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Der Komoediantenroman

Paul Scarron: Der Komoediantenroman - Kapitel 40
Quellenangabe
pfad/scarron/komoedia/komoedia.xml
typefiction
authorPaul Scarron
titleDer Komoediantenroman
publisherGeorg Mueller
year1908
translatorFranz Blei
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Sechzehntes Kapitel. Ragotins Unglück

Die beiden Schauspieler, die mit Ragotin nach Mans zurückgehen wollten, wurden von dem kleinen Mann vom geraden Weg ab nach einem kleinen Landhaus geführt, wo er sie bewirten wollte, und das der Kleinheit seines Herrn angemessen war. Obgleich ein treuer und genauer Geschichtsschreiber alle einzelnen Vorfälle nebst den Örtern, wo sie sich zugetragen haben, beschreiben muss, so werde ich für diesmal doch nicht genau anzeigen, auf welcher Seite Ragotins Häuschen lag, wohin er seine künftigen Kameraden führen wollte; denn bis jetzt war er noch nicht in den Orden der herumziehenden Komödien aufgenommen worden. Ich sage also bloss soviel, dass dies Häuschen diesseits der Gange und nicht weit von Sille le Guillaume lag. Als er dort ankam, fand er das Haus mit einer Kompagnie Zigeuner angefüllt, die zu grossem Verdruss seines Pächters sich dort unter dem Vorwand aufgehalten hatten, die Frau ihres Hauptmannes wolle niederkommen; eigentlich aber geschah es deswegen, damit sie das Geflügel von einem nahen Meierhof, der von der Landstrasse ablag, desto leichter erobern konnten. Ragotin war anfangs sehr hitzig und bös, drohte auch den Zigeunern mit dem Profoss von Mans, für dessen Verwandten er sich ausgab, weil er eine Portail geheiratet hätte, und nun fing er eine lange Rede an, in welcher er zeigen wollte, wie die Portails mit den Ragotins verwandt wären; jedoch mässigte diese lange Rede seine Hitze gar nicht und er fluchte immer dazwischen hinein; ferner bedrohte er sie mit dem Unterprofoss la Rappinière, allein der Zigeunerhauptmann wollte ihn durch Höflichkeit ganz zu Tode ärgern, lobte sein gutes Aussehen, und dass er etwas Vornehmes in seinem Wesen hätte, und bezeigte seine Reue darüber, dass er aus Unachtsamkeit in seinem Schloss eingekehrt wäre: so nannte er das Häuschen, welches bloss mit wilden Hecken umgeben war. Er setzte noch hinzu, dass die Dame bald würde entbunden werden, und dass alsdann sein kleiner Haufen fortziehen würde und er seinem Pächter alles, was sie und ihre Pferde verzehrt hätten, bezahlen wollte. Ragotin war ganz toll, dass er mit einem Menschen nicht zanken konnte, der ihn ins Gesicht hinein auslachte und immer Komplimente schnitt, aber schliesslich hätte das Phlegma des Hauptmanns doch noch Ragotins Galle erregt, wenn nicht la Rancune den Bruder des Hauptmanns als einen ehemaligen Kameraden erkannt hätte; und diese Bekanntschaft war Ragotins Glück, denn sonst hätte er sich durch sein Schimpfen und Schelten eine schlimme Sache zuziehen können. La Rancune bat ihn also ruhig zu sein, was er gerne schon längst getan haben würde, wenn es sein törichter Stolz erlaubt hätte. Zu ebender Zeit kam die Zigeunerin mit einem Knaben nieder; die kleine Truppe hatte grosse Freude hierüber, und der Hauptmann bat den Ragotin und die Komödianten zu Tisch, die schon einige Hühner hatten schlachten lassen. Man setzte sich. Die Zigeuner hatten Rebhühner, Hasen, zwei welsche Hühner und ebenso viele Spanferkel, die sie gestohlen hatten. Sie hatten ferner einen Schinken und zwei geräucherte Zungen; alldem wurde noch eine Hasenpastete beigefügt, von deren Überbleibseln sich noch die jungen Zigeunerchen sättigten, die bei Tisch aufwarteten. Ferner kamen noch die sechs frikassierten