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Der grüne Strahl

Jules Verne: Der grüne Strahl - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorJules Verne
titleDer grüne Strahl
publisherVerlag von A. Weichert
yearo.J.
translatorWalter Heichen
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zehntes Kapitel

Eine Partie Krocket.

Die Gebrüder Melvill fingen allerdings allmählich an, die Tage zu zählen, wenn sie nicht gar so weit waren, daß sie schon die Stunden zählten. Es ging nicht, wie sie es wünschten. Der sichtliche Verdruß ihrer Nichte, die stets das Verlangen zeigte, allein zu sein, der Umstand, daß sie sich wenig um den Gelehrten Ursiklos kümmerte – worüber dieser selbst sich vielleicht weniger Kopfschmerzen machte als die Brüder selbst – all dies machte ihnen den Aufenthalt in Oban nicht gerade angenehm. Sie wußten nicht mehr, was sie noch ersinnen sollten, um dieser Eintönigkeit abzuhelfen. Sie beobachteten nutzlos die geringsten atmosphärischen Veränderungen. Sie sagten sich, daß Miß Campbell – wenn sich erst erfüllt hätte, was sie wünschte – wieder »genießbarer« werden würde, wenigstens ihnen gegenüber.

Seit einigen Tagen vergaß Helena, die sich täglich zerstreuter zeigte, ihnen den Morgenkuß zu geben, der sie für den Rest des Tages in gute Laune versetzte.

Inzwischen bequemte sich das Barometer, unempfindlich gegen die Verwünschungen der beiden Oheime, noch keineswegs dazu, eine nahe bevorstehende Veränderung des Wetters anzuzeigen. So sehr sie es sich auch angelegen sein ließen, zehn mal am Tage leise dagegen zu schlagen, um die Nadel ins Schwanken zu bringen – die Nadel stieg nicht um eine Linie! O, diese Barometer!

Die Gebrüder Melvill hatten trotzdem eine Idee. Am Nachmittag des 11. August fiel es ihnen ein, Miß Campbell eine Partie Krocket vorzuschlagen, um ihr womöglich Zerstreuung zu verschaffen, und obgleich Aristobulos Ursiklos daran teilnehmen sollte, schlug Helena es nicht ab, weil sie wußte, daß sie ihnen Gefallen damit erwies.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß Bruder Sam und Bruder Sib sich etwas darauf zu gute taten, in diesem Spiele, das im Vereinigten Königreich hoch in Ehren steht, Meister zu sein. Dieses Spiel ist bekanntlich weiter nichts als das alte »Mail«, dem Geschmack der weiblichen Jugend glücklich angepaßt.

In Oban gab es nun gerade mehrere zum Krokettspielen sehr geeignete Plätze. Wenn man sich meistenteils in den Badeorten mit mehr oder weniger geebneten Plätzen begnügt, gleichviel ob mit Rasen bewachsen oder mit Sand bestreut – so beweist dies weniger die Genügsamkeit der Spieler als vielmehr ihre Gleichgiltigkeit oder ihr geringes Interesse für eine so edle Zerstreuung. Hier waren die Plätze nicht mit Kies bestreut – sondern mit feinem Rasen bewachsen, wie es sich gehört. Es waren richtige » Crocket-grounds«, die jeden Abend mit Bewässerungs-Pumpen begossen und jeden Morgen mit einer besonderen Maschine planiert wurden, so daß sie so weich und glatt aussehen, wie Sammet, der eben aus der Schlichtmaschine kommt. Kleine Steinwürfel, die knapp über den Boden ragen, waren zum Einsetzen der Piketts und der Bogen bestimmt. Außerdem umgrenzte ein um wenige Zoll abgeteufter Graben jedes Spielfeld, so daß es genau 1200 Fuß im Quadrat maß, also die für die Bewegungen der Spieler notwendige Größe hatte.

Wie oft hatten die Brüder Melvill den jungen Männern und jungen Mädchen, die auf so erlesenem Terrain spielten, mit einer Empfindung von Neid zugeschaut! Kein Wunder also, daß es ihnen ein lebhaftes Gefühl von Genugtuung bereitete, als Miß Campbell sich willens erklärte, der ihr von dieser Gesellschaft gewordenen Einladung Folge zu leisten. Auf diese Weise bekamen sie doch Gelegenheit, ihre Dame zu zerstreuen, und zwar, indem sie sich mit ihrem Lieblingsspiel befaßten mitten unter Zuschauern, an denen es hier ihnen ebenso wenig fehlen würde wie in Helensburgh ... die eitlen, eitlen Herren!

