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Der Kameenknopf

Rodrigues Ottolengui: Der Kameenknopf - Kapitel 3
Quellenangabe
authorRodrigues Ottolengui
titleDer Kameenknopf
publisherVerlag von J. Engelhorn
year1895
translatorF. Mangold
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170511
projectidab64c85d
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Zweites Kapitel.
Ein kühner und gelungener Diebstahl im Eisenbahnwagen.

Der Zug näherte sich Stamford, als Barnes den Schaffner kommen hörte. Der Mann machte geheimnisvolle Zeichen, woraus der Detektiv entnahm, daß er verlangt werde.

»Haben Sie sich nicht gestern abend, als Sie auf den Zug sprangen, Barnes genannt?« fragte der Mann.

»Ja, und was weiter?«

»Sind Sie der Detektiv Barnes?«

»Warum fragen Sie?«

»Weil der Zugführer Sie sprechen will, wenn Sie der Detektiv sind. Es ist während der Nacht ein großer Diebstahl im Zuge begangen worden.«

»Den Teufel auch!«

»Ja, eine verfluchte Geschichte. Aber wollen Sie so gut sein und mit mir in den nächsten Wagen kommen?«

»Bitte, eine Minute.« Barnes schlich nach Nr. 8 zurück, teilte vorsichtig den Vorhang und spähte lange und aufmerksam hinein. Er sah zwei unzweifelhaft in tiefem Schlafe liegende Herren, und beruhigt, daß er seinen Posten einen Augenblick verlassen könne, folgte er dem Schaffner in den nächsten Wagen, wo der Zugführer auf ihn wartete.

»Ich möchte in meiner amtlichen Eigenschaft einen sehr rätselhaften Fall in Ihre Hände legen,« sprach dieser, nachdem sich Barnes zu erkennen gegeben hatte. »Gestern abend ist in Boston eine Dame mit einer Fahrkarte nach South Norwalk eingestiegen. Nachdem sie vom Schaffner benachrichtigt worden war, daß wir uns dieser Station näherten, stand sie auf und kleidete sich an. Ein paar Minuten später wurde ich eilig gerufen, und die Dame teilte mir unter krampfhaftem Schluchzen mit, sie sei bestohlen worden. Sie behauptet, eine Handtasche zu vermissen, die Juwelen im Werte von hunderttausend Dollars enthalten haben soll.«

»Sie haben sich sehr richtig ausgedrückt: sie behauptet zu vermissen. Welchen Beweis haben Sie, daß sie überhaupt bestohlen worden ist?«

»Von den Juwelen weiß ich natürlich nichts, aber eine Handtasche hatte sie wirklich bei sich, die jetzt fehlt. Der Schaffner erinnert sich ihrer auch, und es ist alles vergeblich durchsucht worden.«

»Wir haben in New Haven und Bridgeport angehalten. Wie viele Personen haben den Zug da verlassen?«

»Aus den Schlafwagen keine.«

»Das heißt, Sie haben niemand bemerkt.«

»Nein, es ist so, wie ich sage. Ich habe die Wagen von den Schaffnern Nachsehen lassen, und sie haben mir berichtet, daß alle Reisenden in ihren Abteilungen sind. Aber das bringt mich auf eine Frage: Wenn niemand den Zug verlassen hat, dann muß der Dieb noch darin sein, nicht wahr?«

»Unzweifelhaft«

»Nachdem die Dame ihren Verlust entdeckt hat, hat sie sich entschlossen, nach New York weiterzufahren. Alle andern Reisenden haben ebenfalls Karten bis New York, mit Ausnahme eines Herrn, der sich jetzt ankleidet, denn er will nach Stamford. Wenn er aussteigt, nimmt er vielleicht die Juwelen mit, aber was kann ich machen?«

»Stellen Sie ihm die Sache vor, und wenn er sich unschuldig fühlt, wird er sich einer Durchsuchung nicht widersetzen, weigert er sich aber – nun, dann wird sich das weitere finden.«

Gleich darauf trat ein entschieden französisch aussehender Herr von vornehmer Erscheinung ein, und der Zugführer erklärte ihm verleben, worum es sich handelte.