Hühner des Ragotin hinzu, und man wird nun gestehen müssen, dass das Traktament eben nicht schlecht war. Die Gäste waren, ohne die Komödianten, neun Mann stark, alle sehr gute Tänzer und noch bessere Schelme. Man fing mit der Gesundheit des Königs und der Prinzen an, und trank überhaupt auf das Wohl aller guten Herren, welche den Zigeunern den Einzug in ihre Dörfer erlauben. Der Hauptmann bat die Komödianten auf die Gesundheit des verstorbenen Karl Dodo, des Onkels seiner Frau, zu trinken, der während der Belagerung von la Rochelle durch Verräterei des Hauptmanns la Grave war gehangen worden. Man fluchte auf diesen untreuen Hauptmann und verwünschte alle Häscher; dabei vergass man Ragotins Wein nicht und der hatte eine so gute Wirkung, dass alle betrunken wurden. Und jeder Gast, selbst der menschenfeindliche Rancune nicht ausgenommen, fing an, seinem Nachbarn die Versicherung seiner ewigen Freundschaft zu geben; dabei küsste man sich und heulte vor lauter überfliessender Zärtlichkeit. Ragotin spielte seine Rolle als Hausherr sehr gut und trank wie ein Schwamm. Da sie nun die ganze Nacht durchgezecht hatten, schien es als wenn sie mit Aufgang der Sonne zu Bett gehen würden, allein eben dieser Wein, welcher so verträgliche Saufbrüder aus ihnen gemacht hatte, flösste ihnen gleichsam auf einmal die Lust der Trennung ein. Die Karawane packte zusammen, vergass jedoch nicht einiges Gerät von Ragotins Pächter miteinzupacken. Unser Herr Ragotin stieg auf sein Maultier und so aufgebracht er vor Tisch gewesen war, so ruhig und ernsthaft machte er sich nun auf den Weg nach Mans, ohne sich darum zu bekümmern, ob ihm Rancune und Olive folgten; seine ganze Aufmerksamkeit ging vielmehr dahin, eine leere Pfeife auszurauchen, die schon vor einer Stunde war ausgeraucht worden. Er hatte kaum eine halbe Stunde zurückgelegt und rauchte noch immer an der Pfeife, die gar keinen Rauch von sich geben wollte, als ihm auf einmal der Dampf des Weins in den Kopf stieg. Er fiel von seinem Maultier herunter, das so klug war nach der nächsten Wiese, wo es herkam, zurückzutrotten. Ragotin selber aber schlief, nachdem sich sein Magen seiner Schuldigkeit gemäss einigemal erleichtert hatte, nun ganz sanft mitten auf der Landstrasse ein. Er schlief noch nicht lange und schnarchte wie eine Orgelpfeife, als ein ganz nackter Mensch, der aber über und über voll Kot und Schmutz war, sich ihm näherte und anfing, ihn auszukleiden. Dieser wilde Mensch strengte alle Kräfte an, um dem Ragotin die neuen Stiefel auszuziehen, die sich Rancune in der Schenke angeeignet hatte; und wäre Ragotin nicht ganz tot besoffen gewesen, so müsste ihn dies Zerren gewiss aufgeweckt und er würde geglaubt haben, man wollte ihn mit vier Pferden zerreissen lassen, so aber tat dies keine andere Wirkung, als dass er sechs oder acht Schritt weit mit dem Hintern auf den Steinen herumgeschleift wurde. Endlich fiel ein Messer aus der Tasche unseres schönen Schläfers; der wilde Mensch nahm es und gerade als wenn er den Ragotin hätte schinden wollen, schnitt er ihm sein Hemd, seine Stiefel, und alles was nicht gleich gutwillig abgehen wollte, vom Leib herunter, machte ein Paket daraus und lief damit so geschwind er konnte wieder fort. Wir wollen diesen Mann mit seiner Beute laufen lassen, der ebenderselbe Narr war, der damals dem Destin so viele Furcht einjagte, als er auf die Eroberung der Mademoiselle Angelique ausgeritten war, und bei unserm Herrn Ragotin bleiben, der noch nicht erwachte, aber das Aufwachen doch sehr nötig hatte. Sein nackter Körper lag in der Sonne und war sehr bald von Fliegen bedeckt und gestochen. Dennoch