Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Joseph Christian von Zedlitz >

Der Königin Ehre

Joseph Christian von Zedlitz: Der Königin Ehre - Kapitel 5
Quellenangabe
pfad/zedlitz/koenehre/koenehre.xml
typedrama
authorJoseph Christian von Zedlitz
titleDer Königin Ehre
publisher
seriesGes. Werke
volumeBand 6
year
firstpub1828
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091010
projectid87bce8d9
Schließen

Navigation:

Dritter Aufzug

Großer Saal im königlichen Schlosse zu Alhambra, mit Thron

Erster Auftritt

König Boadillin auf dem Throne. Zunächst steht Muca sodann die Vornehmsten der maurischen Ritterschaft, unter diesen: Abidbar, Mohadin, Gomel, Almansor und Hamet

König

Um mich versammelt seh' ich die Geschlechter
Der Großen meines Reichs, nur eins vermiss' ich:
Wo sind der Benceragen stolze Fürsten?

Muca

Im Strahl des Frühroths zogen sie bereits
Auf ritterliche Abenteuer aus.

König

Nicht wohlgefällig ist ihr stolzer Sinn
Dem Könige, dem er allein geziemt,
Wo er allein nur Herr ist. Hoch erheben
Sie, gleich den stolzen Cedern, ihre Häupter;
Sich wahren mögen sie vor meinen Blitzen,
Denn ihr hochfahrend Herz beleidigt mich.

(Er sieht im Kreise umher)
Du hier, Abidbar? – Ei, willkommen mir!
Du machtest deine Reise schnell, und wackre Rosse,
Ich weiß, erlagen auf dem flücht'gen Ritte. –
Führt ihn zum Tobe!

Abidbar

Herr! verzeih' –

König

Verräther!
Dich vor mein Antlitz wagen kannst du noch,
Von Schmach entstellt?

Abidbar

Ein böser Unfall. Herr,
Nicht eigne Schuld, hat den gewissen Sieg,
Den schon erfochtnen, mir geraubt. Es zeugen
Von meinem Muthe ehrenvolle Wunden.
Darum, o König, strafe nicht an mir
Gleich dem Vergehn mein widriges Geschick.

König

Aus eignem Antrieb hat er sich erboten,
Die Spanier anzugreifen. Eines, Pinatar,
Ja, Cartagena selbst will er verwüsten,
Bei tausend Ritter folgen seinen Fahnen,
Und nichts gebricht dem wohlversehnen Zuge;
Nun kehrt er schmählich aus dem Treffen heim,
Geschlagen, in die Flucht gejagt vom Feinde. –
Führt ihn zum Tode!

Abidbar

Herr –

König

Dort find' er ihn,
Dem auf dem Schlachtfeld er entgehen wollte.

Abidbar

O Herr –!

König

Nichts helfen deine Worte; fort!
(Abidbar wird abgeführt)

Zweiter Auftritt

Vorige ohne Abidbar

König (zu den Zegris)
Und ihr, die ihr gesenkten Blicks bang
Den Boden sucht, wohl habt ihr Recht; denn traun!
Euch wäre besser, in der Erde Schooß
Begraben liegen, als daß Euer Blick
Begegne meinem Grimm. Elende Sklaven!
Verworfne! Kennt ihr eure Schuld? – Ihr wagtet
Streit zu beginnen und das Schwert zu ziehn
In eures Königs Gegenwart, bestrahlt
Von seiner Hoheit Sonne? Wißt ihr nicht,
Daß eures Lebens trübe Fackel lischt
Vom Hauche meines Mundes?

Mohadin

Herr –

König.

Wer spricht?
Auf deine Knie!
Und wenn erzürnt mein königlicher Fuß
Auf deinen Nacken schreitet, er dich tritt,
Dich, der dem Hunde gleich an Niedrigkeit –

Mohadin.

Ich wage deinen Zorn, o Herr, und rede.

König.

Du wagst – ?

Mohadin.

Für deine Ehre Gut und Blut,
Und mein ruhmloses Daseyn adl' ich sterbend,
Fall' ich in deinem Dienst. – Erlaub', o Herr,
Daß ich erzähle, ohne Kunst und Schmuck,
Der Sache Hergang. Hab' ich ausgeredet,
Und findest du mich unwerth deiner Gunst,
So hau' ein Sklave mir das Haupt vom Rumpfe.

