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Gutenberg > Robert Hamerling >

Der König von Sion

Robert Hamerling: Der König von Sion - Kapitel 6
Quellenangabe
typeepos
booktitleDer König von Sion
authorRobert Hamerling
firstpub1869
year1869
publisherJean Paul Friedrich Eugen Richter
addressHamburg und Leipzig
titleDer König von Sion
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                      Aber nun plötzlich erschallt aus der gaffenden Menge der Ausruf:
»Matthisson!« und es stürzt ein Mann sich heran, und ein zweiter
Folgt ihm, ein Dritter, und eilig die Reihen des Volkes entlang läuft
Jetzo das Wort, mit Freude gejauchzt, mit Ängsten geflüstert:
»Matthisson, der Prophet, der begeisterte Meister von Harlem!«
Allwärts drängen heran sich die jubelnden Anabaptisten.
Rottmann kommt, und erglühend, mit freudigem Leuchten des Auges,
Faßt er des Fremdlings Hand. »O sei mir gegrüßt, du Ersehnter!«
Ruft er, »du, der bisher aus der Ferne das Herz mir befeuert;
Du, auf welchen die weit umher in den Landen Zerstreuten
Blicken als Führer und Herrn, den sterbende Seher verkündet
Als den Begründer des Reiches der himmlischen Güter auf Erden;
Du, den oft ich ersehnt, wenn grübelnd ich Nachts mit dem Unhold
Rang, und mir vor dem Aug' sich verwirrten die Pfade der Wahrheit,
Oder ich zagte, zu thun, was die innere Stimme mir eingab!
Siehe, du wardst als Helfer mir stets, als Vollender verheißen!
Denn was der Grübler ersinnt, traumwandelnd im stillen Gemache,
Selbst nicht führt er es aus, nein, Andere sendet der Himmel,
Männer der That. So kommst du und nimmst von den Schultern die Last mir!
Ihr auch, Brüder umher, frohlockt! zujauchzt dem Propheten,
Der mit den Seinen zu uns her kam, dieweil ihm der Vater
Münster im Traume gezeigt als erkorene Stätte des Heiles!«

Mächtig erscholl ringsher aus den Kehlen der Anabaptisten
Freudiger Ruf: stumm schlichen die luther'schen Männer bei Seite,
Grollend, zur Abwehr winkend einander, und als nun verstärkte
Schaaren der Ihrigen nahen, bedroh'n sie die Anabaptisten,
Stören mit Murren und Lärmen die Worte, mit welchen der hohe
Fremdling erwidert den Gruß. Da plötzlich ruft der gewalt'ge
Knipperdolling, durchbrechend die Menge mit kräftigen Armen:
»Mir nach, Anabaptisten und Brüder! die Lämmer und Böcke
Gilt es zu sondern vorerst! wolauf zu des heiligen Lambert's
Kirchhof, dort, wo schon öfter in früheren Tagen wir Rottmanns
Reden gelauscht, als man ihm zu Münster verwehrte die Kanzel!
Dort soll sprechen zum Volk der Prophet!« – So rief er und faßte
Stracks am Zügel das Roß des umjubelten Alten. Es wälzte
Hinter ihm her sich der Schwarm der begeisterten Anabaptisten,
Aber auch sonst viel Volkes, zu hören die neue Verkündung.

