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Der Herr der Welt

Adolf Mützelburg: Der Herr der Welt - Kapitel 19
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typefiction
authorAdolf Mützelburg
titleDer Herr der Welt
publisherZenith-Verlag Erich Stolpe Leipzig
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Die Familie Morel

In seinem Palast, im Faubourg St. Germain, saß der Herzog *** derselbe, der einst bei jener gefährlichen und verhängnisvollen Flucht aus dem Gefängnisse zugegen gewesen, der praktische und besonnene Freund des Grafen Monte Christo und des Abbés Laguidais.

Ein Diener meldete ihm die Ankunft des Doktors Billaud, eines der ersten Arzte von Paris. Er beschäftigte sich vorzugsweise mit den Krankheiten der Seele und des Geistes und hatte in diesem Fache das Unglaubliche geleistet.

Der Herzog empfing ihn mit einer vertraulichen Höflichkeit, die auf ein intimes Verhältnis zwischen beiden hindeutete.

Also heute soll der entscheidende Tag sein? fragte er ihn nach den ersten Begrüßungen.

Meiner Ansicht nach ist der Kapitän vollständig geheilt und kann alles hören, alles erfahren, alles ertragen.

Um so besser! erwiderte der Herzog. Und der alte Villefort?

Ist meiner Ansicht nach, solange ich ihn jetzt behandelt habe, nie geisteskrank, sondern höchstens geistesschwach gewesen. Als ich ihn zum ersten Male sah, erriet ich sogleich, was mit ihm vorgegangen. Er ist infolge heftiger, gewaltsamer Gemütsbewegungen irrsinnig, und abermals infolge ähnlicher Bewegungen wieder vernünftig geworden. Die Wunde, die er erhalten, der körperliche Schmerz mag dazu beigetragen haben. Ich glaube, daß er auch imstande ist, alles zu hören.

Dann meinen Sie also, ich könne offen sprechen?

Ohne Zweifel! Behandeln Sie die beiden wie gesunde Leute, die schwache Nerven haben und denen man jede überraschende Nachricht vorsichtig mitteilen muß.

Wohlan denn! Ich hatte Sie nur deshalb gebeten, heute zu mir zu kommen, weil ich wünschte, daß jemand in der Nähe sein möge, falls ärztliche Hilfe nötig sei. Haben Sie also die Güte, Herr Doktor, in diesem Zimmer zu warten, bis alles vorüber ist.

Sehr gern! Ich habe mir ein Buch mitgebracht. Kümmern Sie sich weiter nicht um mich, und lassen Sie es mir nur sagen, wenn Sie meiner nicht mehr bedürfen und wenn ich gehen kann.

Der Herzog ging nach einem anderen Teile des weitläufigen Gebäudes und fragte einen Diener, ob Kapitän Morel in seinem Zimmer oder im Garten sei. Er war im Zimmer.

Der Herzog klopfte an eine Tür. Eine Stimme rief »Herein«. Er trat ein.

Kapitän Morel saß am Fenster und las die Zeitung, ganz wie jeder andere Mensch. Sein Aussehen war wohl etwas blaß, wie das von Leuten, die seit langer Zeit das Zimmer nicht verlassen haben. Im allgemeinen aber verriet nichts eine geistige oder körperliche Krankheit bei ihm.

Ah, Sie sind es, Herr Doktor! sagte er. noch einen Blick auf die Zeitung werfend. Dann stand er auf, um dem Doktor entgegenzugehen.

Ah nein, das ist ein Fremder! rief er dann, den Herzog erblickend.

Ein Fremder, Kapitän Morel? fragte dieser lächelnd. Ich dächte doch, wir hätten uns schon einmal gesehen. Erinnern Sie sich meiner nicht mehr?

Es ist mir wirklich nicht möglich, mir Ihr Gesicht zurückzurufen, sagte Morel. Ihre Stimme klingt mir zwar bekannt und ich habe eine dunkle Erinnerung –

Dunkel mag sie sein, ja, sagte der Herzog, denn wir haben uns nur in der Nacht gesehen!

In der Nacht? fragte Morel nachsinnend.

