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Der Kinderkreuzzug

Konrad Falke: Der Kinderkreuzzug - Kapitel 139
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Kinderkreuzzug
authorKonrad Falke
year1924
firstpub1924
publisherOrell Füßli
addressZürich
titleDer Kinderkreuzzug
pages912
created20121026
sendergerd.bouillon@t-online.de
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35. Die Sklavenhändler

Die beiden Schiffspatrone sitzen allein bei einem Schnaps im trüb erleuchteten Hinterstübchen der Kellerkneipe. Abgesondert von dem wüst gröhlenden Treiben ihrer Matrosen in den vorderen Gewölben; vergraben vor dem ratternden Lärm der erhöht gelegenen Straße, wo Menschen, Tiere und Fuhrwerke sich unaufhörlich durcheinanderschieben. Im Unterleib des Palastes, welcher über der Erde hoch ins Licht emporwächst und aus seinen obersten Fenstern weit auf das Meer hinaus die Strahlen der Sonne widerspiegelt . . .

»Das gibt ein Geschäft!« schmunzelt Guillaume Porcus.

»Ja, auf unsern Schiffen haben sich schon viele Wandervögel niedergelassen!« grinst Meister Hugo vor sich hin. »Aber diese sollen uns nicht mehr davonfliegen.«

»Noch nie wurden weiße Mädchen drüben so hoch bezahlt, wie gerade heute. Jeder will rotes Haar in seinem Harem haben! Es gehört zur Mode!«

,.Wundert dich das? Uns reizen auch die braunen Weiber mehr als die andern, wenn wir hinüberkommen! Dadurch wird unsere Welt- und Menschenkenntnis erweitert.«

»Ich überlasse dir übrigens die Fräuleins gerne, Hugo! 200 Ich handle mehr in männlicher Ware und setze die Burschen glatt ab auf dem Sklavenmarkt; eine Mohrenfürstin wird überdies die schönsten gleich bei der Landung auslesen lassen und mit Löwen- und Pantherfellen aufwiegen. Wenn du nur das Formelle in Ordnung bringst: ich bin nun einmal nicht der Mann, mit den hohen Herren vom Rat zu verhandeln.«

»Es wird diesmal nicht schwer sein, lieber Wilhelm! Wenn sie das hergelaufene Gesindel nur loswerden, das ist ihre größte Sorge. Freilich: Umsonst müssen wir's tun, wenn wir ganz sicher sein wollen, daß uns kein anderer den Handel verdirbt; der Obrigkeit darf man niemals große Rechnungen präsentieren. Aber es lohnt, es lohnt . . .«

»Meinetwegen! Nur die ganz kleine Ware, so was unter zwölf, dreizehn ist, die nehmen wir nicht mit; das versperrt zuviel Platz und trägt nichts ein als Scherereien. Wir sagen einfach, daß sie die Meerfahrt nicht überstehen würden; und gleich sind ein paar mitleidige Seelen da, um sie bei sich zu behalten . . . – Wenn du nur dafür sorgst, daß alles gesetzlich zu- und hergeht! Das ist die Hauptsache!«

»Wenn dir's recht ist, wie ich sagte: nichts leichter als das. Also schließen wir ab! Du die Buben, ich die Mädchen; dann entsteht kein Streit. Aber erst nach der Ankunft drüben werden sie getrennt; sonst fällt es auf und gibt auch unter ihnen selber ein Heidengeschrei, wenn die Pärchen, die sich auf der langen Wanderung zusammengefunden haben, auseinandergerissen werden. Nein, so unmenschlich wollen wir doch nicht sein und ihnen das Vergnügen unnötig abkürzen! . . . Es hat, soviel ich sehe, mehr Buben; aber dafür stellst du auch ein Schiff mehr. Wahrhaftig, die Gerechtigkeit selber müßte unserm Handel Beifall nicken . . . – Abgemacht?«

201 »Abgemacht! – Sofern nur alles unter deinem Namen und auf deine Verantwortung geschieht . . .«

Meister Guillaume Porcus streckt über Wanst und Tisch dem hageren Meister Hugo Ferreus die fleischige Hand hin und schlägt sie in dessen dürre Rechte. Meister Porcus hat mehr Moneten; Meister Ferreus hat mehr Grütze. Es ist nicht das erste Mal, daß sie sich zu beiderseitigem Vorteil miteinander verbinden.

Die Öllampe, die von der niedrigen Decke hängt, rußt und qualmt; die Luft in dem fensterlosen Versteck riecht nach dem Schnaps, der in ihren Bechern blinkt. Aus dem Vorderraum hören sie das Gerede und Gelächter der Matrosen, die sich auf ihre Art der kommenden Abenteuer freuen; und als unbestimmten Tonhintergrund den verworrenen Lärm, der von der Straße herabdringt. Da sie sich nichts mehr zu sagen haben, stieren sie sich gegenseitig in die tückisch beschatteten Augen und überdenken den Gewinn ihres Handels.

Im Unterleib des Palastes . . .

 

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