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Der König der Miami

Franz Treller: Der König der Miami - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorFranz Treller
titleDer König der Miami
publisherUnion Deutsche Verlagsgesellschaft
year1954
correctorreuters@abc.de
senderChristoph Götz
created20080210
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Friede

Der Sieg der Kolonien war vollständig. Die wenigen französischen Truppenteile, die der Vernichtung entgingen, hatten sich nach Norden gerettet. Washington rüstete sich, ihnen zu folgen und die Forts auf dem Wege zum Niagara anzugreifen. Unsere Freunde schlossen sich den nach Norden rückenden Truppen an und trennten sich erst von ihnen, als der Weg zum Genesee abzweigte.

Von den in der Nähe siedelnden Indianern, den Ottawa, war nichts mehr zu fürchten, sie hatten sich unterworfen und den Frieden beschworen. Die nördlichen Stämme hatten sich nach der Niederlage bei Fort Necessity in ihre Jagdgründe zurückgezogen.

Und so sehen wir denn vierzehn Tage nach der erbitterten Schlacht Elias Burns mit Sohn und Tochter, den jungen Lord Somerset und Bob mit seinem Bruder auf einem Floß zwischen den bewaldeten Ufern des Genesees dahingleiten. Der alte Farmer war glücklich, seine Kinder wieder wohlbehalten neben sich zu wissen; Mary hatte die Schrecken der Vergangenheit wieder völlig überwunden und sah blühender und strahlender aus denn je. Der arme Ned wurde von seinem bärenhaften Bruder wie ein Kind betreut. Der Bootsmann selbst, glücklich, wieder schwimmende Balken unter sich zu wissen, war glänzender Laune. »Sage Euch, Master, aus dem Ned wird noch einmal ein ganz gescheiter Kerl«, äußerte er. »Wollen ihm den Verstand, den die roten Halunken ihm durcheinandergebracht haben, schon allmählich wieder zurechtrücken. Sind die Franzosen erst vom alten Ontario verjagt, nehme ich mein Geschäft wieder auf, dann wird Ned mir an Bord manche Hilfe leisten können.«

Elias Burns nickte bedächtig vor sich hin. »Wunderbar genug, daß Ihr Euren Bruder auf solche Weise wiedergefunden habt«, sagte er. »Überhaupt, ist es nicht merkwürdig, wie der Herrgott da oben alles gefügt hat? Hätte John nicht darauf bestanden, den auf dem Ontario umhergetriebenen Indianern das Leben zu retten, wir wären gewiß allesamt nicht mehr am Leben, und der Sieg bei Fort Necessity wäre nicht errungen worden.«

»Ein verdammt feiner Bursche, der Falke, alles was recht ist, Master«, stimmte der Bootsmann zu, »eine Rothaut, wie man sie selten findet! Werd' ihn meiner Lebtage nicht vergessen.«

Nach mehrtägiger ruhiger Fahrt langten sie bei den Ansiedlungen an. Burns fand sein Anwesen weniger zerstört, als er befürchtet hatte. Rundherum waren die Farmer schon wieder mit dem Neubau ihrer zerstörten Häuser beschäftigt.

Der junge Lord hielt sich eine Zeitlang bei seinen Schicksalsgefährten auf und verabschiedete sich dann in herzlichster Weise, nachdem er Elias Burns jeglichen Beistand bei der völligen Wiederherstellung seiner Baulichkeiten zugesagt hatte. Für den Herbst kündigte er seinen Besuch an.

Nicht lange danach war auch der Ontario von französischen Kriegsschiffen frei; die englischen Bulldoggen hatten sie nach Frontenac und Montreal gejagt. Bob Green fuhr den Lord mit einem gemieteten Segelboot nach Stacket Harbour. In Somersethouse wurde er von Allan Mac Gregor herzlich willkommen geheißen.

»Was fangen wir nun mit dir an, mein Guter«, lächelte der Lord den bärenhaften Bootsmann an, der ihn bis zu seiner Besitzung begleitet hatte.

