Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Michael Corvin >

Der heimliche Kampf

Michael Corvin: Der heimliche Kampf - Kapitel 11
Quellenangabe
authorMichael Corvin
titleDer heimliche Kampf
publisherWegweiser-Verlag G. m. b. H.
yearo.J.
firstpub1930
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20181125
projectid1bf3eac0
Schließen

Navigation:

10

Zagainoff hatte die Frage des Türhüters, ob er einen Wagen herbeirufen solle, abgelehnt; er wollte den kurzen Weg bis zum Konferenzort mit seinen Partnern zu Fuß gehen, um mit sich und seinen Gedanken ins reine zu kommen. Um ihn trieb der Verkehr Londons in langen, gleichmäßigen Stößen vorwärts, er rollte wie in einer mächtigen Dünung, deren Rhythmus man sich nicht entziehen konnte, dahin.

Was war geschehen? Er hatte sich verliebt – das war alles, verliebt – Jury summte unbewußt vor sich hin und blickte mit glänzenden Augen in den trüben Tag, als seien die Taxis, Autobusse und hastenden Menschen in ein strahlendes Licht getaucht. Er mußte an den alten Chaplinfilm » The Kid« denken – an Chaplin im Himmel. Und dabei fiel ihm ein, wo er den Film gesehen hatte, und daß es in Kiew gewesen war – vor einer Reihe von Jahren, die nun, beim Zurückblicken, endlos lang zu sein schien. Seine Gedanken irrten eine Minute lang in der Vergangenheit umher – trafen hier und da und dort auf die Erscheinung einer Frau, die er gekannt und wieder vergessen hatte – und das brachte ihn zurück zu Esther.

Er war verliebt, Herrgott, welch ein Dilemma! Er war verliebt, welch ein Glück! Jury mußte vom Summen ins Pfeifen übergehen, um auch äußerlich mit seiner Stimmung Schritt zu halten, wie schön war Esther Raleigh! Aber das war ja Unsinn! Sie war ein Mensch, und er glaubte, sie so gut verstehen zu können! Ein junger, kraftvoller Mensch, geladen mit allen Energien einer unverbrauchten Jugend, gespannt von der Erwartung, das Leben vor sich zu haben!

Und wieder kam ihm die Erinnerung an das Leben, in das sie nun geraten sollte, dem sie entgegentrieb, unaufhaltsam, von einem dunklen Schicksal gelenkt. Sie war zu diesem Beruf gekommen wie ein anderer Mensch zum Beruf eines Buchhändlers oder eines Pfarrers – er mußte lachen –, sie war ganz unschuldig, gar nicht kompliziert oder dekadent. Esther Raleigh war ganz einfach jung, das war alles.

Es war Jury durchaus klar, welche Gefahren die Zukunft für Esther barg, er machte sich keine Illusionen darüber, daß sie gerade bei ihrer Unverbrauchtheit eine fürchterliche Waffe in der Hand geschickter Strategen sein konnte – und er wußte genug von der Tüchtigkeit Selfrides.

Eine Verbindung mit Esther – er hörte auf zu pfeifen und sah mit einem Male, wie neblig und farblos die Straße um ihn war und wie grau der Himmel darüber hing. Er klammerte sich an das Wort »Kameraden« – wie ärmlich war dieses Wort für sein Gefühl! Er schwor sich, zu ihr zu halten, was auch geschehen möge, selbst auf die Gefahr hin –

Da stand er vor dem Hause, das sein Ziel war, und trat ein. Er fand die Teilnehmer der Sitzung bereits vor, man erwartete ihn. Jury kannte die meisten dieser wohlgenährten und rosigen Herren, die es zu Geschäften mit dem Osten drängte. Er begrüßte sie, setzte sich und war fünf Minuten später mitten in der sachlichsten Debatte, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang Esther zu vergessen. Es gelang ihm, die Unterredung schnell zu beenden – die Herren erbaten sich noch einige Tage Bedenkzeit – und allen Einladungen für die nächste Stunde aus dem Wege zu gehen. Er rief einem Taxi und war schon kurz nach zwei Uhr im Hotel, wo er erfuhr, daß Miß Raleigh sich um drei Uhr wecken lassen wollte.

Jury benutzte diese eine, ihm noch verbleibende Stunde dazu, sich die darauffolgenden zehn Minuten vorzustellen, was sich als unerwartet schwierig erwies. Einen Augenblick lang dachte er daran, einfach vor Esther hinzutreten und sie mit der Erklärung seines Zustandes zu überraschen. Dann überlegte er sich ein Dutzend diplomatischere Wege, die er aber alle wieder verwarf, da sie ihm unmöglich, lächerlich und viel zu kompliziert erschienen. Schließlich entschied er sich, alles dem Zufall zu überlassen, und wartete, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend, bis drei Uhr. Dann ließ er sich von seinem Zimmer aus mit Miß Raleigh verbinden, die gerade geweckt worden war, und fragte an, wie sie sich fühle und ob er sie einen Augenblick besuchen dürfe.

Esther war, vom Schlafe ein wenig erfrischt, aufgewacht, als man sie pünktlich um drei Uhr vom Portier aus anrief, kurz danach kam Jurys Gespräch, und sie bat ihn, ohne zu zögern, zu ihr zu kommen. Sie habe noch eine knappe Stunde Zeit, bis sie mit Herrn Larker unten verabredet sei.

Es klopfte, und auf ihr »Herein« trat Jury Zagainoff in einer Verfassung ein, in der sie ihn noch nie gesehen hatte. Er bewegte sich wie ein Dilettant auf der Bühne, machte ein unsicheres Gesicht und bot im ganzen das Bild eines unendlich verlegenen Mannes, der nicht recht weiß, wie er in eine verzwickte Situation gekommen ist. Esther bat ihn, Platz zu nehmen, und lächelte ihn fragend an. Ihr Besucher rückte unruhig auf einer Stuhlecke hin und her und sagte schließlich mit gepreßter Stimme, es sei vielleicht sehr unrecht von ihm gewesen, vorhin so zu reden; aber – und er sah sie mit einem hilflosen Blick an und zuckte die Achseln. Seine Befangenheit drohte Esther anzustecken, sie fühlte, daß die Unterhaltung auf diese Weise nicht fortgesetzt werden konnte, und erhob sich. Jury, der diese Bewegung offenbar falsch verstand, sprang sofort auf, zögerte einen Augenblick und faßte auf einmal ihre beiden Hände, die er festhielt, während er sie anstarrte.

Einen Moment lang war Esther willens, sich loszureißen; aber dann trafen sich ihre Blicke, sie neigte ihren Kopf halb unbewußt dem seinen entgegen und fühlte sich im nächsten Augenblick fest umschlungen. Eine letzte halb abwehrende Bewegung hatte nur den Erfolg, daß Zagainoff sie heftiger an sich drückte und ihr Gesicht, immer noch ohne ein Wort zu sagen, wahllos mit Küssen bedeckte, bis sich ihre Lippen gefunden hatten.