König.

Wohlan, so rede!

Mohadin.

Nicht vor Zeugen, Herr;
Denn Dinge von so großer Wichtigkeit,
So nah' betreffend deine Hoheit selbst,
Sind meiner Red' unsel'ger Inhalt: daß
Ein dichter Schleier sie bedecken muß
Für Augenblick', ob auch vielleicht in Kurzem
Schon des erstaunenswürd'gen Vorfalls Kunde
Gleich einem offnen Brief dein Reich durchläuft.
Doch du allein, mein König, kannst bestimmen,
Wenn du mich angehört, ob es gerathener,
Daß öffentlich ich rede, ob Verstummen
In solchem Falle nützlicher dir scheine.
Darum vergönne mir geheim Gehör;
Nur Gomel, Hamet und Almansor mögen,
Der Worte Wahrheit zu bekräft'gen, bleiben.

König

Entfernet euch, bis ihr berufen werdet.

(Die Ritter, außer den Zegris, entfernen sich)

Dritter Auftritt

Der König. Die Zegris

König

Wir sind allein. Nun red', und wenn du kannst,
Entzieh' dein schon verfallen Haupt der Strafe.

Mohadin

Daß ich in deiner Gegenwart, mein König,
Mit heft'gen Worten sträflich mich vergangen,
Mit Zank des Festes schöne Lust gestört,
Daß ich mein Schwert entblößt in deiner Nähe,
Auf Albin Hamar fechtend eingedrungen –
Ich läugn' es nicht; der That nenn' ich mich schuldig,
Mich und die wackern Ritter hier vor dir;
Doch tragt hier Recht das Antlitz des Verbrechens.
Verbrecher wären wir an Ehr' und Treue,
Wenn wir unthät'ge Zeugen nur geblieben
So schwarzer Wort' und Thaten, als mit Ohr
Und Auge wir in dieser Nacht erfahren.

König.

Was sagst du, Zegri?

Mohadin.

Ein verborgner Anschlag
Ward aufgedeckt durch mich.

König.

Was werd' ich hören?

Mohadin.

Um Kron' und Leben wird dir nachgestellt.

König.

Verrath! Mich morden wollen sie, mich morden,
Mich, ihren wohlgeneigten König?

Gomel.

Herr –
Sey unbesorgt.

Almansor.

Es stehn die Zegris hier
Zu deinem Schutz.

Gomel.

Entferne jede Furcht.

König.

Nicht also, würd'ger Gomel. Fürchten? Nein!
Abscheu nur ist es vor geheimen Freveln,
Die feig das Dunkel suchen, nächt'ger Weile
In ihres gnadenreichen Königs Busen
Die Mörderdolche stoßen. – In dem Schutze
Des Himmels steht mein königliches Haupt;
Ich fürchte nichts. – Sprich weiter, Mohadin!

Mohadin.

Zum frohen Fest erschien ich in Alhambra,
Der allgemeinen Freude mich gesellend.
Der süße Duft, der mir entgegenschwimmt,
Die Harmonien, die mein Ohr berauschen,
Des Saales Pracht, der tausend Kerzen Licht,
Der Perlen und der Edelsteine Glanz,
Unschätzbar reichen Werthes, und was sonst
Geschmack erfindet an Gewand und Kleidern,
Vor Allem doch der Frauen schöner Kreis:
Weckt auch in mir der Lust gesell'ge Regung,
Und mit Vergnügten will ich mich vergnügen.
Ich schau' umher in dem Gewühl der Gäste:
Da dünkt mich unter den Abenceragen
Ein seltsam Treiben plötzlich zu bemerken,
Geheimes Flüstern, Hin- und Wiedergehen,
Gedankenvolle Unruh', sorgenschwerer Ernst
Im Widerspruche mit des Tages Freude,
Nachtdüstre Blicke, Stirn und Antlitz schwarz
Wie, ein Gewitterhimmel, rings umzogen.
So find' ich Jeden, den aus ihnen ich
Erblicke. – Alles dieß scheint Großes mir
Vorzubedeuten,

König

Recht! so ist's. – Erzähle!