Als sie vom Markt nun gelangt zum nahen ummauerten Kirchhof,
Welcher geräumig und still Sanct Lambert's Münster sich anschloß,
Leitete zwischen den Gräbern hindurch der beeiferte Führer
Roß und Reiter dahin zur erhöhteren Stelle, zum Beinhaus,
Über die Stufen empor, wo dem Volke oft predigte Rottmann.
Und nachdem er gestiegen vom Roß, dort stand der Prophet nun
Auf der erhöhtesten Stufe, dem Volk weit sichtbar und hörbar.
Und er begann: »Ihr Brüder von Münster, geliebte, vernehmt mich!
Hört, ich rede zu euch hier zwischen den Gräbern! Ein neues
Leben verkünd' ich dahier auf der Stätte des Tods. In den Gräbern
Seit Jahrhunderten ruh'n hier euere Väter! und hier auch
Steht Sanct Lamberts Münster vor euch, wo dem Herrn sie gedienet,
Nach Urvätergebrauche, die Väter. Was aber verstanden
Unter dem Dienste des Herrn sie, die Väter? was nannten sie Frommsein?
Höret, ich will's euch sagen. Das hieß: Litaneien und Psalmen
Singen bei Glockengebimmel und Weihrauchsdüften, geweihte
Kerzen und Palmen und Fahnen und Heiligenbilder verehren:
Rutschen auf nackenden Knie'n hieß das, wallfahren und Hände-
Falten, Reliquien küssen, mit neuen Gewändern die Mutter
Gottes beschenken, als wäre sie eitel, und Heil'ge mit Rüstzeug,
Gold'nem, als sollten sie helfen die Türken vertreiben, Gelübde
Machen und Silbergehängsel als Weihegeschenk in die Tempel
Tragen, getreulich den Fest und den Fasttag halten, in frommen
Brüdervereinen gemeinsam mit Andern durch etliche Tausend
Paternoster ein Häuflein von Seelen erlösen, und Messen
Stiften und Klöster erbau'n, einsetzen zum Erben die Kirche –
Seht, das nannten sie dienen dem Herrn, so verstanden's die Väter:
Und dieweil sie es also verstanden, so hat es geholfen
Ihnen zu himmlischen Freuden und zeitlicher Ruh' des Gewissens.
Doch, was lebendig befruchtet die Herzen der Väter, zu leerem,
Todtem Gepräng ist's geworden, aus welchem die Seele gewichen!
Heimlich lächelt der Priester der eig'nen Mysterien, Heuchler
Nennt das Gewissen ihn selbst, der sich rühmt, er besitze den Glauben!
Nein, wir besitzen ihn nimmer, den Glauben! Wer aber vermöchte
Schmach uns zu bieten darum? Ist nicht ein Wunder der Glaube?
Nicht eine Gabe von oben? Und wenn er uns eben versagt ist,
Und dafür in die Seele der Drang uns, zu denken, gelegt ward,
Ist nicht Gottes Geschenk der Gedanke zuletzt, wie der Glaube?
Werden in göttlicher Hand nicht denkend wir stehen wie glaubend?
So ihn noch Einer besitzt, er freue sich dessen; wir aber,
Die nicht haben den Glauben, verschmähen den Glauben zu heucheln
Und wir gehen wie Kinder, die neuer Gewande bedürftig,
Weil sie den alten entwachsen, zum Vater; wir legen die Krücken
Auch vor ihn und fragen: Was weiter nun, Vater? Versuchen
Wir's auf eigenen Füssen? Es lohnt doch wol der Versuch sich! –

Glaubt mir, es lässet der Herr nie haltlos über dem Abgrund
Schweben die Welt, und so wahr ich glaub' an die waltende Liebe,
Glaub' ich, entbehrlich auch ist, was faul, wurmstichig und morsch ist!
Laßt nur das innere Feuer einmal und des Guten und Rechten
Mächtigen Drang in den Herzen erwachen, und das, was als Buchstab',
Als ein geschrieb'nes Gesetz uns von außen beherrschte, lebendig
Sprechen in eigener Brust! Denn der Drang zum Guten und Rechten
Liegt auf des Menschengemüths Urgrund als innerstes Wesen.
Daß entbehrlich die Tempel dereinst und die Dienste des Tempels,
Höret, die heiligen Schriften bezeugen es selbst: ja, sie weisen
Über sich selber hinaus und sagen vom Reiche der Zukunft:
» Nicht einen Tempel erblick' ich in Sion – der Herr, der allmächt'ge,
Selbst, und das Lamm sind der Tempel in Sion, und nimmer bedarf es
Sonne noch Mond, denn erleuchten ja wird des unendlichen Geistes
Sonne das göttliche Reich: und es werden die Völker der Erde
Wandeln im Licht, und vorbei wird dann für immer die Nacht sein!
« –

Aber die Zeit, die die Blätter der Apokalypse verkünden,
Die da erweckt des Gemüths ureigenstes innerstes Walten,
Nah' schon ist sie. Ich hab' es erlebt, mit Augen geschauet,
Wenn zu den Menschen ich sprach, wie der Geist urplötzlich zuweilen
Über sie kam und fort sie riß: und seht, so ergreift er
Bald nun Alle zugleich: dann feiert die Menschheit ein Pfingstfest,
Eines Empfindens zu sein und Eines Gedankens für immer.
Denn wie vielerlei Beeren den Wein, und vielerlei Körner
Geben das Brot, so müssen die Menschen verwachsen zu einem
Leben, zu einer Gemeine – und nur wenn einerlei Regung,
Einerlei Wille sie spornt, dann wird entbehrlich der Priester
Sein, und des Richters Gesetz. Dann brauchen wir keinerlei Zwang mehr,
Keinerlei Eigenbesitz, und auch kein Ehegelöbniß.
Alles ist dann ein Geist, ein Sinn, ein Leben . . . Wolan denn!
Pflegt Einkehr in euch selbst, und horchet nach innen, und fragt euch,
Ob in euch ist der Drang und die Kraft des vergöttlichten Lebens?
Aufbau'n müssen in uns wir das, was wir außen zertrümmern!
Müssen erwecken den Gott in uns, eh' wir stürzen die Götzen!
Prüfet euch: denn nur dem Reinen gereicht zum Heile die Freiheit!
Habt ihr die Reinheit nicht und den Drang und die Kraft, o so laßt mich
Ziehen von dannen, dieweil noch ferne die Zeit der Erfüllung:
Habt ihr sie aber, so kommt, und laßt euch weihen zu Bürgern
Sions, und lasset euch neu mit heiliger Sprenge benetzen,
Die ein läuterndes Zeichen uns sei für die neue, die große
Wiedergeburt im Geist! Unmündige taufte die alte
Kirche: sie war der Unmündigen Hort! doch die neue, sie tauft euch
Wieder – als Mündige nun! Nach freiem Entschlusse vereint ihr
Euch zur Gemeine des neuen, prophetenverkündeten Sion!

