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Jean Paul Richter: Der Komet - Kapitel 68
Quellenangabe
typefiction
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 6
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleDer Komet
pages565-1036
created19990104
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Den Bildersaal strichen über hundert der feinsten Kenner auf und ab und hatten Brillen auf, ausgenommen die Kennerinnen; und der Mut des Urteils ersparte oft tiefere Einsicht. Kunstrichter in Galerien sind überhaupt in der krönenden Wahl und Ernennung der besten Stücke am schicklichsten römischen Kardinälen gleichzustellen, welche bei der Wahl eines heiligen Vaters sich wahrhaft von dem heiligen Geist getrieben und angeblasen glauben; nur daß die Kardinäle, da sie den heiligen Vater oft aus ihrem eignen Konklave, ja sich selber als einen wählen, nur mehr aus sich machen als die feurigsten Bilderkenner, welche nur einen oder den andern Fremden zum Meister und Polyklet-Kanon kanonisieren. Den auf- und abgehenden Kunstrichterbänken war es – sie vozierten sich bloß durch ein kurzes Stehen vor einem Bilde zum Gerichtstand desselben – ungemein leicht, ja sogar ein Spiel, über Kopien und Originale ordentlich und richterlich zu sprechen und jene zu diesen zu erheben, aus Liebe und Achtung für jede Malerhand, so wie etwa in London das Volk die ausgestopfte Hand, welche der Fürst Blücher, den Zeitungen nach, zur Schonung seiner lebendigen aus dem Wagen hängen ließ, so warm wie seine faßte und preßte. Im ganzen war das Publikum, besonders das, welches in der Nähe des fürstlichen Kreises sich entzückte und aussprach, ungemein mit allem, vornehmlich mit den neuen Ausstellungen beider lukas-städtischen Schulen zufriedengestellt, sogar mit dem Elendesten, was ich an und für sich für den schönen Zug eines Publikums ansehe. Denn dasselbe hat mit den CuretenPausan. IV. 31. gemein, daß diesen nicht, wie andern Göttern, besondere Tiere darzubringen waren, sondern daß ihnen alle Opfer wohlschmeckten, und man gewöhnlich mit Ochsen anfing und mit Vögeln beschloß.

Nur Raphael flocht den Lobwerbern Körbe statt der Lorbeerkränze und ließ höchstens Lorbeerblättchen durch kurzes Stehenbleiben vor einigen Bildern fallen; aber auf dieses Stehen gab der magere, listig-gerunzelte Galerie-Inspektor wie auf eine Ehrengarde eines Kunstwerks acht, und es schien dieses seltene Stehen mit seinem eignen heimlichen Herabsetzen der Masse übereinzustimmen; denn öffentlich belobte er alles stark, was gekauft dastand.

Dem Grafen von Hacencoppen aber wurden nicht über drei Minuten Zeit gelassen, um sich flüchtig als Kunstkenner zu zeigen; denn kaum hatte ihn Raphael erblickt, so flog er ihm zu, von einigen Damen in der Ferne begleitet, welche sich an des Träumers milder Stimme und verklärtem Gesicht gar nicht genugsam laben konnten, und tief: »O Marggraf, Marggraf! Blicket dort die beraubte Amanda an! Steht sie nicht lieblicher in dem Bilde von Wachs vor Euch? – Aber kommt heute im Mondlicht zu mir, da sollt Ihr sie schauen, die himmlische Amanda und Maria und Agnes und den Engel und das Kind.« Der Galerie-Inspektor sagte: »Ich hab' es schon gesagt, daß ich gewiß komme.«

Aber welches andere Gesicht konnte hier der Graf zu solchen durchaus neuen Offenbarungen machen als in jedem Falle das betroffenste oder vierunddreißigste Gesicht, da er sein ursprüngliches 33stes zu den 32 Gesichtern mitgebracht, welche von den beiden Malerschulen an die Wände gehangen worden! Raphael konnte zwar – diese Gedanken durchschossen sein Gehirn und seine Gesichthaut fliegend hintereinander – die Wachsbüste seiner Amanda gesehen und in seinem allen Reizen so nachgiebigen Gehirn abgeformt haben; aber wo und wann mag er dann die fünf Prinzessinnen, besonders Amanda, in ein Gemälde gebracht haben? Etwa in Rom, als sie im Parke als himmlische Wachsköpfchen standen?