wachte er nicht auf. Aber bald nachher wurde er es durch einen Haufen Bauern, die einen Karren mit sich führten. Ragotins nackter Körper fiel ihnen kaum in die Augen, als sie riefen: Da ist er! Sie näherten sich ihm hierauf so leise wie möglich, gleich als wenn sie sich fürchteten ihn aufzuwecken; ergriffen ihn bei den Füssen und Händen, banden ihn mit starken Stricken zusammen und trugen ihn so gebunden auf ihren Karren, mit dem sie nun ebenso eilfertig fortjagten wie ein Liebhaber, der ein Frauenzimmer wider deren Willen entführt. Ragotin war noch immer so besoffen, dass alle Gewalt, die man ihm antat, ihn ebensowenig erwecken konnte als die unsanften Stösse des Karrens, den die Bauern so geschwind und so eilfertig forttrieben, dass er in einem Loch, das voller Wasser und Kot war, umschmiss, und Ragotin also herausfiel. Die Kühle des Orts, in den er gefallen und dessen Grund voller Steine war, sowie auch der heftige Fall aus dem Karren erweckten ihn endlich und er staunte nicht wenig sich in dem Zustand zu sehen. Er fühlte sich an Händen und Füssen gebunden, lag mitten im Kot, der Kopf war ihm von dem Rausch und dem Fall ganz wüst, und er wusste nicht, was er davon denken sollte, als er drei Bauern sah, die ihn aufheben wollten und drei andere, die einen Karren wieder in die Höhe hoben. Er erschrak selbst so sehr über diesen Zufall, dass er trotz der so schönen Gelegenheit, viel zu reden, nicht ein Wort hervorbringen konnte, ob er doch gleich ein grosser Redner von Natur war; aber wenn er es auch schon gewollt hätte, so hätte er es einen Augenblick darauf doch nicht mehr tun können; denn nachdem die Bauern einen geheimen Rat untereinander gehalten hatten, lösten sie ihm bloss seine Füsse los, und statt ihm die Ursache davon zu sagen oder sich zu entschuldigen, drehten sie, ohne ein Wort zu reden, den Karren wieder nach dem Ort zu, wo sie herkamen, und kehrten so eilig zurück wie sie gekommen waren. Der geneigte Leser wird schwerlich erraten können, was die Bauern mit Ragotin anfangen wollten und warum sie ihm nichts taten. Die Sache ist auch wirklich schwer zu erraten und kann ohne besondere Offenbarung nicht begriffen werden. Ich selbst, so sehr ich mich auch darum bemühte und alle meine Freunde darum befragte, habe es erst vor kurzem durch ein Ungefähr und als ich es am wenigsten vermutete, erfahren, und zwar auf nachfolgende Art. Ein Priester aus Unter-Maine, der etwas melancholisch war, und den ein Prozess nach Paris zu kommen genötigt hatte, wollte unter der Zeit, dass sein Prozess untersucht wurde, einige Träume, die er über die Offenbarung gehabt hatte, drucken lassen. Er war so fruchtbar an Schimären und so verliebt in seine letzten Geistesprodukte, dass er die alten darüber vergass, und seinen Buchdrucker bald toll machte, der einen Bogen wohl zwanzigmal umsetzen musste. Er war daher genötigt, öfters einen andern Drucker aufzusuchen, und kam endlich auch zu dem, der gegenwärtiges Buch druckt, und der las ihm einige Seiten dieser Begebenheit, die ich eben jetzt erzähle, vor. Dieser gute Pfarrer wusste die Geschichte besser als ich, denn er hatte von den Bauern selbst, die den Ragotin entführt hatten, den Beweggrund ihres Unternehmens erfahren. Er sah also gleich ein, dass hier in der Geschichte eine Lücke wäre, und sagte dies meinem Buchdrucker, der sich darüber sehr wunderte, denn er hatte bisher geglaubt, dass ich die ganze Geschichte nur erdacht hätte. Auf Bitten des Buchdruckers besuchte mich dieser Priester. Ich erfuhr nun aus seinem Mund, dass die Bauern, die den schlafenden Ragotin gebunden hatten, die nächsten Verwandten des tollen