Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Paul Schreckenbach >

Der König von Rothenburg

Paul Schreckenbach: Der König von Rothenburg - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Schreckenbach
titleDer König von Rothenburg
publisherStaackmann
year1930
firstpub1930
senderwww.gaga.net
created20050712
projectid19fef3f3
Schließen

Navigation:

VII.

Vor dem Rathause traf der Bürgermeister mit Hans Spörlein zusammen, der dem gleichen Ziele zustrebte. »Hast du die Ratsglocke läuten lassen, Heinz?« rief ihm der Ratsherr schon von weitem zu.

»Nein, ich weiß nichts davon.«

»So kann es nur Hans Fürbringer gewesen sein, als Bürgermeister des äußeren Rats. Nur du und er haben ein Recht dazu.«

»Bei dringlicher Gefahr darf's jeder Ratsherr,« versetzte Topler. »Nun, wir werden ja hören, was vorliegt.«

Als er den Saal betrat, war fast der ganze äußere und innere Rat schon beisammen. Nur die fehlten, die als Hauptleute durch die Pflicht auf ihren Wachen ferngehalten wurden. Noch in der Tür drängte sich Peter Northeimer mit einer Frage an Topler heran, und so entging ihm, daß bei seinem Erscheinen der alte Sebastian Häuptlein zitternd und wie vom Schlage getroffen in seinen Stuhl zurücksank und den gegenübersitzenden Walter Seehöfer hilflos anstarrte. Der fuhr auf, und seine Hand krallte sich in den Tisch ein, und er blickte nach dem Eintretenden hin, als sähe er ein Gespenst oder ein Blendwerk des Teufels vor sich.

Topler schritt inzwischen, nachdem er seinem Kumpan Bescheid gegeben, zu seinem Sitze und rief: »Ich habe die Versammlung nicht berufen, da ich aber zugegen bin, so übernehme ich als Bürgermeister des inneren Rates den Vorsitz. Und ich frage dich, Hans Fürbringer, ob du die Glocke hast anschlagen lassen als jetziger Bürgermeister des äußeren Rates, und aus welcher Ursach' du das getan hast.«

Der Angeredete erwiderte mit einer gewissen Verlegenheit: »Ja, ich habe den Rat rufen lassen. Aber ich hab's getan auf Andringen und Bitten des ehrbaren Walter Seehöfer.«

Erstaunt schaute Topler nach seinem alten Feinde hinüber, der sich inzwischen von seiner wunderlichen Bestürzung erholt hatte. »So redet, Seehöfer, und bringet vor, was Ihr zu sagen habt.«

Der Alte stand erst ein paar Augenblicke unschlüssig, aber dann warf er den Kopf trotzig in den Nacken. Er hatte sich die Sache anders gedacht, hatte gemeint, man werde heute ohne den Topler tagen. Nun aber der Verhaßte heil und gesund vor ihm stand, war er keineswegs gewillt, sich feige beiseite zu drücken, denn wie er auch sonst sein mochte, an Furchtlosigkeit war er seinem gewaltigen Gegner völlig ebenbürtig.

So begann er denn, indem sein Blick den Bürgermeister geflissentlich übersah: »Liebe Ratsgesellen, es ist ein Brieflein über die Mauer geworfen worden, und mein Gefreundeter Seitz Eberhardt hat mir's übergeben. Darin steht geschrieben, daß der Burggraf uns hat Frieden angeboten vor zwei Tagen, sei aber spöttisch abgefertigt worden. Von einer spöttischen Abfertigung haben wir gehört, und die, so Narrenspiel lieben, haben sie belacht. Welches des Feindes Bedingungen waren, habe ich indessen nicht zu erkunden vermocht. Wahrscheinlich hat man vergessen,« setzte er höhnisch hinzu, »mich zu der Ratssitzung einzuladen, in der darüber verhandelt ward.«

Aller Augen richteten sich auf Topler. Der strich gelassen seinen Bart und versetzte in kaltem und abweisendem Tone: »Wenn eine Stadt einem Manne die Gewalt übertragt, so darf sich keiner wundern, wenn er sie gebraucht. Ich habe dem Burggrafen geantwortet, wie ich's verantworten kann vor meinem Gewissen.«

Da sprang mit hellem Rot der Entrüstung im Gesichte der feurige und leicht zum Zorn gereizte Hans Offner auf und schlug heftig auf den Tisch. »Und nicht einmal erfahren sollen wir's?« schrie er. »Ja, liebe Ratsgesellen, dann ist der Rat nur noch ein Possenspiell«

