri und
Almansor dich, und dich, du tapfrer Gomel!
Ihr habt die Königin von Granada,
Die Gott erhalt', an ihren Ehren und
An ihrem Leben – wie euch wissend ist –
Des Treubruchs angeklagt mit Albin Hamar.
Erscheinen sollt ihr nun, und mit den Waffen
Im ehrlich offnen Zweikampf es bewähren,
Daß euer Zeugniß recht und ohne Falsch.
Tretet hervor, so ihr wahrhafte Ritter.

(Trompetenruf.)

Dritter Auftritt.

Vorige. Die vier Zegris treten gewaffnet auf.

König.

Seyd euer Wort gemeint ihr zu behaupten?

Die Zegris.

Wir sind's!

Königin.

So straf' euch Allah, wie ihr unwahr sprecht,
Vom blut'gen Hasse wider mich getrieben!
Von solchem Frevel bin ich frei geblieben,
Und harre hier gelassen, daß zu Recht
Der Himmel meiner Sache Ausgang lenke.

Volk.

Heil Alfänna! Heil der Königin!
Fluch den Verleumdern! Fluch den Zegris! Fluch!

Almansor.

Stehn wir zum Hohne hier dem feigen Volke?

Gomel.

Die Königin ist schuldig jener That!
Mein Mund sprach's aus und mit dem Schwert behaupt' ich's!

Mohadin.

Und nun, mein königlicher Herr, begehr' ich:
Wo nicht ein Kämpfer mir erscheint zur Stelle,
Der für die Angeklagte ficht, so werde
Entschieden gegen sie und mir zu Recht
Sey meine Klage echt und wahr befunden.
Dann steht zu ahnden oder zu vergeben
Allein in deiner königlichen Macht,
Und niemand tadl' es, so es deiner Huld
Geliebt, von Strafe frei sie zu entsenden;
Doch frei der Schuld spricht Allah selbst sie nicht,
Bevor nicht mit den Waffen in den Händen
Ein Gegner sich vor meinem Schwerte fand. –
So lange bleibt, wie Rost am blanken Stahle,
Ihr Ruf befleckt, entstellt von einem Male,
Und ihr ein schändend Makel eingebrannt.

König.

Gerecht befind' ich eure Forderung
Und nicht geziemend ist es, wie ich meine,
Wo meine eigne Ehre schwer gekränkt,
In weichlich Mitleid weibisch hinzuschmelzen.
Darum erklär' ich hier vor allem Volke:
Des sichern Todes bist du, Alfänna,
Wenn deine Kläger siegen! Unverrückt
Bleibt mein Entschluß, ihn ändert nichts,
Und was ich ausgesprochen, wird vollbracht.
Trifft aber Tod die Zegris und bekundet
Dich schuldlos des geziehnen Frevels: lebe!
Doch fern von meinem Bett und meinem Thron;
Denn eine andre Gattin wähl' ich mir,
Die nie Verdacht befleckt und übler Leumund,
Auch selbst schuldloser nicht; du aber meide
Den schönen Garten dieses Landes, fort
Auf fremden Pfaden der Verbannung ziehend
Mit dem Geschlechte, dem du angehörst,
Und das verwiesen bleibt auf immerdar!
Eh' dieses Tages Sonne niedersinkt,
Ziehn die Abenceragen fort aus Granada;
Der lebt nicht mehr, der morgen hier noch weilt
Von den Empörern, die ihr blutig Schwert
Selbst gegen mich gezücket, ihren Herrn.
So stell' ich her die Ruhe meines Reiches
Durch wohlbemess'ne Strenge. –

Muca.

Herold, auf!
Und frage weiter: ob für Alfänna
Ein Ritter in den Schranken wolt' erscheinen?

Herold.

Wer ficht für Alfänna, unsre Frau?
Er tret' hervor, und schütz' ihn Gott im Kampfe.

(Trompetenruf. Ein Trompetenruf von außen antwortet.)

Muca.

Auf, Herold, geh' und schaue, wer es sey,
Der hergezogen kommt und seine Nähe
Verkündet mit so kriegerischem Zeichen?

(Herold geht ab)

Esperanca (heimlich).

Fass' Hoffnung, Königin, die Ritter nahn,
Die Gott dir zugesandt in deiner Noth.

Der Herold (kommt zurück).