Bettlers gewesen, der im Feld wild herumlief, den Destin bei Nacht angetroffen und den Ragotin am hellen Tage ausgezogen hatte. Sie waren willens, ihn einzusperren, hatten es auch oft versucht und waren oft von dem Tollen derb ausgeprügelt worden, denn er war ein sehr starker Mensch. Einige Leute aus dem Dorfe hatten von weitem den Körper des Ragotin in der Sonne liegen sehen, hielten ihn für den eingeschlafenen Narren, und weil sie sich nicht selbst an ihn herantrauten, so hatten sie es diesen Bauern gemeldet. Diese kamen nun mit der vorhin erzählten Vorsicht herbei, nahmen Ragotin ohne ihn zu erkennen, und als sie endlich erkannten, dass er der nicht wäre, den sie suchten, verliessen sie ihn mit gebundenen Händen, damit er nichts gegen sie unternehmen könnte. Diese Nachrichten, die mir der Priester gab, machten mir viel Freude, und er leistete mir wirklich einen grossen Dienst damit; allein ich leistete ihm noch einen grössern, indem ich ihm riet, sein Buch voll närrischer Visionen nicht drucken zu lassen. Wir wollen aber nun zu unserm Ragotin zurückkehren, den wir mit beschmutztem Leib, trocknem Mund, schwerem Kopf und auf den Rücken gebundenen Händen verlassen haben. Er stand auf, so gut er konnte, und da er sich aller Orten umgesehen hatte, ohne weder Häuser noch Menschen zu erblicken, so ging er dem ersten besten Weg nach und spannte sein Gehirn auf die Folter, um sich diese Begebenheit zu erklären. Da seine Hände gebunden waren, so musste er viel Ungemach von einigen hartnäckigen Fliegen ausstehen, die sich an die Teile setzten, wo seine Hände nicht hinkonnten, und ihn daher manchmal nötigten, sich auf die Erde zu legen, um sie zu zerdrücken oder sie zu verjagen. Endlich kam er in einen Hohlweg, der mit Hecken umgeben und voller Wasser war, und dieser Weg führte auf den Steg über einen kleinen Fluss. Sehr erfreut fing er an, sich den ganzen Körper abzuwaschen, der voller Kot war, aber als er wieder an den Steg kam, erblickte er eine umgeworfene Kutsche, aus welcher der Kutscher und ein Bauer auf das Zureden eines sehr ehrwürdigen Dieners der Kirche fünf bis sechs ganz durchnässte Nonnen herauszogen. Es war die alte Äbtissin von Etival, welche von Mans kam, und die hier durch die Unachtsamkeit ihres Kutschers Schiffbruch gelitten hatte. Die Äbtissin und die Nonnen erblickten von weitem den nackten Ragotin, der gerade auf sie zu kam und nahmen ein grosses Ärgernis daran, noch mehr aber als sie nahm dies Ärgernis der Pater Giflot, der verschwiegene Beichtvater der Abtei. Er liess die Damen sich gleich umdrehen, damit sie sich nicht versehen möchten und schrie aus allen Kräften dem Ragotin zu, dass er nicht näher kommen sollte. Ragotin aber ging immer weiter und betrat eben eine lange Diele, die da zur Bequemlichkeit der Fussgänger hingelegt war, als ihm Pater Giflot mit dem Kutscher und dem Bauern entgegenkam, unentschlossen ob er ihn nicht beschwören sollte, so teuflisch kam ihm die ganze Figur vor. Er fragte ihn, wer er wäre und warum er die Hände gebunden hätte; alle diese Fragen tat er mit vieler Beredsamkeit und begleitete seine Worte mit dem lebhaften Ausdruck seiner Hände. Ragotin antwortete ihm ziemlich unhöflich was es ihn anginge? Und da er auf der Diele weiter vorgehen wollte, so gab er dem Pater Giflot einen so unsanften Stoss, dass er ins Wasser fiel. Der gute Pater nahm den Bauern und den Kutscher in seinem Fall mit und Ragotin fand ihre Art zu fallen so belustigend, dass er laut anfing zu lachen. Er setzte nun seinen Weg gegen die Nonnen zu fort, die mit heruntergelassenem Schleier ihm in einer Reihe den Rücken zukehrten. Ragotin