Aristobulos Ursiklos ließ, sobald er Kenntnis hiervon bekommen, alle Arbeit liegen und stellte sich zur besagten Stunde auf dem Sportplatze ein. Er maaßte sich an, das Krocketspiel in der Theorie ganz ebenso fest und sicher zu beherrschen, wie in der Praxis, es als Gelehrter, als Geometer, als Physiker, als Mathematiker, mit einem Worte durch A plus B zu spielen, ganz wie es einem X-Schädel in den Kram paßt.

Worein Miß Campbell sich mit Fug und Recht schicken mußte, war die Notwendigkeit, mit diesem jungen Pedanten als Partner zu rechnen. Wie hätte es auch anders sein können? Sollte sie ihren beiden Oheimen den Kummer bereiten, sie beim Spiel zu trennen? sie zu einander in Widerspruch und Gegnerschaft zu setzen, die beiden alten Herren, die doch so ganz ein Herz und eine Seele waren? die nie anders als zusammen spielten? Nein! dazu wäre sie nicht imstande gewesen!

»Miß Campbell,« eröffnete Aristobulos Ursiklos die Unterhaltung, »ich schätze mich glücklich, Ihr Partner zu sein, und wenn Sie mir erlauben wollen, Ihnen die bestimmende Ursache der Schläge auseinanderzusetzen.

»Herr Ursiklos,« erwiderte Helena, ihn beiseite nehmend, »es wird nicht anders gehen, als daß wir meine Oheime gewinnen lassen.«

»Gewinnen lassen?«

»Jawohl ... ohne daß wir es sie merken lassen.«

»Aber, Miß Campbell ...«

»Die beiden Herren würden zu unglücklich sein, wenn sie verlören!«

»Aber ... erlauben Sie!« versetzte Aristobulos Ursiklos; »dies Krokettspiel kenne ich in geometrischer Hinsicht aufs Haar, das darf ich wohl sagen! Ich habe die Kombination der Linien, die Werte der Kurven berechnet und meine, tatsächlich ein Anrecht darauf zu haben, zu ...«

»Ich nehme kein anderes Anrecht für mich in Anspruch,« erwiderte Miß Campbell, »als das, unsern Gegnern im Spiel mich angenehm zu zeigen. Uebrigens sind dieselben, wie ich Ihnen gleich sagen möchte, sehr tüchtige Krokettspieler; und daß Sie mit all Ihrer Wissenschaft den Kampf gegen ihre Gewandtheit aufnehmen können, glaube ich nicht.«

»Nun, das werden wir sehen,« murmelte Aristobulos Ursiklos, der sich durch keinerlei Rücksicht hätte bestimmen lassen, als der nachgiebige Teil zu erscheinen, selbst nicht Miß Campbell zu liebe.

Inzwischen war durch den dienstbaren Geist des » Crocket-ground« der Kasten mit den Piketts, Marken, Bogen, Kugeln, Schlägeln herbeigeschafft worden.

Die Bogen, der Zahl nach 9, wurden rautenförmig auf die kleinen Steinfliesen verteilt, und an jedem Ende der großen Achse dieser Raute richteten sich die beiden Piketts auf.

»Losen!« sprach Bruder Sam.

Die Marken wurden in einen Hut getan. Jeder Spieler griff in den Hut und zog eine Marke. Das Los bestimmte die folgenden Farben für die Partei: Kugel blau und Schlägel blau für den Bruder Sam; Kugel rot und Schlägel rot für Ursiklos; Kugel gelb und Schlägel gelb für den Bruder Sib; Kugel grün und Schlägel grün für Miß Campbell.

»Bis sich der Strahl von gleicher Farbe einfinden wird!« rief sie; »ei! das ist ja ein famoses Vorzeichen!«

Am Bruder Sam war die Reihe, anzufangen, und er fing an, nachdem er mit seinem Partner eine kräftige Prise ausgetauscht hatte.