»Sehen Sie, mein Herr, es ist eine dumme Geschichte, aber wir sind so sicher, daß sich der Dieb noch im Zuge befindet,« sprach er, »daß –«

»Daß Sie Anstand nehmen, mir das Aussteigen zu gestatten, nicht wahr, Monsieur, so ist es? Aber warum machen Sie denn so viel Umstände? Der Fall ist so einfach, daß ein ehrlicher Mensch keine Schwierigkeiten machen wird. Er wird einfach sagen: ›Durchsuchen Sie mich.‹ Sie thun es, und zuletzt kommt einer dran, der sagt: ›Sie beleidigen mich.‹ Das ist natürlich der Spitzbube, nicht wahr, mein Herr, sind Sie nicht auch dieser Ansicht?« Die letzten Worte waren an Barnes gerichtet, und dieser sah dem Sprecher einen Augenblick unverwandt in die Augen, wie es seine Gewohnheit war, wenn er sich ein Gesicht fest einprägen wollte. Der Franzose hielt den Blick vollkommen gelassen aus.

»Ich habe dem Zugführer dasselbe gesagt, ehe Sie eintraten,« erwiderte Barnes.

»Sehen Sie? Nun, dann will ich mich mit Ihrer Erlaubnis auskleiden, und bitte, sehen Sie ja recht gründlich nach, denn es handelt sich um meine Ehre. Je sorgfältiger Sie nachsehen, um so weniger Verdacht kann später auf mich fallen.«

Obgleich er nichts zu finden erwartete, ging der Zugführer doch mit peinlicher Genauigkeit zu Werke, aber das Ergebnis entsprach der Erwartung, und der Franzose kleidete sich wieder an.

»An Gepäck habe ich nur zwei kleine Handtaschen, keinen Koffer, da ich nur auf einen Tag in Boston gewesen bin.«

Die Taschen wurden herbeigeschafft, durchsucht und nichts gefunden.

»Nun, meine Herren, kann ich ja wohl gehen, da wir an meinem Bestimmungsorte angekommen sind. Ich werde nur ein paar Stunden hier bleiben und dann nach New York fahren. Dort steige ich im Hotel Hoffmann ab, im Falle nach mir gefragt werden sollte. Hier ist meine Karte.«

Barnes nahm die Karte und betrachtete sie genau.

»Was denken Sie?« fragte der Zugführer.

»Von dem? Um den brauchen Sie sich nicht weiter zu kümmern, nicht ein Schimmer von Verdacht gegen ihn – bis jetzt. Außerdem können wir ihn ja immer wiederfinden, wenn wir ihn brauchen sollten. Hier steht sein Name: Alphonse Thauret. Wir können nun unsere Aufmerksamkeit den andern Reisenden zuwenden. Meinen Sie, daß ich eine Unterredung mit der Dame haben könnte?«

»Die sollen Sie haben, wenn Sie es wünschen, sie mag wollen oder nicht. Die Sache ist denn doch zu ernst.«

»Gut, dann schicken Sie sie hierher, und lassen Sie mich ein paar Worte allein mit ihr sprechen. Sagen Sie ihr nicht, daß ich Detektiv bin; das können Sie mir überlassen.«

Gleich darauf trat eine große Dame von etwa fünfundvierzig Jahren ein. Als sie Platz nahm, sah sie Barnes scharf, aber in einer verstohlenen Weise an, allein anscheinend bemerkte er das nicht.

»Der Zugführer schickt mich zu Ihnen,« begann sie die Unterredung. »Was haben Sie mit der Sache zu thun?«

»Nichts.«

»Nichts? Warum –«

»Wenn ich sage, ich hätte nichts mit der Sache zu thun, dann meine ich einfach, daß es nur auf Sie ankommt, ob ich versuchen soll, Ihnen den Schmuck wieder zu verschaffen, oder nicht. Ich besorge derartige Angelegenheiten für diese Bahn, aber wenn der Verlierer nicht gegen die Bahn vorgehen will, dann lassen wir die Sache auf sich beruhen. Wünschen Sie also, daß ich Nachforschungen nach den gestohlenen Sachen anstelle?«

»Ich wünsche gewiß, meine Edelsteine wieder zu erlangen, denn sie sind sehr wertvoll, aber ich weiß doch nicht, ob ich die Sache in die Hände eines Detektivs legen soll.«

»Wer sagt Ihnen, daß ich Detektiv bin?«

»Sind Sie es nicht?«

»Ja, ich bin Detektiv,« sprach Barnes nach kurzem Zögern, »und da ich zu einer Privatanstalt gehöre, kann ich es übernehmen, den Dieb ohne Aufsehen zu ermitteln. Das war doch der hauptsächlichste Grund, weshalb Sie zögerten, die Sache in meine Hände zu legen.«