»Hättest du mich gefragt, Hans Offner, so hättest du's erfahren,« sagte Topler ebenso kalt wie vorher. »Ich habe nicht Ursach', ein Geheimnis daraus zu machen. And so hört es alle: Friede sollte sein, wenn wir unsere Burgen abtreten und den Fürsten zahlen wollten, was die Fehde sie gekostet. Fünfzigtausend Gulden begehrten sie noch obendrein.«

Ein allgemeines Gemurmel entstand, mancher zornige Ruf ward laut, aber mit Betroffenheit und fast mit Schrecken ward Heinrich Topler inne, daß die Entrüstung längst nicht so groß war, wie er erwartet hatte. Kein Sturm brach los und kein wildes Geschrei, manche sagten vielmehr überhaupt nichts, sondern sahen nur stumm und nachdenklich vor sich nieder.

»Ich denke, ich darf nun weiterreden,« sprach Seehöfer. »Es war bei dem Anerbieten des Burggrafen auch eine Drohung dabei, von der wir soeben nichts gehört haben. Er drohte, daß er unser Gebiet, wenn wir uns des Friedens weigerten, verwüsten wolle bis auf den Grund. Nun, liebe Ratsgesellen, das Wort hat er begonnen wahr zu machen. Gestern nachmittag sind die Mühlen im Taubergrunde in Flammen aufgegangen, das ganze Tal ist verwüstet. Nur ein Gebäude hat man verschont, wie ihr wisset, das Lustschlößlein, das einer dort gebaut hat. Das ist nicht sonderbar, liebe Freunde. Die Fürsten üben gegeneinander das, was man im welschen Lande Courtoisie nennt, es schont einer des anderen Eigentum. So hütet sich der Burggraf wohl, Hand zu legen an das, was der Majestät von Rothenburg zu eigen ist.«

»Seehöfer! Wahret Eure Zunge!« rief Topler und fuhr rot vor Zorn empor.

Aber der Greis war nicht einzuschüchtern. Er blickte vielmehr jetzt seinem Feinde spöttisch ins Gesicht, während er vorher bei seiner Rede an ihm vorbeigesehen hatte. »Wollt Ihr leugnen, daß Ihr Euch gebrüstet habt, Ihr seiet der König von Rothenburg?«

»Das ist meine Sache und geht Euch nichts an. Und merkt es, Seehöfer, ein tückischer Wolf wird nimmer auf den Einfall kommen, sich mit einem Könige zu vergleichen, einem Löwen aber liegt das nahe. Indessen wir sind nicht hier, um zu sticheln und uns zu reizen. Habt Ihr noch etwas zu sagen zu der Stadt gemeinem Nutzen, so sagt's. Sonst schweigt, und dann werde ich reden.«

»Wohl habe ich noch viel zu sagen,« versetzte Seehöfer, »und es wird Euch nicht lieblich tönen. Und ich darf fordern, daß ich im Rate bis zum Ende gehört werde.«

»Niemand weigert Euch Worte und Anhörung, so Ihr zur Sache redet.«

»Nun, liebe Ratsgesellen, so will ich Euch eines sagen: Wenn man in einer langen Rechnung an ihrem Anfang einen Fehler lässet stehen, so stimmt am Ende die ganze Rechnung nicht. So ist's bei uns, und unser Fehler ist: wir wollen seit dreißig Jahren zu hoch hinaus. Wir sind eine Stadt, nicht einmal der größten eine, aber wir tun, als hätten wir die Macht des Königs von Frankreich hinter uns. Unser Gebiet muß größer werden, immer größer. Warum? Andere Städte kommen mit kleineren aus. Und dann müssen wir Burgen haben, immer mehr und immer festere, und deshalb stoßen wir beim Könige und bei Fürsten an und führen Fehde und wieder Fehde, und das End' vom Liede ist, daß das halbe Reich nun wider uns in Waffen steht.«

Hier sprang Peter Northeimer zornglühend von seinem Stuhle auf und die mächtigen Fäuste ballend, schrie er: »Sprecht nicht weiter, Seehöfer, nicht weiter! Denn was Ihr nun sagen wollt, das ist Verrat an der Stadt.«

