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Der Komoediantenroman

Paul Scarron: Der Komoediantenroman - Kapitel 43
Quellenangabe
pfad/scarron/komoedia/komoedia.xml
typefiction
authorPaul Scarron
titleDer Komoediantenroman
publisherGeorg Mueller
year1908
translatorFranz Blei
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Neunzehntes Kapitel. Die feindlichen Brüder

Dorothea und Feliciana von Monsalva waren die beiden liebenswürdigsten Mädchen von Sevilla, und wenn sie dies auch nicht gewesen wären, so hätte ihr Vermögen und ihr Stand ihnen dennoch die Aufwartung aller artigen jungen Leute erworben, die sich verheiraten wollten. Dom Manuel, ihr Vater, hatte sich noch für keinen erklärt, und Dorothea, die als die älteste von ihren Schwestern zuerst verheiratet werden musste, hatte ihr Tun und ihre Blicke so sehr in ihrer Gewalt, dass auch der eingebildetste ihrer Anbeter nicht sicher war, ob seine Liebeserklärungen gut oder schlimm aufgenommen würden. Unterdessen konnten sie niemals in die Messe gehen, ohne dass ein Gefolge geputzter Herren ihnen nachging; sie nahmen auch deswegen kein Weihwasser, weil sie befürchteten, dass viele schöne und hässliche Hände ihnen welches anbieten möchten. Ihre schönen Augen durften sich von dem Gebetbuch nicht erheben, ohne dass sie nicht eine Menge auf sie gerichteter Blicke auffingen, und sie konnten keinen Schritt in der Kirche gehen, ohne für eine Reverenz danken zu müssen. Aber wennschon ihre Schönheit ihnen an öffentlichen Orten so viele Beschwerlichkeit verursachte, so verschaffte sie ihnen auch öfters unter ihren Fenstern einige Lustbarkeiten, die sie für die strenge Einschränkung, in welcher sie in Rücksicht ihres Geschlechts und der Gewohnheit des Landes leben mussten, entschädigten. Selten verging eine Nacht, ohne dass sie nicht mit einem Ständchen beehrt wurden, und öfters wurden auch auf dem öffentlichen Platz, worauf ihre Fenster gingen, Ringelrennen gehalten. Eines Tages zeichnete sich ein Fremder vor allen andern Rittern darin aus, und die beiden Schwestern erkannten in ihm den schönsten und wohlgebildetsten Mann. Einige Edelleute von Sevilla, die ihn in Flandern gekannt hatten, wo er ein Reiterregiment kommandierte, hatten ihn zu diesem Ringelrennen eingeladen. Einige Tage nachher fiel eine Bischofsweihe zu Sevilla vor. Der Fremde, der sich Dom Sancho de Sylva nannte, war mit den galantesten Herren von Sevilla in der Kirche, wo die Zeremonie vollzogen wurde; und die schönen Schwestern von Monsalva befanden sich auch da unter vielen andren Damen, die so wie sie nach Sevillaner Art verkleidet waren: mit einem Mantel aus grobem Zeug und einem kleinen Hut mit Federn. Dom Sancho befand sich zufällig zwischen den beiden Schwestern und einer andern Dame, mit der er sprechen wollte; diese Dame bat ihn aber sehr höflich nicht mit ihr zu reden und den Platz, den er einnahm, einer andern Dame zu überlassen, die sie erwartete. Dom Sancho gehorchte und näherte sich Dorothea von Monsalva, welche näher bei ihm sass als ihre Schwester und alles mit angesehen hatte, was zwischen ihm und der Dame vorgefallen war, und sagte ihr folgendes: »Ich schmeichelte mir, dass die Dame, mit der ich gesprochen habe, die Unterhaltung mit einem Fremden nicht abweisen würde, aber sie hat mich für die Verwegenheit gestraft, dass ich glauben konnte, meine Unterhaltung wäre nicht zu verachten. Ich bitte Sie also nicht so streng gegen einen Fremden zu sein, wie jene Dame, und ihm zur Ehre der Sevillaner Damen Gelegenheit zu geben, ihre Güte kennen zu lernen.« – »Ihr gebt mir gleiche Ursache, Euch ebenso zu begegnen wie diese Dame,« antwortete Dorothea, »weil Ihr jetzt erst zu mir kommt, nachdem sie Euch schon abgewiesen hat. Aber damit Ihr nicht über die Damen meines Landes klagen könnt, so will ich, solange die Zeremonie dauert, bloss mit Euch reden, und daraus werdet Ihr erkennen, dass ich niemanden hierher bestellt habe.« – »Darüber muss ich mich billig verwundern,« sagte Dom Sancho, »denn bei Eurer Schönheit muss man sich entweder sehr vor Euch fürchten, oder aber die jungen Herren dieser Stadt müssen sehr blöde sein. Oder vielleicht ist derjenige, dessen Stelle ich jetzt vertrete, verreist?« – »Und glaubt Ihr denn,« sagte Dorothea, »dass ich so wenig zu lieben weiss, dass ich in Abwesenheit meines Geliebten in eine Gesellschaft gehen würde, um andere Männer zu sprechen? Urteilt künftig nicht so übereilt von einer Frau, die Ihr nicht kennt.« – »Ihr würdet leicht einsehen,« versetzte Dom Sancho, »dass ich vorteilhafter von Euch denke als Ihr wohl glaubt, wenn Ihr mir erlauben wolltet Euch ganz nach meiner Neigung zu dienen.« – »Es ist nicht immer gut, unsern ersten Regungen zu folgen,« sagte Dorothea, »und überdem sehe ich in dem, was Ihr mir vorschlagt, eine grosse Schwierigkeit.« – »Es gibt keine Schwierigkeit,« versetzte Dom Sancho, »die ich aus Liebe zu Euch nicht überwinden könnte.« – »Dies ist keine Sache von einigen Tagen,« antwortete Dorothea, »Ihr überlegt nicht, dass Ihr bloss durch Sevilla durchreist, und wisst vielleicht nicht, dass ich mich nicht gerne nur im Vorübergehen geliebt sehe.« – »Erlaubt mir doch das, worum ich bitte«, versetzte Dom Sancho, »und ich verspreche Euch, dass ich mein ganzes Leben durch in Sevilla bleiben will.« – »Dies ist sehr galant«, sagte Dorothea, »und ich wundere mich, dass ein Mann, der so artig zu sprechen weiss, hier noch keine Dame gewählt hat, die er mit seiner Galanterie unterhalten kann; hält er sie vielleicht nicht der Mühe wert?« – »Im Gegenteil,« versetzte Dom Sancho, »er hat zu wenig Vertrauen zu sich selbst.« – »Antwortet mir auf das, was ich Euch frage«, sagte Dorothea, »und nennt mir die Person, welche die Gewalt hatte, Euch in Sevilla zurückzuhalten.« – »Ich habe es schon gesagt,« versetzte Dom Sancho, »Ihr könnt mich darin zurückhalten, wenn Ihr nur wolltet.« – »Mich habt Ihr nie gesehen,« antwortete Dorothea, »nennt also eine andere.« – »Weil Ihr es denn so befehlt,« sagte Dom Sancho, »so muss ich Euch gestehen, dass, wenn Dorothea von Monsalva ebensoviel Geist hat wie Ihr, so würde ich den Menschen glücklich schätzen, dessen Verdienste sie schätzte und dessen Liebe sie annehmen wollte.