»Sie sind sehr scharfsinnig. Allerdings habe ich Gründe, Familienrücksichten, weshalb ich wünsche, daß die Sache nicht in die Oeffentlichkeit dringe. Wenn Sie es unternehmen wollen, die Edelsteine wieder herbeizuschaffen, ohne daß etwas in die Zeitung kommt, werde ich Sie reichlich entschädigen.«

»Gut, ich übernehme die Sache, aber Sie müssen mir einige Fragen beantworten. Zuerst Name und Adresse.«

»Ich heiße Rose Mitchel und wohne einstweilen East dreißigste Straße Nr. ... Ich bin erst vor kurzem von New Orleans, meiner Heimat, angekommen und suche noch nach einer passenden Wohnung.«

Barnes zog sein Taschenbuch hervor und schrieb sich Name und Wohnung auf.

»Verheiratet?«

»Gewesen; mein Mann ist schon seit einigen Jahren tot.«

»Nun also zu den Juwelen. Wie kommt es, daß Sie mit einer solchen Menge von Schmucksachen reisen?«

»Ich habe keine Schmucksachen verloren, sondern ungefaßte Edelsteine von ungewöhnlicher Schönheit – Diamanten, Rubinen, Perlen und andre Edelsteine. Nach dem Tode meines Mannes ging sein beträchtliches Vermögen durch Bezahlung seiner Schulden drauf, bis auf eine Forderung an einen vornehmen Italiener, der kurz nach meinem Manne starb. Die Testamentsvollstrecker des Italieners schlossen einen Vergleich mit mir und überließen mir die Edelsteine als Deckung für die Schuld. Erst gestern habe ich sie in Boston erhalten, und heute sind sie schon verloren. Es ist zu grausam, zu grausam!« Sie rang krampfhaft die Hände, und ein paar Thränen liefen ihr über die Wangen. Scheinbar ohne sie zu beobachten, dachte Barnes einige Minuten nach.

»Was war denn der Wert dieser Edelsteine?«

»Hunderttausend Dollars.«

»Auf welchem Wege sind sie Ihnen übersandt worden?« Die Frage war sehr einfach, und Barnes stellte sie ganz arglos. Er war deshalb sehr erstaunt über die Wirkung, die sie hervorbrachte. Die Dame sprang auf, und ihr ganzes Benehmen war verändert.

»Darauf kann es doch nicht ankommen,« antwortete sie mit zusammengepreßten Lippen. »Vielleicht habe ich einem Fremden schon zu viel erzählt. Kommen Sie heute abend nach meiner Wohnung, und ich werde Ihnen alle Einzelheiten mitteilen – wenn ich mich entschließe, die Sache in Ihren Händen zu lassen. Wenn nicht, werde ich Sie für die gehabte Mühe entschädigen. Ich empfehle mich Ihnen.«

Barnes' Blicke folgten ihr nachdenklich, ohne daß er sich von seinem Sitze erhob.

»Ich glaube, das Frauenzimmer lügt,« sprach er endlich für sich und kehrte in seinen eigenen Wagen zurück, wo gerade zwei Herren untersucht wurden, die die Sache als einen unbezahlbaren Spaß anzusehen schienen. Auch die übrigen Reisenden unterwarfen sich willig der Untersuchung, während Barnes inzwischen in seiner Abteilung wartete. Endlich wurde seine Geduld belohnt. Ein hübscher junger Mann von etwa sechsundzwanzig Jahren trat aus Nr. 8 und ging in den Ankleideraum. Barnes folgte und trat in die Raucherabteilung. Kaum hatte er dort Platz genommen, als ein Herr erschien, augenscheinlich der andre Reisende aus Nr. 8. Während dieser sich wusch, erzählte der Zugführer dem ersten von dem Diebstahl und erbat sich die Erlaubnis, ihn zu durchsuchen. Es fehlten nur noch wenige Minuten bis zur Ankunft in New York, sämtliche Reisende bis auf diese zwei waren schon durchsucht worden. Diese sahen vornehmer aus als alle andern. Um so erstaunter war der Zugführer, als er bemerkte, daß der junge Herr, den er angeredet hatte, sehr unruhig wurde. Er stammelte und stotterte und suchte nach Worten.

»Bob, hörst du? Es ist ein Diebstahl begangen worden,« sprach er endlich mit heiserer Stimme zu seinem Gefährten.

Seines Freundes Bob Gesicht war mit Seifenschaum bedeckt, und ehe er antworten konnte, mußte er diesen erst abwischen.

»Nun, was weiter?« fragte er ganz unbefangen, als dies geschehen war.

