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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 37
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Frank Wedekind

Ganz gewiß besteht die im Vorwort getroffene Feststellung zu Recht, daß diejenige Hand, die beruflich die Feder führt, meist – vergleiche den Fall Kleist – die weniger ›sympathischen‹ groben Briefe schreibt. Man vergesse andererseits nicht, daß Wedekind um sein Werk einen schweren Kampf führte und daß unter allen Künstlern der Dichter derjenige ist, der am wenigsten von der unmittelbaren Auswirkung seines Werkes steht, eine ungleich geringere Kontrolle über sie hat, als etwa der Schauspieler ...

Und daß er so, auch unter glücklicheren Aspekten, zu einem gewissermaßen ›physiologischen‹ Mißtrauen gegen die Umwelt neigt. Der hier zitierte Brief Zitiert nach der Gesamtausgabe seines Briefwerkes. München, 1924. Möglicherweise ist der ungeheuerliche Brief an Langen Entwurf geblieben. an den Verleger Albert Langen ist möglicherweise Entwurf geblieben. Die punktierten Stellen sind dermaßen verletzend, daß sie sich der Wiedergabe entzogen. Und das, was bleibt, ist nachgerade ›grob‹ genug ...

Sehr geehrter Herr Langen!

Da Sie mich durch Herrn M. noch einmal auffordern ließen, zu einer Besprechung in Ihre Redaktion zu kommen, so teile ich Ihnen mit, warum ich auf jede Besprechung verzichte.

Nachdem Sie drei Jahre lang von Paris aus keine meiner an Sie gerichteten Briefe beantwortet hatten, besuchte ich Sie nach Ihrem Eintreffen in München. Sie hatten damals keine Zeit für mich und forderten mich auf, am nächstfolgenden Tage abends fünf Uhr wiederzukommen. An diesem Tage ließen Sie mich, der ich infolge meines Unfalles den Weg unter größten Anstrengungen gemacht hatte, erst eine Stunde lang warten und erschienen dann, um mir zu sagen, daß Sie keine Zeit für mich hätten – warum? – weil Sie ins Theater gehn müßten. Solche Lausbubenstreiche lasse ich mir von Ihnen nicht bieten. Daß Sie mir dabei in Ihrer protzigen Art tausend Mark auszahlen ließen, ändert nichts an der ... Ihres Benehmens. Von jedem anständigen Verleger hätte ich unter den gegebenen Umständen eine höhere Summe erhalten, ohne dabei Ihre ... in Kauf nehmen zu müssen.

Aus den Abrechnungen, die Sie mir schicken, sehe ich, daß Sie unter Vergewaltigung des zwischen uns bestehenden Vertrages darauf ausgehn, mich um den rechtlichen Ertrag meiner Arbeiten zu ... Im Übrigen überrascht mich Ihr Benehmen nicht im mindesten. Ich habe Sie als Menschen kennen gelernt, der geduldig auf die Benennung ... wartet, bevor er eine moralische Schuld von ca. dreitausend Mark eingesteht. In der ganzen Welt nennt man den, der seine Geschäfte auf Conjunkturen gründet, einen ... und so nenne ich Sie! Und da ich die Erfahrung gemacht habe, daß Sie Briefe wie diesen hier kaltlächelnd als Ergebnis Ihrer Geschäftspraxis registrieren, werde ich die wörtliche Abschrift dieser Zeilen jedem zu lesen geben, der sich für Ihre Persönlichkeit interessiert.

Frank Wedekind.

*

An die Redaktion der Münchener Neuesten Nachrichten.

München, 15. November 1909.

Gestatten Sie mir, Sie höflichst zu ersuchen, keinen Referenten Ihres Blattes mit der Besprechung meines morgigen Vortrages zu betrauen. Seit zehn Jahren brandmarken Sie meine Arbeiten öffentlich als elende Schundware und bedenken mich mit Schimpfworten wie ›impotent‹ und ›auf den Hund gekommen‹ ...

Für den Fall, daß ein Berichterstatter Ihres Blattes sich im Saal befindet, werde ich meinen Vortrag nicht eher beginnen, als bis der Herr den Saal verlassen hat.

Hochachtungsvoll
Frank Wedekind.

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