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Der Herr der Welt

Adolf Mützelburg: Der Herr der Welt - Kapitel 12
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authorAdolf Mützelburg
titleDer Herr der Welt
publisherZenith-Verlag Erich Stolpe Leipzig
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Auf dem Berge der Wünsche

Edmund Dantes und Haydee saßen beieinander im Zimmer des ersteren. Die junge Frau hielt auf ihren Armen einen Knaben, der wenig über ein Jahr alt war und in dessen unschuldigen, lieblichen Zügen sich der ruhige Ernst des Vaters und die Anmut der Mutter paarten.

Haydee, mein liebes Weib, sagte Dantes zu seiner Gattin, ich habe dir einen wichtigen Entschluß mitzuteilen. Ich bin willens, Kalifornien zu verlassen und nach Europa zurückzukehren.

So wollen wir es tun! sagte Haydee. Ich dachte mir längst, daß es dir auf die Dauer in dieser Abgeschiedenheit nicht gefallen könne.

Das nicht, erwiderte Monte Christo. Als ich hierherging nach Kalifornien, als ich diesen einsamen Winkel der Welt aufsuchte, dürstete ich nach Einsamkeit und Abgeschiedenheit. Im Kampfe mit der Welt, im Verfolgen meiner Pläne hatte ich meine ganze Kraft aufbieten müssen. Ich hatte mein Ziel erreicht, ich war sogar darüber hinausgegangen, und ich wollte nun mit dir allein sein, um auf die Vergangenheit zurückblicken und neue Pläne für die Zukunft entwerfen zu können. Ich wußte nicht, daß mir der Zufall hier größeren Reichtum geben würde, als ich je besessen. Diese Schätze blieben nicht ohne Einfluß auf meine Pläne. Ich konnte sie erweitern und umgestalten. Jetzt habe ich Schätze gesammelt, wie sie wohl kein anderer Mensch auf der Erde besitzt, ich habe hier eine Kolonie gegründet, die ausdauern und emporblühen wird, wenn ich auch nicht mehr hier bin. Ich bedarf keiner weiteren Schätze für mich und kann also den Berg der Wünsche verlassen. In Europa wird das Andenken an mich erloschen sein. Ich kann dort wieder auftreten, ohne fürchten zu müssen, sogleich erkannt zu werden.

Also du willst dich wieder in das Gewühl der großen Welt mischen, Edmund? fragte Haydee.

Deine Frage klingt so ängstlich, liebes Weib! Hast du etwas dagegen einzuwenden?

O nein, Edmund, nein. Aber in Paris, ich weiß es noch, warst du selten bei mir –

Ah, du fürchtest, das Gewirr Europas könnte mich dir entziehen! unterbrach sie Dantes lächelnd.

So laß uns nicht mehr daran denken, laß uns von Erfreulicherem sprechen! sagte Haydee. Was ist aus jener Französin geworden, aus der Tochter Morcerfs, die bei den Mormonen war?

Noch kann ich über ihre Zukunft kein bestimmtes Urteil fällen, antwortete Dantes. Ihr Glück hängt von dem Betragen des Mannes ab, dem sie sich angeschlossen hat. Aber ich hoffe, sie wird mit ihm glücklich sein. Seltsam, wie mir hierbei der Zufall eine Person in den Weg führte, die ich sonst jahrelang vergebens hätte suchen können. Ich erzählte dir von jenem Wolfram, einem verwegenen Burschen, der es wagte, mir in meinem eigenen Hause zu trotzen. Ich sagte dir schon damals, daß ich trotzdem diesen Menschen in mein Herz geschlossen, denn ich erkannte die Charakterstärke, die Festigkeit seines Willens und ein hohes, wenn auch irregeleitetes Ehrgefühl. Ich beschloß sogleich, mich seiner anzunehmen, und als ich hörte, daß Amelie seine Geliebte sei, sah ich ein, daß er nur durch die Liebe gerettet und gestärkt werden könne. Meine Erwartungen täuschten mich nicht. Ich schickte Amelie zurück zu den Mormonen. Ich sah voraus, in welche Kämpfe Wolfram mit diesen Leuten geraten und daß er mit Amelie fliehen werde. Von Bertois erhielt ich wöchentlich Nachrichten. Ich selbst begab mich einmal dorthin, um mich durch den Augenschein von den Zuständen der Mormonen und von der Lage dieser beiden jungen Leute zu überzeugen. Ich erzählte dir auch die Flucht der beiden aus dem Salzseegebiet und mein Zusammentreffen mit ihnen unterwegs. Nun aber zur Hauptsache. Bertois schrieb mir, Wolfram habe ihn auf seiner Insel um Waffen gebeten und ihm als Gegengeschenk einen Ring gegeben. Da ich ihm aufgetragen, sich nach allem zu erkundigen, was die Verhältnisse Wolframs anbetraf, so schickte er mir diesen Ring, denn darin befand sich ein Name. Dieser Ring ist für Wolfram von der größten Wichtigkeit. Er hat zu Bertois gesagt, daß er seinem Vater gehört habe, und es steht der Name Büchting darin.