In jener unglücklichen Nacht, in der Sie aus dem Gefängnisse fliehen wollten! sagte der Herzog.

Morel senkte seinen Blick und legte die Hand vor die Augen, wie jemand, der eine traurige Erinnerung an sich vorüberziehen lassen will. Der Herzog beobachtete ihn scharf und nicht ohne Unruhe. Es hing vieles von diesem Augenblick ab.

Ja, sagte Morel dann mit einem tiefen Seufzer, jetzt weiß ich! Sie sind der Herr, der im Namen des Grafen Monte Christo kam, um mit mir über meine Flucht zu beraten.

Ganz richtig! sagte der Herzog sichtlich erfreut. Wie ich sehe, erinnern Sie sich noch genau jener Nacht. Nun. jetzt will ich Ihnen meinen Namen nennen. Ich bin der Herzog ***.

Morel machte eine sehr ehrerbietige Verbeugung. Ganz Paris kannte diesen Namen.

Aber wollen Sie sich nicht setzen, Herr Herzog? sagte er dann.

Gern, denn ich möchte einige Worte mit Ihnen sprechen! erwiderte der Herzog, sich Morel gegenübersetzend, und zwar so, daß er sein Gesicht klar sehen konnte. Fürs erste wollte ich Ihnen sagen, daß es mein Haus ist, in dem Sie sich jetzt befinden.

Ihr Haus? Oh, Herr Herzog, dann muß ich Ihnen danken für Ihre Gastfreundschaft! rief Morel. Aber weshalb habe ich das nicht früher erfahren? Es würde mich glücklich und ruhig gemacht haben! Ich hätte dann gewußt, daß ich im Schutze eines Freundes sei.

Der Doktor sagte Ihnen doch, daß es gelungen sei, Sie während einer schweren Krankheit aus dem Gefängnisse zu befreien?

Ja, Herr Herzog. Er sagte mir auch, daß man jetzt wisse, ich sei nicht jener Rablasy, und daß von den Anklagen der Regierung gegen mich nur noch die politische aufrecht erhalten werde. Deshalb, und damit ich nicht aufs neue mit der Regierung in Konflikt komme, möge ich mich in diesem Hause eines Freundes aufhalten. Aber ich gestehe Ihnen, Herr Herzog, die Zeit ist mir sehr lang geworden.

Die Regierung suchte nach Ihnen wegen des Attentats von Boulogne. In Frankreich also hätten Sie sich nicht mit Ihrer Frau vereinigen dürfen. Eine Reise nach dem Ausland aber, um dort Ihre Frau zu treffen, war wegen Ihrer zerrütteten Gesundheit nicht möglich. Ich hielt es deshalb für das beste, Sie so lange hier zu behalten, bis ich bei der Regierung Ihre vollständige Begnadigung ausgewirkt –

Begnadigung? rief Morel. Aber, Herr Herzog, die verlange, die will ich nicht. Ich will nur mein Recht, und das muß mir werden.

Lieber Freund, Sie wollen also ewig, oder wenigstens jahrelang von Ihrer Gattin, von Ihrem Kinde getrennt bleiben?

Es ist wahr, mich schaudert bei dem Gedanken! Meine arme Valentine, ich habe sie seit länger als einem Jahr nicht gesehen! Mein armer Edmond! Er muß jetzt schon laufen können! Aber eine Begnadigung – nein –

Ich bitte Sie, Herr Kapitän, überlassen Sie die Sorge für Ihre Freiheit Ihren Freunden!

Aber meine Freunde können nicht verlangen, daß ich mich entehren soll!

Gewiß nicht, das fällt keinem ein! Aber hören Sie! Es war auf Anraten des Grafen Monte Christo, daß Sie die Partei des Prinzen ergriffen?

Ja, sein Rat bestimmte mich, meinen Sympathien zu folgen.

Nun gut. Der Graf ist es, der jetzt wünscht, daß Sie die Freiheit ohne weitere Bedingung annehmen sollen. Und was die französische Regierung anbetrifft, so lag es ihr nur daran, wie Sie ja wissen, durch Sie einen bestimmten Namen zu erfahren. Vielleicht hat sie ihren Zweck auf andere Weise erreicht. Genug, die französische Regierung hält die Anklage gegen Sie nicht mehr aufrecht.

