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Der Komoediantenroman

Paul Scarron: Der Komoediantenroman - Kapitel 21
Quellenangabe
pfad/scarron/komoedia/komoedia.xml
typefiction
authorPaul Scarron
titleDer Komoediantenroman
publisherGeorg Mueller
year1908
translatorFranz Blei
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20120410
projectide6ec1aa1
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Zwanzigstes Kapitel. Das kürzeste des gegenwärtigen Buches. Fortsetzung von Ragotins Ritt, und etwas ähnliches, so Roquebrune begegnete

Wir haben Ragotin auf dem Sattelknopf sitzend verlassen, in einer sehr kritischen Lage, indem er nicht wusste, was noch aus ihm werden würde. Ich glaube auch nicht, dass Phaeton unglücklichen Andenkens mit den vier wilden Pferden seines Vaters in grösserer Verlegenheit war als jetzt unser kleiner Advokat auf einem Pferd, das so zahm war wie ein Lamm; und wenn er nicht jenem Verwegenen gleich das Leben einbüsste, so ist allein das Glück daran schuld, über dessen Launen ich mich sehr weitläufig auslassen könnte, wenn ich nicht in meinem Gewissen so verbunden mich fühlte, ihn geschwind aus der Gefahr zu retten, in der er war; ausserdem werden wir noch genug davon hören, während unsere Truppe sich zu Mans aufhält. Sobald der arme Ragotin bloss einen Sattelknopf zwischen jenen beiden fleischigen Teilen seines Körpers fühlte, auf welche sich jedes vernünftige Tier zu setzen pflegt, oder besser zu sagen: sobald er merkte, dass er nur noch auf einem kleinsten Fleck sass, verliess er als kluger Mann die Zügel und hielt sich an der Mähne des Pferdes fest, das nun zu laufen anfing. Der Karabiner ging los, Ragotin glaubte, der Schuss hätte ihn getroffen, das Pferd glaubte dasselbe und stolperte so stark, dass der Reiter im Sattelknopf seinen Sitz verlor und also an der Mähne des Pferdes eine Weile hing, mit einem Fuss durch den Sporn am Sattel festhängend und mit dem andern nebst dem übrigen Körper die Befreiung des haltenden Fusses erwartend, um in Gesellschaft des Karabiners, des Degens und des Achselbands auf die Erde zu fallen. Der Fuss ging endlich los, seine Hände liessen die Mähne fahren und er fiel mit weit mehr Anstand als er aufgestiegen war. Alles das war angesichts der Kutschen geschehen, die angehalten hatten, um ihm zu helfen oder sich darüber zu belustigen. Er fluchte über das Pferd, das nun stille stand, und um ihn zu trösten, nahm man ihn an Stelle des Poeten in den Wagen, welcher Herr froh war, auf das Pferd zu kommen, damit er neben dem Schlag mit Inezilla liebäugeln konnte. Ragotin übergab ihm seinen Degen und sein Schiessgewehr, das der mit martialischer Miene umhing. Er verlängerte die Steigbügel, machte den Zügel zurecht und stellte sich wirklich beim Aufstieg besser an als Ragotin. Allein es ruhte ein unglückseliges Schicksal auf dem Pferde. Der Sattel, der nicht fest angeschnürt war, drehte sich wieder wie bei Ragotin und da ihm zugleich das Hosenbein absprang, so schleifte ihn das Pferd eine Weile fort mit einem Fuss im Steigbügel und dem andern auf der Erde und sein Hinterteil den Augen der Zuschauer preisgegeben, weil ihm die Hosen bis auf die Knie heruntergefallen waren. Niemand hatte über Ragotins Erlebnis gelacht, weil man fürchtete, er möchte sich verletzen. Allein Roquebrunes Unfall wurde von den Kutschen mit lautem Lachen begleitet; die Kutscher hielten ihre Pferde an um recht auslachen zu können und alle Zuschauer schlugen Hohngelächter hinter Roquebrune an, der sich in ein Haus flüchtete und das Pferd laufen liess, das nach der Stadt umkehrte. Ragotin, der befürchtete er müsse es bezahlen, stieg aus dem Wagen, und der Poet, der sein Hinterteil wieder bedeckt hatte, stieg sehr verlegen wieder in die eine Kutsche und behinderte die andern sehr mit Ragotins Waffenrüstung, der nun schon das dritte Unglück vor den Augen seiner Schönen erlitten hatte, mit welchem Malheur wir dies Kapitel schliessen wollen.

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