Büchting hieß der Sterbende, der mir diese Goldminen entdeckte, und Wolfram ist ohne Zweifel sein Sohn. Ich hatte bereits von Berlin und Paris aus Nachricht, daß der Sohn Büchtings, ein gewisser Wolfram, nach Paris und von dort mit einem jungen Mädchen nach Amerika gegangen sei. Es ist also fast eine Gewißheit, daß dieser Wolfram ein Sohn jenes Mannes ist, dem ich die zweite und größere Hälfte meiner Schätze verdanke.

Welch seltsames Zusammentreffen! rief Haydee. Aber dann schuldest du ihm einen Teil dieser Schätze!

Ohne Zweifel! antwortete Monte Christo. Aber da Wolfram seinen Reichtum noch nicht kennt, und da er meiner Ansicht nach noch nicht in der Lage ist, den richtigen Gebrauch davon zu machen, so werde ich ihm diese Reichtümer erst dann zustellen, wenn sie ihm wirklich nützlich sind, d.h. wenn er über den Wert des Geldes so gleichgültig denkt, daß er den Reichtum nur noch als Mittel betrachtet, der Welt und seinen Mitmenschen zu nützen.

Und dieser Augenblick, sagst du, ist noch nicht gekommen? fragte Haydee.

Ich glaube nein, erwiderte Monte Christo. Doch du magst dich selbst davon überzeugen. Schon seit einiger Zeit war es mein Wille, dich von meinem Wirken zu unterrichten. Sieh hier, in diesem Fach liegen Briefe von meinen Freunden und Kopien meiner eigenen. Lies diejenigen, die dich am meisten interessieren. Mit wenigen Ausnahmen sind sie in französischer Sprache geschrieben. Vielleicht siehst du dann ein, daß ich in jener Nacht nicht zuviel gewünscht und gehofft hatte. Ich habe nicht alles erreicht, aber doch vieles. –

Brief an Fortery.

»Geehrter Herr!

Als ich zuerst Gelegenheit hatte, Sie kennenzulernen, habe ich Ihnen meine Ansichten über die Kirche der Heiligen des letzten Tages mitgeteilt und, wie ich glaube, auch in Ihnen einige neue Anschauungen erweckt. Ich bezeigte Ihnen meine Teilnahme für die Kirche tatsächlich, indem ich Ihnen hunderttausend Dollars anwies. Ich schicke Ihnen heute die Anweisung auf die doppelte Summe durch einen Mann (Bertois), dem Sie in allem, was meine Angelegenheiten betrifft, unbedingt trauen können.

Sie befragen mich, was ich für Sie in New York getan. Ich werde Ihnen bald darüber Auskunft geben können. Noch einmal, halten Sie Zucht und Ordnung und hüten Sie persönlich sich vor Wipky, dem ich mißtraue.

Lord Hope.«

Der Bankier Nathan in New Orleans an den Lord.

»Mylord!