Die Verwirrung war im Saale nicht kleiner als in seinem Kopf. Ein Dutzend Anschauer wandten sich von ein paar Dutzend seiner kopierten Gesichter auf sein eignes. – Raphael setzte nichts Geringeres als den Hof in Erstaunen, denn die Keckheit war übermenschlich. – Die fremde Prinzessin oder die romische Venus Urania stand mit dem ersten Kammerherrn und einer Hofdame vor dem Paolo Veronese. – Der Graf von Hacencoppen ging auf das Gemälde los, und der Träumer flog ihm voran.

»Ist dies Euerer himmlischen Amanda ähnlich, Marggraf?« fragte Raphael vor dem Gemälde, ohne Rücksicht auf die fremde Prinzessin ......

– Hier nun ist wirklich der historische Ort, wo ich – obwohl Historiograph des von Hacencoppen und früherer Begleiter und Prophet desselben – doch außer mir geraten möchte und zornig fragen: was in aller Welt fruchten denn einem Helden von bedeutender Geschichte seine Aussichten und Einsichten und seine seltene Überfülle von Phantasie, wenn er fähig ist, sich einzubilden, daß die Figuren in Paolos Vermählung der Katharina die fünf Prinzessinnen im Park vorstellen, indes er doch auf der Leinwand ein Kind und einen Engel vor der Nase hat? – Freilich in etwas spricht für ihn der Sturm der Eile, daß er sich vor der Prinzessin tief verbeugte und sie – statt Raphaels – anredete in feurigem Anblicken: »Wer anders als eine Maria auf dem Throne kann entscheiden, ob die Freundin erreicht worden!« – Ja, man hat bei der Sache sogar noch von Glück zu sagen, daß Nikolaus nicht gar des Ringes, den das Jesus-Kind der Braut Katharina oder Amanda ansteckte, gedachte, noch von dem Kinde auf sich anspielte. – »O dürfte nur die Frage gewagt werden,« – fuhr er, begeistert von dem milden Schweigen der so nahe vor ihm glänzenden Prinzessin, fort – »wo das Original jetzo weilt, das in Rom in der schönsten Beleuchtung vor Ihrer Durchlaucht stand!« Sie senkte sinnend den Blick, weil sie, in der Meinung, er spreche von ihrem vorjährigen Aufenthalte in Rom in Welschland, sich eines Gemäldes von Paolo entsinnen wollte. – Raphael machte sie vollends noch irrer durch die Zwischenrede: das Original weile bei ihm selber im Gasthofe. »O, wie beglückten mich damals die Orangeblüten neben so großen Blüten der Schönheit«, fuhr Nikolaus fort. Die Prinzessin konnte natürlich nicht aus dem Mißverstehen herausgelangen – denn sie mußte da, wo er an seinen alten aufgelesenen Orangenstrauß in Rom dachte, bloß auf die welschen Gärten verfallen und auf die römischen Kunstschönheiten und auf seinen Kunsteifer, der statt der Gemälde die Maler selber in Gold eingefaßt –; sie konnte daher bloß eine an den Kammerherrn gerichtete Antwort geben: »Rom vergißt man wohl nie.« – »Es müßte denn über ein anderes Rom sein,« (versetzte der Kammerherr ironisch, in seiner Erbosung über die anredende Zudringlichkeit eines Grafen mit dem Wahnsinns-Passe) »von woher uns auch manches Außerordentliche kommt«, und er verstand darunter wieder das Hohengeiser Rom, so wie Nikolaus das welsche.