Auch von der anderen Seite erklang lautes Murren und hier und da ein kräftiger Fluch. Dazwischen gellte aber auch eine scharfe Stimme: »Laßt ihn reden!« Es war Seitz Eberhardt, der nun gleichfalls aufsprang und Northeimer ins Gesicht rief: »Noch einmal: Lasset ihn ausreden! Das ist sein Recht; wir sind hier freie Ratsmänner und wollen's bleiben! Es hat uns niemand den Mund zu verbieten!«

»Ruhe!« rief Topler, und seine Stimme übertönte den lauten Tumult, der sich erhoben hatte. »Sprechet aus, was Ihr in Vorschlag bringen wollt, Seehöfer. Es ist nur gut, wenn jeder Euch ins Herz sieht.«

»Das sollt Ihr, Topler, das Schäumen Eurer Trabanten erschreckt mich nicht. Und frei und offen sag' ich's, Ehrbare von Rothenburg: Hört auf, Großhänse zu sein, so lange es noch Zeit ist. Ihr könnet dem Burggrafen auf die Dauer doch nicht widerstehen, so vergleicht euch mit ihm, ehe ihr ganz am Boden lieget. Handelt mit ihm über die Kosten, er wird mit sich handeln lassen. Laßt ihm die Burgen, die er schon hat, und die wir nimmer wieder erobern werden! Die Verwüstung kostet euch mehr, als der schlechteste Friede. So, das ist Wahrheit. Sie ist bitter, aber Bitteres ist meist heilsam.«

Er ließ sich auf seinen Sitz zurückfallen und verschränkte die Arme über der Brust, indem er mit erheuchelter Gleichgültigkeit zur Decke emporschaute. Ein paar Augenblicke herrschte tiefste Stille, die einen schwiegen, weil Zorn und Entrüstung ihnen die Sprache benahm, die anderen, weil sie über eine Kühnheit erstaunten, zu der keiner von ihnen, trotz seines Grolles, den Mut gefunden hätte. Dann aber brach ein Sturm los, wie ihn an diesem Orte noch keiner erlebt hatte. Es war schon manchmal recht heiß hergegangen im alten Rathaussaale von Rothenburg, denn die heißblütigen Franken fuhren leicht auf und pflegten ihre Worte nicht ängstlich zu wägen. Aber ein solcher Tumult war unerhört gewesen bisher. Schimpfworte wie »Lumpen, feige Hunde, Verräter«, und von der anderen Seite »Speichellecker, Knechte und Kriecher«, schwirrten durcheinander, mit wutverzerrten Gesichtern und geballten Fäusten brüllten sich die Ratsherren an und drangen aufeinander ein, und es schien, als müsse im nächsten Momente eine furchtbare Rauferei beginnen.

»Ruhe!« donnerte Topler. »Wer reden will, nimmt das Wort. Aber nachher, denn jetzt will ich reden.« Und als trotzdem die ergrimmten Gegner nicht gleich voneinander ließen, rief er: »Wenn jetzt nicht Ruhe wird, schließe ich die Sitzung!«

Das wirkte. Der Lärm legte sich, und die ehrbaren Herren kehrten auf ihre Sitze zurück.

Der Bürgermeister schwieg noch eine Weile, bis völlige Stille eingetreten war, dann begann er: »Der Burggraf ist ein kluger Mann und kennt seine Leute. Darum hat er meinen Besitz verschont, wissend, daß mir das üble Nachrede bereiten müsse. Aber, Ihr ehrbaren Herren, ich will der Sache die Spitze abbrechen. Ist die Fehde vorbei, so schätzet ab, was mir vom Feinde verschont worden ist. Die Summe, die Ihr festsetzet, lege ich in der Stadt Säckel nieder.«

Beifallsrufe von vielen Seiten unterbrachen ihn. Nur Seehöfer stieß ein heiseres Gelächter aus.