»Aber – aber – der Zugführer will mich durchsuchen.«

»Natürlich. Wovor fürchtest du dich denn? Du bist doch nicht der Dieb?«

»Nein – aber –«

»Hier gibt's kein Aber. Wenn du unschuldig bist, laß dich durchsuchen.« Dann wandte er sich lachend dem Spiegel zu und begann mit großer Sorgfalt seine Halsbinde zu knüpfen. Sein Freund sah ihn einen Augenblick mit einem Ausdruck an, den nur Barnes verstand, denn er wußte natürlich, daß Bob derjenige war, welcher eine Wette gemacht hatte, daß er ein Verbrechen begehen wolle, und es lag auf der Hand, daß sein Freund ihn schon im Verdacht hatte.

»Herr Zugführer,« sprach dieser endlich, »mein Benehmen muß Ihnen verdächtig vorkommen, ich kann es auch nicht erklären, bin aber vollkommen bereit, mich durchsuchen zu lassen, ja, es liegt mir daran, daß diese Durchsuchung recht gründlich vorgenommen werde.« Die Untersuchung fand nun statt, aber ohne Ergebnis. »Hier ist meine Karte, ich bin Arthur Randolph von der Bankfirma J. Q. Randolph & Sohn, und dies ist mein Freund Robert Leroy Mitchel; ich verbürge mich für ihn.«

Beim Namen Mitchel horchte Barnes überrascht auf, denn es war derselbe Name, den die bestohlene Dame angegeben hatte.

»Danke, Arthur,« warf Mitchel ein, »ich kann schon selbst für mich einstehen.«

Der Zugführer zögerte einen Augenblick und wandte sich dann an Mitchel.

»Es thut mir leid, daß ich genötigt bin, auch Sie zu bitten, sich durchsuchen zu lassen, allein es ist meine Pflicht.«

»Mein lieber Herr, daß es Ihre Pflicht ist, begreife ich vollkommen und grolle Ihnen deshalb auch nicht persönlich, aber nichtsdestoweniger weigere ich mich aufs allerentschiedenste.«

»Sie weigern sich?« riefen die andern zusammen aus, und es ist schwer zu sagen, wer von ihnen am meisten überrascht war. Randolph erbleichte und lehnte sich gegen die Wand, und Barnes wurde etwas aufgeregt.

»Das kommt einem Geständnis gleich, da sich die andern Reisenden sämtlich haben untersuchen lassen,« sprach er.

Mitchels Antwort hierauf war noch überraschender als seine Weigerung.

»Das ändert die Sache,« sprach er. »Wenn alle andern sich unterworfen haben, dann will ich's auch thun.« Damit kleidete er sich ohne weitere Umstände aus, aber auch in seinen Kleidern wurde nichts gefunden, ebenso wie die Durchsuchung der herbeigeschafften Reisetaschen der beiden Herren fruchtlos war. Hilflos schaute der Zugführer den Detektiv an, aber dieser sah zum Fenster hinaus.

»Da sind wir im Centralbahnhof,« sprach Mitchel. »Dürfen wir den Zug verlassen?« Nach einem zustimmenden Nicken des Zugführers entfernten sich die beiden Freunde durch die Thür am Ende des Wagens. Kaum waren sie verschwunden, als Barnes auffuhr, aus der am entgegengesetzten Ende befindlichen Thür eilte und, ohne ein Wort zu sprechen, auf den Bahnsteig sprang, während der Zug langsam einfuhr. Rasch trat er auf einen Mann zu, der ihn erwartet zu haben schien, sprach leise einige Worte mit ihm, und dann gingen sie zum Zuge zurück. Bald stieg auch die Dame aus, die bestohlen worden war, und als sie das Bahnhofgebäude verließ, war ihr Barnes' Begleiter auf den Fersen. Dieser selbst schickte sich ebenfalls an, sich zu entfernen, als er eine Berührung an seiner Schulter fühlte und, sich umwendend, Mitchel gegenüberstand.

»Mr. Barnes,« sagte dieser, »ich möchte ein paar Worte mit Ihnen reden. Wollen Sie mir die Ehre erweisen, mit mir zu frühstücken?«

»Woher wissen Sie, daß ich Barnes heiße?«

»Ich wußte es bis jetzt keineswegs, jetzt aber weiß ich's,« antwortete Mitchel mit einem Lächeln, das Barnes sehr unangenehm berührte, denn der Detektiv fühlte, daß ihn dieser Mann überlistet hatte, aber deshalb war er nur um so mehr entschlossen, ihn abzufassen. Gewöhnt, sich rasch zu entschließen, entschied er sich für Annahme der Einladung, weil er bedachte, daß er durch eine nähere Bekanntschaft nichts verlieren, wohl aber viel gewinnen könne. Die beiden Herren gingen deshalb nach dem Speisesaal hinunter und setzten sich an einen kleinen Tisch.