Erbärmlich aber ists freilich, und zwar sehr, wie oft die Menschen einander nur halb vernehmen und ganz mißverstehen, was ich nicht erst hier auf dem biographischen Papier, sondern häufig am Teetische erlebte, wenn ich Gedanken, die ich nach dem Aussprechen und Gebären mißgestaltet fand, vor den Zuhörern zurücknahm und ihnen verbessert wiedergab: da hatte gar kein Mensch den mißgeschaffnen Gedanken wahrgenommen als ich. –

Der Graf bekam Mut nach Mut durch solchen Einklang von allen vornehmen Seiten, und hinter dem Frührot der Freude, das lange auf seinem Gesichte gestanden, ging am Ende seine ganze Sonne der Liebe hell auf, vor einer so schönen und nahen Freundin der verklärten fernen Freundin, und er sagte laut zu ihr. »O daß ich sie seit dem Abende in Rom nie vergessen, Ihre Durchlaucht – daß ich sie suche – und meine Reise nichts hat als nur diesen Zweck und einen ähnlichen des Herzens – soll dies noch ein ewiges Geheimnis bleiben? – Gewiß nein, göttliche Amanda!«

Hätte doch Hacencoppen diese Anrede, statt sie mündlich zu halten, lieber auf Papier überreicht und folglich sie mit einem kleinen S hingesetzt: so würde die Prinzessin sich kein großes weisgemacht und sein ganzes Hohelied nicht auf sich bezogen haben. – Aber wir armen Deutschen müssen nun, solange die deutsche Zunge dauert, den Jammer einer vierfachen Vielzüngigkeit in uns schlucken, wenn wir sagen: erstlich »sie hat«, zweitens »Sie hat«, drittens »sie haben«, viertens »Sie haben«.

Da Prinzessinnen überhaupt bei ihrem Mangel an übenden Überraschungen ebensoleicht (wenn nicht leichter) verlegen werden als verlegen machen: so wußte die gute fremde Lukas-Städter, die sich schon lange aus Hacencoppens Entzücken nichts Vernünftiges nehmen konnte als eine tolle Liebeserklärung, nicht anders darauf zu antworten als wie auf eine vernünftige, nämlich durch Übersehen und Über sehen, und Überhören und Über hören; zumal da man schon bei einer bürgerlichen Jungfrau fodert, daß sie ihren Liebhaber nicht namentlich ausspreche, so wie in JapanLangsdorfs Reise um die Welt. B. 1. der Name des regierenden Kaisers bei Strafe als ein Geheimnis verschwiegen bleiben muß.

Das Erröten der Prinzessin Maria über den gut stilisierten Wahnsinn sah der Graf für ein so erwünschtes Rot der Freude und der Wärme an, daß er eben seine Anstalten machte – noch erschrickt der Schreiber dies in seiner Ruhe darüber –, die Fürstin auf seine dahängende Gesichterausstellung zu lenken und ihr Wünsche irgendeines Gebrauchs davon für seine Geliebte von weitem anzudeuten: als zum Glück der Reisemarschall ihn antraf und benachrichtigte: er habe ihm im Hôtel etwas Wichtiges vom Fürsten zu überbringen. Zu gleicher Zeit langte ein adeliger Gesandtschaftrat mit Eilpost an, um dem Kammerherrn zu melden, daß seine Durchlaucht wünschten, die Hofdame würde ersucht, Ihre Durchlaucht die Prinzessin zu befragen, ob es Ihr jetzo gefällig, daß der durchlauchtige Fürst Sie zur Mittagtafel begleite. –

– Und darauf begab sich denn die reizende Gestalt hinweg, aber mit einem ganz freundlichen Scheidegesicht, das vielleicht es desto mehr wurde, weil sie eilig und geheißen davonmußte. Kunstverständige erklären sich das Gesicht im ganzen leicht und sagen: einer Prinzessin gefällt, nach dem ohnehin auf Thronen seltnen Wahnsinn in der Liebe, doch immer ein wenig bloße Liebe im Wahnsinn.

Aber wir haben uns vor allem zu den richtigern, mehr kriegerischen Bewegungen auf dem Throne zu wenden. Der regierende, etwas ältliche Herr war über Hacencoppens von weitem herleuchtendes Liebefeuer gewissermaßen wie außer sich. Offnes Feuer des Hasses, geschweige der Liebe, leiden Höfe nicht; dergleichen ist ein brennendes Licht in einer öffentlichen Bibliothek oder ein eisenbeschlagner Stiefel in einer Pulvermühle. Was konnten dem ältlichen Herrn bei einem solchen Rechenverstoß Hacencoppens gegen Hofanstand die Goldstücke, womit er die einfältigen Preisstücke der luxstädtischen Maler wie elende Votiv- und Heiligenbilder behangen, Besseres sein als Rechenpfennige und Pappenstiele! Er gab daher sofort dem zweiten oder letzten Kammerherrn (denn in eigner Person dem Verbrecher der beleidigten Cour-Majestät näherzutreten, war zu tief unter ihm) den mündlichen Kabinettbefehl, dem Reisemarschall das fürstliche äußerste Befremden nicht unverhohlen zu lassen, daß er, der von Worble, mit dem sogenannten Hacencoppen, dessen Führer er doch bei seinen Gehirnumständen zufolge des Passes zu sein vorgebe, einen hohen anwesenden Hof habe behelligen können. –