»Somit leide ich das, was alle anderen leiden,« fuhr Topler fort, »und habe das Recht, euch zu mahnen: Haltet fest und laßt verwüsten, was zu verwüsten ist! Das bringen wir alles wieder ein, wir ersetzen unseren Verlust zehnmal schneller und leichter als unsere Feinde. Überdies, ehrbare Ratsgesellen, wird die Fehde nicht lange mehr währen. Schon tritt der Marbacher Bund auf den Plan. Der Erzbischof von Mainz sendet heute seine Gesandten ab an den Burggrafen, die von Nürnberg tun dasselbe in den nächsten Tagen. Auch Ulm regt sich schon.«

Hier lachte Seehöfer von neuem so laut und höhnisch auf, daß Topler sich unterbrach und ausrief: »Was soll das, Herr Walter Seehöfer? Wahret den Ernst und die Würde, die der 0rt verlangt, wo Ihr seid, und die Euren grauen Haaren geziemen. 0der wisset Ihr's besser als ich?«

»Nein!« rief Seehöfer, »es ist nicht zu glauben, Ehrbare, was euch geboten wird. Wir sind belagert, fast ganz umschlossen, kaum eine Katze kommt heraus und herein, aber der weiß immer ganz genau, was der Mainzer tut, und was die Ulmer treiben, und was Nürnberg will. Für solche Narren hält man uns, daß man uns wie die Kinder mit Märlein einlullen will!«

»Walter Seehöfer, das ist die zweite Beleidigung, die ich heute von Euch höre und bei Gott, die letzte!« rief der Bürgermeister mit starker Stimme. »Ich hätte Euch schon ganz anders geantwortet, dessen seid gewiß, hätt' ich nicht daran gedacht, was Eure Tochter in dieser Nacht an meinem Sohne getan hat.«

Seehöfer schnellte empor und starrte ihn bestürzt an. »Meine Tochter? Was heißt das?« rief er, und da auch alle übrigen Ratsmannen erstaunt, verwundert und gespannt auf ihren Vorsitzenden blickten, sagte Topler: »Ja so, es kann freilich noch nicht stadtkundig sein, welch' eine Missetat geschehen ist. Es ist–- –-«

Ein schwacher Schrei aus dem Wunde des alten Häuptlein unterbrach ihn. Der Greis war mit geschlossenen Augen hintenüber gesunken und lag wie ein Toter da.

»Ein Schlagfluß, holet den Bader!« schrie sein Freund und Verwandter Seitz Eberhardt. »Holt den Bader, Offner!« wiederholte er, indem er sich um den anscheinend Leblosen bemühte, indessen die anderen von ihren Stühlen aufsprangen und wirr und aufgeregt durcheinander redeten.

»Es ist nur eine Ohnmacht!« rief Seehöfer, der gleichfalls schnell hinzugetreten war. »Er schlägt die Augen auf. Tragt ihn in mein Haus hinüber. Eberhardt und Hans Offner, holt den Bader und den Medikus aus der Klingergasse. Ich folge gleich nach. Erst aber, Heinrich Topler, sagt, was Eure Rede bedeutet!«

Der Bürgermeister antwortete nicht sogleich, er blickte finster dem alten Häuptlein nach, den die beiden Ratsherren, ihn links und rechts unter den Armen fassend, aus dem Saale brachten. Natürlich hatte er auf die erste Kunde von Jakobs Verwundung sich gedacht, daß der Überfall ihm selbst gegolten habe, und das war ihm dann durch das, was sein Sohn erzählte, zur Gewißheit geworden. So hoch war also der Haß seiner Feinde angeschwollen, daß sie Meuchelmörder gegen ihn dangen. Aber nur vorübergehend hatte er an Sebastian Häuptlein gedacht, denn er kannte ihn als einen trägen, ziemlich weibischen Mann. Sein Verdacht hatte sich vielmehr zunächst auf Seehöfer gerichtet, da dieser der Rachsüchtigste und weitaus der Entschlossenste unter seinen Gegnern war. Indessen hatte er nicht den Schatten eines Beweises für seinen Verdacht, und die freche Haltung seines Feindes machte ihn unsicher. In einem solchen Grade hielt er ihn doch der Verstellung nicht für fähig.

Nunmehr flammte mit einem Male der Verdacht gegen Häuptlein in ihm empor. Es fiel ihm ein, wie der Alte die ganze Sitzung über so bleich und verstört dagesessen und kaum den Blick erhoben hatte. Sollte er gemeint haben, der Verhaßte sei tot, und war nun niedergeworfen worden durch den Schrecken, ihn heil und lebendig vor sich zu sehen? Aber dann mußte Seehöfer auch etwas wissen von der Sache, denn der hatte die Ratsversammlung einberufen lassen.

