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Der Herr der Welt

Adolf Mützelburg: Der Herr der Welt - Kapitel 21
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authorAdolf Mützelburg
titleDer Herr der Welt
publisherZenith-Verlag Erich Stolpe Leipzig
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Das Testament des Grafen

Es währte minutenlang, ehe die Versammelten sich fassen konnten. Der Herzog war der erste, der sich erhob. Er hatte ein Papier in der Hand, und mit diesem trat er vor die Versammlung hin.

Unser aller Freund, der Graf von Monte Christo, hat mich beauftragt, Ihnen, ehe Sie mich verlassen, noch dieses Dokument vorzulesen. Es ist das Testament des Grafen.

Und er las:

»Ich, Endesunterzeichneter, Edmund Dantes, Graf von Monte Christo, Lord Wilmore und Lord Hope, verfüge hiermit in Anwesenheit der unterzeichneten Notare und des Herzogs ***, sowie des Abbés Laguidais, wie folgt: Wolfram Büchting und Therese Büchting, Kinder des Herrn Theodor Büchting aus Berlin, erhalten ein jeder die Summe von fünfundzwanzig Millionen Franken in französischen, englischen und nordamerikanischen Staatspapieren. Diese Summe beträgt allerdings nicht den ganzen Gewinn, den ich aus der Benutzung der Goldminen in Kalifornien gezogen habe. Ich bin aber bei der Bestimmung dieser Summen von dem Gedanken ausgegangen, daß es ihrem Vater, Herrn Theodor Büchting, bei seinen beschränkten Mitteln nicht möglich gewesen wäre, seit jener Zeit und seit dem Tage der Entdeckung der Mine ein größeres Resultat aus ihr zu gewinnen, und hoffe demzufolge, daß Herr Wolfram Büchting und Fräulein Therese Büchting sich mit der obigen Summe begnügen werden.

Verheiratet sich Fräulein Therese Büchting mit Don Lotario de Toledo, so erhält sie außerdem noch fünf Millionen Franken als Heiratsgut und als eine freiwillige Schenkung.

Don Lotario de Toledo erhält fürs erste die vollständige Kaufsumme für seine Hacienda im Betrage von dreimalhundertundachtzigtausend Dollars – da ihm zwanzigtausend Dollars bereits ausgezahlt sind – und außerdem die Summe von zehn Millionen Franken in Staatspapieren. Ferner überlasse ich ihm meine Besitzung auf dem Berge der Wünsche, jedoch nur unter der Bedingung, daß er alsdann wenigstens drei Monate im Jahre dort zubringt und in demjenigen Sinne wirkt, den ich für nötig halte. Meine Ansichten darüber sind in einem Dokument enthalten, das der Herzog *** dem Don Lotario mitteilen wird.

Fräulein Amelie von Morcerf erhält die Summe von fünf Millionen Franken in Staatspapieren –

Desgleichen der Kapitän Maximilian Morel, in dessen Besitz auch wie es sich von selbst versteht, die Insel Monte Christo, das Schloß in Tréport und die Wohnung in den Champs Elysees verbleiben. –

Desgleichen erhält die Summe von fünf Millionen Franken Fräulein Eugenie Danglars. Der Herzog *** wird es übernehmen, sie in meinem Namen um Verzeihung zu bitten für die Beleidigung, die ich ihr früher angetan.

Ferner stelle ich eine Summe von fünfundzwanzig Millionen Franken zur unbedingten Verfügung des Herrn Albert von Morcerf. Der Abbé Laguidais und der Herzog *** werden es übernehmen, sie ihm ganz oder teilweise und entweder bar oder in Papieren auszuzahlen. Dieselben Herren werden es ferner übernehmen, die Verpflichtungen zu erfüllen, die ich früher gegen Herrn Albert von Morcerf eingegangen und die sich auf die Lieferung von Waffen, Werkzeugen und Instrumenten und auf die Sendung geeigneter Persönlichkeiten nach dem Innern Afrikas beziehen.

Vierzig Millionen Franken bestimme ich ferner zur Verteilung unter meine Dienerschaft. Bertuccio wird das Dreifache, Bertois, Laurent und der Steuermann des Dampfers werden das Doppelte von dem erhalten, was auf jeden einzelnen fällt. Ich bestimme jedoch, daß jeder nur den fünften Teil seines Anteils bar ausgezahlt erhält, und auch dies nur, wenn er es wünscht. Von dem übrigen beziehen sie die Zinsen des Vermögens, das bei sicheren Bankiers verwaltet werden wird. Sie verlieren auch diese Zinsen und das Vermögen überhaupt, sobald sie sich einer notorisch schlechten Handlung schuldig machen. Doch glaube ich nicht, daß dies der Fall sein wird. Ich hoffe, daß sie nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft sein werden. Der Herzog ***, der Abbé Laguidais und die Herren Wolfram Büchting, Don Lotario und Maximilian Morel werden die Aufsicht über diese Leute führen und ihnen dazu verhelfen, einflußreiche Stellungen in der Gesellschaft einzunehmen.

Der Rest meines Vermögens, der ungefähr ebensoviel beträgt, als die hier angeführten Legate zusammen, und den ich augenblicklich nicht so genau feststellen kann, wird zu denjenigen Zwecken verwendet werden, die ich mein Leben lang verfolgt habe, und die in der Hebung und Förderung der Sittlichkeit und in der Befestigung der Grundprinzipien des Christentums bestehen. Zu diesem Zwecke werden die Herren Laguidais, der Herzog ***, Don Lotario, Wolfram Büchting, Graf Arenberg, Kapitän Morel und Professor Wedell ein Komitee bilden, das sich mindestens alle drei Jahre einmal in Paris, Berlin oder London zu versammeln hat. Dieses Komitee darf nur mit Einstimmigkeit über die ihm zu Gebote gestellten Summen verfügen und nie mehr als zwanzig Millionen für einen Zweck ausgeben. Die Verwaltung dieser Summe bleibt in den Händen des Bankiers Nathan in New Orleans, der zu diesem Zwecke eine Filiale in Paris errichten wird.

Und hiermit nehme ich Abschied von meinen Freunden. Mögen sie mir ein freundliches Andenken bewahren und bedenken, daß ich Gutes zu tun glaubte, und daß meine Gedanken und mein Streben in ihren Anfängen gut waren und erst später den Charakter der Anmaßung und des Frevels annahmen!

Gott gebe seinen Segen zu diesen meinen letzten Bestimmungen.

Edmund Dantes.«

 

Als Zeugen: Herzog***.         Abbé Laguidais.         Carreau, Notar.        Villars, Notar.«

Sie haben den Inhalt dieses Testaments vernommen! sagte der Herzog dann. Ich erwarte jeden einzelnen, der in diesem Dokument erwähnt ist, in den nächsten Tagen bei mir, um mit mir nähere Rücksprache über die Bestimmungen zu nehmen. Es versteht sich von selbst, daß Sie die Legate ablehnen können. Dann aber würden Sie, wie ich Ihnen bestimmt versichern kann, dem Wunsche des Grafen zuwiderhandeln und ihn tief betrüben. Er hat alles reiflich überlegt. Tun Sie ihm also nicht den Schmerz an, das zurückzuweisen, was gut gemeint ist.

Der Herzog verbeugte sich, zum Zeichen, daß er alles gesagt. Die Eingeladenen entfernten sich schweigend und langsam. Wer hätte auch in so kurzer Zeit den ganzen Inhalt dessen, was er gehört und empfangen, begreifen können!

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