Esther hatte später keine Ahnung, was sie oder Jury in der nächsten halben Stunde gesprochen hatten; sie wußte nur, daß es ein völlig verliebter Unsinn gewesen war, und daß sie beide ihre Arbeit, ihre Zukunft und alles, was außerhalb dieser glücklichen Minuten lag, vergessen hatten. Sie erinnerte sich noch, wie schwer es gewesen war, sich um vier Uhr zu trennen, damit sie zur rechten Zeit mit Herrn Larker zusammentreffen könne, und welche Qual es sie gekostet hatte, Jury auf die Notwendigkeit dieser Unterhaltung aufmerksam zu machen, und ihm zu sagen, daß sie nun in die Halle hinuntergehen müsse. Aber zu ihrem Erstaunen und ihrer Freude verstand er selbst in diesen Augenblicken, daß sie nicht sich allein gehöre, und machte ihr den Moment der ersten Trennung leicht. Während Esther sich fertigmachte, um zu gehen, besprachen sie noch sehr ruhig und vernünftig, was nun geschehen müsse. Jury erklärte, daß er noch etwa eine Woche in London bleibe und erst dann eine Entscheidung treffen könne, ob er auf den Kontinent zurück oder vielleicht für kurze Zeit nach den Vereinigten Staaten fahren müsse. Auf jeden Fall würden sie sich sehen, sobald Esther von ihrer Bergwerksreise zurück sei. Sie erzählte ihm von ihren Befürchtungen bezüglich irgendwelcher Annäherungsversuche Larkers und des Herzogs. Er beruhigte sie und empfahl ihr, die Sache nicht allzu tragisch zu nehmen. Es würde sicherlich nicht sehr schwierig sein, ein längeres Alleinsein mit einem von beiden zu vermeiden; außerdem halte er den Herzog trotz allem für einen Gentleman, und bei Larker würde schlimmstenfalls ein kräftiges Wort genügen. Sie waren bei dieser Unterhaltung langsam die Treppe hinabgegangen und trennten sich in der Halle, die Esther durchschreiten mußte, um zu dem mit Larker verabredeten Treffpunkt zu kommen.

Weder sie noch Jury hatten bemerkt, daß ein unauffällig gekleideter Herr – er mochte Rechtsanwalt oder dergleichen sein – sie beobachtet hatte, nach dem Verschwinden beider sich eine Notiz machte und dann, nach einem Blick auf die Uhr, das Hotel verließ.

Larker wartete schon am Tisch und sprang beflissen auf, als Esther näher kam. Er war mit einer etwas penetranten Eleganz angezogen, seine Kleidung war untadelig, aber dennoch sah er in einer undefinierbaren Weise »angezogen« aus. Er duftete nach dem Modeparfüm, gemischt mit einem Haarwasser, dessen glättende Spuren auf seinem sorgfältig gezogenen Scheitel noch sichtbar zu sein schienen.

Esther nahm mit einem vergnügten Gesicht Platz. Der herrlich zurechtgemachte Mister Larker wirkte geradezu beruhigend auf sie, und sie war einen Augenblick lang geneigt, ihn für harmloser zu halten, als er wirklich war. Larker eröffnete das Gespräch, indem er sich für ihr Kommen bedankte, und bemühte sich dann, ihr an Hand eines Planes und einiger hübsch kolorierter Zeichnungen den Betrieb von Bergwerken im allgemeinen und den von Cold Gate im besonderen zu erklären.

Sie hörte etwas zerstreut zu, während er immer eifriger wurde, näher rückte, auf dem Plan mit dem Finger herumfuhr und einmal wie unabsichtlich seine Hand auf ihren Arm legte. Esther nahm, ohne sich irgendwie gekränkt zu zeigen, ihren Arm fort und machte Larker darauf aufmerksam, daß er im nächsten Augenblick vom Stuhl fallen würde, wenn er sich noch weiter nach rechts zu ihr herüberbeuge. Gleichzeitig schob sie den vor ihr liegenden Plan ein wenig näher zu Larker hin, so daß er wohl oder übel den Zwischenraum zwischen sich und Miß Raleigh vergrößern und auf die von ihm so heiß ersehnte Tuchfühlung verzichten mußte.

Er bemühte sich nun, von dieser Zurückweisung doppelt angespornt, um größte Ernsthaftigkeit in seinen Ausführungen, und Esther, der es nicht entgangen war, welchen Eindruck ihre stille Entschlossenheit auf den Damen gegenüber allzu sieggewohnten Herrn Larker gemacht hatte, hörte nun auch etwas genauer auf seine nicht uninteressanten Erklärungen. Nach dem Schluß seiner Rede erfolgte noch eine kurze beiläufige Unterhaltung, in der es Larker für notwendig hielt, zu erwähnen, daß Herzog Eric zum Kummer seiner Gattin einen gewissen Ruf als Don Juan besitze, und daß er, Larker, sich freue, Miß Raleigh vor allen nur denkbaren kleinen Unannehmlichkeiten schützen zu können. Gleichzeitig bemühte er sich, den Herzog zu verteidigen und ihn gewissermaßen als Opfer seines Namens und seiner Stellung hinzustellen, in der er nur zu sehr verwöhnt würde.

Esther dankte Herrn Larker sehr ernsthaft für seine ritterliche Erklärung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herzog Eric nicht vergessen werde, wer sie sei. Als Berichterstatterin eines Weltblattes genieße sie zwar nicht die Immunität der Diplomaten, aber sie glaube doch, in einer ähnlichen Weise wie der Vertreter einer Regierung unantastbar zu sein. Larker beeilte sich, ihr zuzustimmen. Bevor sie auseinandergingen, teilte er ihr noch mit, daß der Wagen des Herzogs, in dem sie mit den drei deutschen Herren, dem Herzog und ihm selbst fahren würde, am nächsten Morgen um neun Uhr vor dem Hotel sein werde, und er sie in der Halle abholen würde. Es sei wohl zweckmäßig, schon vorher ein wenig zu sich zu nehmen, da man mit etwa vier bis fünf Stunden Fahrt rechnen müsse.

Herr Larker verabschiedete sich mit einer für Esther neuen Art von zeremonieller Vertraulichkeit, die sie höchlichst belustigte. Nach seinem Fortgehen ging sie in die Halle, wo sie die nötigen Anweisungen für den nächsten Morgen gab.

 

Esther war gerade im Begriff, den Lift zu betreten, als ein Page des Hotels auf sie zueilte und ihr einen Rohrpostbrief übergab. Etwas erstaunt – sie wußte nicht, wer ihr hier in der Stadt so eilige Briefe schreiben konnte – öffnete sie den Umschlag und entnahm ihm ein kurzes Schreiben. Das Blatt war mit dem Buchstaben S unterzeichnet, mit der Maschine geschrieben und im Ton vollkommen unpersönlich. Sie erkannte sofort, daß es eine Nachricht von Selfride war, der ihr nur mitteilte, er hielte es für richtig, wenn sie vorderhand weder ihn noch Hardley sehe. Sie werde noch am gleichen Abend ein kleines Paket erhalten, in dem sie eine Armbanduhr finden würde. Die Uhr enthalte einen winzigen, aber sehr scharfen fotografischen Apparat, dessen Weitwinkelobjektiv es gestatte, aus etwa 30 cm Entfernung eine Folioseite aufzunehmen. In dem Apparat befände sich Film für etwa fünfzig Aufnahmen, im übrigen liege der Fotouhr eine Gebrauchsanweisung bei. Er habe erfahren, daß der Herzog voraussichtlich eine Reihe wichtiger Papiere, die sich auf seine geplanten Operationen bezögen, mit nach Cold Gate nehmen werde, um sie dort mit Larker und den deutschen Herren, die ja die Fahrt mitmachen sollten, als Unterlage von wichtigen Besprechungen zu verwenden.