Noch stand er in solchen Gedanken, da erklang zum zweiten Male die Stimme seines Feindes: »Ich will wissen, Bürgermeister Topler, was meine Tochter mit Eurem Sohne zu schaffen hat!«

Topler fuhr auf. »Sie hat ihn verbunden, vielleicht ihm das Leben gerettet, als er todwund vor dem Kloster lag. Man hat mich morden wollen, ihn hat man getroffen!«

Seehöfer sank auf seinen Sitz zurück, er sah aus, als ob er nach Luft ringe. Die übrigen Ratsherren aber, selbst die Gegner Toplers, sprangen von ihren Sitzen mit lauten Ausrufen des Schreckens empor, einige eilten auf ihn zu und faßten nach seinen Händen. »Was ist mit ihm? Lebt er? Wie geht es ihm?« erscholl's von allen Seiten durcheinander.

»Er lebt,« sagte Topler. »Das Lederwams hat den Stich abgeschwächt; Gottes Gnade hat ihn gerettet. Er kann in einigen Wochen, so die Heiligen es wollen, wohl wieder genesen sein. Ich danke Euch, Freunde, Eure Anteilnahme erfreut mich sehr.«

«Ha!« schrie Northeimer mit rollenden Augen. »Mordhunde also haben wir jetzt in Rothenburg? Hast du keinen Verdacht, Heinz?«

»Verdacht wohl, aber noch keinen Beweis,« versetzte Topler mit einem furchtbaren Blicke auf Seehöfer, der vergebens versuchte, ein höhnisches Lächeln in seinem verzerrten Antlitz festzuhalten. »Viele tausend Gulden dem, der mir einen Beweis brächte, daß ich die Mordbuben könnte fassen! – Aber, liebe Ratsgesellen. das gehört nicht hierher. Es ist Euch gesagt, ich wolle Euch ein Märlein aufbinden. Dem glaubet nicht. Ich habe mit denen, die mir Freunde sind in Nürnberg, vorher festgesetzt, auf welche Weise sie mir sollen Botschaft zugehen lassen, so wir umzingelt würden. Es sollte geschehen durch bunte Lichter, die sie sollten aufscheinen lassen zu einer bestimmten Stunde der Nacht an einem Orte, den ich ausgemacht hatte. Die Zeichen sind erschienen, und ich weiß es ganz genau, daß uns Hilfe naht. Halten wir uns nur noch sechs bis sieben Tage, so muß der Burggraf abziehen. Von den Rittern und Herren, die zugegen sind, verläuft sich einer nach dem anderen, wenn sie sehen, daß es keine Beute gibt. Und die Fürsten, die er bei sich hat, wollen wohl gegen uns fechten, nicht aber gegen das Marbacher Verbündnis. Das wollt' ich Euch sagen, ehe Ihr entscheidet über den Vorschlag des ehrbaren Walter Seehöfer, Euch unter den Burggrafen zu ducken und die Burgen zu öffnen und über die Kosten zu verhandeln. Und nun mögen die sich erheben, die Seehöfers Meinung sind und tun wollen, was er will.«

Es war nur ein kleiner Teil der Ratsmannen, die daraufhin aufstanden. Die drei Abwesenden hätte man freilich ohne weiteres hinzuzählen können, ebenso manchen, der draußen im Dienste war. Und einigen sah man es deutlich an, daß sie nur die Scham abhielt, sich dem kleinmütigen Antrage anzuschließen, den sie im innersten Herzen billigten. Immerhin war kein Zweifel, daß Seehöfers Meinung nicht gesiegt hatte.

»Ich danke Euch, liebe Ratsgesellen,« sagte Topler. »Die Fehde gehet also fort, und hiermit beschließe ich die Sitzung.« –

»Du hast wieder einmal gesiegt, Heinz,« sprach Peter Northeimer einige Minuten später, als er mit dem Bürgermeister und Kaspar Wernitzer dem Kloster zuschritt.

Topler blieb stehen und sah ihn düster an. »Noch einmal gesiegt, sage lieber. Und weißt du, warum? Weil viele sich gerade heute schämten, mit dem Seehöfer in ein Horn zu stoßen. Sie hatten alle den Verdacht, den wir haben, deshalb rückten sie von ihm ab. Dagegen, was er sagte, klang ihrer vielen gar süß in die Ohren, den feigen, weibischen Memmen, die von Ehre nichts wissen. Aber bei Gott – eher sprenge ich den Rat auseinander, als daß ich einen schimpflichen Frieden mit dem Burggrafen schließe. Keinen Schuh breit Land und keinen Gulden bekommt er, so lange ich Bürgermeister bin in Rothenburg!«

 << Kapitel 18  Kapitel 20 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.