Ich ergreife mit Freuden die Gelegenheit, Ihnen einen Dienst zu erweisen, der für mich das größte Glück ist. Ich werde es nie vergessen, Mylord, daß Sie es gewesen sind, der den sinkenden Kredit meines Hauses unterstützte, der mir beistand, meine Zahlungen zu leisten, der mir den Namen eines ehrlichen Mannes wiedergab. Ihre Instruktionen, wie ich mich in bezug auf den jungen Mann, der mir von Ihnen eine Anweisung bringen würde, zu verhalten habe, blieben lange unbenutzt, und ich glaubte schon, daß mir diese Gelegenheit, etwas in Ihrem Auftrage zu tun, entschlüpfen würde. Eines Tages jedoch trat ein junger Mann in unser Kontor, den ich sogleich als den von Ihnen geschilderten Wolfram erkannte.

Er war sehr bleich, seine Miene sehr gedrückt und betrübt, sein Anzug jedoch sauber, wenn auch etwas fremdartig. Man sieht ihm den Deutschen an.

Mein Herr, sagte er zu mir, haben Sie den Auftrag erhalten, tausend Dollars von jemand, namens Wolfram, für einen Herrn, den ich nicht kenne, in Empfang zu nehmen?

Allerdings, antwortete ich. Ich erhielt die Anweisung vor acht Wochen.

Ich bin jener Wolfram, sagte er. Es war mir nicht möglich, die tausend Dollars zurückzuzahlen. Ich bin es auch heute nicht imstande. Jener Herr setzte keine bestimmte Frist.

Nein, sagte ich, indem ich, wie Sie mir vorgeschrieben, durchaus die Miene des Geschäftsmannes annahm. Aber weshalb können Sie nicht zahlen?

Ich habe Unglück gehabt, erwiderte er. Zuerst wurde auf der Reise hierher meine Braut, meine Begleiterin krank, und ich mußte sie drei Wochen lang in einer Wüste pflegen und bewachen. Wir waren dem Untergange nahe, als wir auf einen Reiter trafen, der uns von seinen Vorräten mitteilte und dadurch rettete. Der Mann, der wie ein Quäker aussah, war mir fremd, aber ich hatte schon vorher in der Salzseestadt einige Worte mit ihm gewechselt. Er brachte uns auf den Weg nach Louisiana und wies mich an, von dort nach New Orleans zu gehen und mich in dieser Stadt unter Berufung auf ihn an das Bankhaus Nathan Brothers zu wenden. Zuletzt gab er mir noch eine Tausenddollarnote, und ich versprach ihm, Ihnen das Geld zurückzuerstatten. Als meine Braut und ich aber endlich am oberen Red-River anlangten, war ich so angegriffen, daß ich dort Pferde für mich und meine Braut kaufen mußte. Das raubte einen Teil des Geldes. Zwar verkaufte ich die Pferde wieder, als wir am Mississippi angelangt waren und das Dampfboot benutzen konnten. Aber man gab uns nur die Hälfte dafür. Kaum hier in New-Orleans angelangt, wurde ich selbst krank, und dieser Gang zu Ihnen ist heute mein erster Ausgang. Ich lag am gelben Fieber darnieder, und es ist ein Wunder, daß ich noch lebe. Während dieser Zeit habe ich natürlich nichts verdienen können und in einer fremden Stadt mehr Geld ausgegeben, als ich wohl sonst getan. Von jenen tausend Dollars besitze ich nur noch dreihundert. Wenn ich Ihnen diese jetzt zurückzahlen muß, so bin ich ein Bettler.

Jener Herr hat durchaus keine Zeit bestimmt, sagte ich. Behalten Sie deshalb die Summe. Sie sind jetzt gesund, Sie werden arbeiten können.

Ich hoffe es, erwiderte er. Aber in einer fremden Stadt, und zumal hier in New Orleans, wo man den Fremden so sehr mißtraut, wird es mir nicht gut möglich sein, eine Anstellung zu erhalten. Jener Herr, dessen Name ich nicht kenne –

Mr. Stanley – sagte ich, denn Sie hatten mir aufgetragen, Mylord, Sie so zu bezeichnen.

Mr. Stanley also, sagte er, hat mich an Sie gewiesen; er sagte mir, Sie könnten mir vielleicht durch Ihre Protektion Arbeit und Nahrung verschaffen.