Soweit war alles klar und verständlich, wenn auch ein wenig beängstigend mit seinen abenteuerlichen Perspektiven. Aber dann kam ein kleiner Nachsatz, der sie stutzig machte. Er lautete sehr einfach:

»Sollte es für Sie notwendig sein, sich sehr schnell von Cold Gate zu entfernen, so wird für Sie vor dem dortigen kleinen Hotel › The Crown‹ ein Auto stehen, das Sie nach Nennung Ihres Namens herbringen wird.«

Also war dieser Auftrag Selfrides doch nicht ganz so einfach, wie er ihr im ersten Augenblick geschienen hatte. Eine kurze Überlegung ließ sie erkennen, daß gerade der Punkt, den sie als den abenteuerlichsten empfunden hatte, das Fotografieren etwaiger Dokumente, eigentlich das leichteste sein würde. Die fast unübersteiglichen Schwierigkeiten lagen vielmehr darin, überhaupt Einblick in die Papiere zu bekommen und, wenn dies gelang, Zeit und – Licht genug zum Fotografieren zu haben. Sie begriff, daß bei ihrer Tätigkeit kein geringer Teil der Erfolge von glücklichen Zufällen abhing; aber gerade das bedeutete im Grunde einen Reiz mehr. Hätte es sich lediglich um die Erdenkung und Ausnutzung rein logischer Spekulationen gehandelt, so wäre sie im Zweifel gewesen, ob ihr auch nur einige derartige Unternehmungen gelingen könnten. Aber jetzt, da das Glück eine gewisse Rolle dabei spielte, fühlte sie sich, sonderbar genug, sicherer und beruhigter.

Sie betrat ihr Zimmer und fand hier Post, mehrere Briefe aus Deutschland, vor. Es waren drei Schreiben, von Georg, Burg und Fräulein Cohn. Sie las hastig, und mit dem Lesen kam wieder das alte ängstliche Gefühl über sie. Die Unterhaltung mit Larker vorhin war ja auch nicht dazu angetan gewesen, sie zu beruhigen; wenn auch hier ihre Befürchtungen sich nach einer ganz anderen Richtung hin erstreckten. Sie drohte, in ein unfruchtbares Grübeln zu fallen, als es klopfte und ein Boy ihr das kleine Paket von Selfride hereinbrachte. Sie öffnete es und betrachtete das zierliche Kunstwerk der geheimnisvollen Uhr. Sie staunte wie ein Kind über die geniale Einrichtung des kleinen Mechanismus und beschloß, den Apparat Jury noch zu zeigen, bevor sie fortfuhr. Außer der Gebrauchsanweisung fand sie noch drei winzige Röllchen Film und kam sich nun wie mit allen Mitteln der modernen Technik ausgerüstet vor. Sie legte das Armband an und nahm dann wieder die Briefe, um sie nochmals durchzulesen und, wenn möglich, noch vor ihrer Fahrt zu beantworten.

 

Am nächsten Morgen wurde sie zu der verabredeten Stunde geweckt, und als sie in die Halle hinabkam, stand bereits Larker da und erwartete sie. Er teilte ihr mit, daß der Wagen des Herzogs draußen warte, Herzog Eric und die drei deutschen Herren säßen bereits drinnen. Esther, die ihr erstes Frühstück bereits auf ihrem Zimmer zu sich genommen hatte, hinterließ bei dem Hotelportier nur noch einige Anweisungen und trat dann, begleitet von Larker, auf die kalte und nasse Straße. Herzog Eric war aus dem Auto gestiegen und half ihr in die mächtige Limousine, dann stiegen er und Larker nach, und einige Augenblicke später glitt der Wagen durch die Straßen, während der Herzog Miß Raleigh nochmals mit den deutschen Herren bekannt machte. Es entwickelte sich sehr bald eine angeregte Unterhaltung, die sich zumeist um technische Fragen drehte. Esther verstand von alledem nicht sehr viel, bemühte sich aber, auch die technischen Ausdrücke zu behalten und zu beobachten, von welcher Seite aus neue Vorschläge kamen und wie sie aufgenommen wurden. Nach einer Weile flaute das Gespräch ab, man sah draußen im trüben Licht eine etwas monotone Landschaft vorbeigleiten, und Larker bemühte sich jetzt, ein Esther angenehmes Gespräch in Gang zu bringen. Er kam auf alle möglichen gleichgültigen und belanglosen Dinge zu sprechen, und Esther mußte sich eingestehen, daß Herrn Larkers Meinung von der weiblichen Intelligenz nicht gerade hoch war. Es gab immerhin außer Gesellschaftsklatsch und modischen Fragen noch einige andere Themen, von denen man voraussetzen konnte, daß sie eine halbwegs gebildete Frau interessieren mußten. Erst als Herzog Eric sich einmischte, wurde es lebhafter, und damit hatten sich zwei Gruppen im Wagen gebildet; da die drei deutschen Herren es vorzogen, miteinander ein halblautes Gespräch zu führen, dem Esther nicht folgen konnte.

Nach etwa fünf Stunden – man war, trotz der vorzüglichen Federung des Hispano Suiza, einigermaßen durchgerüttelt und dazu reichlich hungrig geworden – fuhr der Wagen in Cardiff ein. Es ging ohne Aufenthalt durch die Stadt hindurch zu der Grube, die ein wenig außerhalb des Weichbildes lag. Esther bemühte sich, während dieser Fahrt das Hotel zu sehen, von dem Selfride geschrieben hatte, sie konnte es aber nicht entdecken. Endlich hielt man vor einem mächtigen, weitgeöffneten Eisentor, das die einzige Unterbrechung einer langen, grauen Umfassungsmauer bildete. Man hätte an ein Gefängnis denken können, wenn nicht innerhalb der Mauer die riesigen Fördergerüste und die allerdings nicht sehr umfangreichen Anlagen einer Kokerei sichtbar gewesen wären. Der Wagen fuhr in den weitläufigen, von einer Reihe niederer Gebäude umgebenen Hof ein. Aus dem stattlichsten der Häuser lief, während die Insassen des Wagens im Begriff waren auszusteigen, ein Mann, dem kurz darauf ein zweiter folgte. Es war einer der Bergwerksinspektoren, ein zuverlässig und hart aussehender Mann, den vorzustellen der Herzog nicht für nötig zu halten schien. Auch der zweite der Beamten, einer der Verwaltungsleute, wurde nur mit einer allgemeinen Handbewegung bekannt gemacht, und dann begab sich die kleine Gesellschaft in das Gebäude, das hinter seiner schmucklosen Front eine Reihe schön gebauter Räume besaß, die um eine große Halle gruppiert waren. Die Gäste legten ab und versammelten sich wieder in dem Mittelraum vor dem brennenden Kamin, bis ein Diener eintrat und meldete, daß das Essen angerichtet sei.