« – »Es gibt in Sevilla sehr viele Damen«, sagte sie, »die ihr gleichkommen, ja viele, die sie übertreffen; aber,« setzte sie hinzu, »habt Ihr nicht gehört, ob sie unter ihren Anbetern einen vor dem andern begünstigt?« – »Da ich zu wenig Hoffnung sah, ihre Gunst zu verdienen, so habe ich mich auch niemals nach dem erkundigt, was Ihr mich hier fragt.« – »Warum solltet Ihr ihre Gunst nicht ebensogut gewinnen können wie ein anderer?« fragte Dorothea. »Der Eigensinn der Damen ist sonderbar, und öfters kommt ein Fremder beim ersten Schritt weiter in ihrer Gunst, als alle ihre übrigen Anbeter, die ihr ständig vor Augen sind, in einigen Jahren.« – »Ihr weist mich sehr geschickt ab,« sagte Dom Sancho, »indem Ihr mich ermuntert, eine andere zu lieben als Euch, und ich sehe wohl daraus, dass Ihr eben nicht geneigt seid, einen neuen Anbeter mehr zu begünstigen als den, mit dem Ihr seit einigen Jahren verbunden seid.« – »Glaubt das nicht,« sagte Dorothea, »und seid versichert, dass ich nicht so leichtsinnig bin, mich durch eine Schmeichelei überreden zu lassen, und ich die Eurige für die Wirkung einer plötzlichen Leidenschaft halten sollte, besonders da Ihr mich noch nicht einmal gesehen habt.« – »Wenn nur dies noch zur Liebeserklärung nötig ist, die ich Euch hiermit ablege,« versetzte Dom Sancho, »so verbergt Euch nicht länger vor einem Fremden, der schon durch Euren Geist bezaubert ist.« – »Der Eurige würde es aber schwerlich durch mein Gesicht werden«, antwortete Dorothea. – »O! Ihr könnt nicht anders als sehr schön sein,« erwiderte Dom Sancho, »weil Ihr es so geradezu gesteht, dass Ihr es nicht seid, und ich sehe nun wohl, dass Ihr Euch von mir losmachen wollt, entweder weil ich Euch missfalle, oder weil alle Plätze Eures Herzens bereits besetzt sind. Es ist also nicht billig, dass ich die Güte, die Ihr bisher mich anzuhören hattet, noch länger missbrauche, und ich will Euch nicht auf den Argwohn bringen, als wenn ich bloss zum Zeitvertreib mich mit Euch unterhalten hätte, indem ich Euch mein Leben anbot.« – »Um Euch zu überzeugen,« sagte Dorothea, »dass ich die Zeit, die ich mich mit Euch unterhalten habe, nicht für verloren achte, so will ich Euch gerne gestehen, dass ich ehe wir uns trennen, zu erfahren wünschte, wer Ihr seid.« – »Ich will Euch gerne gehorchen«, sagte Dom Sancho. »Wisst also, liebenswürdige Unbekannte, dass ich mich Dom Sylva nenne, welcher Name von meiner Mutter stammt; mein Vater ist Statthalter von Quito in Peru, und ich halte mich jetzt auf seinen Wunsch in Sevilla auf. Ich habe den grössten Teil meines Lebens in Flandern zugebracht, wo ich in der Armee und im Komtur des St.-Jakobs-Ordens mit Auszeichnung diente. Hier habt Ihr in wenigen Worten wer ich bin, und es wird bloss von Euch abhängen, an einem weniger öffentlichen Ort von mir zu erfahren, was ich gerne mein ganzes Leben über zu sein wünsche.« – »Dies soll sobald wie möglich geschehen«, antwortete Dorothea. »Gebt Euch unterdessen keine weitere Mühe, zu erfahren, wer ich bin, wenn Ihr nicht Gefahr laufen wollt, mich niemals kennen zu lernen; begnügt Euch einstweilen damit, zu wissen, dass ich von Adel bin und dass mein Gesicht eben nicht hässlich ist.« Dom Sancho machte ihr hierauf ein tiefes Kompliment und ging zu einer Gruppe junger Herren. Zu Hause erzählte Dorothea ihrer Schwester Feliciana die Unterredung, die sie mit Dom Sancho gehabt hatte, und gestand ihr, dass dieser Fremde ihr besser gefiel als alle jungen Herren von Sevilla. Die Schwestern moralisierten lange über den Vorteil des männlichen Geschlechts vor dem weiblichen, welches letztere immer nach der Wahl der Eltern und öfters wider seine Neigung heiraten müsste, da hingegen den Männern die Wahl freistünde. »Ich für mein Teil«, sagte Dorothea, »bin gewiss, dass mich die Liebe niemals gegen meine Pflicht wird handeln lassen, allein ich bin auch fest entschlossen, niemals jemand zu heiraten, der nicht in seiner Person alles das vereinigt, was mir an vielen anderen Männern einzeln gefallen hat; und ich will lieber mein Leben in einem Kloster beschliessen als es mit einem Mann zubringen, den ich nicht lieben kann.« Feliciana gestand ihrer Schwester, dass sie ebenso dächte. Dorothea wusste nicht, wie sie dem Dom Sancho ihr Versprechen, sich ihm zu zeigen, halten wollte, und fragte ihre Schwester in Unruhe darüber. Doch Feliciana, sehr glücklich im Erfinden, erinnerte ihre Schwester, dass eine Dame ihrer Verwandtschaft und noch dazu ihre beste Freundin, ihr sehr gern in dieser Sache behilflich sein würde. »Du weisst doch,« sagte diese vortreffliche Schwester, »dass Marine, die uns so lange bedient hat, mit einem Wundarzt verheiratet ist, der in einem kleinen Haus unserer Verwandten zur Miete wohnt, und dass beide Häuser eine gemeinschaftliche Türe haben. Sie wohnen in einem entlegenen Viertel der Stadt, und wenn man es auch bemerkte, dass wir unsere Verwandte jetzt öfter besuchen als sonst, so würde man doch nie darauf achten, ob Dom Sancho bei einem Wundarzt ein- und ausgeht; ausserdem kann er ja des Nachts und verkleidet kommen.« Unterdessen Dorothea mit Hilfe ihrer Schwester den Plan zu ihrer Unternehmung entwirft, ihre Verwandte beredet, ihr behilflich zu sein, und Marine in der Rolle unterrichtet, die sie spielen soll, dachte Dom Sancho immer an seine Unbekannte und wusste nicht recht, ob sie ihn nicht mit ihrem Versprechen zum besten gehabt hätte. Er sah sie täglich ohne sie zu kennen entweder in der Kirche oder auf dem Balkon, wo sie die Komplimente ihrer Anbeter empfing, die alle mit Dom Sancho bekannt, ja sogar seine besten Freunde in Sevilla waren. Eines Morgens kleidete er sich eben an und dachte an seine Unbekannte, als man ihm meldete, dass ein verschleiertes Frauenzimmer ihn sprechen wollte. Er liess sie hereinkommen und erhielt von ihr folgenden Brief:

»Es war mir nicht möglich, Euch früher Nachricht von mir zu geben. Habt Ihr also noch Lust, mich kennen zu lernen, so findet Euch beim Einbruch der Nacht an dem Ort ein, den Euch die Überbringerin dieses Briefes anzeigen wird, die Euch nachher von dort zu mir führen soll.«