Mr. Stanley hat mir etwas Ähnliches geschrieben, erwiderte ich, meiner Rolle getreu, noch immer kühl und geschäftsmäßig. Wir wollen sehen, was zu machen ist.

Er nannte mir seine Wohnung, in einer Vorstadt, und ging. Sein ganzes Wesen und Betragen hatte einen guten Eindruck auf mich gemacht, Mylord, und ich interessierte mich bereits für diesen jungen Mann. Ich eilte sogleich, mich nach den näheren Umständen zu erkundigen, und erfuhr, daß er mir die volle Wahrheit gesagt. Er hatte drei Wochen lang am gelben Fieber krank gelegen, zwischen Leben und Sterben. Seine Begleiterin oder seine Braut, die als sehr interessante Dame geschildert wird, hatte ihn keine Minute verlassen und soll selbst sehr erschöpft und ermattet sein. Sie wohnten in einer sehr einfachen Wohnung. Ich besuchte sie am folgenden Tage und sagte ihm, daß ich hoffe, er werde bei den Hafenbauten beschäftigt werden. Er schien sehr erfreut; seine Freude sank jedoch ein wenig, als ich ihm die geringe Summe und die untergeordnete Stellung bezeichnete, die er dort erhalten werde. Dennoch sah ich kein Zeichen offenbaren Mißmutes auf seinem Gesicht.

Es wurde mir etwas schwer, diesen beiden jungen Leuten gegenüber die Rolle zu spielen, die Sie mir vorgeschrieben haben, Mylord. Aber ich werde es durchsetzen. Seit acht Tagen arbeitet Wolfram als einfacher Arbeiter an Bauten im Hafen. Er hat eine noch bescheidenere Wohnung in der Nähe des Hafens gemietet. Die Luft ist dort schlecht und ich fürchte ernstlich, weder er noch seine Gefährtin werden die Dünste ertragen können.

Bis so weit sind die Sachen gediehen. Ich erwarte Ihre weiteren Verhaltungsbefehle, Mylord.

John Nathan.«

Der Lord an Nathan.

»Lieber Freund!

Wenn Sie mir schreiben, daß Ihre Gefühle einigermaßen unter dem Eindruck leiden, den das Schicksal dieser beiden jungen Leute auf Sie macht, so gebe ich Ihnen die Versicherung, daß dies bei mir in noch höherem Grade der Fall ist, da ich mich sehr lebhaft für beide interessiere und nichts sehnlicher wünsche, als daß sie in Zukunft wahrhaft glücklich seien. Dieser Wunsch aber ist es, der mir mein jetziges Betragen vorschreibt. Wolfram hat bewiesen, daß er allmählich gelernt, das Unglück zu ertragen. Ob er aber das Glück ertragen kann, hat er noch nicht bewiesen, und meiner Ansicht nach versteht nur der im Glücke zu leben, der möglichst viele Leiden ertragen hat.

Verfahren wir also nicht zu rasch! Häufen wir Hindernisse auf Hindernisse, um diesen beiden jungen Leuten das Leben schwer zu machen. Nur dürfen wir nicht zu weit gehen. Ich überlasse es Ihnen, das Ventil zu überwachen, damit der Kessel nicht springe. Krank dürfen sie nicht werden, dafür müssen Sie sorgen. Aber Wolfram muß in einen Zustand versetzt werden, der an Verzweiflung grenzt. Ersparnisse darf er nicht machen, er muß glauben, daß er ewig in Armut und Not bleiben werde. Seine Vorgesetzten müssen ihn quälen. Er darf Amelie nicht heiraten. Hält er das alles aus und bleibt dabei ein ehrenhafter und braver Mann – dann, lieber Freund, dann soll ihm geholfen werden. Noch kann ich ihm nicht trauen. Seine Prüfungszeit war zu kurz. In spätestens sechs Wochen erwarte ich abermals Nachrichten von Ihnen. Bis dahin wird sich etwas Entscheidendes herausgestellt haben. Suchen Sie den Familiennamen des jungen Mannes zu erfahren! Legen Sie auch nicht zu wenig Gewicht auf die Dienste, die Sie mir leisten. Was können Sie Schwereres tun, als gegen Ihr eigenes gutes Herz handeln!