»Och«, lachte der, »denke, man wird für einen Mann wie Bob Green auf dem Ontario schon Verwendung haben. Die Molly freilich ist dahin.«

»Eben«, lächelte der Lord, »und ich muß dir sagen, daß mir das gar nicht gefallen will. Deshalb habe ich mir erlaubt, eine neue Sloop für dich zu kaufen. Ich möchte nicht, daß ein alter Kampfgefährte von mir irgendwo Dienste sucht. Sollst wieder dein eigener Herr sein, Bob, wie du es früher warst. Kannst dir die Sloop gleich ansehen, werd' dir die Anweisung ausschreiben. Und dann lädst du sie erst mal voll mit allem, was Vater Burns braucht, und segelst damit nach dem Genesee. Und die Büchse hier« – er öffnete den Waffenschrank und holte eine besonders schöne, mit Silber ausgelegte Waffe hervor – »die bringst du meinem alten Waffengefährten John als Geschenk und zur Erinnerung an gemeinsam bestandene Gefahren.«

»Aber – Lord – Mylord – das ist doch nicht möglich«, stammelte der sonst keineswegs auf den Mund gefallene Schiffer und starrte den jungen Mann ziemlich fassungslos an.

»Möchte wahrhaftig wissen, warum das nicht möglich sein soll«, lachte der Lord, »das Schiff ist auf deinen Namen gekauft, taufen darfst du es selber. Hoffe, du wirst noch lange damit den Ontario befahren. Und den Lord kannst du dir auch schenken. Für dich ist mein angeborener Name Richard Waltham absolut ausreichend.«

Als Bob endlich begriff, lief sein Gesicht rot an. Und dann mußte er sehr schnell sein großes, rotes Sacktuch ziehen. Es müsse ihm etwas in die Augen gekommen sein, meinte er, und schnaufte sich gleichzeitig geräuschvoll die Nase. Nachher mußte Richard Waltham seine Hand vor der gefährlichen Seemannspranke in Sicherheit bringen; Bob Green hatte zuweilen einen recht harten Griff, wenn er jemand seiner unverbrüchlichen Freundschaft versichern wollte.

Burns kam mit Unterstützung des Lords schnell wieder zu seinem alten Wohlstand. Bob befuhr noch jahrelang in Gesellschaft seines Bruders den Ontario. Seine Sloop führte den Namen Mary. Der arme Ned erlangte seinen vollen Verstand zwar niemals wieder, aber er gab nichtsdestoweniger, geschickt und zu jeder Arbeit willig, einen brauchbaren Matrosen ab.

Mit den Franzosen waren auch die Piraten vom Ontario verschwunden. Von Hollins und seinen Genossen hörte man nichts mehr. Ihre Schlupfwinkel fand man zerstört; es stand zu vermuten, daß die Seeräuber unter den Tomahawks der durch ihre Verluste erbitterten Indianer ihr Leben ausgehaucht hatten.

Beim Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges stellte sich Lord Somerset auf die Seite der Provinzialen. Er fiel an Washingtons Seite in der Schlacht bei Bunkershill. Der Sohn Tana-ca-ris-sons, inzwischen der vom Stammesrat seines Volkes gewählte Nachfolger seines großen Vaters und damit der Beherrscher aller Miamistämme, stand mit seinen Kriegern gleichfalls auf Seiten der Kolonien. Auch er fiel an der Spitze der Seinen in der Schlacht.

John Burns, der ebenfalls am Befreiungskrieg teilgenommen hatte, lebte nach dem friedlichen Tod seines Vaters noch lange am Genesee. Sein alter Schicksalsgefährte Bob Green besuchte ihn oft. Dann erinnerten sie sich gern der gemeinsamen Erlebnisse und gedachten dabei dankbar ihres indianischen Freundes. In ihren Herzen lebte er fort als Ni-kun-tha, der Schnelle Falke, nach George Washingtons Wort: König der Miami.

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