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Jean Paul Richter: Der Komet - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 6
authorJean Paul
year1996
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titleDer Komet
pages565-1036
created19990104
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Anhang
der
ernsten Ausschweife für Leserinnen

Ernste Ausschweife des Urkapitels für Leserinnen

Die Ziele der Menschen

»Ist nur dies noch getan und jenes errungen und alles nach Wunsch gegangen: so bin ich im Hafen und ruhe schön«, sagt der Mensch; und er läuft wirklich in einem Hafen ein, den er sich, wie zuweilen die Seefahrer, in einen Eisberg ausgehauen; auch bleibt er darin, bis der Hafen entweder fortschwimmt oder wegschmilzt.

*

Klage des verhangnen Vogels

»Wie unglücklich wär' ich«, sagte der eingesperrte Vogel, »in meiner ewigen Nacht ohne die schönen Töne, die zuweilen zu mir wie ferne Strahlen eindringen und meinen verfinsterten Tag erhellen! – Aber ich will auch diese himmlischen Melodien in mich prägen und wie ein Echo sie nachüben, bis ich selber mich mit ihnen in meinen Finsternissen trösten kann.« – Und der kleine Sänger lernte die ihm vorgespielten Melodien nachsingen; da wurde das verhangende Tuch aufgehoben, denn zum Erlernen war die Verfinsterung geordnet gewesen. – Ihr Menschen, wie oft habt ihr nicht ebenso geklagt über wohltätige Verfinsterungen euerer Tage! Aber nur dann klagt ihr mit Recht, wenn ihr nichts darin gelernt. – Und ist nicht das ganze irdische Dasein eine Verhüllung der Psyche? Möge sie nur, wenn die Hülle fällt, mit neuen Melodien auffliegen!

*

Die Weltgeschichte

Schauet das Menschengeschlecht an, in welchem Jahrhundert ihr wollt: es wird euch immer Ausbreitung und Übergewicht der Sünder und Verdorbnen darstellen und die Reinen und Besten nur in Ausnahmen, gleichsam als kleine Eisstücke vorzählen, die einsam im salzigen Weltmeere süßes Wasser bewahren. Wie muß vollends das Menschengeschlecht, wenn es in den Zeiten sich und sein sündiges Übergewicht verdoppelt hat, aussehen? wird man fragen. Viel besser, ist die Antwort; denn es bleibt auch darin dem verdorbenen Weltmeer ähnlich, daß aus diesem bloß reines süßes Wasser aufsteigt, womit die Berge unsere Erde tränken; und daher konnten aus den düstern Jahrhunderten sich helle entwickeln und aus den jüdischen sich christliche. Das Böse wirft wie ein verfinsterter oder nächtlicher Weltkörper zuletzt seinen Schatten nur in den leeren Abgrund und verfinstert nur im Fluge.

*

Die Leere des Augenblicks

Gäb es für das Herz nichts als den Augenblick, so dürftest du sagen: um mich und in mir ist alles leer; aber liegt da nicht die lange Vergangenheit hinter dir und wächst täglich, und die Zukunft steht vor dir, und deinen Winter umschließt ein Frühling und ein Herbst? – So gleicht auch das leerste Leben den großen Wüsten in Indien, um welche waldige Ufer ewig grünen.Nach Humboldts Bemerkung.

*

Die sterbenden Kinder

Ein Polymeter

Die Ephemeren sterben alle in der untergehenden Sonne, und keine hat je in den Strahlen der aufgehenden gespielt. – Glücklicher ihr kleinen Menschenephemeren! Ihr spieltet nur vor der aufgehenden Sonne des Lebens und flogt über einer frischen Welt voll Blumen und sanket, noch ehe der Morgentau verlosch.

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