Nun, es sei! Ich will mich dem Wunsche des Grafen fügen! Ich hoffte immer, ich würde ihn einmal in mein Zimmer treten sehen. Aber –

Sie werden den Grafen sehen, in kurzer Zeit! erwiderte der Herzog und über sein Gesicht flog ein Schimmer von Traurigkeit. Doch nun zur Hauptsache. Ich komme, um Ihnen zu sagen, daß der Arzt Sie für vollkommen gesund erklärt hat.

Gott sei Dank! rief Morel aufspringend. Dann will ich zu Valentine.

Halt! sagte der Herzog. Zuvor will ich Sie noch an jemand erinnern, der mit Ihnen verwandt ist, an eine Person, die ganz allein in der Welt dasteht, an der Schwelle des Greisenalters –

Wer kann das sein? fragte der Kapitän unruhig.

Ich meine den alten Villefort, den Vater Ihrer Gattin!

Wie? Villefort ist nicht tot? Man sagte es doch! Es hieß, er sei wahnsinnig geworden und verschwunden! Er lebt? O mein Gott, wo ist er?

Ganz in Ihrer Nähe! Er wurde wahnsinnig, das ist richtig, und da der Graf Monte Christo fühlte, daß er eine schwere Schuld an diesen Mann abzutragen habe, so ließ er ihn sogleich unter sichere Obhut bringen und nahm ihn mit sich nach Amerika, um ihn selbst zu heilen. Aber alle seine Anstrengungen waren vergebens. Nur ein Zufall gab dem armen Manne die Vernunft zurück. Er lebt jetzt mit Ihnen unter einem Dache in meinem Hause. Er weiß nicht, daß er eine Tochter, einen Sohn, einen Enkel hat. Zu diesem Unglücklichen lassen Sie uns gehen, ehe Sie zu Valentine eilen.

Der Kapitän verließ mit dem Herzog das Zimmer. Sie gingen durch einen langen Gang und stiegen eine Treppe hinauf. Dort klopfte der Herzog an eine Tür. Eine Stimme rief »Herein«, und der Herzog trat mit dem Kapitän in das Zimmer Villeforts.

Der alte Mann saß am Fenster, ebenso wie vorhin Morel mit dem Lesen der Zeitung beschäftigt. Auch er glaubte, der Arzt trete ein.

Sie sind es, Herr Doktor! sagte er und stand auf. Guten Morgen!

Bleiben Sie ein wenig zurück! flüsterte der Herzog dem Kapitän zu. Dieser setzte sich in der Nähe der Tür auf einen Sessel, die Blicke unverwandt auf Villefort gerichtet.

Ah! sagte dieser jetzt, seinen Irrtum erkennend. Das ist ja nicht mein Doktor!

Nein, Herr Staatsanwalt! sagte der Herzog. Ich bin der Besitzer dieses Hauses, der Herzog ***.

Villefort schien sehr überrascht und verbeugte sich mit der größten Ehrerbietung. In seinem ganzen Wesen lag nichts mehr von Irrsinn. Er hatte das gewöhnliche Aussehen eines alten, schwachen, durch Leiden und Gram niedergebeugten Mannes.

Herr Herzog, sagte er, ich bin erstaunt. Ich glaubte mich in der Wohnung des Arztes zu befinden. Hätte ich gewußt, bei wem ich wohne, so würde ich mir gewiß erlaubt haben, Sie aufzusuchen und Ihnen zu danken. Verzeihen Sie, daß –

O bitte! Verzeihen Sie mir, daß ich nicht früher zu Ihnen gekommen! sagte der Herzog. Aber der Arzt sagte mir, Sie seien noch immer schwach und angegriffen –

Durchaus nicht! Ich bin ganz wohl! Ich mißbrauche Ihre Güte.

Sprechen wir nicht davon! Wohin hätten Sie auch gehen wollen?

Ja, es ist wahr! sagte Villefort mit einem tiefen Seufzer. Wohin? Wohin?

Oh, ich will keine trüben Erinnerungen in Ihnen wecken! sagte der Herzog sanft. Es gibt allerdings eine Stätte, an der Sie sich heimisch fühlen werden.