Wie er so dastand, den Körper weder zu grade noch zu gebückt, den Kopf halb vorgeneigt, so daß er seine Kugel am richtigen Fleck treffen mußte, die Hände nebeneinander auf den Schlägelgriff gelegt, die linke zu unterst, die rechte zu oberst, die Beine geschlossen, die Kniee leicht geknickt, um der Wucht des Schlags ein Gegengewicht zu schaffen, den linken Fuß der Kugel gegenüber, den rechten ein wenig rückwärts gestellt, – wirklich! wie er so dastand, der vollendetste Typus des vornehmen Krocketspielers, das war ein Bild des Sehens wert!

Nun hob er den Schlägel, der Bruder Sam, indem er ihn behutsam einen Halbkreis beschreiben ließ; dann traf er die Kugel, die vom »Fock« oder Abfuhr-Pikett achtzehn Zoll weit gelegt war, und brauchte von dem ihm zustehenden Recht, diesen ersten Schlag dreimal von neuem zu führen, keinen Gebrauch zu machen.

Die mit brillantem Geschick geworfene Kugel strich nämlich unter den ersten, dann unter den zweiten Bogen: ein weiterer Schlag trieb sie durch den dritten Bogen, und erst am vierten Bogen sollte sie ein bißchen zuviel »Eisen« fassen und stand.

Als Spielanfang war das großartig! ein höchst schmeichelhaftes Gemurmel durchlief denn auch die Reihen der Zuschauer, die sich jenseits des um den Rasenplatz gezogenen kleinen Grabens verhielten.

An Aristobulos Ursiklos kam nunmehr die Reihe. Sein Spiel war weniger glücklich. Ob es auf persönlichem Ungeschick oder auf mißlichem Zufall beruhte: er mußte dreimal von vorn anfangen, bis es ihm gelang, seine Kugel unter den ersten Bogen zu treiben, und den zweiten Bogen verfehlte seine Kugel jedesmal.

»Wahrscheinlich ist diese Kugel,« meinte er zu Miß Campbell, »nicht genau kalibriert. Ist dies der Zufall, dann bewirkt der excentrisch angeordnete Schwerpunkt ihre Abweichung ..«

»Sie sind am Schlag, Onkel Sib,« sagte Miß Campbell, ohne von dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung etwas zu hören.

Der Bruder Sib war der würdige Partner des Bruder Sam. Seine Kugel strich durch zwei Bogen und kam an der Kugel von Aristobulos Ursiklos zur Rokade, das heißt: Bruder Sib ließ sie aufprallen, so daß sie noch durch den dritten Bogen strich. Hierauf rokierte er den jungen Gelehrten von neuem, dessen ganzer Gesichtsausdruck zu sagen schien: »Das machen wir doch noch viel besser!« Als die beiden Kugeln in Kontakt gesetzt waren, setzte er den Fuß an seine Kugel, trieb sie mit einem kräftigen Schlägelstoß und kroquierte die Kugel seines Gegners, das heißt: er trieb sie durch einen Gegenschlag sechzig Schritt weit, also weit über den Grenzgraben hinaus.

Aristobulos Ursiklos mußte seiner Kugel nachrennen; aber er tat es mit Anstand und Würde, als gesetzter, wohlbedachter Mann, und in der Haltung eines Feldherrn, der über einen großen Schlag sinnt, nahm er Stellung und wartete.

Miß Campbell griff nun ihrerseits nach der grünen Kugel und schnellte sie mit Gewandtheit durch die beiden ersten Bogen.

Die Partei nahm für die Brüder Melvill, die keine Gelegenheit vorbeiließen, die feindlichen Kugeln zu roquieren und zu kroquieren, unter den günstigsten Bedingungen ihren Fortgang. War das eine Abschlachterei! sie gaben einander schwache Zeichen, verstanden einander durch einen Blick, ohne daß sie auch nur ein Wort zu sprechen brauchten, und gewannen schließlich, zur großen Genugtuung ihrer Nichte, hingegen zum großen Verdruß von Aristobulos Ursiklos, den Vorsprung.