Man kann sich seine Freude darüber leicht vorstellen. Er küsste in der Übereilung die glückliche Botschafterin und schenkte ihr eine goldene Kette, die sie nach einigem Weigern annahm. Sie bestimmte ihm eine Stunde, zu welcher er beim Einbruch der Nacht sich ohne Gefolge an einem entlegenen Ort einfinden sollte, ging wieder fort und liess ihn als den glücklichsten und frohesten Menschen zurück. Endlich kam die Nacht. Er fand sich an dem bestimmten Ort ein, wo ihn die Botschafterin erwartete. Sie führte ihn in ein kleines Haus von schlechtem Ansehen und schliesslich in ein hübsches Zimmer, wo er drei Frauen mit verschleiertem Gesicht antraf. Er erkannte seine Unbekannte an dem schlanken Wuchs, und bat gleich, sie möchte doch ihren Schleier aufheben. Sie liess sich auch nicht lange bitten und nahm zugleich mit ihrer Schwester den Schleier ab: und der glückliche Dom Sancho erkannte in ihnen die schönen Mädchen von Monsalva. »Ihr seht nun,« sagte Dorothea, »dass ich damals die Wahrheit sagte, als ich Euch versicherte, dass ein Fremder öfters in einem Augenblick mehr erhalte als andere Anbeter, die man täglich sieht, in mehreren Jahren, und Ihr würdet sehr undankbar sein, wenn Ihr diese Gunst, die ich Euch schenke, nicht gehörig schätzen oder gar zu meinem Nachteil auslegen wolltet.« – »Ich werde immer alles was von Eurer Hand kommt ebenso hoch schätzen wie wenn es aus dem Himmel käme,« sagte der entzückte Dom Sancho, »und Ihr sollt aus der Sorgfalt, mit der ich das, was Ihr mir jetzt schenkt, zu erhalten suche, erkennen dass, wenn ich es jemals verliere, es gewiss nicht aus eigener Schuld, sondern durch einen unglücklichen Zufall nur geschehen kann.« Sie sagten sich nun alles was ihnen die Liebe eingab. Die Besitzerin des Hauses und Feliciana, welche das Leben kannten, hatten sich etwas von unsern Verliebten entfernt, die daher alle Freiheit hatten einander ihre Liebe zu gestehen und einen Tag festsetzten, wo sie es einander womöglich noch besser sagen wollten. Dorothea versprach dem Dom Sancho alles zu tun, um ihn öfter sehen und sprechen zu können. Marine erinnerte sie endlich, dass es Zeit wäre, zu gehen. Dorothea wurde traurig, Sancho wurde blass, aber sie mussten sich trennen. Der verliebte Dom Sancho schrieb gleich den andern Tag an seine Geliebte und erhielt eine Antwort wie er sie nur wünschen konnte. Sie sahen sich oft an demselben Ort und auf dieselbe Art wie das erstemal, und liebten sich jedesmal noch stärker. Man sagt gewöhnlich, dass die Liebe, das Feuer und das Geld sich nicht lange verbergen lassen. Dorothea, die immerfort ihren lieben Fremden im Sinne hatte, konnte nicht gleichgültig von ihm reden. Sie erhob ihn so sehr über alle Edelleute von Sevilla, dass einige Damen, die auch ihre geheimen Angelegenheiten hatten, darauf aufmerksam wurden und sich beleidigt fanden, dass Dorothea ihren Fremden über ihre Kavaliere stelle. Feliciana hatte sie öfters gewarnt, nicht so öffentlich von ihm zu reden, und in Gesellschaft, wenn sie sich von dem Vergnügen, von ihrem Geliebten zu sprechen, hinreissen liess, ihr oft ziemlich derb auf die Füsse getreten. Ein Edelmann, der in Dorothea verliebt war, wurde von einer Dame, seiner vertrauten Freundin, davon unterrichtet, und er konnte desto leichter glauben, dass Dorothea den Dom Sancho liebte, da er sich erinnerte, dass seit der Zeit, dass dieser Fremde in Sevilla war, sie keinen ihrer seufzenden Anbeter eines Blickes gewürdigt hatte. Dieser Nebenbuhler des Dom Sancho war reich, adelig, und bei Dom Manuel sehr gut angeschrieben, doch trieb letzterer seine Tochter nicht, ihn zu heiraten, weil, so oft er ihr davon sprach, sie ihn immer gebeten hatte, sie doch nicht so früh einem Mann zu geben. Dieser Edelmann, der sich Dom Diego nannte, wollte sich von dem, was er nur vermutete, überzeugen. Er hatte einen sehr verschlagenen Bedienten, der ebenso schöne Wäsche trug wie sein Herr, oder vielmehr seines Herrn eigene; er machte unter den andern Bedienten die Mode, und wurde von ihnen ebenso beneidet wie ihn die Mädchen liebten. Dieser Bediente hiess Gusman, und da er eine poetische Ader hatte, so machte er die meisten Sevillaner Romanzen und sang sie in seine Gitarre mit vielen Verzierungen, tanzte die Sarabande, hatte einst wollen Komödiant werden, und wollte die Tapferkeit mit unter seine Verdienste zählen, aber die Wahrheit zu sagen, war sie nichts weiter als ein bisschen Schelmerei. Alle diese schönen Talente mit etwas von seinem Herrn abgelernter Suada hatten ihn zum Ziel des verliebten Verlangens aller Sevillaner Kammermädchen gemacht. Dom Diego befahl ihm, gegen Isabella, ein junges Mädchen, das die Damen von Monsalva bediente, freundlicher und nachgebender zu sein. Er gehorchte seinem Herrn. Isabella bemerkte es und schätzte sich glücklich, von Gusman geliebt zu werden, den sie in kurzer Zeit wieder liebte, und der seinerseits nun wirklich sich in sie verliebte und also ganz im Ernst tat, was ihm sein Herr zum Schein zu tun befohlen hatte. Gusman wurde zwar von den stolzesten Mädchen von Sevilla geliebt, aber Isabella war auch für ihn die beste Partie, die er in Spanien machen konnte. Sie wurde von ihren Gebieterinnen geliebt, die sehr freigebig gegen sie waren, und hatte auch einiges Vermögen von ihrem Vater zu erwarten, der ein ehrlicher Bürger war. Gusman dachte also im Ernst daran, ihr Mann zu werden, und auch sie war einverstanden; sie hielten Verlöbnis und lebten von dieser Zeit an als wenn sie miteinander getraut wären. Isabella sah sehr ungern, dass Marine, die Frau des Wundarztes, bei der sich Dorothea und Dom Sancho heimlich sprachen und die ihrer Gebieterin vor ihr gedient hatte, noch ihre Vertraute in einer Sache war, wo sich die Freigebigkeit einer Verliebten immer sehr zu zeigen pflegt. Sie hatte erfahren, dass Marine von Dom Sancho eine goldene Kette und noch andere Geschenke erhalten hatte, und schloss daraus, dass sie weit mehr müsste erhalten haben. Sie hasste daher Marine sehr, und dies macht mich glauben, dass das schöne Kind ein bisschen habgierig muss gewesen sein. Man darf sich also nicht wundern, dass sie gleich auf die erste Bitte Gusmans, ihm