bekümmerte sich wenig um die Gesichter der Nonnen, ging weiter und dachte nun so durchzukommen; aber Pater Giflot dachte ganz anders. Er, der Bauer und der Kutscher setzten dem Ragotin nach, und der Kutscher, der am zornigsten unter ihnen und ohnehin schon übler Laune war, weil die Frau Äbtissin mit ihm gezankt hatte, lief voran, holte Ragotin ein und rächte sich durch einige starke Peitschenhiebe auf die Haut eines andern für das Wasser, das die seinige nass gemacht hatte. Ragotin wartete die folgenden Hiebe nicht ab und lief davon wie ein geprügelter Hund; der Kutscher aber, mit einem Hieb nicht zufrieden, versetzte ihm noch einige mehr, die ihm alle die Haut zerfetzten. Giflot, ob er gleich vom Laufen ganz ausser Atem war, hörte nicht auf, aus vollem Halse zu schreien: Schlag zu! Schlag zu! Der Kutscher verdoppelte jedesmal seine Hiebe auf Ragotin und fand nun ein Vergnügen daran, als sich endlich dem armen Menschen eine Mühle als eine Freistatt anbot. Er lief, immer von seinem Feind verfolgt, darauf zu, und da er die Türe des Hofs offen fand, stürzte er hinein, und wurde von einem Spitzhund empfangen, der ihn bei den Hinterbacken fasste. Er schrie laut vor Schmerz und lief auf einen offenen Garten so eilig zu, dass er fünf bis sechs Bienenkörbe umschmiss, die am Eingang standen, und dies war nun der höchste Grad seines Unglücks. Die kleinen stachlichten Tiere fielen über den kleinen nackten Körper her, der sich mit seinen Händen nicht verteidigen konnte, und verwundeten ihn auf das grausamste. Er schrie so sehr, dass der Hund, der ihn angefasst hatte, aus Furcht fortlief, oder vielleicht aus Furcht vor den Bienen. Der unbarmherzige Kutscher tat eben das, was der Hund tat, und Pater Giflot, der es nun bereute, seine Rache so weit getrieben zu haben, lief selbst hin zu dem Müller und seinen Leuten, die nach seiner Meinung zu langsam einem Menschen zu Hilfe kamen, der in ihrem Garten ermordet würde. Der Müller erlöste Ragotin von den Stichen der Bienen, und obgleich er über das Umschmeissen seiner Stöcke aufgebracht war, so hatte er dennoch Mitleid mit ihm. Er fragte ihn nur, warum er sich nackt und mit gebundenen Händen unter Bienenstöcke gewagt hätte? Allein wenn auch Ragotin ihm darauf hätte antworten wollen, so hätte er es vor grossem Schmerz doch nicht vermocht. Ein neugeborner ungeleckter Bär ist in seiner bärichten Gestalt gewiss schöner und proportionierter als Ragotin es jetzt in seiner menschlichen Gestalt war, nachdem die Stiche der Bienen ihm vom Kopf bis auf die Füsse Beulen gemacht hatten. Die Frau des Müllers, mitleidig wie alle Weiber, liess ihm ein Bett zurecht machen und ihn hinein legen. Pater Giflot, der Kutscher und der Bauer kehrten zu der Äbtissin und den Nonnen zurück, die sich wieder in ihren Wagen einpackten und von dem ehrwürdigen Pater Giflot begleitet, der auf einer Stute neben herritt, ihren Weg fortsetzten. Es fand sich nun, dass die Mühle einem gewissen Rignon oder seinem Schwiegersohn Bagottiere gehörte. Ich weiss aber nicht mehr gewiss welchem. Dieser Rignon war Ragotins Verwandter, der, nachdem er sich dem Müller und seiner Frau zu erkennen gegeben hatte, mit vieler Sorgfalt von ihnen gewartet und glücklicherweise von einem Barbier des nächsten Dorfes gänzlich kuriert wurde. Sobald er wieder gehen konnte, kehrte er nach Mans zurück, wo die Freude über die Nachricht, dass Rancune und Olive sein Maultier aufgehalten und mit zurückgebracht hätten, ihn den Fall vom Karren, die Hiebe des Kutschers, den Biss des Hundes und die Stiche der Bienen vergessen machte.

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