Das sehr kräftige Frühstück war in einem der Nebenräume serviert. Man setzte sich zwanglos zu Tisch, Esther als die einzige Dame hätte dreimal so viel essen müssen, als ihr möglich war, wenn sie auch nur halbwegs den Angeboten von allen Seiten gefolgt wäre. Nach dem Lunch erklärte der Herzog, er schlage vor, heute nachmittag erst eine Besichtigung der oberirdischen Anlagen vorzunehmen und erst morgen im Laufe des Vormittags in den Schacht einzufahren. Er habe sich erlaubt, alles für das Übernachten Notwendige vorzubereiten, und hoffe, daß er sogar Miß Raleigh alle Bequemlichkeiten werde bieten können, die sie gewohnt sei. Er klingelte dem Diener und einem Hausmädchen und ließ den Gästen ihre Zimmer zeigen.

Die Räume lagen im ersten Stock, das Fenster des Esther zugewiesenen Zimmers ging auf einen kleinen, mit ein paar kümmerlichen Birken bestandenen Rasenplatz hinaus. Als Gegenüber hatte sie allerdings in einiger Entfernung die große Umfassungsmauer, die von dieser Seite nur etwa mannshoch war, da der Grund offenbar aufgeschüttet war. Sie entließ das Zimmermädchen, das ihr eine Art Overall gereicht hatte, der bei der Besichtigung dazu dienen sollte, die Kleider zu schonen, und zog sich um. Als sie sich in dem großen Schrankspiegel betrachtete, mußte sie lächeln. Trotz seiner Plumpheit stand ihr der Anzug ausgezeichnet, und als sie nun den Gürtel der Leinenjacke anzog und die Falten ein wenig ordnete, sah die grobe Tracht sogar recht kokett aus. Sie schloß auch die Wetterschutzmanschetten und achtete nur darauf, das Handgelenk mit der Armbanduhr freizubehalten. Dann ging sie leise auf ihren mit Kreppgummisohlen versehenen Schuhen zur Tür und die Treppe hinab in die Halle.

Es herrschte unten ein mildes Licht, da außer dem Feuer im Kamin nur zwei elektrische Leuchter brannten. Sie fand sich in dem Raum allein, die Herren brauchten wohl mehr Zeit, sich fertigzumachen, als eine Frau von heute. Sie betrachtete die Gegenstände in der Halle, ging unbefangen umher und öffnete wie zufällig oder mechanisch diese und jene der ringsum verteilten Türen. Sie sah in einen büromäßig eingerichteten Raum, ein Zimmer schien ihr als Konferenzsaal gedacht zu sein, ein drittes mit tiefen Ledersesseln und schweren Möbeln machte den Eindruck eines gemütlichen Herrenzimmers. Viel konnte sie in dem herrschenden matten Licht nicht erkennen, aber sie war mit dem Ergebnis dieser ersten Inspektion nicht unzufrieden. Esther hatte gerade vor einem Bild, das die Einfahrt in einen Schacht zeigte, Aufstellung genommen, als sie von der Treppe Schritte hörte und beim Umdrehen den Herzog erkannte, der ihr entgegenkam.

Herzog Eric, der in der dunklen Bergmannstracht noch massiver als sonst wirkte, trug unter dem linken Arm eine schweinslederne Aktentasche. Er begrüßte Esther ausgelassen wie ein Schuljunge, bewunderte ihr Aussehen und bat sie dann, ihn noch einen Augenblick zu entschuldigen. Während Esther sich wartend in einem der Sessel am Kamin niederließ, ging der Herzog durch die vorhin von Esther geöffnete Tür, die in das Herrenzimmer führte, und kam einige Augenblicke später ohne die Tasche wieder heraus. Er setzte sich seiner schönen Besucherin gegenüber und fragte sie, ob sie nicht ein wenig Angst haben würde, wenn es in dem Förderkorb fast tausend Meter unter Tag hinabginge. Esther verneinte lachend und erzählte ihm, daß schon Herr Larker sie auf das ungewohnte Gefühl vorbereitet hätte, das bei der jähen Niederfahrt den Neuling überkomme. Larker habe sie auch über die sonstigen Einrichtungen des Bergwerkes, so gut es möglich sei, unterrichtet, sie sei schon sehr gespannt darauf, den ganzen Prozeß der Kohleaufbereitung zu sehen.

Inzwischen kamen die deutschen Herren und wenige Minuten danach auch Larker die Treppe herab, und die kleine Gesellschaft machte sich auf, um zunächst die erste Besichtigung vorzunehmen. Der Herzog übernahm selbst die Führung. Es ging über den großen Hof, dann durch eine schmale Gasse zwischen ein paar Schuppen, und fast unvermittelt tauchte vor den Besuchern das plumpe Gerüst des Förderturmes auf. Man hörte beim Näherkommen ein gleichmäßiges Surren, das nach einem Klingeln plötzlich abbrach: und nun erkannte Esther auch, daß sich in der Höhe des Gerüstes ein riesiges Rad befand, über das ein Drahtseil lief. Das Seil verschwand auf der einen Seite in einem niederen Gebäude, neben dem ein Schornstein aufragte, das andere Ende des Drahtseils schien in den Boden zu führen. Herzog Eric brachte seine Gäste zunächst in das Gebäude hinter dem Fördergerüst. Sie betraten einen mäßig großen Raum, in dem ein Mann vor einer Art Automobilschaltung saß. An der Wand zu seiner Seite war ein Armaturenbrett mit Lampen und mehreren Klingeln befestigt, darunter ein Zifferblatt mit einem einzelnen Zeiger. Im Hintergrund des Raumes ragte, die ganze Breite der Wand ausfüllend, eine riesige Kabeltrommel in das Zimmer. Über diese Trommel lief das Drahtseil, das nach außen über die Seilscheibe zum Förderkorb führte. Die Achse der Trommel war nicht zu sehen, sie führte, wie der Herzog erklärte, ins Maschinenhaus nebenan.

Der Mann hatte auf den Gruß der Eintretenden nur kurz geantwortet, er schien gespannt auf das Brett mit den Lampen zu starren. Dann leuchtete eine der Birnen auf, eine Klingel schnurrte, und der Mann stieß den größeren der Schalthebel, an denen er saß, nach vorn. Im gleichen Augenblick begann sich die Trommel zu drehen, und die Bewegung steigerte sich so schnell, daß Esther eine Sekunde lang die Augen schließen mußte. Als sie zur Seite sah, bemerkte sie, wie der Zeiger der sonderbaren Uhr, die ein Tiefenmesser war, hinabglitt, und erkannte nun den Sinn der Zahlen, welche die Tiefe in Yards anzeigten, die der Fahrkorb erreichte. Die Bewegung der Trommel hörte erst auf, als der Zeiger auf 1000 stand. Herzog Eric sagte ihr, daß der Korb nun auf der untersten Sohle halte, unter der nur noch der Pumpensumpf liege. Esther erinnerte sich daran, daß ihr Larker von diesem tiefsten Punkte jedes Schachtes erzählt hatte. Im Pumpensumpf, einem mit Kohle und Erdbrühe durchsetzten Loch, sammeln sich die Abwässer der Grube, die von dort durch eine Anzahl von Pumpen aus dem Bergwerk gesogen werden. Larker hatte auch nicht versäumt zu erwähnen, daß, freilich sehr selten, Fahrkörbe bei Seilbruch in die Tiefe stürzten, und daß ein solcher Fall unter allen Umständen zu einer völligen Zertrümmerung des Korbes führen müsse. Als sie den Raum verließen, hörte Esther gerade wieder ein Klingeln und bemerkte noch, wie die Trommel sich in entgegengesetzter Richtung zu drehen begann.