zu gestehen, ob es wahr wäre, dass Dorothea jemand liebte, sie das Geheimnis ihrer Herrschaft einem Menschen verriet, dem sie sich ganz ergeben hatte. Sie erzählte ihm alles, was sie von unsern beiden Liebenden wusste, übertrieb das Glück der Marine, die Dom Sancho so bereicherte, und fluchte auf sie, dass sie der rechtmässigen Magd des Hauses ihren Nutzen wegnähme. Gusman bat sie, ihm den Tag anzuzeigen, wo ihre Herrschaft mit ihrem Liebhaber zusammenkommen würde. Sie tat es, und er hinterbrachte es gleich seinem Herrn, und erzählte ihm alles, was ihm die untreue Isabella verraten hatte. Dom Diego verkleidete sich als Bettler, stellte sich an die Türe vor Marinens Haus und sah seinen Nebenbuhler hineingehen; einige Zeit hernach hielt ein Wagen vor dem Haus, aus dem die beiden schönen Schwestern stiegen und den Dom Diego seiner Wut und Verzweiflung überliessen. Er entschloss sich sogleich, sich eines so gefährlichen Nebenbuhlers zu entledigen und ihn aus der Welt zu schaffen: er mietete einige Banditen und passte dem Dom Sancho einige Nächte nacheinander auf; endlich traf er ihn an und griff ihn mit zwei Kerlen an, die ebensogut bewaffnet waren wie er. Dom Sancho hatte ausser seinem Dolch und den Degen noch zwei Pistolen an seinem Gürtel. Er verteidigte sich wie ein Löwe und sah wohl ein, dass seine Feinde ihm ans Leben wollten. Dom Diego ging stärker auf ihn ein als die andern, die bloss als Mietlinge fochten. Er wich eine Weile vor seinen Feinden zurück, um den Lärm des Kampfes von dem Hause zu entfernen, in dem Dorothea war. Doch da er schliesslich befürchten musste, getötet zu werden, und Dom Diego immer wütender wurde, so schoss er eine Pistole nach ihm und streckte ihn halbtot auf die Erde, sodass er alsogleich einen Priester verlangte. Auf den Lärm des Schusses liefen die Banditen davon. Dom Sancho rettete sich nach Hause und die Nachbarn kamen in die Gasse und fanden Dom Diego, der noch Dom Sancho als seinen Mörder anklagte, in den letzten Zügen. Dom Sancho wurde von seinen Freunden davon benachrichtigt, die ihm sagten, dass wenn ihn auch die Obrigkeit nicht aufsuchte, so würden doch die Verwandten des Dom Diego seinen Tod nicht ungerochen lassen und ihn zu töten suchen, an welchem Ort sie ihn fänden. Er flüchtete also in ein Kloster, aus dem er Dorotheen Nachricht von sich gab, und seine Sachen unterdessen in Ordnung brachte, um nachher Sevilla verlassen zu können, sobald er es mit Sicherheit tun könnte. Die Obrigkeit liess unterdessen den Dom Sancho scharf suchen, fand ihn aber nicht. Nachdem die erste Hitze der Verfolgung vorüber war und jedermann glaubte, er wäre schon in Sicherheit, liessen sich Dorothea und ihre Schwester unter dem Vorwand ihre Andacht zu verrichten, durch ihre Verwandte in das Kloster bringen, worin sich Dom Sancho aufhielt; und dort konnten sich durch Vermittlung eines Paters unsere beiden Verliebten in einer Kapelle sprechen, versprachen sich ewige Treue und sagten sich so herzbewegliche Dinge, dass ihre Schwester, die Verwandte und der Geistliche, die Zeugen davon waren, weinten und noch jetzt immer darüber weinen, so oft sie daran denken. Er ging verkleidet aus Sevilla und hinterliess vor seiner Abreise dem Verwalter seines Vaters Briefe, die er ihm nach Peru schicken sollte. In diesen Briefen benachrichtigte er ihn von dem Zufall, der ihn nötigte Sevilla zu verlassen und dass er nach Neapel gehen wollte. Er kam glücklich daselbst an und wurde von dem Vizekönig, mit dem er verwandt war, sehr gütig empfangen. Ob er gleich alle Gunst bei ihm genoss, so wurde ihm ein ganzes Jahr durch in Neapel die Zeit lang, weil er keine Nachricht von Dorotheen erhielt. Der Vizekönig liess sechs Galeeren ausrüsten, die er gegen die Türken schickte. Der Mut des Dom Sancho liess eine so schöne Gelegenheit nicht vorbeigehen, und der die Galeeren kommandierte, nahm ihn in die seinige auf, wies ihm eine Kajüte zu seiner Wohnung an und war sehr erfreut, einen Mann von seinem Stand und von seinen Verdiensten bei sich zu haben. Die sechs Galeeren trafen vor Messina acht türkische und wagten es, sie anzugreifen. Nach einem harten Kampf eroberten die Christen drei Galeeren und versenkten zwei andere. Die christliche Hauptgaleere hatte sich an die Hauptgaleere der Türken gehängt, die, weil besser bewaffnet, auch grösseren Widerstand leistete. Das Meer wurde unterdessen stürmisch und der Sturm wurde so heftig, dass endlich Christen und Türken mehr darauf dachten, sich zu retten als sich zu töten. Man machte also von beiden Seiten die Enterhaken los, welche die beiden Schiffe zusammenhielten, und die türkische Galeere entfernte sich von der christlichen gerade in der Zeit als der allzu verwegene Dom Sancho hineingesprungen war, ohne dass ihm jemand der Seinigen nachgefolgt wäre. Als er sich mitten unter den Feinden allein sah, zog er den Tod der Sklaverei vor und warf sich aufs Geratewohl in die See, indem er sich auf sein Schwimmen verliess und noch Hoffnung hatte, die christlichen Galeeren erreichen zu können; allein der Sturm verhinderte, dass man ihn sehen konnte, obgleich der christliche General, der die tapfere Tat des Dom Sancho mitangesehen hatte und über seinen Untergang, den er für unvermeidlich hielt, untröstlich war, seine Galeere nach der Seite zu steuern liess, wo er in die See gesprungen war. Dom Sancho durchbrach indessen die Wellen mit seinen starken Armen, und nachdem er einige Zeit dem Lande zugeschwommen war, wohin ihn Wind und See trieben, fand er zum Glück ein Brett von einer türkischen Galeere, das eine Kanonenkugel abgerissen hatte, und bediente sich desselben mit grossem Nutzen. Es war von dem Ort des Treffens nicht weiter als anderthalb Stunden bis an die Küste von Sizilien, und Dom Sancho kam geschwinder dort an als er vermutete, weil ihm Wind und Meer günstig waren. Er kam ans Land, und nachdem er Gott für die Rettung aus dieser grossen Gefahr gedankt hatte, ging er soviel es ihm seine Müdigkeit erlaubte weiter und erblickte auf einem kleinen Hügel, den er bestieg, eine Fischerhütte, deren Bewohner ihn gastlich aufnahmen. Der Kampf und die Anstrengung und die Kälte zogen ihm ein heftiges