Heimisch! rief Villefort schmerzlich. Nie! Ich habe keinen Ort mehr auf der Welt, wo ich glücklich sein könnte! Und ich darf ihn auch nicht haben! Ich verdiene ihn nicht!

Sprechen Sie nicht so! Sie mögen manches begangen haben, was auf Ihrem Gewissen lastet, aber Sie haben es bereut und sind dafür bestraft worden. Auch Ihnen ist noch ein glückliches Alter vorbehalten. Im Kreise Ihrer Kinder –

Herr! rief Villefort außer sich vor Aufregung und Schmerz. Sie töten mich mit Ihren Worten! Meine Kinder sind tot, alle – und diesem Bastard, diesem verfluchten Bastard wünsche ich den Tod, wenn er nicht tot ist! Eduard ist tot – Valentine –

Valentine lebt! sagte der Herzog, die Hand Villeforts ergreifend. Und das wissen Sie nicht?

Ich weiß nichts! Um Gottes willen – ich beschwöre Sie – treiben Sie keinen Scherz mit mir – es wäre zu viel! Valentine soll leben? Ich besitze noch ein Kind?

Und ein glückliches Kind! Valentine ist die Gattin eines braven Mannes, des Kapitäns Morel, sie ist Mutter! Hören Sie, Herr von Villefort, Sie sind Großvater!

Der Staatsanwalt sank auf einen Sessel, der hinter ihm stand. Der Herzog griff nach dem Fläschchen mit einer starken Essenz, das er für diesen Fall mitgenommen, und sprengte dem alten Manne, der einer Ohnmacht nahe war, einige Tropfen ins Gesicht. Dann wollte er Morel einen Wink geben. Aber das war nicht nötig. Der Kapitän lag bereits vor Villefort auf den Knien.

Mein Vater! rief er. Ja, Valentine lebt und ich bin ihr Gatte. Erinnern Sie sich meiner nicht? Auch ich hielt Valentine für tot, auch ich folgte ihrem Leichenzuge. Aber der Graf war es, der sie rettete. Denn sie war nur scheintot. Er vereinte mich mit ihr. Sie waren damals krank, schwer krank. Wir durften es Ihnen nicht sagen!

Villefort schien seine geistigen Kräfte zu sammeln. Es war in der Tat eine harte Prüfung. Aber sein Geist mußte in der letzten Zeit wieder ganz genesen sein, denn er bestand sie wie ein kräftiger Mann. Er begriff die Größe seines Glückes und flüsterte: Gott segne den Grafen Monte Christo! Ja! antwortete der Herzog. Wir wollen hinabgehen. Ich werde Sie in meinem Wagen nach den Champs-Elysées schicken. Kommen Sie mit mir hinab.

Der Kapitän ergriff den Arm seines Schwiegervaters. Villefort zitterte. Er schien noch immer damit zu kämpfen, etwas Unbegreifliches zu fassen. Auch ihn schien es gewaltig zu drängen, Valentine wiederzusehen. Aber er hatte nicht die körperliche Kraft, um zu eilen. Morel mußte ihn die Treppe hinabführen.

Der Herzog öffnete im Vorübergehen die Tür des Zimmers, in dem der Arzt wartete.

Ich danke Ihnen, Doktor! rief er. Es ist alles so, wie Sie gesagt haben! Es ist alles gut!

Dann bat er den Kapitän und Villefort, ihm zu folgen. Er trat in ein prächtiges Vorzimmer und aus diesem in ein einfacheres Kabinett. In diesem saß ein steinalter Mann regungslos in einem großen und bequemen Rollstuhl.

Villefort stutzte, als er ihn ansah. Dann warf er sich ihm mit einem Schrei zu Füßen.

Mein Vater! rief er. Ja, Sie sind es, mein Vater! Oh, dann ist Valentine nicht fern!

Es war in der Tat der alte Noirtier von Villefort, der Vater des Staatsanwalts. Dieser lag ihm jetzt schluchzend zu Füßen und umfaßte seine Knie. Der alte Noirtier konnte nicht sprechen, sich auch nicht bewegen. Alles an ihm war gelähmt, mit Ausnahme der Augen. Diese richtete er mit unverkennbarem Wohlwollen auf seinen bereits greisen Sohn.