Der Maschinenraum, den der Herzog nun zeigte, enttäuschte Esther ein wenig. Sie war von Fotografien her auf mammuthafte Einrichtungen gefaßt gewesen und fand diese nicht übermäßig große Dampfmaschine eigentlich etwas kläglich. Sie hatte auch den Eindruck, daß die deutschen Herren von der Einrichtung nicht sehr begeistert waren, und hörte, daß sie dem Herzog vorschlugen, an Stelle der überholten Dampfmaschine einen umsteuerbaren Dieselmotor zu setzen, dessen Betriebsstoff er ja an Ort und Stelle gewinnen könnte. Der Herzog lachte und bat seine Gäste, ihm nun in die Kokereianlage zu folgen.

Auf dem Wege dorthin kam man am Schachteingang vorbei; Esther hatte beim Anblick der zwischen die Stahlstreben des Turmes gebauten Hütte den Eindruck des Provisorischen und Mangelhaften. In dem Augenblick, in dem sie vorbeikamen, öffnete sich die Tür, und mehrere Menschen traten heraus, die schwere, mit schwarzen Brocken gefüllte Loren vor sich herschoben. Esther Raleigh erschrak beim Anblick dieser Menschen. Sie alle gingen gebückt, krumm und hoffnungslos, so, als sei es ihnen unmöglich, jemals den Kopf aufrecht zu tragen. Ihre schwarzen Anzüge waren beschmutzt und feucht, die Gesichter von einer ölglänzenden dunklen Schmiere überzogen und von niedertropfenden Schweißbächen hell durchfurcht. Sie sahen kaum auf, grüßten nicht und trotteten schwer hinter den Wagen einher, die auf Schienen vorwärts gestoßen wurden. Eine kleine Lokomotive, die etwas entfernter gewartet zu haben schien, setzte sich mit einem gellenden Pfiff in Bewegung, um die Loren abzuholen.

Esther schauderte und wäre doch stehengeblieben, wenn Larker nicht vorwärts gedeutet und sie halb mitgezogen hätte. Vor ihnen erstreckte sich ein langes niederes Gebäude mit halbblinden und vielfach zerbrochenen kleinen Fenstern. Dr. Messelmann schüttelte den Kopf und sah seine Begleiter an, während man eintrat. Das Innere des Hauses entsprach seiner äußeren Ansicht. Seiner ganzen Länge nach sah man auf der einen Hälfte eiserne Platten, hinter denen etwa armdicke Rohren aufragten, die sich im Hintergrund zu einer einzigen stärkeren vereinigten. Das große Rohr führte aus dem Raum in einen anderen Teil der Kokerei. Hier wurden in gewaltigen Röstanlagen unter der Erde die vorher zerkleinerten und gesiebten Steinkohlen dem Verkokungsprozeß unterzogen, um das Gas aus ihnen zu ziehen. Auf die Frage eines der deutschen Chemiker, was mit der gesamten Menge der übrigen hochwertigen Rückstände geschehe, zuckte der Herzog nur die Achseln und meinte lächelnd, gerade darüber wolle man sich ja unterhalten.

Nun begann eine ziemlich lange und für Esther einigermaßen ermüdende Prüfung der ganzen Anlage. Der Anblick der Generatoren, Filter, Gasreinigungskessel und schließlich des Gasometers interessierte sie herzlich wenig, und sie glaubte auch mit Recht annehmen zu dürfen, daß diese technischen Details weder für die »Welt« noch für Selfride irgendwelche Bedeutung hätten.

Aber da sah sie, wie Dr. Messelmann eine Blaupause aus der Tasche zog und entfaltete, ein Blatt von ziemlich beträchtlichem Umfange, das eine komplizierte technische Zeichnung zu enthalten schien. Die blaue Pause wurde auf einen Werktisch gelegt, und da alle Herren herantraten, so blickte auch Esther unbefangen auf die ihr ziemlich unverständliche Zeichnung. Sie glaubte nur zu erkennen, daß es sich um eine neue Verkokungsanlage handelte, da einer der Herren von der Möglichkeit sprach, bei dem Ausbau die gegenwärtig vorhandenen Räume mit zu benutzen. Ohne zu wissen ob es viel wert habe, beschloß Esther, zum erstenmal ihre Uhrkamera zu benutzen. Es war gleichzeitig eine Probe ihrer Unbefangenheit und Sicherheit. Sie hob den linken Arm, an dem sie die Uhr trug, vor ihre Augen, als wolle sie die Zeit ablesen, und drückte dabei mit der andern Hand den Auslöser, der die in der Krone der Uhr befindliche Blende betätigte. Der ganze Vorgang dauerte eine Sekunde und schien vollkommen gefahrlos zu sein. Esther mußte lachen, obwohl sie jetzt nach der Aufnahme etwas Herzklopfen bekommen hatte. Von den Anwesenden hatte natürlich kein Mensch irgend etwas bemerkt, nur Larker sah sie, wie es ihr schien, etwas forschend an. Doch das konnte man wohl darauf zurückführen, daß er annahm, die augenblicklichen Ausführungen langweilten sie.

Auch der Herzog unterbrach jetzt die Unterhaltung, sah nach der Uhr und schlug vor, nach einer kurzen Besichtigung der Einrichtungen für die Arbeiter – leider sei ja auch hier noch manches zu verbessern – die Hauptmahlzeit einzunehmen. Er möchte dann noch gern ein paar Kleinigkeiten mit den Herren besprechen, inzwischen würde Herr Larker Miß Raleigh ein wenig in der Stadt herumführen. Es war schon dunkel, als man sich nach dem Essen trennte.

Esther war einigermaßen gespannt, was Herr Larker ihr in der sicher langweiligen Grubenstadt wohl zeigen konnte. Der Ort war ihr beim Durchfahren genau so grau, trostlos und kohlenstaubgeschwärzt vorgekommen wie die deutschen Bergwerksstädte im Ruhrgebiet. Immerhin hoffte sie, auf diesem Spaziergang wenigstens Gelegenheit zu erhalten, das von Selfride erwähnte Hotel und seine Lage feststellen zu können.