Mohadin

Ich rufe Gomel, Hamet und Almansor,
Erzähle, was mir dünkt – sie sehn dasselbe.
Indeß der Tanz den Zauberreihen schlinget,
Und Frohsinn überall nur scheint zu weben,
Mehrt der geheimnißvolle Eifer sich,
Der uns befremdet.
Nach kurzer Weile sehn wir aus dem Saale Sich Albin Hamar, Maliqu' Alabez,
Vanega, Almoradi still entfernen.
Wir folgen. –

König

Sonderbar! – Doch weiter – weiter!

Mohadin

Fern – in ein abgelegenes Gemach
Ziehn die Abenceragen sich zurück;
Der Eingang wird verschlossen – nicht genau
Läßt, was sie reden, sich vernehmen; doch
Aus jenen Worten, die wir deutlich hören,
Wird bald ein fürchterlich Verbrechen klar.
Dein Name wird genannt zu öfternmalen,
Und, »sterben muß er! – Fort mit ihm vom Throne!«

König

Entsetzlich! Welche Gräu'lthat!

Mohadin

Diese Worte,
Oft wiederholt, vernehmen wir mit Schrecken.

König

Ich bin verloren!

Mohadin

In der Rede Eifer
Ruft Albin Hamar mit erhobner Stimme:
»Euch danken will ich, wenn ich König bin,
Und Alfänna mein!« –

König

Wollt ihr mich tödten?

Mohadin

Wir schaudern! – Auf schließt man die Thüre nun,
Und die Verräther treten in den Vorsaal.
Da, meiner nicht mehr mächtig, hingerissen
Von dem gerechten Grimm, ein wüthend Thier,
Fall' ich sie an. Die Freunde helfen mir,
Und so entstand der Kampf, den Muca trennte.
Erkenn' nun selbst, o Herr, ob deiner Huld
Die Zegris würdig sind – ob deines Zorns.

König.

Ja! ihre schuld'gen Häupter sollen fallen!
Ihr Blut soll fließen! Wie ein breiter Strom
Durchrausch' es Granada in dunklen Wogen! –
Mir Thron und Leben rauben wollen sie?
O, unerhört! entsetzlich!

Mohadin.

Und doch nur
Der klein're Theil von dem Entsetzlichen!
Die Zunge weigert sich, versagt den Dienst,
So gräuelvolle Kunde auszusprechen.
Noch such' ich Worte, einen Schleier möcht' ich
Verhüllend werfen um des Frevels Blöße.

König.

Nicht zaudre länger, sage, was du weißt!

Mohadin.

Als wir des Nachts im Garten uns ergehn,
Gemeinsam uns besprechen und bedenken,
Was nun zu thun, wie deine Hoheit wir
Erretten aus der drohenden Gefahr:
Da regt' in einer Rosenlaube sich's
Dicht hinter uns. – Vertrautes Lispeln tönt,
Sehnsücht'ges Seufzen, Wechselschall der Küsse,
Wie schmachtend Tändeln der Verliebten pflegt. –
Wir lauschen –
Da, aufgeschreckt durch unsre Nähe, flieht
Das überraschte Paar, und es entwindet,
Erschreckt, aus Albin Hamars Armen sich
Die Königin!

König.

Hilf, Allah!

Almansor.

Du erbleichst!

König.

Die Königin aus Albin Hamars Armen? –

Gomel.

Sie Beid' entflohen, als wir uns genaht.

Mohadin.

Und so untrügliche Wahrzeichen, Herr,
Füg' ich zu meiner Klag' und lege sie
Der Königin vor Augen, daß, besiegt,
Sie vor der Wahrheit Macht verstummen muß.

König.

Verrath und Treubruch! Krone, Leben, Weib –

Gomel.

Mein König, fasse dich!

König.

Verrath und Treubruch! – War's nicht so? – Nein, nein!
Treulos sind Königinnen nicht! Ihr lügt!
Was euch bedrohen mag daheim, Betrug
Und fremde Buhlschaft eurer Frau'n, mich nicht,
Mich kann's nicht treffen.

Gomel.

Hätt' das Aug' es nicht
Gesehn, wer glaubte, daß Untreue sich
Dem Bette nahen könne deiner Hoheit?

König.