Währenddessen traten ein Herr und eine Dame mit zwei Kindern in das Kabinett.

Julie! Emanuel! rief der Kapitän mit einem lauten Schrei.

Und er stürzte seiner Schwester, seinem Schwager in die Arme, während die Kinder freudig an ihm emporsprangen und jubelnd den Onkel willkommen hießen.

Nur eine fehlte noch, um diese Szene zu vervollständigen, und diese eine stand bereits in der geöffneten Tür. Es war Valentine mit ihrem Knaben an der Hand. Weder Villefort noch Morel bemerkten sie in diesem Augenblick.

Max war der erste, der sie sah, als sie noch einen Schritt vortrat.

Valentine! Mein liebes Weib! Mein Edmond! rief er mit einem Schrei des Entzückens, der allen durch das Herz drang, und im nächsten Augenblick ruhte er an dem Heizen seiner Gattin.

Bei dem Rufe Valentine war auch der alte Villefort, dessen Tränen die mageren Hände des alten Noirtier benetzt hatten, emporgeschreckt. Als er Valentine bemerkte, als er sie wirklich sah, die Totgeglaubte, die unter seinen Augen Gestorbene und Begrabene, konnte er einen Ruf der Überraschung nicht zurückhalten. Er richtete sich halb empor und seine Blicke ruhten auf ihr, wie auf einer Erscheinung, auf einer schönen Vision. Seine Züge verklärten sich und nahmen den Ausdruck des höchsten Glückes an.

In den ersten Minuten hatte Valentine nur Gedanken für ihren Gatten, und auch Morel dachte an nichts anderes, als Weib und Kind an sein Herz zu drücken. Aber plötzlich fielen die Augen Valentines auf den Staatsanwalt.

Sie stieß einen Schrei aus und verfärbte sich. Auch sie glaubte ihren Vater tot. Sie wankte, und Morel, der jetzt den Grund ihrer Überraschung erriet, mußte sie halten.

Mein Vater? rief sie dann. Ist das wirklich mein Vater?

Er ist es, Valentine! rief Morel. Er lebt! Auch ich habe es erst heute erfahren!

Valentine eilte mit einem Schrei und mit erhobenen Armen auf ihn zu. Vater und Tochter sanken einander ans Herz, heftig schluchzend, mit Tränen der Freude.

Kommen Sie, Morel! sagte der Herzog. Lassen wir die beiden allein! Solche Szenen bedürfen keiner Zeugen! Kommen Sie! Lassen Sie die beiden sich aussprechen.

Der Kapitän fühlte, daß der Herzog recht hatte. Er folgte dem Herzog in den anstoßenden Salon, und auch Emanuel mit seiner Gattin und seinen Kindern zog sich dorthin zurück, Valentine blieb mit ihrem Vater und ihrem Großvater allein.

Was sie dort miteinander sprachen und was die beiden fühlten, das wollen wir nicht einmal versuchen zu schildern. Eine lebhafte Phantasie mag sich ausmalen, was zwei Wesen fühlen, die einander totgeglaubt hatten und die sich nun in einem Augenblick des reinsten und höchsten Glückes wiederfanden.

Mein teurer Herzog! rief der Kapitän, die Hände des alten Herrn ergreifend und sie mit Wärme drückend. Wie soll ich Ihnen danken? Wie soll ich Ihnen aussprechen, was ich fühle! Sie haben mich unendlich glücklich gemacht. Danken Sie nicht mir, danken Sie dem Grafen Monte Christo! erwiderte der Herzog. In seinem Auftrage habe ich gehandelt.

Aber wie soll ich ihm danken? Wo kann ich ihn finden? rief Morel.

Er wird bald in Paris sein, antwortete der Herzog. Dann werden Sie ihn sprechen, und vielleicht wird ihm Ihr Dank wohltun, denn er ist durch einen großen Verlust niedergebeugt. Aber lassen Sie uns nicht weiter davon sprechen. Sie werden alles erfahren.

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