Fieber zu, das ihn lange bettlägerig machte, von dem er aber doch wieder genas. Während seiner Krankheit beschloss er, jedermann an seinen Tod glauben zu lassen, um der Rache seiner Feinde, der Verwandten des Dom Diego, zu entgehen und die Treue der Dorothea auf die Probe zu stellen. Er hatte in Flandern eine gute Freundschaft mit einem sizilianischen Edelmann aus dem Hause Montalto, der sich Fabio nannte. Er befahl einem der Fischer, sich zu erkundigen, ob Fabio in Messina wäre, wo er gewöhnlich wohnte, und nachdem er erfahren, dass er dort wäre, ging er in einem Fischerkleid dahin, und kam des Nachts in das Haus des Edelmanns, der ihn mit allen denen sein Verlust naheging, beweint hatte. Fabio war entzückt, seinen verlorenen Freund wieder zu sehen. Dom Sancho erzählte ihm, wie er sich gerettet hatte, ferner auch seine Sache zu Sevilla, ohne ihm seine heftige Liebe zu Dorotheen zu verschweigen. Der sizilianische Edelmann erbot sich, nach Spanien zu gehen und selbst Dorotheen zu entführen, wenn sie dazu einwilligte, und sie nach Sizilien zu bringen. Dom Sancho wollte aber von seinem Freunde keine so gefährlichen Beweise der Freundschaft annehmen, aber er freute sich sehr, dass er ihn nach Spanien begleiten wollte. Sanchez, der Bediente des Dom Sancho, war über den Verlust seines Herrn so sehr traurig, dass er, als die neapolitanischen Galeeren zu Messina ankamen, in ein Kloster ging. Der Marquis Fabio schickte sogleich zu dem Priester desselben, der ihn auf seine Empfehlung angenommen, ihm aber noch nicht die Mönchskleidung angelegt hatte. Sanchez war ausser sich vor Freuden, als er seinen lieben Herrn wieder sah und dachte nicht mehr ans Kloster. Dom Sancho schickte ihn nach Spanien, um sich durch ihn den Weg zu bahnen, und um Nachrichten von Dorotheen zu erhalten, welche so wie jedermann glaubte, er wäre gestorben. Das Gerücht kam bis nach Peru, und der Vater des Dom Sancho starb aus Kummer, und hinterliess einem anderen Sohn, den er hatte, viermalhunderttausend Taler, jedoch mit der Bedingung, dass er seinem Bruder die Hälfte davon geben sollte, wenn die Nachricht von seinem Tode falsch wäre. Der Bruder des Dom Sancho nannte sich Dom Juan de Peraldo nach seinem Vater. Er schiffte sich mit seinem ganzen Vermögen nach Spanien ein und kam ein Jahr nach dem Unglück, das dem Dom Sancho begegnet war, nach Sevilla. Da er einen fremden Namen führte, so war es ihm leicht zu verbergen, dass er sein Bruder wäre, und dies war nötig wegen des langen Aufenthalts, den er seiner Geschäfte wegen in einer Stadt machen musste, in welcher sein Bruder so viele Feinde hatte. Er sah Dorotheen und verliebte sich in sie, so wie sein Bruder, aber er wurde nicht wiedergeliebt. Dieses trauernde schöne Mädchen konnte keinen andern als Dom Sancho lieben. Ihr war alles, was Dom Juan ihr zu Gefallen tat, zur Last, und sie schlug täglich die besten Heiraten aus, die ihr Dom Manuel, ihr Vater, vorschlug. Unterdessen kam Sanchez nach Sevilla und wollte sich den Befehlen seines Herrn gemäss nach Dorotheen erkundigen. Er hörte das Gerücht, dass ein reicher Kavalier, der vor kurzem aus West-Indien gekommen, sie liebte und sich öffentlich als ihren Liebhaber zeigte. Er schrieb dies seinem Herrn und übertrieb die Sache in seinem Brief, sein Herr aber stellte sich das Übel noch grösser vor als es ihm sein Bedienter geschildert hatte. Er schiffte sich mit dem Marquis Fabio auf einer spanischen Galeere ein, und sie kamen glücklich nach San Lukar, wo sie Post nach Sevilla nahmen. Sie kamen des Nachts dort an und stiegen in dem Quartier ab, das Sanchez für sie gemietet hatte. Den andern Tag blieben sie auf ihrem Zimmer, als aber die Nacht kam, gingen beide um das Haus des Dom Manuel herum. Sie hörten unter Dorotheens Fenster ein Instrument stimmen, worauf eine schöne Musik folgte, endlich liess sich eine Stimme, die bloss von einer Theorbe begleitet wurde, hören und beklagte sich lange über die unerbittliche Härte einer Geliebten. Dom Sancho wollte die Ständchenbringer schon angreifen, doch Fabio verhinderte ihn und stellte ihm vor, dass, wenn Dorothea auf dem Balkon erschienen wäre, um seinem Nebenbuhler zu danken, oder wenn die Worte der Arie mehr eine Danksagung für erhaltene Gunstbezeigungen als Klagen über unerhörte Liebe enthielten, er alsdann erst das Recht hätte, dies zu tun. Die Serenade ging nun vermutlich sehr unzufrieden weg, und Dom Sancho und Fabio gingen nach Haus. Unterdessen fing Dorothea an, wegen der Liebe des indischen Kavaliers besorgt zu werden. Ihr Vater, Dom Manuel, wünschte sehr, sie verheiratet zu sehen, und sie zweifelte nicht, dass, wenn der reiche Dom Juan de Peraldo sich zu seinem Schwiegersohn anböte, er gewiss allen andern würde vorgezogen und sie deswegen mehr als je von ihrem Vater bestürmt werden. Den Tag nach der Serenade, von der Fabio und Dom Sancho Zuhörer gewesen waren, sprach Dorothea davon mit ihrer Schwester und sagte ihr, dass sie die Galanterien des Westindiers nicht mehr ausstehen könnte und dass sie sich wundere, dass er sie so öffentlich mache, noch ehe er mit ihrem Vater ein Wort davon geredet hätte. »Ich kann sein Vorgehen keineswegs billigen,« sagte Feliciana, »und wäre ich an deiner Stelle, so würde ich ihm bei erster Gelegenheit so hart begegnen, dass er ein für allemal die Hoffnung, dir zu gefallen, verlieren sollte. Mir«, setzte sie hinzu, »hat er nie gefallen, er hat nicht jenen artigen Ton, den man bloss bei Hofe lernt, und der grosse Aufwand, den er in Sevilla macht, zeugt nicht von jenem Geschmacke, den man gewöhnlich an Fremden bemerkt.