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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 43
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Der Dichter M.

Als er vom Auto überfahren war und wegen Nichtbeachtung der Verkehrsvorschriften einen Strafbefehl über fünfzehn Mark erhielt ...

An das Amtsgericht München.

Ich nehme zur Kenntnis, daß ich, weil ich vom Auto überfahren worden bin, mit fünfzehn Mark Geldstrafe belegt werde.

Ich habe keine fünfzehn Mark, woher soll ich fünfzehn Mark nehmen? Ich übersende dem Amtsgericht beifolgend ein Autogramm von mir. Ein Autogramm von mir ist im Handel fünfzig Mark wert, so daß zu meinen Gunsten noch ein Saldo von fünfunddreißig Mark verbleibt.

Sollte mein Guthaben von fünfunddreißig Mark nicht bis zum ersten Februar in meinem Besitze sein, so nehme ich an, daß dem Amtsgericht Einziehung durch Postauftrag erwünscht ist.

München, 17. Januar 1930.

M.

*

Derselbe an die demokratische Abgeordnete Fräulein B., die sich, obwohl ledigen Standes, mit ›Frau B‹ unterzeichnet hatte ...

München, 15. Juli 1928

Mein Fräulein,

ich für mein Teil rede Sie, da ich als gelernter Mediziner nun mal auf korrekte anatomische Begriffe halte, so und nicht mit ›Frau‹ an, sehe aber wirklich nicht ein, weswegen Sie sich nicht ebensogut als ›Frau‹ sollten bezeichnen lassen. Früher nämlich, wenn einer als Rittmeister verabschiedet wurde, stand ja auch immer im Militärwochenblatt drin › Den Charakter als Major hat erhalten‹.

Genehmigen Sie meine Empfehlungen
M.

*

Derselbe an eine Berliner Zeitschrift, die ihn bei einer Rundfrage zum Thema ›Moderne Frau und Geburtenrückgang‹ um eine Rückäußerung gebeten hatte.

München, 24. September 1928

Verschonen Sie mich bitte mit solchen Fragen! Wenn Ihre Kurfürstendammweiber keine Kinder bekommen: haben Sie vielleicht schon mal gesehn, daß auf der Chaussee Gras wächst?

Sehr ergeben
M.

*

Derselbe am Silvesterabend 1930 an die demokratische Reichstagsabgeordnete Katharina von Oheimb, als sie ihn zu ihren Vortragsabenden über Frauenbewegung eingeladen hatte ...

Hochgeehrte gnädige Frau,

daß Sie mich mit einer Einladung zu den von Ihnen geleiteten Kursen über Frauenbewegung bedacht haben, verpflichtet mich zu aufrichtigem Dank – doppelt, weil ich nicht glauben kann, für Bestrebungen dieser Art das richtige Objekt zu sein. Die Krise, von der die Welt eben geschüttelt wird, ist von so erfreulicher Heftigkeit, daß ichs für falsch hielte, wollte man mit Vorträgen der Geschichte ins Handwerk pfuschen. Als Politiker kann ich Deutschland zum neuen Jahr statt aller dialektischer Quacksalberei nur ein heftiges Genesungsfieber wünschen, als einzelner Mann aber will ich, ehe ich mich zu einer Statistenrolle auf der politischen Bühne hergebe, lieber wieder einmal als einfacher Kavallerist, nötigenfalls bei den Apokalyptischen Reitern, in den Sattel steigen.

Bleibt zudem die Tatsache, daß ich entweder altmodisch oder neumodisch genug bin, um mich in politischen Dingen keiner Frau unterordnen zu können. Ich glaube, mich in meinem ganzen Leben aufrichtig um Ritterlichkeit bemüht zu haben, aber diese Ritterlichkeit findet eben dort ihr naturgemäßes Ende, wo die heute übliche Verwischung der Geschlechtergrenzen den ... ich möchte sagen physiologischen Zynismus des Mannes herausfordert.

In diesem Sinne bin ich gern bereit, meiner alten Aufwartefrau dankbar die Hand zu küssen. Frauen aber, die mich vor ihren politischen Triumphwagen spannen wollen, muß gesagt werden, daß die einzige Frauenbewegung, die ich als Mannsbild anerkenne, im Bette stattfindet.

München, am 31. Dezember 1930.

Ergebenst
M.

 

Die Erläuterungen wurden als Fußnoten in den Text eingearbeitet. Re
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