»Es ist wahr,« versetzte Worble, »es sind der Narren fast zu viele im Saal. – Himmel, dort tritt ja gar ein neuer mit einem Tiroler Hut an Seine Durchlaucht, fast den Hofnarren spielend. Aber was man sonst noch für närrisch im Saal hält, will ich sogleich daraus wegführen und mich selber nicht einmal mitzählen.«

So sprach Worble, ohne über den Blitzkeil der Kabinettordre im geringsten zusammen- oder auseinanderzufahren.

Aber der zweite oder letzte Kammerherr sah vor Schrecken über diesen Menschen nicht einmal auf den Tiroler hin, der vor dem Fürsten spaßen sollte, sondern versteinerte sich vor dem Hofsodoms-Loth ordentlich wie Loths Frau, wenn auch nicht zu Salz; denn ein mit Stärke gesteiftes glänzendes Hofweißzeug war er schon vorher. – Aber desto leichter können wir von dem versteinerten Mann einen Schluß auf seinen Beherrscher ziehen und auf dessen ältliches, ganz ausgeglättetes Gesicht; denn Kammerherren sind Ziffer- und Temperamentblätter ihrer Herrn: je behaglicher und freisinniger jene aussehen, desto mehr sind es diese, und umgekehrt kündigen wieder steife – steife an.

Indes mag, als flüchtige Rechtfertigung kleiner Höfe, die Beobachtung hier stehen, daß sie keine großen sind, und man an kleinen Hofleute und Hofgäste um so pünktlicher durch strengste Etikette zu regieren hat, weil sich außerdem wenig zu beherrschen vorfindet. Wenn indes die Luft stärker an kleinen als an großen Höfen – so wie auf kleinen Wassern die Seekrankheit heftiger ist als auf großen – zur Hoftrommelsucht aufbläht, welche Höhenkrankheit, gleichfalls wie die Seekrankheit, in Ekel und in Ausstoßen alles Fremden besteht: so wird wieder auf der andern Seite durch Steigerung der Würde gewonnen; ein Kammerherr, der nur neben wenigen seinesgleichen am kleinen Hofe aufwartet und glänzt, darf sich gern verschieden von jedem Titels-Vetter ansehen, der an einem großen Hofe in einem dicken Kammerherrnstab-Bündel halb ungesehen mitdienen muß; und so sind Höfe Haarröhrchen, worin Wasser desto höher steigt, je dünner und enger sie sind. – –

Jetzo erst, nach dem Abschiede der Prinzessin, bemerkte der Graf, was hinter ihm oben bei dem Fürsten vorging, mit welchem ein schön gebildeter, aber nicht hochstämmiger Tiroler sich in ein kühnes Gespräch eingelassen. »Fürst, du hast dir viel hübsche Bilder angeschafft,« – redete dieser mit dem Quäker-Du den Fürsten an – »weißt nicht recht, wohin mit deinen Gulden. – Aber deine Felder und deine Untertanen draußen sehen gar nicht so hübsch aus als die gefärbten Bauern da an der Wand. Ich täte an deiner Stelle ein Paar Schock davon zu Geld machen und ließe Saatkorn und ganze Kittel dafür einkaufen und schenkte die Sachen den Untertanen draußen – die würden hoch springen.« Obgleich der Fürst, an dessen Hof jedes Jahr ein ähnlicher Tiroler seine kurzen Waren und seine kurzen Reden auspackte, nicht dazu lachte. so hörte er ihn doch ohne Zürnen an. – »Gefall' ich dir?« – fuhr der Tiroler fort – »Stelle mich als deinen Hofnarren an: so will ich dir und deinen vornehmen Leuten um dich herum alle Tage schlecht schmeckende Wahrheiten vorsetzen ohne Tischtuch – Ihr bekommt die Wahrheiten sonst nur in der Kirche als Seelenzopfl am AllerseelentageSeelenzopfl oder Seelenwecken nennt man in Bayern ein weißes Brot in Zopfgestalt, das der Pate am Allerseelentage dem Kinde schenken muß. Jacobsons technologisches Wörterbuch. und als Fastenbrezel in der Passion; aber ich will euch überall einen kräftigen Lehrbraten auftischen. – Vor der Hand verlang' ich kein anderes Handgeld als das schlechte halb Schock Bilder dort, wovon jedes aussieht wie das andere; heilige Mutter Gottes, es ist wohl gar am Ende nur ein einziges Gesicht an zweiunddreißigmal da, wie ein Zahn im Maul.« –