Und dennoch, Gomel! – Falsch ist das Geschlecht,
Und Lüge, Trug, Verrath, Gift, blut'ger Mord:
Dieß alles schlummert in der schönen Hülle
Des zarten Busens, der so ruhig wogt,
Daß seine blüthenweise Decke scheint
Unschuld'ger Kinderschlaf empor zu heben.
Beim Gott des Himmels! Ist sie nicht ein Weib?
Wenn eines Königs auch, was hindert das? –
Wo ist denn Treue? wo? – Ist treu der Schnee,
Wenn ihn die glühnden Sonnenstrahlen schmelzen?
Der Bäume zitternd Laub, vom Wind bewegt,
Ist es beständig? – Habt ihr nie gehört,
Daß Augen Kuppler, und empörtes Blut
Ein ungestümer Gläubiger? So ist's!
Verbotne Frucht schmeckt süßer. – Was, ich bitt' euch,
Was ist die Burg der Pflicht, wenn die Begierde
Sie einschließt und belagert? – Pflicht ergibt sich,
Ein Narr ist, der an Frauentreue glaubt!
Ich bin betrogen! – Nun, wohlan! So soll
Die Treue sterben, und Beständigkeit
Brenn' auf dem Holzstoß!

Mohadin.

Herr, gerechte Strafe
Für das Vergehen ist's, wofern du nicht
Gerechtigkeit nachstellst der Milde, und
Die Schmach bedecken willst mit deiner Güte,

König.

Ihr wollt mein Leben, meinen Thron, mein Weib,
Abenceragen? Hoch steht euer Sinn;
Fürwahr, nicht wenig ist's, was euch gelüstet.
Ihr wagt den Kampf mit mir? Nun denn!
So laßt uns sehn, ob ihr die Stärkern,
Ob ich. – Ruft meinen Hof!
Man sende nach der Königin sogleich!
Vor Unserm Thron erscheinen möge sie
Und der Versammlung unsrer Ritterschaft.
Dort, ist mein Wille, werde sie von euch
Der schnöden Untreu' und verletzter Pflicht
Auf Leib und Leben peinlich angeklagt! –
Verfallen ist ihr Haupt dem Tod zum Raube,
Erwiesen ist die Schuld, weil ich sie glaube.

(Die Zegris gehen ab.)

Vierter Auftritt.

Der König (allein).

Nicht eures Zeugnisses bedarf es mehr,
Wo mir ein Zeuge laut im Innern spricht.
Mich hat sie nie geliebt. Ja, ist es wahr,
Daß Liebe sich in sehnsuchtsvollem Schmachten,
In trunknen Blicken, ungestümem Wogen
Des jungfräulichen Busens kund gibt, daß
Das Aug' unwiderstehlich dem Geliebten folgt
In willenloser Treue; daß das Herz
In seiner Näh' unruhig zittert, und durch Thränen
Oft des Entzückens Lächeln selig schimmert,
Wie Sonnenschein durch warmen Frühlingsregen;
Wenn Lust und Bangen, Beben und Erröthen,
Und alle jene süßen Tändeleien,
Die, Kinderspielen gleich, den Liebenden
Doch wicht'ger sind, und mehr als Gold und Kronen:
Wenn, wie die Dichter in den Liedern singen,
All' diese Zeichen die beständigen
Geleiter sind der holden Liebe – dann,
Bei meinem Haupt! hat sie mich nie geliebt,
Dann war sie treulos, einem Andern eigen;
Denn Jugend bleibt ja ohne Liebe nicht!
Wie ohne Nachtigallen nicht der Lenz.
Betrogen bin ich – darum sterbe sie!
Verflucht, daß ich der Benceragen Blut
Vermählt dem meinen! Mir vom Haupt die Krone
Abreißen wollen sie? – Es soll mein Weib
Zur schnöden Mitgift sie dem Buhlen bringen?
Man naht! – Hinab,
Empörtes Herz! – Mir schwimmt es vor den Augen!

(Er bleibt, an die Wand gestützt, hinbrütend stehen.)

Fünfter Auftritt.

Der König. Die Königin erscheint, von ihren Frauen begleitet. Sie neigt sich vor dem Könige, der sie nicht bemerkt, und besteigt dann den Thron zur Seite des etwas erhöhten königlichen. Ihr zunächst stehen ihre Frauen. Muca stellt sich auf die andere Seite des Königs. Die Ritter bilden einen halben Kreis. Dem Throne gegenüber stehen die Zegris: Mohadin, Hamet, Gomel und Almansor. Nachdem sich Alles geordnet, besteigt der König den Thron. Bei dem Anblick der Königin fährt er zurück; doch sucht er Fassung zu gewinnen, die er auch die ganze Scene hindurch behält. Man sieht in seinem Mienenspiele, daß ungestüme Aeußerungen der Versammlung jedesmal seinen Willen bestimmen.

