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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 36
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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August Strindberg

Man kann ihn, will man ihm nicht unrecht tun, nur unter Vorbehalt zitieren. Die hier wiedergegebenen, größtenteils an die zweite Gattin, Frida Uhl, gerichteten Briefausschnitte Hier zitiert nach der unter dem Titel ›Lieb', Leid und Zeit‹ (Hamburg 1936) von Frau Frida Strindberg herausgebrachten Auswahl von Briefen und biographischen Notizen. entstammen durchweg jener Phase der Besessenheit, die wir innerhalb seines Memoirenwerkes im Abschnitt ›Inferno‹ zusammengefaßt sehen – jenem die Psychose streifenden Lebensabschnitt also, in dem ihm das Ringen um persönliche und wissenschaftliche Erkenntnis jedes Maß und oft auch jede Zucht in seinem Gefühlsleben zerriß.

Nur Ausschnitte aus jenen Briefen können hier wiedergegeben werden, weil oft in ein und demselben Schreiben wie bei einem Wechselstromgenerator positive und negative Ströme einander ablösen, Ausbrüche des Hasses mit jenen der Liebe wechseln. Eine Ablehnung dieses Lebens, der man heute oft begegnet, wird man gleichwohl sich versagen müssen. Trotz der Staubschichten, die für uns Kinder einer anderen Zeit auf vielen seiner dramatischen Werke lagern, überdauert etwas an ihm die Zeit: das Bildnis des großen Wahrheitssuchers.

*

An Frida Strindberg, geb. Uhl.

(1893)

Der Vater will Dich nicht mehr sehn nach Deinem infamen Brief mit seiner falschen Zärtlichkeit und schlecht verhüllten Eifersucht ...

Ich reise ... nach Berlin und werde mir schon eine Existenz schaffen. Du hast die Korrespondenz unterbrochen. Nun breche ich meinerseits sie ab ...

*

An die Nämliche

(Paris 1894)

... Fährst Du fort, mich lächerlich zu machen, so räche ich mich auf der Stelle. Das mußte ich Dir sagen! Denn Rache ist mir angeborener Instinkt, der das Gleichgewicht wiederherzustellen sucht ... So stehts! Genug! Überleg es und vergiß es nicht! ... Glaub Du nie, daß meine Liebe durch das Spiel mit den Instinkten anderer Männer erweckt werden kann, das sich Koketterie nennt und das auf mich wie ein perverser Begattungsakt wirkt und mich nur anekelt ...

So sehr mich anekelt, daß ich als guter Kamerad selbst im Stande wäre, selbst im Schmutz zu wühlen, um meinerseits meiner Kameradin Ekel einzuflößen.

*

An die Nämliche.

(Spätherbst 1894)

Handelst Du mit Absicht und bewußt?

In London ist Dein Ruf vernichtet, nachdem Du Dich öffentlich mit einem Junggesellen beim Lunch gezeigt hast, Du, die Jungvermählte! In Berlin bist Du bekannt, in Wien desgleichen, und in Paris hast Du gut angefangen.

Wo ich Dich einführe, verdirbst Du mir die Geschäfte, indem Du meine Verbindungen für Deine Interessen ausnützest, die den meinigen entgegengesetzt sind. Was soll die Komödie der Liebe, da wir uns hassen? Du hassest mich als den Überlegenen ... und ich hasse Dich als die Feindin, die sich wie eine solche benimmt. Wollte ich den Kampf fortsetzen, ich müßte die Waffen Deiner verderbten Moral gebrauchen. So gehe ich, gleichviel wohin. Kaum wirst Du allein und des großen Anspornes, mich zu erniedrigen, beraubt sein, so wirst Du nicht mehr die alte Energie verspüren. Deine Stärke ist die Grausamkeit, aber Du brauchst ein ständiges Opfer, das den Naiven spielt. Ich will die Rolle nimmer.

Such Dir einen anderen! Adieu!

*

An die Nämliche.

(Um die gleiche Zeit)

... Die Hauptsache für Dich war: zu betrügen! Das war Deine Überlegenheit! Der überlegene Lügner zu sein ... Und zum Manne nahmst Du mich, weil Du glaubtest, daß ich einer sei, den Du betrügen konntest nach Belieben!

... Möglich, daß ich mich wieder einschläfern kann eine Zeitlang, aber ich werde bald wieder erwachen, und dann sieht das Auge nicht mehr Deine Schönheit, sondern nur Deine Häßlichkeit. Und dann werde ich Dich hassen und peinigen und selbst darunter leiden bis in die Unendlichkeit ...

*

An die Nämliche.

(Um die gleiche Zeit)

... Nein, ich ziehe kein Wort zurück und hätte noch mehr zu sagen, doch spare ich mir das für ein andermal auf. Ich glaubte, Du seiest genügend für Deinen Hochmut bestraft, aber Du drohst mit dem Gericht. Merk Dir meine Antwort: vor dem Richterstuhl wirst Du vernichtet, denn ich habe die Beweise in den Händen, und ich habe diesesmal die Gabe des Mitleides verloren. Sei daher demütig, bereue und bessere Deinen Wandel ...

Ich bin nicht mehr der Alte und werde es nie wieder sein. Mein ›Vertrauen‹ ist erschöpft ... Willst Du kommen, um durch Dein ehrbares Verhalten den schlechten Eindruck auszuwetzen, so sei mir willkommen, die Bedingungen kennst Du.

Sonst adieu!

August.

*

An Knud Hamsun, der sich erlaubt hatte, ihm Geld zu überweisen, das unter Hamsuns Adresse für Strindberg eingegangen war ...

Paris, 6. April 1894.

Behalten Sie Ihre dreißig Silberlinge, und lassen Sie uns für den Rest des Lebens miteinander fertig sein.

August Strindberg.

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