Vier Spanier von edlem, stolzen Wesen,
Und ritterlich mit Waffen angethan,
Sind vor den Schranken und begehren Einlaß
Und sicheres Geleit, und was zu Recht
Bestehet nach der Ritterschaft Gesetzen:
Dieß alles aus dein königliches Wort!
Dann wollen sie beweisen auf ihr Schwert,
Auf Ehr' und Leben und ihr ewig Heil,
Daß schuldlos uns« königliche Frau
An dem Verbrechen, deß sie angeklagt.

Königin

Dieß sind die Kämpfer, die ich mir erwählt,
Mir Recht zu schaffen gegen meine Feinde.
Verleih', o Herr, Gewährung ihrer Bitte,
Die auch die meine ist; ich darf es hoffen,
Denn da gespielt wird um mein schuldlos Haupt
Mit blut'gen Würfeln, sey es mir erlaubt,
Zu meinen Helfern jene zu ernennen,
Die mich von Schuld und Frevel rein erkennen,
Die nie mich sahn, und doch an mich geglaubt.

Mohadin

Du thatest recht, die Helfer dir zu rufen
Aus fremdem Lande: denn fürwahr, du hättest
In Granada umsonst sie aufgesucht.

Reduan und drei maurische Ritter in Waffen treten hervor,

Reduan

Das lügst du, Zegri, auf dein ruchlos Haupt!

(Die Ritter lassen sich vor der Königin auf's Knie)
Glaubst du, o edle Königin, uns würdig
So hoher Ehre, unsre guten Waffen
In diesem Streit zu prüfen, so gebiete!
Und bei dem Grabe Mahom's schwören wir:
Für dich zu siegen, und selbst wenn des Abgrunds
Verworfne Geister uns entgegen stehn!

Königin.

Nehmt meinen Dank, und lohn' euch, wie ich flehe,
Der Himmel euer edles Anerbieten.
Nicht stärkern Armen könnt' ich mich vertraun,
Und Männern nicht von bessrer Sitt' und Adel.
So hab' ich beifallswerth euch stets erkannt; –
Doch meine Ritter hab' ich schon ernannt.

Muca.

Frei ist die Königin in ihrer Wahl,
Und offen stehn die Schranken jedem Kämpfer,
Der für die Unschuld will sein Leben wagen.
Drum, Herold, geh', den Rittern anzusagen,
Was des Gesetzes Will' ist und des Königs.

(Der Herold geht ab.)

Mohadin.

Was braucht es hier der eitlen Worte noch!
Dieß Schwert begegnet jedem, der es sucht.
Ob Maur', ob Spanier, gleichviel! –
Laßt einen Tiger los aus Libiens Wüsten,
Vor Hunger rasend, und ich will ihm stehn.

Almansor.

Mich schützt mein Muth und dieser starke Arm.

Gomel.

So denkt auch Gomel.

Hamet.

Hamet Zegri auch,

Almansor.

Was wir begonnen, fechten wir auch aus!

Vierter Auftritt.

Vorige. Der Herold. Don Rodrigo Tellez Giron. Don Ponce. Don Juan und Don Alonzo, mit herabgelassenem Visir, treten auf. Sie verneigen sich vor dem König und der Königin.

Großmeister

(das Visir lüftend).

Erhabner Herr! Rodrigo Tellez Giron,
Des Calatravaordens Meister, naht
Mit Ehrfurcht sich dem Throne deiner Hoheit.

König.

Ich heiße dich willkommen. Deiner Züge
Bin ich aus frühern Zeiten eingedenk.

Großmeister.

Als du die Zierde einst maurischer Fraun
Zu deiner Gattin dir erkoren, drang
Die frohe Kunde bis nach Spanien,
Und rings verbreitet war der hohe Ruhm
Der königlichen Braut. – Da trieb mich rasch
Des Herzens Muth, zu Ehren solcher Herrin
Im ritterlichen Spiele meine Waffen,
Die wir im blut'gen Kriege oft versucht,
Zu messen mit den Rittern Granada's.
Vergönnt hat damals deine Hoheit mir
Dieß mein Begehr, und dreimal macht' ich siegen
In dem Turnier die Farbe Alfännas;
Die tapfern und erlauchten Ritter aber,
Sie ehrten mich gleich einem würd'gen Freund,
Und jedem war ich ein willlommner Gast.
Nun steh' ich wieder hier, dein Antlitz seh' ich,
Versammelt ist, wie damals, so auch heut
Granada's Adel; doch die Königin,
Die hehre Braut, die ihrer Jugend Rosen
Geschlungen in dein fürstlich Diadem,
Sie steht in Thränen nun, gekränkt, verleumdet,
Auf Ehr' und Leben schmählich angeklagt. –
Unschuldig ist die Königin! Ich und die Ritter,
Die du hier siehst, wir wollen es beweisen,
Daß Alfänna schweres Unrecht dulde!
Wie für die Ehre ich der Königsbraut
In jenen Tagen einst zum Scherze focht,
So auch um ihre Ehr' und um ihr Leben
Im vollen blut'gen Ernste fecht' ich heut!