« Sie machte nun eine recht hässliche Schilderung von Dom Juan, und vergass, dass als er zu Sevilla angekommen, sie ihrer Schwester gestanden hatte, dass er ihr nicht missfiele und dass, so oft sie von ihm redete, sie ihn mit einer gewissen Art von Entzücken gelobt hatte. Dorothea, welche die Veränderung ihrer Schwester bemerkte, die sich wenigstens stellte, als wenn sie nicht mehr so günstig von ihrem Westindier dächte wie ehemals, schloss daraus, dass sie ihm heimlich geneigt sei, so sehr sie auch äusserlich das Gegenteil zeigte. Um es nun zu erfahren, sagte sie ihr, dass sie sich durch die Galanterien des Dom Juan zwar beleidigt fände, nicht aber Abscheu vor seiner Person selbst habe, sondern dass sie im Gegenteil einige Ähnlichkeit mit Dom Sancho bemerkte, und dass er ihr deswegen vor allen andern jungen Leuten in Sevilla gefallen könnte, da sie ohnehin wüsste, dass sein Reichtum und sein Stand ihm die Einwilligung ihres Vaters leicht verschaffen würden. »Aber,« setzte sie hinzu, »ich kann nach Dom Sancho niemand mehr lieben, und da ich nicht seine Gemahlin werden konnte, so will ich auch niemals die eines andern sein, und werde den Rest meines Lebens in einem Kloster zubringen.« – »Wenn du auch diesen sonderbaren Entschluss nicht gefasst hättest,« sagte Feliciana, »so könntest du mich nicht stärker betrüben als dadurch, dass du mir es sagst.« – »Zweifle nicht an meinem Entschluss,« sagte Dorothea. »Du wirst bald die reichste Partie in Sevilla sein, und eben darum wünschte ich, den Dom Juan zu sprechen, um ihn zu bewegen, für dich dieselben Gesinnungen zu hegen, die er für mich gezeigt hat, und ihm die Hoffnung zu benehmen, dass ich ihn je heiraten werde; doch jetzt werde ich ihn bloss sprechen, um ihm zu sagen, dass mir seine Galanterien unangenehm sind, weil ich sehe, dass du so viele Abneigung gegen ihn hast. Und dies«, fuhr sie fort, »seh ich wirklich nicht gerne, denn ich kenne niemand in Sevilla, mit dem du glücklicher könntest verheiratet werden als mit ihm.« – »Er ist mir mehr gleichgültig als unangenehm,« sagte Feliciana »und wenn ich vorhin sagte, dass er mir missfiel, so geschah dies mehr aus Gefälligkeit für dich als aus wirklicher Abneigung gegen ihn.« – »Gesteh mir doch, liebe Schwester,« sagte Dorothea, »dass du nicht aufrichtig bist und dass, als du mir sagtest, du hättest wenig Neigung zu Dom Juan, du vermutlich vergessen hast, dass du mir ihn ehemals sehr lobtest; oder fürchtest du, er möchte mir zu sehr gefallen, dass du wirklich einige Abneigung gegen ihn empfinden solltest?« Bei diesen Worten errötete Feliciana, und wurde sehr verlegen. Sie sagte in der Verwirrung unzusammenhängende Sachen, welche ihre Schwester noch mehr in ihrer Meinung bestärkten, und endlich gestand sie ihr, dass sie Dom Juan liebte. Dorothea billigte ihre Liebe und versprach, ihr darin nach allen Kräften zu helfen. Noch denselbigen Tag erhielt Isabella, die seit der Begebenheit mit Dom Sancho allen Umgang mit Gusman aufgehoben hatte, von Dorotheen Befehl, zu Dom Juan zu gehen, ihm den Schlüssel zu einer Türe von Dom Manuels Garten zu bringen und ihm zu sagen, dass Dorothea und ihre Schwester ihn dort erwarten wollten, und dass er sich also um Mitternacht, wenn ihr Vater schliefe, dort einfinden sollte. Isabella, die von Dom Juan bestochen war, und alles, jedoch vergebens angewandt hatte, um ihm bei ihrer Gebieterin zu dienen, wunderte sich sehr, sie so plötzlich verändert zu sehen, und war sehr froh, einmal einer Person eine gute Nachricht bringen zu können, der sie bisher nur schlimme gebracht und die sie demungeachtet mit Geschenken überhäuft hatte. Sie eilte zu ihm und er konnte sein Glück kaum glauben, wenn sie ihm nicht den Gartenschlüssel zugleich übergeben hätte. Er gab ihr dafür einen kleinen Beutel mit 50 Pistolen, worüber sie sich gewiss ebensosehr freute als er über ihre Nachricht. Der Zufall fügte es, dass in ebender Nacht als Dom Juan in Dom Manuels Garten kommen sollte, Dom Sancho mit seinem Freund Fabio die Runde um das Haus seiner Geliebten machte, um die Absichten seines Nebenbuhlers besser zu erfahren. Er war mit seinem Freund Fabio um elf Uhr in der Strasse Dorotheens, als vier bewaffnete Männer zu ihnen kamen. Der eifersüchtige Liebhaber glaubte, es wäre sein Nebenbuhler. Er näherte sich den Leuten und sagte ihnen, dass er den Posten, den sie stünden, lieber stünde und bat sie daher, ihm denselben zu überlassen und fortzugehen. Sie antworteten, dass sie es aus Höflichkeit gerne tun würden, wenn nicht ebendieser Posten ihnen zu einem anderen Vorhaben durchaus notwendig wäre; sobald sie es aber ausgeführt hätten, wollten sie sogleich fortgehen, um ihn nicht weiter in dem seinigen zu stören. Der Zorn des Dom Sancho stieg hierdurch aufs Höchste. Er griff sogleich zum Degen und ging auf diese Leute, welche ihm unhöflich zu sein schienen, los. Dieser unvermutete Angriff des Dom Sancho verwunderte sie und brachte sie zum Weichen, und da ihnen der Marquis ebenso hart zusetzte, so verteidigten sie sich schlecht und wurden sehr schnell bis an das Ende der Strasse getrieben. Dort empfing Dom Sancho eine leichte Wunde in den Arm und brachte demjenigen, der ihn verwundet hatte, einen so heftigen Stoss bei, dass er lange brauchte, bis er seinen Degen wieder aus dem Leib seines Feindes, den er getötet zu haben glaubte, herausziehen konnte. Der Marquis verfolgte indessen die andern sehr scharf, die, sobald sie ihren Kameraden fallen sahen, sehr eilig flohen. Dom Sancho erblickte an dem einen Ende der Strasse einige Leute mit Licht, welche auf den Lärm herbeikamen. Er befürchtete, es möchte die Polizei sein und sie war es auch wirklich. Er lief also geschwind wieder in die Strasse, wo der Lärm angefangen hatte, und von da wieder in eine andere, in welcher er gerade vor sich einen alten Edelmann mit einer Laterne antraf, der auf den Lärm, den Dom Sancho machte, als er auf ihn zulief, den Degen gezogen hatte. Dieser alte Edelmann war Dom Manuel, der von einem seiner Nachbarn nach seiner Gewohnheit vom Spiel zurückkam und durch die Gartentüre, die nahe an dem Ort war, wo sich Dom Sancho befand, in sein Haus gehen wollte. Er rief unserem Verliebten zu: »Wer da?« – »Ein Mann«, antwortete Dom Sancho, »welcher eilig von hier fort muss, wenn Ihr ihn nicht daran verhindert.« – »Vielleicht«, sagte Dom Manuel, »ist Euch etwas begegnet, wodurch Ihr genötigt seid, die Flucht zu suchen; mein Haus, das nicht weit von hier ist, soll Euch zur Freistatt dienen.« – »Es ist wahr,« antwortete Dom Sancho, »dass ich einen Ort suche, wo ich mich vor der Justiz verbergen kann, und da Ihr so grossmütig seid, einem Fremden Euer Haus anzubieten, so verlässt er sich gerne auf Euer Wort und wird die Gefälligkeit, die Ihr ihm dadurch erweist, nie vergessen, und sich derselben auch nur solange bedienen, als es nötig ist, um diejenigen vorbei zu lassen, die ihn suchen.