Die Zeche lag, als sie heraustraten, bereits tot und schweigend da; es wurde zwar eine Nachtschicht verfahren, aber während dieser Zeit war der ganze übrige Betrieb auf die notwendigste Besetzung reduziert. Einzelne Laute, die durch die Stille klangen, ein verhallender Pfiff der kleinen Lokomotive, hier und da ein rötlich erleuchtetes Fenster, das war alles. Esther schritt neben Larker her, der nachdenklich vor sich hinsah und vorerst entschlossen zu sein schien, sich schweigsam zu verhalten. Schließlich schlug er vor, zunächst in einem kurzen Bogen die Stadt zu vermeiden und einen ihm bekannten Weg an der Küste entlang zu gehen. Auf dem Rückwege würde er sie dann durch die Hauptstraße und an einigen interessanten Baudenkmälern vorbeiführen.

Obwohl Esthers Vertrauen zu Herrn Larker in diesem Moment weniger groß als je war, glaubte sie, nichts befürchten zu brauchen. Es wäre für Larker unter allen Umständen zu gefährlich gewesen, ihr in diesem Augenblick, in dem sie als Gast des Herzogs unter dessen persönlichem Schutz stand, irgendein zweideutiges Ansinnen zu stellen. In der Tat täuschte sie sich auch nicht, Herr Larker begnügte sich damit, ihr auf dem etwas steilen und schlüpfrigen Wege, der sich an dem Strand entlang zog, den Arm zu bieten, den sie selbstverständlich annahm. Sie bemühte sich, die Führung des Gesprächs zu bekommen, und fragte ihn, ob Herzog Eric schon in nächster Zeit an umfassende Modernisierungen seiner Betriebe denke. Larker bejahte es und fügte hinzu, es sei nicht allein der Herzog, der den Zeitpunkt für gekommen halte, an dem die englische Montanindustrie sich energisch aufraffen müsse.

»Ich weiß nicht, ob Sie Gelegenheit hatten, sich einmal mit wirtschaftspolitischen Problemen zu befassen. Sehen Sie, da ist Rußland, heute ein toter Körper, ein leerer Komplex inmitten der immer engmaschiger werdenden Weltwirtschaft. Die Russen wissen natürlich selbst am besten, daß dieser Zustand nicht von Dauer sein kann. Es liegt ihnen alles daran, verhandlungsfähig zu werden und zu bleiben. – Wir sind ein bißchen ins Hintertreffen gekommen. Großbritannien war zu sicher, in mehr als einer Hinsicht. Na, wir haben's hoffentlich noch rechtzeitig eingesehen; und daß die Arbeiterschaft hier auch den Sinn einer überparteilichen Solidarität mit den Arbeitgebern begreifen lernt, dafür werden ich und meine Freunde schon sorgen.«

Esther schien von den Ausführungen Larkers sehr interessiert zu sein. Natürlich habe sie allerlei von den wirtschaftspolitischen Kämpfen gehört, aber sie wisse davon nicht viel mehr, als in den Zeitungen zu lesen sei. Wenn die Dinge sich so verhielten, wie Herr Larker sage, dann sei es doch eigentlich das Vernünftigste, wenn England mit den Deutschen in diesen Fragen zusammen arbeite – und zwar nicht nur in einzelnen Fällen, sondern grundsätzlich. Larker lachte trocken und sah seine Begleiterin von der Seite an. Esthers Blick war klar wie der eines Kindes, der von der See herkommende frische Wind hatte ihre Wangen gerötet und ihren Schritt beschwingt. Sie sah in ihrem sportmäßig geschnittenen Winterkostüm so reizend aus, daß wahrscheinlich auch ein weniger eitler Mann als Larker an keinem ihrer Worte hätte zweifeln können. Und als sie nun den Kopf wandte und Larker nach ihrer Frage voll in die Augen schaute, hielt er es beinahe für seine Pflicht, ihr zu zeigen, welche Rolle er spiele und wie glänzend er über die Vorgänge orientiert sei. Er nahm die Pose an, die ihm am wirksamsten zu sein dünkte, und plauderte darauf los:

»Wahrhaftig, ein sehr naheliegender Gedanke und eine richtige Frage, Miß Raleigh. Sehr naheliegend, in der Tat, und doch wären wohl wenige Menschen in England imstande, Ihnen eine klare und unterrichtete Antwort zu geben. Ich darf natürlich voraussetzen, daß ich Ihnen das, was ich jetzt sage, vertraulich mitteile. Sie haben die drei deutschen Herren kennengelernt, die wir hierher gebeten haben, und Sie hörten vorhin, daß wir mit ihnen arbeiten wollen. Das ist selbstverständlich nur ein kleiner Ausschnitt der wirklichen Pläne. Man hat in Deutschland glücklicherweise auch erkannt, daß eine splendid isolation zu nichts führt. Man erkannte es nicht zuletzt infolge der Aufklärungen und der unbezahlbaren Arbeit, die der erste britische Botschafter nach dem Kriege, der jetzige Viscount d'Abernon, in Berlin leistete. Heute sind die wirtschaftlichen und die politischen Verbindungen Deutschlands und Englands trotz des kontinentalen Eisenpaktes mit Frankreich und anderen Vereinbarungen so fest geworden, daß sie auch im Ernstfall einigermaßen tragfähig sein dürften.«

Larker machte eine kleine Pause, und Esther beeilte sich, ihm gespannt und nach weiteren Aufklärungen begierig zuzustimmen. Der Arbeiterführer und Bergwerksdirektor fuhr, während sie durch Wiesen und kurzgeschorene Weiden der Stadt wieder zuschritten, mit vollen Segeln fort:

»Also die Vorbereitungen sind so gut wie abgeschlossen. Es geht los. Warten Sie ab, wie sich die Dinge in zwei, drei Jahren gestaltet haben werden. Wir müssen gerüstet sein, der Konkurrenzkampf wird immer schärfer werden, und in dem Augenblick, in dem Rußland wieder offen daliegen wird, gibt es ein Wettrennen, bei dem wir nicht die letzten sein werden. – Sie haben ja sicher davon gehört, wie wichtig die chemische Industrie heute und morgen für jedes Land sein wird. Gerade auf der Ausnutzung der Rückstände aller Art, auf der Verwertung vieler massenhaft vorhandener und heute einfach unbeachteter Stoffe beruht wahrscheinlich die Zukunft der Menschheit. Es ist kein Kompliment, wenn man sagt, daß Deutschland auf all diesen Gebieten die erfinderischsten Kopfe und vorzügliche Einrichtungen besitzt. Ihre Landsleute hier werden mit uns natürlich nicht nur den Ausbau einer Kokerei besprechen, es ist nicht schwer zu erraten, daß dazu auch der Besuch eines einzelnen Ingenieurs genügt hätte. Ich darf Ihnen verraten, daß gerade jetzt, während wir hier durch die Hauptstraße spazieren, im Verwaltungsgebäude von Cold Gate eine Besprechung stattfindet, von deren Ergebnis nicht zuletzt das Tempo abhängen wird, in dem der englische Bergbau in seiner Gesamtheit modernisiert und schlagfertig gemacht wird.«

Larker brüstete sich wie ein Pfau, dessen Rad unübertreffliche und zahllose flammende Spiegel enthält, und wahrhaftig, es spiegelte sich für Esther genug darin. Die Enthüllungen ihres Begleiters waren ihr ja in den Grundzügen durchaus nicht neu gewesen, aber die Tatsache, wie wichtig der Besuch Dr. Messelmanns und seiner Kollegen bei Herzog Eric war, elektrisierte sie. Man hatte bestimmt keinen Verdacht irgendwelcher Art gegen sie, wenigstens bisher noch nicht. Daß man sie bei der jetzt stattfindenden Unterhaltung nicht im Hause wissen wollte, war zu begreifen. Sie zweifelte keinen Augenblick daran, daß für sie unschätzbare Dokumente sich in der gelben Aktentasche des Herzogs befinden mußten; aber wie sollte sie in die Lage kommen, diese Papiere zu sehen und womöglich zu fotografieren?