Königin.

Nehmt Dank, o edler Herr!

Ponce

das Visir aufhebend).

Don Ponce Leon
Erbietet sich zu gleichem Dienste.

Juan (ebenso).

An Beide
Schließt sich Don Juan, Graf von Cartagena.

Alonzo (ebenso).

Wo sind die Ritter, die den Platz hier halten?

Mohadin.

Du siehst sie hier vor dir. Mir brennt im Busen
Das muth'ge Herz, und dürstet nach des Kampfes
Sieg bringender Entscheidung.

Alonzo.

Bleicher Schurke!
In deinen Busen stoß' ich bald mein Schwert,
Und schleudre, Lügner, dich der Hölle zu.

Königin.

Gott! Don Alonzo!

Alonzo

(hebt das Visir auf).

Ja, Alonzo heiß' ich!

Mohadin.

Ich kenne dich. Ein Sänger bist du, weißt
Anmuth'ge Lieder zu der Zither Saiten,
Im Mondschein wandelnd, schmachtend hin zu girren.
Im Kampfe zählst du wenig. Bleibe fern,
Ich rathe gut dir, oder bald zerbrochen
Auf immerdar wird dir dein Saitenspiel
Von meiner Hand, die Stärk're auch bezwingt.

Alonzo.

Hier knie' ich vor des Himmels Aug' und schwöre:
Daß Alfänna wie die Sonne rein!
Gib meinen Waffen Kraft, o Gott! erhöre
Die Stimme, die dich ruft! Dein Gnadenschein
Strahl' auf mich nieder! Stark bist du allein,
Ich nur ein schwaches Werkzeug deinen Händen,
Und wie der Pfeil folgsam und sicher fliegt,
Wohin der wackre Schütz' ihn will versenden,
So trifft mein Schwert und Mohadin erliegt,
Willst gegen ihn du meine Waffen wenden,
Denn du allein bist stark, und der nur siegt,
Den du, o Herr, mit schönem Ruhm willst krönen. –
Herold, mach' Platz! – Laßt die Trompeten tönen!

Gomel.

Sey du mein Gegner, Don Rodrigo Tellez.

Ponce (zu Almansor).

So bist mein Gegner du.

Juan (zu Hamet).

Und du der meine.

Muca.

Folgt in die Schranken mir!

(Die Ritter verneigen sich vor dem Könige.)

König.

Wahrt euer Recht.

(Die spanischen Ritter verneigen sich vor der Königin).

Großmeister (zur Königin).

Mein Herz weissagt mir Glück.

Alonzo

(hält den von der Königin erhaltenen Schleier in die Höhe).

Dieß reine Banner
Soll mich zum Tode führen oder Sieg!

Volk.

Heil, Heil der Königin!

(Der Herold, Muca und die acht Ritter gehen in die Schranken. Trompetenzeichen. Der Kampf beginnt, doch so, daß er nicht immer und nur theilweise sichtbar wird, da die Schranken in die Scene hinein verlängert gedacht und vom Volk und den Gewaffneten umgeben sind, Die Königin, von ihren Frauen unterstützt, steigt von der Estrade und bewegt sich gegen den Vorgrund).

Königin.

Ein kalter Schauer rieselt durch mein Blut
Wie Graun des Todes! Blutig schweben
Ob meinem Haupte alle bangen Schrecken,
Die mich bedrohn! – Ein doppelt Leben hängt
Jetzt furchtbar an des Zufalls dünnem Faden;
Wenn er zerreißt – Weh mir, wenn er zerreißt!
Wenn diese Sonne, die dort untergeht,
Mit ihren Strahlen ein geschändet Grab
Beleuchtet, und das reinste Blut, das je
Ein Herz durchströmte, fruchtlos fließt!

Mohadin

(in den Schranken).

Das traf ins Leben! Mein, mein ist der Sieg!

Alonzo.