Aber in Sion, da muß sich erfüllen das Wort: » Ich erneu're
Jegliches Ding!
« Wie sollt' uns der Luther'schen Lehre genügen?
Denn sie erneuert die Welt nicht ganz – sie ist nüchtern, im Elend
Läßt sie das Volk, zaghaft, und schmeichelt den Fürsten der Erde.
Aber die Fürsten, sie müssen herab von den goldenen Stühlen!
Schreibt denn nicht der Prophet, daß der Herr das Gevögel des Äthers
Schickt, um das Fleisch zu verzehren der Potentaten der Erde,
Und um zu trinken das Blut der gewaltigen Hansen? – Ich aber
Seh' im Geiste die Zeit, wo die Madengefäße, die eitlen,
Fürsten genannt, die da meinen, es wäre zu ihrem Belieben,
Ihrem Genuß nur die Welt – wo nicht sie fressen die Geier,
Nur auf wankenden Thronen noch sitzen, als bleiche, gekrönte
Schatten, die nicht mehr Böses noch Gutes vermögen zu wirken; als Puppen,
Die man stellt in den Winkel zuletzt, wo im Staub sie vermodern! –

Männer, ihr habt es zuweilen mit Augen geseh'n, wie verwelkte
Blätter vom vorigen Herbst bei Knospen des Lenzes im Strauchwerk
Hängen! der selbige Saft, der das frische Geblätter hervortreibt,
Stoßt auch die welken zuletzt von den Bäumen, wie zähe sie trutzen!
Wenn der gewaltige Gott nicht eben so wol, wie zu schaffen,
Auch zu vernichten verstünd', und bei Seite zu räumen das Todte,
Wäre die Welt längst voll, und erstickt in dem eigenen Unrath.
Seht, auf dem Kirchhof hier, da liegen bestattet im Erdreich
Ganze Geschlechter – wir senken die Leiber, sobald sie verblichen,
Rasch in die bergende Grube, hinweg aus dem Lichte des Tages.
So, ihr Brüder, so laßt uns jegliches Todte bei Seite
Karren auch ohne Verzug – was vermorscht ist, was nach Verwesung
Duftet – hinweg, hinweg damit aus den Augen der Menschen! –

Meint ihr, daß ich gekommen, um zu predigen euch einen süßen
Christus, der mild nur und sänftlich erlösen die sündige Welt will?
Nein, einen bittern Erlöser verkünd' ich euch, der in der Rechten
Schwingt ein feuriges Schwert zum nahen Gerichte der großen
Buhlerin, welche da thront als in prunkenden Purpur und Scharlach
Üppig gekleidetes Weib, dem geschrieben das Wort auf die Stirne:
»Babel, der Unzucht Mutter und jeglichen Gräuels auf Erden!«
Lasset das wankende Babel uns stürzen, und prangend entgegen
Stellen dem Schutte von Babel das neue, das herrliche Sion!« –

So der Prophet; und es scholl ihm rings von Verzückten ein Zuruf
Tausendstimmig entgegen. Da kam von dem Markte die Botschaft,
Eilig die Schaaren der Männer durchlaufend, daß mit den Papisten
Luther'sche Männer vereint sich rüsten zu stürmen den Kirchhof,
Und zu vertreiben von dort die rebellischen Anabaptisten.
Doch zu noch grimmiger'm Muthe befeuert die Schwärmer die Botschaft,
Und der Prophet, er erhebt die gewaltige Stimme noch einmal,
Und, mit wilden Geberden und glüh'ndem Gesicht, in Verzückung
Ruft er: »Lasset sie kommen, wir wollen sie würdig empfangen!
Wenn uns fehlen die Waffen, wir greifen nach Todtengebeinen!
Mag zum Zeughaus werden das Beinhaus: lasset uns schlagen
Mit den Gebeinen der Väter die Enkel, auf daß sie auch selber
Werden zu Todtengebein! Und wenn mit Karthaunen sie nahen,
Schleudern wir ihnen als Kugeln die grinsenden Schädel entgegen!«

Rief's in fanatischer Wuth, und schwang in den Sattel des Rosses
Sich von den Stufen herab auf's Neue: die Schaaren der Seinen
Ritt er entlang und gebot, sich in Eile zum Kampf zu bereiten.
Und nun ziehen die Einen und Andern auch blitzende Waffen
Zwischen den Kleidern hervor, scharfspitzige Schwerter und Dolche,
Feuergewehre sogar, und zum Heerbann wird das Gewimmel.