Während sie mit Larker weiterschritt und sich langsam wieder der Grube näherte, überlegte sie bei einem von Larkers Seite sehr angeregten Gespräch fieberhaft, wie sie vorgehen solle.

Als die beiden Wanderer im Verwaltungsgebäude ankamen, war die Besprechung bereits beendet, die vier Herren saßen in der Halle, rauchten und tranken Whisky. Der Herzog fragte Esther, wie sie mit Larkers Führung zufrieden sei und ob es ihm gelungen wäre, die ziemlich langweilige Stadt poetisch zu verklären. Esther meinte lachend, es sei ein sehr schöner Spaziergang gewesen, besonders der Weg am Meer hätte sehr romantisch gewirkt.

»Wissen Sie, daß ein paar von meinen Stollen ziemlich weit unter das Meer hinausreichen? Das Bergwerk ist ja über hundert Jahre alt, und schon eine der ersten Bohrungen zeigte, daß ein paar mächtige Flöze sich unter dem Meeresboden weiter erstreckten. Das ganze System der Grube ist übrigens so kompliziert, daß nur ein paar alte Steiger sich völlig darin auskennen. Man hat ja früher« – er wandte sich an die drei Herren, – »leider nicht immer mit der nötigen Sorgfalt die abgebauten Stollen ausgefüllt. Ich weiß, daß da noch eine ganze Reihe leerer und halb zusammengebrochener Gänge vorhanden ist – aber das hat – bisher wenigstens – niemals zu irgendwelchen unangenehmen Vorgängen geführt.«

Einer der Herren räusperte sich, der Herzog sah ihn an und fuhr hastig fort:

»Na ja, natürlich, gibt es hier und da mal einen kleinen Zusammenbruch; dann sackt irgendwo draußen zwischen der Grube und der Küste ein Stück Wiese ein. Aber ich versichere Ihnen, das ist so selten vorgekommen, daß man damit wirklich nicht zu rechnen braucht. Im übrigen ist die Grube im besten Zustand. Sie werden sich ja selbst morgen davon überzeugen können.«

Hier griff Larker ein, der bemerkt zu haben glaubte, daß die Deutschen über den Zustand der Grube nicht so beruhigt waren wie Herzog Eric. Es gelang ihm, mit einer Reihe wirkungsvoller Phrasen dem Gespräch eine harmlose Wendung zu geben. Man redete nun über alles mögliche, Esther wurde ins Gespräch gezogen, der Herzog erwies sich als ein vorzüglicher Unterhalter. Es gelang Miß Raleigh sogar, als das Gespräch sich um die Bequemlichkeiten der Stadt drehte, nach dem Hotel Crown zu fragen und die für sie wichtige Antwort zu bekommen, wo es sich befände.

Dazwischen aber grübelte sie unablässig darüber nach, wie und zu welcher Zeit sie Anblick in die Dokumente bekommen könne. Man trennte sich ziemlich zeitig und verabredete, am nächsten Morgen gegen neun Uhr die Besichtigung der Grube vorzunehmen. Die drei Besucher waren schon auf ihre Zimmer gegangen, während Esther mit dem Herzog und Larker noch in der Halle stand. Herzog Eric fragte sie, ob sie nicht Lust hätte, noch ein wenig zu plaudern, jetzt, nachdem die »Geschäftsbesucher« sich verzogen hätten, würde er sich gern mit ihr über weniger ernste Dinge unterhalten.

Dabei sah er Larker an, der aber den Sinn seiner Worte zu überhören schien und nicht wich noch wankte. Esther amüsierte sich im stillen über dieses Gegeneinander, das ihr ja nur angenehm sein konnte. Sie hoffte, daß Larker es, trotz seiner Servilität gegenüber dem Herzog, in diesem Falle für unmöglich halten würde, sich fortschicken zu lassen.

Sie hatte recht. Larker war das Interesse des Herzogs für Miß Raleigh ebensowenig entgangen wie dem Herzog Larkers Sympathie für die junge Dame. Herzog Eric verfluchte sich nachträglich, aber zu spät, heftig wegen seiner genialen Idee, gerade Larker mit Fräulein Raleigh fortzuschicken. Aber es war für derartige Überlegungen zu spät, und andererseits konnte der Herzog natürlich auch seinen letzten Vorschlag nicht plötzlich deshalb zurückziehen, weil auch Herr Larker Lust zu haben schien, an einer unernsten Unterhaltung teilzunehmen.

Es wurde eines der ergötzlichsten Gespräche, dem Esther je beigewohnt hatte, Larker hütete sich zwar, jetzt, in Gegenwart seines Patrons, Geheimnisse wie vorhin auszuplaudern; aber um so mehr bemühte er sich, seine prachtvolle Weltgewandtheit in allen Farben spielen zu lassen. Der Herzog dagegen glaubte, mit dem Anschlägen gewisser väterlicher Töne den größeren Erfolg zu erzielen, und so erhielt das Gespräch einen grotesken Charakter, der zwischen den leichten Frivolitäten Larkers und der etwas onkelhaften Lustigkeit des Herzogs hin und her pendelte. Als Esther nach der Uhr sah, bemerkte sie, daß es schon Mitternacht war, und beendete die Unterhaltung mit dem Hinweis darauf, daß man ja morgen ziemlich früh aufstehen müsse.

In ihrem Zimmer angelangt, stand sie noch eine Weile am Fenster, bevor sie sich niederlegte. Draußen war es jetzt stockfinster und ganz still, wenn gelegentlich aus einer der Essen des Werkes ein paar Funken flogen oder ein dunkles Rot zum Himmel fuhr, so schien die Dunkelheit noch tiefer und undurchdringlicher zu werden. Sie zog die Vorhänge zu, drehte das Licht an und ging zu Bett. Sie lag nur kurze Zeit wach, ehe sie, diesmal endgültig, dunkel machte und rasch einschlief.

Am nächsten Morgen wachte Esther Raleigh, wie sie es sich vorgenommen hatte, sehr zeitig auf. Sie wusch sich hastig und kleidete sich schnell an. Halb mechanisch steckte sie außer dem Taschentuch auch den Inhalt ihrer Handtasche, ihre Papiere und Geld, ein. Als sie es bemerkte, lachte sie, ließ die Gegenstände aber in den weiten Taschen des Bergmannsanzuges stecken. Dann öffnete sie, obwohl es erst kurz nach sieben Uhr war, leise die Tür ihres Zimmers und ging in der Dämmerung des nebligen Morgens die Treppe hinab.