Noch nicht! Noch sink' ich nicht!

Königin

(im höchsten Affekte).

Weh' mir!
Durchdringt die Wolken der beschwingte Pfeil
Der frommen Bitte, gibts ein Ohr dort oben,
Zu hören der Verzweiflung mächtig Flehn,
Ein Auge des Erbarmens, das vermag
Auf die Geängsteten herab zu sehn
In ihrer Noth: so höre, blick' auf mich!

(Trompetenklang.)

Zuruf des Volkes.

Dort Gomel fällt! – Almansor ist verwundet!

Königin.

      Löse die Bande,
      Die mich umgeben,
Lichte das Dunkel, das mich umhüllt,
Daß sich die Brust, die der Wahnsinn erfüllt,
      Frei möge heben,
      Athmen und streben
Aus dem erstarrenden Nebel der Nacht,
Wieder zur fröhlichen Sonne erwacht!

(Trompetenklang.)

Freudiger Ruf des Volkes.

Sieg! Sieg! – Heil Alfänna! Heil!

Die Schranken werden ganz von dem zuströmenden Volke gedeckt, so daß sie den Zuschauern nicht mehr sichtbar sind.)

Zelima.

Du bist befreit!

Esperanca.

Gerettet deine Ehre!

Muca (tritt auf).

Du bist gereinigt, königliche Frau,
Von aller Schuld.

Königin.

O Dank dir, Himmel! Dank!
Bin ich befreit? Bin ich es wirklich?

Muca.

Ja!
Doch fürcht' ich sehr – um einen hohen Preis,

(Königin sinkt, von Entsetzen ergriffen, an Esperanca's Brust.)

König.

Ein Ritter, dünkt mich, sank getroffen hin?

Muca.

Den schwer Verwundeten bringt man hierher. –
Und nun, mein königlicher Bruder, lasse
Des unbewahrten Eifers heft'ge Worte
Verweht seyn in die Luft! Verstoße nicht
Die Gattin, die Abenceragen nicht!
Die besten Pfeiler brich nicht unbedacht,
Die deines Reiches Bau gestützt, getragen.

König.

Umsonst spricht du für sie, sie sind verbannt.

Muca.

Bald folgt die bittre Reue dieser That.

König.

Die mir getrotzt, jag' ich aus meinem Reich.

Muca.

Und Alfänna? –

König.

Gleiches Loos trifft sie.

(Man hört aus der Ferne Musik.)

Blick' auf die Straße hin! Dort ziehn sie fort,
Die Trotzigen, und stolz, wie sonst, weht hoch
Ihr Banner in der Luft und lust'gen Klanges,
So wie zum Reigen, tönet die Musik.

Die spanischen Ritter. Gefolge. In der Mitte der schwer verwundete Alonzo, seine Wunde mit Alfänna's Schleier bedeckend.)

Königin.

Schützt mich, ihr guten Geister! Todtenbleich
Sein edles Antlitz!

Alonzo.

Du bist frei – gerettet!
An Ehr' und Leben ungekränkt – wohl mir!

Königin.

Dein edles Blut –

Alonzo.

Es fließet freudig!

Königin.

Weh!
Sein Auge bricht! – O Himmel!

Alonzo.

Alfänna!

(Er stirbt.)

Königin.

O schwinde hin, mein Leben, wie das seine!

(Die Umstehenden gruppiren sich um den Leichnam.)

Fünfter Auftritt.

Vorige. Gazul und Vanega treten auf.

Gazul.

Die Schwester such' ich, die wie wir verbannt.

Königin.

(an Gazul's Brust sinkend, zeigt auf die Leiche.)

Dort blicke hin!

König.

(mit verhaltenem Grimme.)

Nehmt sie mit euch.

Muca.

O, Granada! Du sinkst, dein Ende naht!

Großmeister.

Nehmt dieses edlen Ritters Leichnam auf,
Und bringt ihn fort von hier nach Spanien,
Daß ihn der Heimath leichte Erde decke. –
      Dort auf des Grabes schirmendem Wall,
      Und in der Nacht vertraulichem Schweigen
      Sing' aus den duftenden Blüthenzweigen
Ueberflötend die Nachtigall!
Daß man wisse in später Zeit:
Dieser Boden, er sey geweiht
Und geheiligt diese Erde –
Also der Tapfre geehret werde!

(Das Orchester fällt mit einem Trauermarsch ein.)

(Der Vorhang fällt.)

Ende.

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