Und sie beschließen entgegen zu ziehen den drohenden Feinden.
Rasch aus dem Kirchhof wogen zurück sie, finden die Gegner
Halb nur bereit zum Kampf: wie vor Meerkatzengeschlechtern,
Welche sich grimmvoll, schreiend und fletschend die Zähn', aus dem Bergwald
Stürzen, die Hündlein flüchten, so weichen vom Markt in Bestürzung
Jene zurück, da sie plötzlich des wilden fanatischen Schwarmes
Kampfruf hören, und sehen die blinkend-geschwungenen Waffen.
Weichend entschwindet ein Theil alsbald ins Ludgerikirchspiel
Mittagwärts, ein Theil durch die Halle des westlichen Durchgangs,
Welche hinauf in den Domhof führt. Es erblicken die Täufer
Sich als gebietende Herren des Markts und gegeben in ihre
Hände das Rathhaus auch: denn entwichen durch hintere Thüren
Sind schon die Männer des Rathes. Die Häupter der Anabaptisten
Schaaren sich um den Propheten, inmitten des Markts, und sie schwören,
Fest da wurzelnd im Grund, zu erwarten den feindlichen Angriff,
Trotzend der Übergewalt. »Gebt Acht, mit Donnergeschützen
Rücken sie uns auf den Leib alsbald!« rief Einer im Kreise.
Aber mit fröhlichem Sprung entgegnet – ein kühner Gedanke
Hat ihn entflammt wie ein Blitz – der gewaltige Knipperdolling:
»Auf, nur ein Häuflein Leute zu Roß, und dazu noch ein Dutzend
Kräftiger Gäule! wir eilen hinab zum Ludgerithore
Flugs, wo das Zeughaus steht, das strotzt von Karthaunen!« – So rief er,
Und es umgab ihn rasch ein berittener Trupp, und sie sprengten
Eilig die Straße hinunter zum erzwehrstrotzenden Zeughaus.

And're indessen enteilten zur Lambertskirche, der nahen,
Rissen die Bänke heraus, und schleppten noch mancherlei Holzwerk,
Balken und Fässer herbei, um damit zu verrammeln den Marktplatz.
Aber es schlichen in Eile nach ihren Behausungen And're,
Holten Gewaffen sich dort, schußfertige Büchsen und Dolche,
Armbrüst', Pfeile zu schleudern, und stählerne Hämmer und Äxte,
Stangen und Spieße dazu, und was sonst zur Wehr sich noch darbot.
Und dann wieder mit Glück durch feindliche Gassen zum Marktplatz
Stahlen sie sich. Zuströmten auch andere, neue Genossen
Aus den Bezirken der Stadt, um Hilfe zu bringen den Ihren.
Auch was von Männern, die heut' aus Nachbarstädten gekommen,
Und von Dörflern noch eben der redegewaltige Volksmann
Hatte für Sion gewonnen, es wogte heran. Und gerasselt
Kamen die Ludgeristraße herauf nunmehr die Karthaunen
Knipperdollings – den minder besonnenen Gegnern am Zeughaus
War zuvor er gekommen in muthiger Eil' und erbeutet
Hatt' er ein zwiefach Paar todspeiender Röhren: erbeutet
Hatt' er den »Burlebaus« und den »Umpenplump« und die »faule
Grete«, den »Satan« dazu; die kamen auf wuchtigen Rädern
Jetzo gerollt: es erscholl von Gejauchze der Markt bei dem Anblick.
Und stracks wurde gewiesen der Posten für jeglichen Erzschlund.
Dort, wo vom Marktplatz her Sanct Michaels Pforte sich westwärts
Gegen den Domhof wölbt, genüber dem prangenden Rathhaus,
Stellten die Grete sie auf, die gewaltige; dort, wo gen Mittag
Ludgeri Straße gerade zum Ludgerithore hinabführt,
Drohte der Burlebaus mit geöffnetem Schlunde zur Abwehr;
Und wo die andere Straße, die Mittagsgrenze des Domhofs
Streifend, im Bogen geschwungen hinüber zur Brücke der Aa läuft,
Ragte der Umpenplump, todschwanger, ein lauernder Unhold;
Nordwärts aber hinauf, wo der Lamberts-Münster den Marktplatz
Schließt und der Kornmarkt weiter noch leitet die schönen Arkaden
Ganz um des Domhofs Grenze von Osten, da klaffte des Satans
Rachen geöffnet, bereit allstündlich, Feuer zu speien.
Und es vertheilen zugleich sich die Schaaren der Anabaptisten:
Diese das Rathhaus mannlich besetzend, und Jene den Münster
Sanct Lamberts, den geräumig erhab'nen, noch Andre der Straßen
Mündungen wacker bewachend. Entflammt durchwandelt die Reihen,
Spornend, der ernste Prophet.
                                                Doch die Luther'schen und die Papisten,
Rüsten im Domhof sich und im Kirchspiel »über dem Wasser«,
Welches zur anderen Seite der Aa sich im Westen verbreitet.
Dort auch rasseln Karthaunen und blinken geschwungene Lanzen.