Lord Hope.«

Nathan an den Lord.

»Mylord!

Nimmer hätte ich geglaubt, daß es mir so schwer werden würde, Ihnen eine Gefälligkeit – und eine scheinbar so kleine Gefälligkeit – zu erweisen! Nimmer hätte ich auch geglaubt, daß es so schwer sei, sein Herz zu bezwingen und sich vom Helfen und Unterstützen fernzuhalten.

Ich besuchte das Paar, bald nachdem ich Ihren zweiten Brief in dieser Angelegenheit erhalten. Ich fand die beiden jungen Leute dem Anscheine nach sehr gefaßt, in der Tat aber sehr traurig gestimmt. Die Schritte, die ich auf Ihre Aufforderung hin getan, hatten bereits zu wirken begonnen. Wolfram wurde von seinen Vorgesetzten, den Hafenbaubeamten, sehr streng behandelt. Er hatte einmal eine Äußerung über einen Fehler getan, der bei dem Entwurf begangen worden, und dies allein schon genügte – meine eigenen Schritte abgerechnet – ihm die Feindschaft seiner Oberen zuzuziehen. Man gibt ihm die schwierigsten und unangenehmsten Arbeiten. Seine Mitarbeiter, zum Teil rohe Menschen, sind ihm gleichfalls nicht wohlgesinnt, da er sich von ihnen abgesondert hat und ihre Schenken nicht besucht. Des Morgens um sechs geht Wolfram an die Arbeit, des Abends um acht Uhr kehrt er zu seiner Gefährtin zurück. Er hat nicht einmal den Trost, in ihrer Nähe arbeiten zu können. Auf meine Vorstellung hat Amelie eine Wohnung genommen, die von dem Flusse entfernt ist.

Vor einiger Zeit kam er zu mir und klagte mir, daß man seiner Verheiratung mit Amelie Schwierigkeiten in den Weg lege, weil man die Ehen armer Einwohner von New Orleans hindern wolle. In der Tat existieren hier solche Hindernisse nicht. Man traut jedes Paar, das getraut zu werden verlangt. Ich konnte dem armen jungen Manne nicht sagen, daß ich an diesen Schwierigkeiten schuld sei. Er war sehr traurig.

Amelie sagte mir, als ich sie besuchte, daß sie angefangen habe, sich nach Kunden für Handarbeiten umzusehen. Auch diese Hoffnung schlug ich in ihr nieder, indem ich ihr sagte, daß ihr Verhältnis mit Wolfram sie hindern werde. Zutritt in anständigen Familien zu erlangen. Beide waren unsäglich unglücklich.

Aber selbst das Schicksal scheint mit Ihnen im Bunde zu sein, verehrter Freund! Vor drei Wochen brach ein Aufruhr unter den Arbeitern im Hafen aus, und obgleich ich mit Bestimmtheit weiß, daß Wolfram sich ganz fern davon gehalten, so schob man ihm doch die Schuld zu – denn seine Oberen können ihn nicht leiden. Die Arbeiter, die, wie gesagt, ebenfalls nicht gut auf ihn zu sprechen sind, gaben sich keine Mühe, ihn zu rechtfertigen, und Wolfram wurde auf acht Tage ins Gefängnis geschickt.

Seit dieser Zeit ist er sehr tiefsinnig und sehr verschlossen. Er betrachtet selbst mich, wenn ich komme, mit düsteren Blicken, und manchmal glaube ich, daß er mit dem Gedanken umgeht, sich das Leben zu nehmen. Wahrscheinlich hält ihn nur der Gedanke an Amelie davon ab.

Also, Mylord, meiner Ansicht nach sind die Dinge bis aufs äußerste gediehen. Ich werde versuchen, das Springen des Kessels – wie Sie sich ausdrückten – noch einige Zeit lang hinzuhalten. Mag Ihre Antwort nicht zu spät kommen.

J. Nathan.«

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