»Wäre es nicht für uns beide am besten,« hob Mitchel an, nachdem er dem Kellner seine Befehle gegeben hatte, »wenn wir von vornherein zu einer Verständigung zu kommen suchten, Mr. Barnes?«

»Ich weiß nicht, was Sie meinen.«

»Ich glaube doch, Sie haben mich soeben gefragt, woher ich Ihren Namen wisse. Wie gesagt, ich wußte ihn nicht, obgleich ich eine Ahnung hatte. Soll ich Ihnen sagen, warum?«

»Gewiß, wenn es Ihnen Vergnügen macht.«

»Vielleicht ist es dumm von mir, wenn ich Sie auf Ihren ersten Fehler in diesem Spiele aufmerksam mache, denn Sie arbeiten offenbar gegen mich, aber da ich meinen Freund habe allein gehen lassen, um mit Ihnen sprechen zu können, kann ich der Versuchung nicht widerstehen.«

»Halten Sie einen Augenblick inne, Mr. Mitchel, ich bin nicht ein solcher Thor, wie Sie glauben; ich weiß, was Sie sagen wollen.«

»O, wirklich, das wäre scharfsinnig.«

»Sie wollen mir sagen, daß ich mich wie ein dummer Esel benommen habe, als ich im Wagen sprach, nachdem Sie sich geweigert hatten, sich durchsuchen zu lassen.«

»Nun, ganz so grob hätte ich's wohl nicht ausgedrückt, allein die Sache verhält sich folgendermaßen: Als Sie Randolph in den Ankleideraum folgten, wurde ich mißtrauisch und ging hinter Ihnen her, und als der Zugführer mich aufforderte, mich durchsuchen zu lassen, weigerte ich mich zuerst zum Schein, um zu sehen, was für eine Wirkung meine Weigerung auf Sie ausüben würde, und der Erfolg war, daß mein Verdacht bestätigt wurde: ich erkannte Sie als Detektiv, und nachdem ich das festgestellt hatte, lag kein Grund weiter für mich vor, mich gegen die Durchsuchung zu sträuben.«

»Wie gesagt, ich habe mich wie ein dummer Esel benommen, aber ich bedurfte dieser Warnung nicht; es wird nicht wieder vorkommen, darauf können Sie sich verlassen.«

»Natürlich sehe ich jetzt, daß Sie unser Gespräch letzte Nacht belauscht haben, und da das der Fall ist, haben Sie mich selbstverständlich im Verdacht, diesen Diebstahl begangen zu haben. Aber ich kann nicht begreifen, daß Sie mich nicht die ganze Nacht beobachtet haben, nachdem Sie unser Gespräch gehört hatten.« Barnes blieb die Antwort auf diese Bemerkung schuldig. »Ich möchte Sie um einen Gefallen bitten,« fuhr Mitchel fort.

»Und das wäre?«

»Daß Sie niemand mitteilen, ich hätte gewettet, ein Verbrechen zu begehen. Ich kann Sie natürlich nicht verhindern, mir nachzuspüren und mich zu überführen – wenn Sie können.«

»So gewiß Sie ein Verbrechen begehen, werde ich Sie dessen überführen,« erwiderte Barnes. »Es liegt vielleicht in meinem Interesse, für mich zu behalten, was ich diese Nacht in Erfahrung gebracht habe, aber Ihnen ein Versprechen in diesem Sinne zu geben, das ist zu viel verlangt. Ich muß volle Freiheit haben, den Umständen gemäß zu handeln.«

»Gut. Ich will Ihnen sagen, wo ich wohne, und ich erteile Ihnen die Erlaubnis, mich zu jeder Zeit, bei Tag oder bei Nacht, zu besuchen. Ich habe Zimmer im Hotel der fünften Avenue. Nun gestatten Sie mir noch eine Frage: Glauben Sie, daß ich den Diebstahl begangen habe?«

»Ich werde mit einer Frage antworten: Haben Sie den Diebstahl begangen?«

»Ausgezeichnet! Ich sehe, daß ich es mit einem meines Stahles würdigen Gegner zu thun habe. Nun – wir wollen diese beiden Fragen für jetzt unbeantwortet lassen.«

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