Miß Campbell indessen hatte kaum wahrgenommen, daß sie schon fünf Minuten nach dem Anfang der Partie stark ins Hintertreffen geraten war, so verwandte sie auf ihr Spiel besseren Ernst und bewies einen weit höheren Grad von Geschicklichkeit als ihr Partner, der sie nichtsdestoweniger mit wissenschaftlichen Ratschlägen und Begründungen nicht verschonte.

»Der Rückprallwinkel,« erklärte er ihr, »ist gleich dem Einfallswinkel, und dieser Satz muß Ihnen die Richtung zeigen, welche die Kugeln nach dem Aufprall nehmen müssen. Das muß man ausnützen, um ...«

»Aber nützen Sie es doch selber aus!« gab ihm Miß Campbell zur Antwort; »ich habe es doch kaum nötig, mein Herr, denn ich bin Ihnen ja ganze drei Bogen voraus!«

Und wirklich! Aristobulos Ursiklos blieb kläglich im Hintertreffen. Zehnmal schon hatte er versucht, seine Kugel durch den mittlern Doppelbogen zu bringen, ohne daß es ihm gelang. Er münzte es nun auf dieses Ding selber, ließ es aufnehmen, anders spannen, wieder einsetzen, änderte den Abstand und versuchte das Glück von neuem.

Es war ihm aber nicht günstig, das Glück. Seine Kugel »faßte« jedesmal »Eisen« und er brachte sie nicht durch die Bogen. Fürwahr, Miß Campbell wäre voll im Recht gewesen, sich über ihren Partner zu beklagen; sie selber spielte ganz ausgezeichnet und verdiente die Komplimente zu Recht, mit denen ihre beiden Oheime wahrlich nicht geizten. Ein reizenderes Bild als diese jugendliche Dame beim Krocketspiel konnte man sich gar nicht ausmalen. Mit vollem Feuer war sie bei diesem Spiele, das so recht danach beschaffen war, alle Grazie ihrer schönen Figur zu voller Entfaltung zu bringen; den rechten Fuß mit der Spitze halb aufgehoben, um ihre Kugel in dem Moment aufzuhalten, wo sich des Gegners Kugel kroquieren ließ, ihre beiden zierlichen Arme, die sich in koketter Manier bogen, wenn sie ihren Schlägel einen Halbkreis beschreiben ließ, die Belebtheit ihres hübschen, leicht dem Erdboden zugeneigten Gesichtchens: ein Gesamtbild fürwahr, an dem jeder Blick mit Bewunderung hing! ... und doch sah Aristobulos Ursiklos von dem allen nichts, absolut nichts!

Man wird gelten lassen müssen, daß er sich vor Grimm und Aerger kaum kannte, der junge Gelehrte! Die Brüder Melvill hatten jetzt nämlich einen so großen Vorsprung, daß es seine große Schwierigkeit gehabt haben würde, sie noch einzuholen ... und doch sind beim Krocketspiel die Würfel so unberechenbar, daß man niemals am Siege verzweifeln darf.

Die Partie nahm also unter so ungleichen Bedingungen ihren Fortgang, als sich ein Zwischenfall zutrug.

Aristobulos Ursiklos fand endlich den schicklichen Anlaß, die Kugel des Bruders Sam zu roquieren, die soeben wieder den mittleren Bogen, von welchem er sich so hartnäckig ferngehalten sah, passiert hatte. Schier ganz aus dem Häuschen, aber doch mit allen Kräften bemüht, in den Augen der Zuschauerschaft die Ruhe zu behalten, wollte er einen Kapitalstreich ausführen und seinem Gegner ein Paroli bieten, dadurch, daß er ihn aus den Grenzen des Spielplanes trieb. Er setzte also seine Kugel neben die des Bruders Sam, sicherte ihre Adhäsion dadurch, daß er das Gras, worin sie lag, um sie her recht sorgsam aufschichtete, setzte dann den linken Fuß darüber und ließ, indem er, um dem Stoße verstärkte Kraft zu geben, einen fast vollen Kreis beschrieb, seinen Schlägel schier rasende Drehungen machen.

Was aber war das für ein Schrei, der seiner Kehle entfuhr? es war ein förmliches Schmerzgeheul! Der Schlägel hatte zufolge schlechter Direktion nicht die Kugel, sondern den Fuß des Tolpatsches getroffen, und nun hüpfte er, jammernd und stöhnend – was an sich ja sicherlich ganz natürlich sein mochte, nichts destoweniger sich aber recht albern ausnahm, – auf dem noch gesunden Bein umher.