Königin.

Zu ungewohnter Stunde, mein Gemahl,
Hast du geboten, daß in diesem Saale
Vor deiner Hoheit ich erscheinen möge.
Was ist dein Will'? Ich harre deines Winkes
In Ehrfurcht, wie der Gattin es geziemt.

König

(zu der Versammlung).

Als Zeugen eines Schauspiels seltner Art
Hab' ich euch herbeschieden. Ich, eu'r Herr,
Bin der Beleidigte, und Richter
In meiner eignen Sache muß ich seyn.
O furchtbares Ereigniß! Ich, der König,
Der aller Ehren Hort und Eigner ist,
Von dem die Ehre ausgeht, wie der Tag
Vom Glanz der Sonne: ich bin Ehren baar,
Und Schmach bedeckt mein königliches Haupt.

Mehrere Stimmen.

Was sagst du, Herr? – Ist's möglich?

König.

Zegri, sprich!

Mohadin.

So ist's. – Ich, Mohadin und diese Ritter:
Almansor – Hamet – Gomel, zeugen das,
Und klagen vor dem Adel Granada's
Dich, Alfänna, unsre Königin,
Mit Albin Hamar, dem Abenceragen,
Von uns betroffen in geheimer Lust,
Verletzter Ehre und des Treubruchs an!

Muca.

Elende Lügner! Ha! wer kann es wagen,
Die blüthenreine Königin zu schmähn?
Unschuldig ist sie, und Verleumder ihr!
Die Perle, aus dem tiefen Grund der See
Heraufgeholt, in der verschloss'nen Muschel,
Ist makelloser nicht. – Wenn Tugend lebt,
Und wandelnd geht auf Erden, Antlitz trägt
Und Züge menschlicher Gestalt, nun denn,
Beim höchsten Gott! so sind dieß ihre Züge,
Ihr Antlitz dieß. – Sie schweigt, die hohe Frau;
Ja wohl, sie schweigt! – Was braucht die Sonne Wort'
Und einen Herold, ihren Glanz zu künden?
Wohlan! ein Pfand des Kampfes werf' ich hin
Vor meines Königs Thron; der nehm' es auf,
Der Alfännas Ehre wagt zu schänden!

Mohadin.

So hätt' auch ich gesprochen gestern noch,
Wir Alle. – In gerechtem Zorn entbrannt
Wär' auch mein redlich Herz so wie das deine;
Doch sah mein Auge, was mein Mund bekannt,
Und Wahrheit ist's – ob's auch unmöglich scheine.

Königin.

O schändliches Gewebe frecher Lüge!
Schamlos erdachter Bosheit! – Sprich,
Was Hab' ich dir gethan, grausamer Zegri,
Daß du gekommen bist, mein Herz zu tödten?
Was hab' ich dir gethan? wie dich beleidigt,
Daß solche Rache du vermagst zu nehmen? –
O mein Gemahl und König, glaube mir,
Dem reinen Golde meiner Worte traue!
Wann sahst du, mein Gemahl, wann sah mein Hof,
Wann sah Granada einen Blick des Auges,
Den strenge Sitte tadelnswürdig fände?
Sind meine Frauen nicht um mich? hält nicht
Des Hofes Brauch mich streng geschieden, nicht
In des Palastes Säle mich gebannt? –
Seit deine Hoheit mich zu sich erhoben,
Auf dieses Thrones Höhe mich gestellt,
Liegt mir in weiter Ferne ja die Welt,
Und wie, wenn uns vom Land die Wellen tragen,
Die Lüfte weiter stets vom Strand uns wehn,
Wir nur die blauen Berge noch ersehn,
Die, dicht von Nebeldämmerung umwoben,
Wie Riesenschatten in die Wolken stehn –
So seh' ich aus der Jugend frohen Tagen
Kaum noch die sonnenreiche Küste ragen;
Und nach dem innern, blumenhellen Raume
Trägt selten nur Erinnrung mich im Traume.

König.

Und dennoch stehn vier Zeugen hier zur Klage.

Königin.