« Dom Manuel schloss hierauf die Türe auf, liess Dom Sancho hineingehen und versteckte ihn solange bis er ihn besser verbergen könnte, unter einigen Lorbeerbäumen. Dom Sancho war noch nicht lange da, als ein Frauenzimmer auf ihn zukam und ihm sagte: »Kommen Sie! Meine Gebieterin erwartet Sie.« Bei diesem Namen vermutete Dom Sancho, dass er in dem Haus seiner Geliebten wäre, und dass der alte Edelmann niemand anders als Dom Manuel sein konnte. Er argwöhnte, dass Dorothea an ebendiesem Ort seinen Nebenbuhler erwartet hätte und folgte Isabellen mehr aus Eifersucht als aus Furcht vor der Justiz. Unterdessen kam Dom Juan zur bestimmten Zeit auf dem Platze an, öffnete die Gartentüre mit dem Schlüssel, den ihm Isabella gebracht hatte, und versteckte sich unter ebenden Lorbeerbäumen, welche Dom Sancho soeben verlassen hatte. Einen Augenblick darauf sah er einen Menschen gerade auf sich zukommen und setzte sich also in den Stand, sich zu verteidigen, wenn er sollte angegriffen werden; allein er erstaunte als er sah, dass es Dom Manuel war, der ihm sagte, er möge ihm folgen, er wollte ihn an einen Ort bringen, wo er vor aller Verfolgung sicher wäre. Dom Juan schloss aus diesen Worten, dass Dom Manuel einen Menschen in seinen Garten eingelassen hätte, den die Gerechtigkeit verfolgte. Es blieb ihm also nichts weiter übrig als ihm zu folgen. Er dankte für die Gefälligkeit, die er ihm erwies, und man kann leicht vermuten, dass er ebensosehr wegen der Gefahr besorgt war, in der er war, als verdriesslich über die Hindernisse, die sich seinem verliebten Vorhaben entgegenstellten. Dom Manuel führte ihn in sein Zimmer und liess ihn da, um in einem andern ein Bett für ihn zurechtmachen zu lassen. Wir wollen ihn in seiner Angst lassen und zu seinem Bruder Dom Sancho de Sylva zurückkehren. Isabella führte ihn in ein unteres Zimmer, das auf den Garten stiess, wo Dorothea und Feliciana den Dom Juan de Peraldo erwarteten, die eine mit dem Verlangen, ihm zu gefallen, die andere, um ihm zu sagen, dass sie ihn nicht lieben könnte und dass er besser täte, wenn er sich an ihre Schwester hielte. Dom Sancho trat also hinein zu den beiden schönen Schwestern, welche über seine Erscheinung nicht wenig erstaunten. Dorothea wurde ohnmächtig, und wenn ihre Schwester sie nicht aufgefangen und auf einen Stuhl gebracht hätte, so wäre sie gerade hingefallen. Dom Sancho blieb versteinert; Isabella war halbtot vor Schrecken und glaubte, der verstorbene Dom Sancho erschiene ihnen, um das Unrecht zu rächen, das ihm seine Geliebte getan hatte. Feliciana, die über die Wiederauferstehung des Dom Sancho sehr erschrocken war, war jedoch noch mehr um ihre Schwester besorgt, die endlich wieder zu sich kam. Nun nahm Dom Sancho das Wort und sagte: »Ungetreue Dorothea! Wenn die Nachricht von meinem Tode Eure Unbeständigkeit nicht einigermassen entschuldigte, so würde doch die Verzweiflung, die sie mir verursacht, mir nicht mehr Kräfte genug lassen, Euch deswegen Vorwürfe zu machen. Ich wollte alle Menschen glauben lassen, dass ich tot sei, damit mich meine Feinde vergessen möchten, nicht aber Ihr, die Ihr mir verspracht, niemals jemand andern als mich zu lieben, welches Versprechen Ihr so bald vergessen habt! Ich könnte mich rächen und durch mein Geschrei und meine Klagen so viel Lärm machen, dass Euer Vater erwachen sollte und den Geliebten fände, den Ihr in Eurem Hause versteckt habt; allein ich Unbesonnener fürchte noch jetzt, Euch zu missfallen, und bin trauriger darüber, dass ich Euch nicht mehr lieben kann, als darüber, dass Ihr einen andern liebt. Erfreut Euch nun mit Eurem neuen Geliebten und fürchtet keine Hindernisse in Eurer neuen Liebe von mir. Ich werde Euch bald von einem Menschen befreien, der Euch Euer ganzes Leben durch vorwerfen könnte, dass Ihr ihn zu einer Zeit hintergangen habt, wo er sein Leben wagte, um Euch wieder zu sehen.« Nach diesen Worten wollte Dom Sancho fortgehen; allein Dorothea hielt ihn zurück und suchte sich zu verteidigen, als Isabella ganz erschrocken kam und sagte, dass Dom Manuel ihr auf dem Fusse nachfolgte. Dom Sancho hatte kaum so viel Zeit, sich hinter die Türe zu stellen. Der Alte zankte mit seinen Töchtern, dass sie noch nicht zu Bett wären, und während er den Rücken gegen die Tür kehrte, schlich sich Dom Sancho hinaus in den Garten, verbarg sich in den Lorbeerbäumen und bereitete sich auf alles vor, was ihm begegnen könnte und erwartete eine bequeme Gelegenheit, fortzukommen. Dom Manuel war in das Zimmer seiner Töchter gekommen, um Licht zu holen, und hernach seine Gartentüre den Gerichtsdienern zu öffnen, die draussen pochten, weil man ihnen gesagt hatte, dass er einen von den Leuten, die sich in der Strasse geschlagen, in sein Haus aufgenommen hätte. Dom Manuel liess sie in seinem ganzen Hause suchen, weil er wohl wusste, dass sie sein Zimmer nicht öffnen würden und gewiss glaubte, dass derjenige, den sie suchten, darin eingeschlossen wäre. Da nun Dom Sancho sah, dass er von der grossen Menge Gerichtsdiener, die im Garten waren, gewiss entdeckt werden würde, so kam er unter den Lorbeerbäumen hervor, näherte sich dem Dom Manuel, der sehr erstaunte, ihn zu sehen, und sagte ihm ins Ohr: »Ein rechtschaffener Kavalier hält Wort und verlässt nicht einen Menschen, den er in Schutz genommen hat.