Und so standen sie grollend einander entgegen in Waffen,
Hüben und über der Aa, sich bedräuend, die Bürger von Münster:
Beide Parteien gerüstet, doch Beide vorerst nur auf Abwehr
Sinnend, und beide gewärtig in jedem Momente des Angriffs.

Immer geschäftig umher ging Knipperdolling und grüßte
Jeglichen ziehenden Trupp, und lobte die Männer der Zünfte:
Denn stets hielten sich gerne die Männer der Zünfte zusammen.
»Muth, ihr Metzger; voran mit Äxten und Messern!« so rief er:
»Habt ja den meisten Gewinn, daß jetzt man die Kirche verbessert:
Sehet, es klingt euch das Geld im Seckel nunmehr auch am Fasttag,
Wo sonst Bürger und Pfaff und Herr sich stopfte mit Fischen
Und mit Klößen den Bauch! – Ei, ei, da sieh, wie die wackern
Schmiede sich tummeln! So lob' ich's! Es geht doch der Hammer den Zünften
Immer voran, und ihr spottet der Männer vom Rath, die auf euch längst
Scheel seh'n, weil ihr so rasch euch auf Rottmann's Seite gestellt habt.
Aufrecht wisset ihr immer den Kopf zu behalten! Wie habt ihr
Kürzlich sie mürbe gemacht, die Gestrengen, als euren Genossen
Kruse sie faßten! es ward ihm gekrümmt kein Härlein! Ihr wackern
Männer, ich sag', wär' Christus der Herr ein Genosse der Schmiede-
Gilde zu Münster gewesen, sie hätten ihn nimmer gekreuzigt!« –
Also begrüßt' und spornte sie All' der gesprächige Volksmann.

Aber der Tag entschwand und es nahte die Nacht, und in Waffen
Standen sie hier wie dort noch immer, die Männer von Münster.
Doppelten Eifer nun schien zu gebieten das waltende Dunkel.
Ein Wachtfeuer entflammten gemach in der Mitte des Marktes
Lärmend die Anabaptisten und drüben auch über dem Aafluß
Leuchtet's von Feuern bereits, von wandernden Fackeln, Laternen,
Und Pechkränzen, auf Pfähle gesteckt. Und hüben und drüben
Sperrt man nach altem Gebrauche mit eisernen Ketten die Gassen.
Im Halbdunkel, wo bald aufleuchtet die Fackel, und bald grins't
Wieder die schweigende Nacht, schreckt doppelt das Waffengeklirr; dumpf
Dröhnt der Gewaltschritt über den Markt; auf den Steinen der Bogen-
Wölbungen klirrt, aufprallend, der eiserne Kolben des Handrohrs.
Bebend vernehmen's, die wohnen in schönen Gemächern der Bogen-
Häuser am prangenden Markt, die Patrizier alle, die reichsten:
Und wo sonst sich ein üppig-behagliches Leben entfaltet,
Wie flieht heute der Schlummer die Augen da oben, wie zittern
Frauen und Jungfrau'n da vor den grimmigen Anabaptisten,
Die mit Getös' sie umlagern – wie färbt sich behäbigen Rathsherrn
Ihr weinrothes Gesicht angstbleich, denn es könnten die wilden
Aufruhrstifter ja keck die Behausungen sprengen im Ansturm:
Aber es wehrete Solches besonnenen Geistes den Seinen
Matthisson: ausgab er die Losung, Aller zu schonen,
Die mit gewaffneter Hand nicht gegen sie stürmten zum Angriff.

Manchmal verklingt das Geklirr und Getös und empor in den nächt'gen
Glanzsternhimmel erschallen Choräle der Anabaptisten,
Weih'voll, mächtig ergreifend; es treten zuweilen Verzückte
Plötzlich hervor, prophezeiend und predigend: wilder Erregung
Funke beginnt zu erglüh'n, doch er glimmt noch wie unter der Asche.