Ein Hofherr sagte, die Stücke gehörten nicht zur Galerie, und der Fürst gab dem Tiroler einen Handwink zum Abgehen, mit den Worten: »Nach der Tafel wird Er gerufen«, als eben die Prinzessin kam und Hacencoppen sich mit dem Gesichte gegen die Fürstlichkeiten hinkehrte. »Was Sepperle, dort steht ja der gemalte Narr eigenhändig«, rief der Tiroler und ging geradezu auf den Grafen los.

»Grüß dich Gott, Gräfli! Da bist du ja selber noch einmal! Weswegen hast du denn dein Gesicht so oft malen lassen und bist als eine ganze Compagnie an der Wand? – Hast du nicht an deiner eignen Nase genug und läßt dir eine Garnitur von über dreißig Nasen drehn? Sie werden dich grausam kosten – und ziehst mit lauter langen Nasen ab. – Von den Malerkerlen hat jeder dir deinen Kopf anders frisiert als der andere; es sollte etwas Apartes vorstellen, und du solltest jedem dafür die zwei Taschen der Frisierschürze vollstecken. Und ist mir lieb, wenn du's getan: so kannst du einen Hofnarren gebrauchen, der dich zum Narren hat, gutes Gräfli. Der alte große Herr wollte mich ohnehin nicht ansetzen; so nehm' ich mit einem Gräfli vorlieb.«

»Der Worte einige Hunderte weniger, lustiger Mann; ich nehme dich hiemit gern auf in mein Gefolge«, antwortete der Graf laut zu einigem Erstaunen von Umstehenden.

– Ich müßte sehr fehlschießen, wenn hier nicht einige hunderttausend Mann (meine Lesewelt mit Millionen Bevölkerung gedacht) darauf schwören wollten, daß ihnen der Name des Tirolers so gut bekannt sei wie mir, weil es doch niemand sein könnte als Libette, des Fürstapothekers Schwester, die ihm im zweiten BandeB. 2. S. 245. unter der männlichen Charaktermaske eines Hofnarren nachzufolgen zugesagt. Und wirklich sie war es. –

Der Fürstapotheker verließ den Bildersaal sehr befriedigt, als seinen halben Krönungsaal; denn hatt' ihn nicht die Prinzessin unerwartet aufgenommen? – Hatte nicht der grämliche Fürst ihm durch Worble sagen lassen, er werd' ihm nachher etwas sagen lassen? – Hatte nicht seine Schwester Libette ihn bei der Prinzessin stehen sehen, und er wieder die Schwester bei dem Fürsten? Und hatte er in seinem Inkognito-Fürstentum nicht der letzten eine Hofstelle öffentlich bewilligen können, welche ihr der Lukas-Städter Herr aus wahrscheinlichem Geldmangel abschlagen müssen? – Und hatte bei dieser kitzlichen Sache nicht Libette – freilich in einem ihm unbewußten Handelverein mit Worble, der allein um ihre Verkleidung wußte – den blumichten Umweg zu seinem brüderlich-fürstlichen Herzen genommen? – – Natürlicherweise aber ging Nikolaus nach solchen Begebnissen mit desto größerer Selbererhebung die Palasttreppe hinab – und doch auf der Straße schon wieder noch neuern Merkwürdigkeiten entgegen, welche das ganze nächste Kapitel einnehmen und schließen. .... Himmel! so hören hienieden die Merkwürdigkeiten nicht auf, im Leben wie im Lesen! –

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