Es war totenstill im Hause, von draußen, aus dem Hofe und vom Schacht her, klang gedämpftes Geräusch. Sie glaubte Karrenrollen und den Tritt vieler Füße unterscheiden zu können. Einen Augenblick lang blieb Esther Raleigh in der Mitte der Halle stehen. Wieder begann ihr Herz den Takt der Erwartung, der Spannung und des Abenteuers zu klopfen. Bisher war alles, was geschehen war, Zufall oder Schickung gewesen. Die Entlarvung der Pattersons kam nicht auf ihr Konto, sondern auf das Selfrides. Die Unterhaltung mit Larker war von ihm selber ausgegangen. Aber wenn sie jetzt versuchte, als Gast des Herzogs, in seinem eigenen Gebäude, Einblick in gefährliche Geheimnisse zu bekommen, so war dies ein anderer Vorgang. Gewalt konnte sie ja keinesfalls anwenden. Waren die Dokumente eingeschlossen, ja, war selbst nur die Ledertasche, in der sie lagen, verschlossen, so mißglückte ihr Versuch. Es war außerdem sehr unwahrscheinlich, daß der Herzog diese wichtigen Akten so einfach auf dem Tisch liegen ließ. Trotzdem – es mußte gewagt werden. Sie schritt behutsam und unhörbar zu der Tür, die in das Herrenzimmer führte, und öffnete sie. Schritt für Schritt trat sie in den Raum und sah in dem immer helleren Licht des Morgens die ersehnte Tasche auf dem Schreibtisch liegen. Nun stand sie davor und zögerte einen Augenblick.

Ihre Hände zitterten so, daß sie glaubte, niemals mehr fest zugreifen zu können; aber in dem Augenblick, in dem sie die Hand auf das Leder der Mappe legte, wurde sie eiskalt und vollkommen ruhig. Sie prüfte den Verschluß, das Schloß war nicht abgesperrt. Mit zwei, drei hastigen Griffen löste Esther die Lederriemen, die zu beiden Seiten des Schlosses angebracht waren, drückte den Ringverschluß nieder und öffnete die Tasche.

In der Aktenmappe befanden sich etwa ein Dutzend Folioblätter mit Maschinenschrift und ein umfangreiches Notizbuch. Das erste der großen Blätter trug am Kopf einen rechteckigen Stempel in roter Farbe, auf dem »Streng geheim« stand, von der Überschrift las Esther nur die ersten Worte, aus denen hervorging, daß es sich um ein vertrauliches Memorandum einer Kommission von Regierungsmännern und Montanindustriellen handelte. Dann begann sie zu fotografieren.

Sie verhielt sich genau nach den Vorschriften, die ihr Selfride gemacht hatte und die in der Gebrauchsanweisung gegeben waren. Sie war selbst erstaunt, mit welcher Ruhe und Sicherheit sie vorging. Es war ihr, als stände gar nicht sie, Esther Raleigh, dort am Schreibtisch und betätige sich als Spionin, sondern sie hatte das Gefühl, einer Unbekannten bei einer höchst aufregenden, aber einfachen Tätigkeit zuzusehen. Das Legen der Blätter, Exponieren und Weiteraufnehmen dauerte insgesamt kaum fünf Minuten: aber sie glaubte, schon stundenlang vor dem Schreibtisch zu stehen. Nach der Aufnahme des letzten Blattes, das eine Reihe von Unterschriften enthielt, atmete sie tief auf und legte das Memorandum hastig zurück in die Tasche. Den Inhalt des Notizbuches zu fotografieren, war unmöglich. Sie begnügte sich damit, darin herumzublättern, und fand es zum größten Teil mit Formeln und scheinbar sinnlosen Aneinanderreihungen von Buchstaben und Zeichen bedeckt. Eine der Seiten nahm sie auf alle Fälle noch auf, bevor sie auch das Buch zurücklegte und die Mappe verschloß. Dann ging sie aus dem Zimmer und stieß am Fuß der Treppe mit Herrn Larker zusammen, der offenbar ebenfalls früher aufgestanden war. Larker musterte sie erstaunt, und Esther bewunderte sich selbst wegen der ruhigen und sicheren Stimme, mit der sie ihm munter einen guten Morgen wünschte. Er fragte sie, ob sie schon lange hier unten sei; sie verneinte, sie sei vor kaum zwei Minuten aus ihrem Zimmer gekommen. Es war vor halb acht, man hatte also noch reichlich anderthalb Stunden Zeit bis zum Aufbruch.

Esther wunderte sich noch darüber, wie schnell Larkers anfängliches Mißtrauen geschwunden war, als es ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel. Natürlich hatte Larker gar nicht daran gedacht, sie etwa mit den Dokumenten in Verbindung zu bringen, seine Überlegungen waren viel einfacher gewesen. Er nahm wohl an, daß der Herzog doch noch Zeit gefunden habe, mit Miß Raleigh eine Verabredung zu so früher Stunde zu treffen. Esthers Antwort hatte ihn hierüber beruhigt, aber nun –

Als Esther so weit mit ihren Überlegungen gekommen war und Herrn Larker ansah, erblickte sie in seinen Augen eine Bestätigung ihrer Befürchtungen. Sie war mit Herrn Larker allein Wenn es gestern, bei dem Spaziergang, den sie auf Veranlassung des Herzogs gemacht hatten, unmöglich gewesen war, etwas zu unternehmen: heute und in diesem Augenblick war es das nicht! Wenn jetzt jemand zu ihnen herabkäme, so lag die Situation wesentlich anders, und es würde Herrn Larker nicht allzu schwer sein, jeden Dritten an eine Verabredung glauben zu machen.

Larker sah Esther mit einem gedämpft unverschämten Blick an. Sie hielt es für das klügste, laut aufzulachen und ganz unbefangen zu bleiben. Offenbar spekulierte der bewährte Verhandlungsführer Herr Larker darauf, mit ihr unter vier Augen zu konferieren. Nun, das sollte sich leicht vermeiden lassen! Mit drei Schritten – oh, keineswegs hastigen, aber sehr sicheren und selbstbewußten Schritten! – war Esther Raleigh an die Außentür getreten, hatte sie geöffnet und wandte sich an den verdutzten Larker:

»Ich möchte mich noch ein wenig auf der Grube umsehen. Sie werden mich doch begleiten, Herr Larker? Ich fände mich allein wohl kaum zurecht und möchte auch nicht gern in den Verdacht kommen, mir Dinge anzusehen, die vielleicht Fabrikgeheimnis oder dergleichen sind! Wir können ja dann zum Frühstück bequem wieder zurück sein und die anderen Langschläfer begrüßen.«

Larker stand einen Augenblick lang reglos, es war unverkennbar, daß ihm diese Art der Verhandlungsführung imponiert hatte. Dann raffte er sich zusammen, stimmte dem Vorschlag begeistert zu und folgte Esther, die ihm voraus über den Hof nach dem Hauptteil der Grube schritt.

 << Kapitel 10  Kapitel 12 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.