Sieh', vor dem Rathhaus dort ist ein Bündel von brennenden Fackeln
Rund im Kreise gestellt und es wirft weit über den Markt hin
Dies Wachtfeuer den Glanz. In dem Banne der brennenden Fackeln
Sitzt der Prophet, um ihn die Genossen: der düstere Rottmann
Ihm zunächst, und Jan, und neben dem Jüngling die braune
Divara, krieg'risch gerüstet, und Lips van Straaten, der Gaukler,
Der sich wenig gefällt im Tumulte der nächtlichen Kriegswacht.
Prachtvoll ragt da, bestralt von der Fackeln Geloder, das Rathhaus,
Hebt sich im nächtlichen Blau wie verklärt mit den luftigen Spitzen.
Annoch fehlt in dem Kreis der gewaltige Knipperdolling.
Doch nun tritt er herzu, und es wandelt in seiner Gesellschaft
Ein hochwüchsiger Mann, ein riesiger: wie ein Cyklop, stark
Und einäugig dazu. Ein Elennsfell um die Schultern
Trägt er; es deckt ihm das Haupt, uralt, ein verrosteter Stahlhelm,
Den er sich irgend wo selbst, so scheint's, aus der Erde gegraben.
Aber er trägt in den Händen als einzige Waffe den wucht'gen
Kreuzdornknüppel. Der Mann, er erschien wie ein Recke der Vorzeit.
Tylan war er genannt, und strich umher in den Landen
Heimatlos; aufhielt er am liebsten an düsteren Orten
Sich, bei Gräbern der Hünen auf einsam schweigenden Haiden,
Und in des Osnings Wäldern, wo handdick wuchert der Moospelz
Über den Sandsteinblöcken, und uralt heidnisch Getrümmer
Ragt im Eichengestrüpp. Was dort er im Schlummer gesehen,
Ist ihm wirklich: so lebt er in seinem besonderen Traumreich.
Unwirsch weis't er die Gabe zurück und das ärmliche Geldstück,
Wie man dem Bettler es reicht; doch holt er sich selbst von der Stelle,
Wann er hungert, des Tages Bedarf: vor den Augen des Eigners
Harmlos nimmt er das Huhn vom Hof wie vom Baume den Apfel.
Seit undenklichen Zeiten gekannt und als Riese gefürchtet
Ist er im Land umher und so ließ man zuletzt ihn gewähren.
Dieser nun trat an der Seite des rüstigen Knipperdolling
Jetzo auf Münsters Markt in die Kreise der Anabaptisten.

»Seht, da bring' ich«, so rief der gewaltige Knipperdolling,
»Euch einen Recken, der weithin in Münster'schen Landen bekannt ist,
Aber doch fremd euch Fremden im Land: ein trefflicher Zielschütz,
Der, so er zielt, nicht braucht erst blinzelnd zu schließen ein Auge,
Denn er besitzt nur eins. Der ist euch im Stand', mit des Fingers
Nägeln die Steine zu ritzen, und Glas mit den Zähnen zu beißen,
Und wo er drauß' einmal im Feld mit dem Leibe sich hinwarf,
Wächst kein Gras. Nur mit Einem im Münster'schen Landen, so denk' ich,
Nimmt er's so bald nicht auf: mit Knipperdolling – die Andern
Hebt er wie Knäblein auf; nicht wahr, mein wackerer Tylan?« –

Grinsend erfaßte der Riese den wuchtigen Knipperdolling,
Hob ihn vom Boden empor, daß er zappelte, und in der Runde
Lautes Gelächter erscholl. »Schon gut«, rief Jener mit heit'rem
Ärger; »du hast dich gewiß wo draußen im Wald mit verfluchter
Teufelssalbe geschmiert, daß ein Christ nicht gegen dich aufkommt!
Thut nichts! will es ertragen, daß hier du in Sion der Stärkste,
Wenn du zu uns nur hältst und unseren Feinden die Köpfe
Drischest wie Sommergetreid' mit dem Weißdornknüppel! Du wirst doch
Steh'n bei den Wiedergetauften und gründen uns helfen das neue
Tausendjährige Reich? Du weißt ja doch, daß es losgeht?« –

Wieder nun grins'te der Riese, geheimnißvoll in die Höhe
Ziehend die buschigen Brau'n: »Ei freilich«, sprach er, »vernahm ich's
Kürzlich im Lippe'schen Land, dort wo auf der Haide die Blöcke
Paarweis' steh'n: die schützten im Schlaf mich gegen den Windstoß,
Der kalt über den Moorteich strich. Da hört' ich die Halme
Des Sandhafers im Wind sich bereden bei Tag, und es kamen
Unter den Blöcken hervor bei Nacht auch die Stimmen der Riesen,
Welche darunter begraben; und also vernahm ich die Kunde.
Längst ist Alles bereit auch: das Schwert des Gewaltigen liegt schon
Blank und scharf im Gesträuch, und herbei zur richtigen Stunde
Bring' ich's, sobald er selbst, der Gewaltige da ist, der König,
Der es ergreift!« – Es verstand in dem Kreise die Rede des Alten
Keiner; doch Jan aufhorchte gespannt: ihn däucht' es, als säh' er
Wieder denselbigen Mann, den gewaltigen, der ihm erschienen
Gestern im grausenden Wald, in der nächtlichen Höhle der Davert,
Wetzend das blinkende Schwert. Zu den Anderen lagerte jetzt sich
Bernt, und lud auch den Riesen zur Rast am Feuer. Der warf sich
Hin, und es ward ihm ein Humpen gereicht voll kräftigen Weines,
Welchen er leerte. Nun fragten die Männer ihn, wie er es meine
Mit des Gewaltigen Schwert? Doch er führte nur seltsame Reden,
Wirr, unfaßlich. So ruhten um's nächtliche Feuer die Kämpen,
Und hingingen die Stunden der Nacht.
                                                            Da kam aus dem Kirchspiel
Über dem Wasser ein Herold. Den krieg'rischen Anabaptisten
Bot er Friedensvergleich, und erlesener Männer Entsendung
Heischt' er, um friedlich sofort mit den Männern des Raths zu verhandeln,
Die sich hatten versammelt im Kirchspiel über dem Wasser,
In Tilbecks, des Patriziers, Haus. Gleich folgten ihm Rottmann,
Matthisson, der Prophet, und der mächtige Knipperdolling,
Um mit dem Rath zu verhandeln als Sprecher der Anabaptisten.