Die Brüder Melvill liefen zu ihm hin. Zum Glück hatte das Leder seines Halbschuhs die Heftigkeit des Schlags gemildert, und die Kontusion war im Grunde keineswegs ernstlicher Art. Aber Aristobulos Ursiklos meinte, sein Pech, wie folgt, wissenschaftlich erläutern zu sollen:

»Der durch den Schlägel gebildete Radius.« sprach er dozierend, und zwar nicht ohne allerhand Grimassen, die ihm die Schmerzen im Fuße entlockten, »hat einen Kreis beschrieben, konzentrisch mit demjenigen, der über den Boden in Form einer Tangente hätte streifen müssen, hat diesen Kreis nämlich infolgedessen beschrieben, weil ich den Radius um einiges zu kurz gehalten habe ... infolgedessen nun dieser Aufprall ...«

»Meinen Sie nicht, mein Herr, daß wir die Partie nun aufgeben?« fragte Miß Campbell.

»Die Partie aufgeben!« rief Aristobulos Ursiklos: »uns als besiegt bekennen? Nun und nimmer! Wenn wir zu den Formeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung greifen, so würden wir im weitern finden, daß ...«

»Meinetwegen! so sehen wir also die Partie fort!« versetzte Miß Campbell.

Aber sämtliche Formeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung hätten den Gegnern der beiden Oheime nur höchst geringe Chancen an die Hand gegeben. Schon war der Bruder Sam »Räuber«, das heißt: seine Kugel hatte, nachdem sie durch alle Bogen gestrichen war, den » besan« oder das Ankunftspikett berührt und sein ganzes Spiel bestand nun lediglich darin noch, daß er, was er durch Kroquieren oder Roquieren seiner Kugel, je nachdem es ihm paßte, gut machte, nicht für sich, sondern für seinen Gegner gut machte.

Nach wenigen Schlägen war die Partie tatsächlich definitiv gewonnen, die Brüder Melvill triumphierten, aber, wie es für Meister sich schickt, in allen Grenzen der Bescheidenheit. Aristobulos Ursiklos dagegen war, all seinen anmaßenden Behauptungen und Beweisführungen zum Trotz, nicht einmal über den Mittelbogen hinausgekommen.

Zweifelsohne wollte nun Miß Campbell weit verdrießlicher erscheinen als sie es in Wirklichkeit war, und gab ihrer Kugel, ohne die Richtung scharf zu berechnen, einen energischen Stoß mit dem Schlägel.

Die Kugel schnellte aus dem durch den kleinen Graben beschriebenen Umkreise seitlich vom Meere heraus, prallte auf einen Kieselstein und schnellte in die Höhe und sprang – wie Aristobulos Ursiklos deduziert haben würde, zufolge ihrer durch das Quadrat der Geschwindigkeit vervielfachten Schwere – auf dem Strande entlang.

Unglücklicher Stoß!

Am Strande saß vor seiner Staffelei ein junger Maler, mit der Aufnahme einer Meeresscenerie beschäftigt, die bis zur Südspitze der Reede von Oban reichte. Die Kugel sprang mitten in die Leinwand, ihre grüne Farbe verschwand unter all den Farben der Palette, durch deren Näpfchen sie den Weg nahm, und warf zugleich die ganze Staffelei über den Haufen.

Der Maler drehte sich ruhig und gelassen um.

»In der Regel,« sagte er, »benachrichtigt man die Leute doch, bevor man ein Bombardement eröffnet. Hier ist man wahrhaftig seines Lebens nicht sicher!«

Miß Campbell hatte Unheil geahnt und war, noch ehe dasselbe eingetreten, auf den Strand geeilt.

»Ach, Herr!« rief sie dem jungen Künstler zu, »bitte um Verzeihung für mein Ungeschick!«

Der junge Mann stand auf, machte der schönen jungen Dame, die sich vor Verlegenheit kaum fassen konnte, unter Lächeln sein Kompliment.

Der junge Mann war der »Schiffbrüchige«, den sie aus dem Strudel von Corryvrekan hatte retten helfen!

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