« Dom Manuel bat den Gerichtsdiener, den er kannte, ihm den Dom Sancho in seiner Verwahrung zu lassen, und dies wurde ihm wegen seines Standes, und weil der Verwundete nicht tödlich verwundet war, sogleich gestattet. Die Gerichtsdiener gingen nun fort, und als Dom Manuel nun an den Reden, die er mit dem Fremden gehalten hatte, und die dieser ihm wieder sagte, erkannte, dass er eben derselbe sei, den er in seinen Garten eingelassen hatte, so zweifelte er nicht mehr, dass der andere ein Liebhaber sei, den seine Töchter in sein Haus aufgenommen hätten. Um sich davon zu überzeugen, liess er Dom Sancho in ein Zimmer gehen, und bat ihn, daselbst zu bleiben, bis er ihn wieder rufen würde. Er ging in das, worin er den Dom Juan gelassen hatte, und gab vor, sein Bedienter wäre zugleich mit den Gerichtsdienern ins Haus gekommen und verlangte ihn zu sprechen. Dom Juan wusste wohl, dass sein Bedienter sehr krank und nicht imstande war, ihm nachzufolgen, ausserdem er es auch ohne seinen Befehl nicht getan haben würde. Er erschrak also über das, was ihm Dom Manuel sagte, und antwortete von ungefähr, sein Bedienter solle ihn nur in seiner Wohnung erwarten. Nun erkannte ihn Dom Manuel als den peruanischen Edelmann, der so vielen Aufwand in Sevilla machte, und da er von seinem Stand und Vermögen gut unterrichtet war, so beschloss er, ihn nicht eher aus dem Hause zu lassen, bis er diejenige von seinen Töchtern, mit welcher er nur den geringsten Umgang gehabt, geheiratet hätte. Er unterhielt sich noch eine Weile mit ihm, um sich verschiedene Zweifel zu erklären, die ihn noch beunruhigten. Isabella ging zufällig an der Türe vorbei, und da sie die beiden miteinander reden sah, so ging sie, ihre Gebieterin davon zu benachrichtigen. Dom Manuel erblickte Isabella und glaubte, sie hätte dem Dom Juan eine Botschaft von seiner Tochter zu überbringen. Er verliess ihn also und lief ihr nach in dem Augenblick, als das Licht, das in dem Zimmer stand, ausbrannte und verlöschte. Unterdessen der Alte Isabella suchte und sie nicht finden konnte, brachte sie Dorotheen und Felicianen die Nachricht, dass Dom Sancho in ihres Vaters Zimmer wäre und dass sie beide zusammen reden gesehen hätte. Die beiden Schwestern liefen auf ihr Wort dahin, denn Dorothea fürchtete sich nicht, den Dom Sancho bei ihrem Vater anzutreffen, weil sie entschlossen war, ihm zu gestehen, dass sie ihn liebte und von ihm wieder geliebt würde, und ihm auch die Ursache zu sagen, warum sie den Dom Juan zu sich beschieden hätte. Sie ging also in das dunkle Zimmer und traf Dom Juan unter der Türe an, sie hielt ihn für Dom Sancho, fasste ihn beim Arm und sagte ihm: »Warum fliehst du mich, grausamer Dom Sancho, und warum wolltest du meine Verteidigung auf die ungerechten Vorwürfe, die du mir machtest, nicht anhören? Du hättest zwar das grösste Recht, mir Vorwürfe zu machen, wenn ich wirklich so schuldig wäre als ich es zu sein scheine, allein du weisst doch wohl, dass es falsche Dinge gibt, die öfters mehr Wahrscheinlichkeit haben als die Wahrheit selbst, welche sich aber doch am Ende immer zeigt. Gib mir also Zeit, dich zu überzeugen, indem ich dir die Verwirrung erkläre, worin dein Unglück, das meinige und vielleicht dasjenige verschiedener anderer uns gestürzt hat. Hilf mir, mich rechtfertigen, und handle nicht ungerecht, indem du mich durch ein übereiltes Urteil verdammst, ehe du mich überführt hast. Du kannst wohl gehört haben, dass mich jemand liebt, allein woher weisst du, dass ich ihn wieder liebe? Du kannst ihn auch hier angetroffen haben, denn es ist wahr, dass ich ihn hieher beschieden habe, allein wenn du erst erfahren wirst, warum ich ihn habe kommen lassen, so bin ich überzeugt, dass du es sehr bereuen wirst, mich zu einer Zeit beleidigt zu haben, da ich dir die grösste Probe meiner Treue geben wollte, die ich nur geben kann. O! wäre derjenige, dessen Liebe mir so lästig ist, hier gegenwärtig, du würdest aus dem, was ich ihm sagen wollte erkennen, ob ich ihm jemals etwas von Liebe gestanden oder ob ich jemals die Briefe gelesen habe, die er mir geschrieben hat. Allerdings: mein Unglück, das ihn immer zu mir führte, wenn ich ihn nicht gerne sah, hält ihn jetzt, da er mir nützen könnte, von mir fern.« Dom Juan hatte die Geduld, Dorotheen reden zu lassen, ohne sie zu unterbrechen, um noch mehr von ihr zu erfahren als sie ihm bereits gesagt hatte. Endlich hätte er wohl noch mit ihr gezankt, als Dom Sancho, der durch alle Zimmer durch den Weg nach dem Garten suchte und Dom Juan sprechen hörte, sich ihnen so leise als möglich näherte, die ihn jedoch kommen hörten. In ebendiesem Augenblick trat Dom Manuel mit zwei Bedienten, welche Lichter vor ihm hertrugen, ins Zimmer. Die beiden Brüder und Nebenbuhler erblickten sich, und man sah, wie sie einander stolz und die Hand auf das Degengefäss gelegt massen. Dom Manuel trat zwischen sie und befahl seiner Tochter, einen davon zum Gemahl zu wählen, damit er sich hernach mit dem andern schlagen könnte. Dom Juan nahm das Wort und sagte, dass er dem Edelmann, den er vor sich sähe, alle seine Ansprüche abtreten wollte. Dom Sancho sagte das selbe und setzte hinzu, dass weil Dom Juan von Dom Manuels Tochter selbst hierher beschieden wäre, so schien es als wenn sie ihn liebte, und wieder von ihm geliebt würde, und dass er lieber sterben als sich mit Unrecht verheiraten wollte. Dorothea warf sich ihrem Vater zu Füssen und bat ihn, sie anzuhören, Sie erzählte ihm alles, was zwischen ihr und Dom Sancho vorgefallen war, ehe er den Dom Diego aus Liebe zu ihr getötet hätte. Ferner erzählte sie ihm, dass Dom Juan von Peraldo sich in sie verliebt hätte, und ihren Vorsatz, ihm dieses aus dem Sinn zu reden und ihm vorzuschlagen, dass er um ihre Schwester anhalten möchte, und schloss damit, dass, wenn sie Dom Sancho nicht von ihrer Unschuld überzeugen könnte, so wollte sie gleich den folgenden Tag sich auf immer in ein Kloster begeben. Nun erkannten sich die beiden Brüder. Dom Sancho küsste Dorothee und verlangte sie von Dom Manuel zur Ehe. Dom Juan hielt um Felicianen an, und Dom Manuel nahm beide Schwiegersöhne mit dem grössten Vergnügen an. Sobald der Tag anbrach, schickte Dom Sancho nach dem Marquis Fabio, welcher kam und Teil an der Freude seines Freundes nahm. Man hielt die Sache solange geheim, bis Dom Manuel und der Marquis einen Vetter und Erben des Dom Diego besänftigt und mit Dom Sancho wieder versöhnt hatten. Während dieser Unterhandlung verliebte sich der Marquis Fabio in die Schwester dieses Edelmannes und verlangte sie zur Ehe. Der nahm ein für seine Schwester so vorteilhaftes Anerbieten mit Vergnügen an und billigte von dem Augenblick an alles, was man für Dom Sancho von ihm verlangte. Die drei Heiraten wurden an einem Tage gehalten und so ging alles sehr glücklich von statten.

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