Still und stiller nun ward's am Feuer im Kreis. Es verlor sich
Einer hinweg um den Andern. Mit Wenigen blieben zuletzt nur
Jan und Divara noch. Auf dem untergebreiteten Mantel
War allmälig zurücke das Weib des Propheten gesunken,
Müde, geschlossenen Aug's: bald schien, wie die Anderen alle,
Die noch ruhten am Feuer, auch sie vom Schlummer bewältigt.
Aber dem Jüngling von Leyden auch sanken die Lider. Da führt' ihn
Wieder ein Traum in die Davert, und sitzend in schimmernder Höhle,
Gleißend geschmückt und gekrönt, als Fürstin der Gnomen erblickt' er
Divara. Aber zur Seite der gleißenden Fürstin der Gnomen
Stand ein dienender Kobold, mit häßlichem Höcker und röthlich-
Ruppigen Haaren. Gesang auch hört' er: er hörte den ernsten,
Hehren Choral nun wieder der Anabaptisten, dazwischen
Plötzlich das Lied, das erklungen aus Divaras Mund in der Wildniß.
Diese vermischten sich immer und schienen zu streiten. Es siegte
Bald der Choral, bald Divaras Lied voll feuriger Wildheit.
Und nun erwachte der Jüngling: da fand er am flackernden Feuer
Divara näher gerückt im Schlaf, und herüber auf seinen
Mantel gesunken ihr Haupt, das umlockte, von Flammen umstralte.
Aber ein Männlein auch, unfern von Divara schlummernd,
Sah er, das nimmer zuvor er im Wachen erblickte; doch alsbald
Wiedererkennt er in ihm mit Staunen des höckrigen Kobolds
Abbild, welchen der Traum ihm gezeigt, an Divaras Seite. . . .

Divara lag tief athmend in ruhigen Schlummer versunken.
Über ihr Antlitz beugte sich Jan. Grellroth war der Glutschein,
Den d'rauf gossen die Fackeln; es spielten darüber die Lichter
Schaurig und schreckbar fast, wie ein infernalischer Abglanz.
Doch was mischte verlockend sich auch in den Schauder, je länger
Über das seltsame Weib sich der Jüngling beugte betrachtend?
Glüht nachwirkend in ihm noch der Erdbeerschmaus in der Davert?
Über den Lippen der Schlummernden wiegt ein Lächeln voll wüster
Grazie sich; dann ist's, als ob im Traume der Busen
Hoch ihr beginne zu wogen; es öffnen zur Hälfte, wie lechzend,
Sich ihr die glühenden Lippen, die üppigen; stammelnde Worte
Ringen sich los aus dem Busen des Weibes: bedrohlich und lockend
Klingen die Worte zugleich, wild-lüstern. Es regt sich ein Abscheu
Tief in des Jünglings Seele, der stolz, das Gemeine verachtend,
War durch's Leben gegangen. Und dennoch – dennoch bedünkt ihn,
Als umgürte vor ihm dies Weib mit dämonischen Waffen
Sich, als ford're zum Kampfe sie ihn und als wäre der Wettkampf
Mit dem dämonischen Weib fortan ihm die Losung des Lebens;
Ja, als müsse der Kampf mit ihr fortan auch die Losung
Werden in Sion – es dünkte bedrohlicher ihn, was da schlummernd
Lag in Weibesgestalt, für das neue, verheißene Sion,
Als eine Welt in Waffen . . . Noch immer versetzt in die Davert
Dünkt er sich, wie im Traum, allein mit dem schlummernden Weibe:
Doch nun schreckt ihn der Fackeln Geknister und blendender Lichtschein
Plötzlich empor: er erblickt nun wieder um sich her die hohen
Zinnen und Erker, die Giebel am prangenden Markte der fremden
Stadt, die er heute betrat als Stätte des neuen Geschickes.
Und mit glühendem Haupt auf Jegliches wieder besann er
Sich: des Propheten gedacht' er, der nächtlichen Tauf' in der Davert,
Dachte des Sionsreiches, des Bundes der Freien und Reinen,
Und der Verkündung am Fels, und des Kranzes zugleich, den der tolle
Bettler ihm jubelnd gereicht, da er einzog heute zu Münster.
Doppelt erwachte der Stolz in der feurigen Seele des Jünglings,
Und er begriff nicht mehr, was den Sinn ihm erregte so seltsam
Hier vor der Schlummernden eben: er hob wie ein zürnender Held sich
Hoch vom Boden empor, und, die Seele von hohen und reinen
Idealen geschwellt, abschwur er dem Weibe für immer,
Schob es verächtlich von sich hinweg mit dem Fuße . . . verloren
Saß er in Sinnen sodann, bis der Tag anbrach . . .
                                                                                Da erschollen
Fröhliche Rufe: von Schwärmen des jubelnden Volkes begleitet,
Kehrten nun endlich die Sprecher der Anabaptisten vom Kirchspiel
Über dem Wasser zurück, und sie brachten erfreuliche Botschaft.
Siegreich waren die Zünfte: dem Willen der Männer des Volkes
Hatte der Rath sich gefügt und zurücke gewiesen den Bischof,
Völlige Freiheit bewilligt zu Münster den Wiedergetauften.
Fröhlichen Muthes zerstreu'n sich die heimischen Anabaptisten
In die Behausungen wieder, und führen mit sich aus dem Schwarme,
Der dem Propheten nach Münster gefolgt, und den Schaaren der andern
Helfer, so viel zu bewirthen bei sich ein Jeder vermochte.

