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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 4
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Ein Unbekannter an die Äbtissin des Klosters zu Rissau in Sachsen

1520

Die beiden Briefe sind mit Martin Luthers Unterschrift gezeichnet, doch ist diese Unterschrift gefälscht. Die Briefe stammen also nicht von Luther, sind vielmehr ihm von einem Unbekannten unterschoben und so unter Mißbrauch seines Namens und seiner Autorität dem Kloster zugestellt. Wegen ihrer unausdenklichen Grobheit werden sie hier als Dokumente der Zeitstimmung und als Wutschreie der ersten Reformationsjahre wiedergegeben.

Der würdigen Erzhure und Äbtissin zu Rissau, meiner gnädigen Hurenwirtin, zu Händen.

Meinen aufrichtigen Dienst in Euer widerspänstig Herze, liebe Frau Hurenwirtin! Nachdem Ihr nicht ablasset von Euer ehebrecherischen Buberei, Lügnerei und Schalkheit, so will ich Dich gewarnt haben, daß Du Deine Huren aus dem hurischen Leben hinaus schickest, sonst will ich in der Nacht kommen und sie zusammenkoppeln mit den Propsthuren Vergleiche den folgenden Brief. und schnellstens in der Elbe ersäufen. Da Ihr vom Schweiße der Armen lebt, weder Gott noch der Welt dienet, dabei aber alle Bosheit treibt und Buberei, so ists keineswegs zuviel. Im Hurenhaus haben sie ein viel christlicher Leben, denn Ihr, und heißt doch Klosterfrauen, solltet aber billiglich Klostermörderinnen und Klosterhuren heißen. Ich habe dem Probst, dem Hurenwirt, ebenfalls geschrieben und ihn verwarnt.

Gegeben zu Wittenberg, Sonntag Laetare.

M. L.

*

Derselbe an den Propst zu Rissau Vergleiche den vorhergehenden Brief.

Mein lieber Hurenwirt!

Du bekräftigst alles in Buberei und Gier, daß die hurischen Nonnen ein schändlich, unchristlich, mörderisch und verdammliches Leben führen mit Saufen und Fressen, wie ich auch nach Notdurft und Wahrheit die Äbtissin geschrieben habe. Darum will ich auf eine Nacht Dich samt allen Deinen Huren ersäufen, es sei denn, Ihr Vorsteher und vor allem die Huren geht dorthin, wohin ihr gehört, nämlich ins Hurenhaus. Dies alles, weil sie sich weder nach Gott kehren noch nach der Welt. Willst Du Dich danach nicht kehren, so will ich in Kurzem Dich heimsuchen, Du Feind aller Edlen. Wonach Du Dich zu richten hast.

Wittenberg, am Sonntag Laetare.

M. L.

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