Du weißt es, Herr, und die, die mir verwandt,
Daß, eh' mich deine Hoheit sich verband,
Des zarten Mädchens jungfräuliche Neigung
Sich einst an einen edlen Jüngling schloß;
Doch rein, wie körperlose Geister sich
In dem besonnten Himmelsraum vermählen,
Verbanden sich die kindlich weichen Seelen,
Da war es ja noch anders! – damals drückte
Ja keine Krone diese Stirne noch!
Nun ist er todt für mich und muß es seyn!
Von jeder andern Liebe blieb ich frei,
Und niemals brach ich meine Pflicht und Treu! –
Ich habe Albin Hamar nie gesprochen,
Unwahrheit sagen sie. Beim Gott des Himmels!
Beschwören will ich es mit allen Eiden,
Ich habe Albin Hamar nie gesprochen.
Sie sollen reden, Zeit und Ort mir nennen,
Beweise führen, die zu widerlegen
Unmöglich; denn die Worte gnügen wohl,
Mich zu verleumden, zu verdammen nicht.

Muca.

Gerecht ist, was die Königin begehrt.

Mohadin.

In der vergangnen Nacht, nachdem das Fest
Jählings geendet, dort auf der Terrasse,
Die nach des Genils Ufern hin sich breitet:
Sahn wir, von Rosen und von des Jasmins
Verschlungnem Laubgewinde dicht umhägt,
Im Dunkel der verborgnen Grotte, dich
An Albin Hamars Brust, in seinen Armen.

(Die Königin erschrickt heftig.)

Mohadin (fährt fort).

Als wir genaht und du dich, aufgeschreckt
Durch das Geräusch, entwandest deinem Buhlen:
Entfiel dir dieser Halsschmuck.

(Er zieht die Halskette hervor.)

Sage selbst,
Ob dies Geschmeide mit des Königs Bildniß
Nicht gestern Abends deine Brust geziert?

Königin.

Weh' mir! (Sie sinkt in Ohnmacht.)

König (die Kette ergreifend).

Dies ist mein Bild!

Muca (zur Königin).

Du taumelst – sinkst –

(Unruhige Bewegung unter den Anwesenden. Die Frauen Alfänna's halten die Ohnmächtige in ihren Armen.)

König.

Erwiesen ist die That! des Todes schuldig
Erkenn' ich sie. – Sie sterbe heute noch!

Muca.

Nicht so, mein Bruder! – Angeklagt ist sie,
Doch schuldig nicht; erwiesen nicht! –
Was wäre denn erwiesen und womit?
Ist's ein Beweis, wenn die gekränkte Scham
Die schwachen Kräfte übermannt, wenn Schmach,
Verleumdung, Bosheit das empörte Herz
Erstarren macht für Augenblicke? – Nein!
Ein Tag sey festgesetzt von dir, o Herr,
Wo um die Ehre soll der Königin
Gestritten werden in den offnen Schranken;
So ist es Brauch und Sitt', und hat zu Recht
Gegolten seit Uralters her. Ich setze
Für ihre Unschuld Blut und Leben ein,
Ich fechte für die Königin!

(Ungestümer Tumult,)

Viele Stimmen.

So sey es!
Es muß der Kampf, das Schwert muß hier entscheiden!

Muca.

Bin siegreich ich, so ist die Edle frei,
Und ihre Kläger sind des Todes schuldig.
Fall' ich im Kampf, nun, dann hat Gott entschieden!
Dann sterbe sie und find' im Grabe Frieden.

(Stürmisches Rufen der Ritter.)

So sey's! – Ich kämpfe für die Königin! – Ich auch!

König.

– Wohlan! den Kampf erlaub' ich.
Doch du, mein Bruder, kannst ihn nicht bestehn.
Du selbst sollst Richter in den Schranken seyn;
Dies ehrenvolle Amt bestimm' ich dir.
Auch die Abenceragen nicht; denn schwer
Verschuldet sind sie selbst bei dieser That,
Und schwere Ahndung schwebt ob ihren Häuptern.
Wer aber sonst für den gekränkten Leumund
Der Königin gemeint ist und geneigt,
Das Schwert zu ziehen, er erscheine bis
Zum Sonnenuntergang des dritten Tages,
Gezählt von heut. – Das nächste Morgenroth
Soll sie gereint dann finden – oder todt!

Ende des dritten Aufzuges.

 << Kapitel 4  Kapitel 6 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.