Aber ihn selbst, den Propheten, und mit ihm den Jüngling von Leyden,
Und des Propheten Gesponsin, mit freudigem Stolze geleitet
In sein Haus auf dem Markt sie der ehrliche Knipperdolling.

Mit Schnitzwerk in der Front und schön vorspringenden Erkern
War es geziert, dies Haus, und es ragten geschnörkelt die Giebel.
Durch's schmuckprangende Thor in die Hausflur traten die Fremden,
Gingen am Herde der Küche vorbei, wo das prasselnde Feuer
Traulich flammte, hinauf in das obere wohnliche Stockwerk:
Über gewundene Treppen zum wenig gelichteten Vorsaal
Kamen sie erst, wo standen die Truhen, mit reichlichem Vorrath,
Und an der Wand auch hingen umher die Gewaffen des Hausherrn:
Helme von blinkendem Stahl, Brustharnische, Büchsen und Schwerter.
Und nun eilten entgegen dem wackeren Knipperdolling
Und den Begleitern die Frauen: die sanfte, bescheidene Hausfrau
Selbst, und die Mutter mit ihr, die verständige, rüstige Greisin.

Herzlich erfreut ist so mit den Seinigen allen der wackre
Knipperdolling, bei sich zu bewirthen den großen Propheten;
Aber noch mehr zu Jan, dem erlesenen Jüngling von Leyden,
Fühlt er sich innig gezogen, umschmeichelt ihn stets, wie die Alten
Bildeten einst den Silen, zugrinsend dem blühenden Bacchus.
Alles im Haus rings weis't er den Fremden: Gemächer und Säle,
Reich und behaglich geschmückt nach dem Brauch des begüterten Bürgers:
Zierlich die Wände belebt von flandrischen bunten Tapeten,
Hausrath, künstlich geschnörkelt, und reiches Geschirre von blankem
Silber und Zinn, seltsamlich gestaltet; Pokale mit Schnitzwerk
Und mit schelmischen Sprüchen in drollig gewundener Umschrift;
Edles venetisches Glas, wie Krystall, und Töpfergebilde
Delfftischer Arbeit, künstlich bemalt. Doch es führte des Hauses
Wirth in die Kammer die Gäste nun auch, wo in zierlicher Wiege
Lag sein Büblein; er nimmt es heraus und weis't es den Freunden
Lächelnd, mit fröhlichem Stolz; er bemerkt, wie lieblich es lache,
Wie es gedeihe, wie rundlich und weich ihm erglänzen die Knielein.
Und der gewaltige Kämpe, der ehrliche Knipperdolling,
Welcher noch eben durchtobte den Markt – nun scheint er ein sanfter
Mann, kein Wässerchen trübend; am heimischen Herde so friedlich
Hält er den Sprößling empor und trällert ein Münsterisch Liedlein
Ihm von der röthlichen Kuh und vom Schaf mit den glänzenden Füßchen.

Freundlich sah der Prophet und freundlich der Jüngling von Leyden
Hin auf das lächelnde Kind: nur das bräunliche Weib des Propheten
Wandte verächtlich sich ab, und fand kein Lob für das Knäblein.
Bitter vermerkt' es gekränkt der gewaltige Knipperdolling:
Tief in der Seele verhaßt fortan war das bräunliche Weib ihm.

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