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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 34
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Bismarck

Daß sein Beitrag zum Kapitel ›Grober Brief‹ anders aussieht, als der Beethovensche, versteht sich von selbst bei einem Manne, der durch sein ganzes Leben gegen die damals beginnende Verpöbelung der öffentlichen Diktion angekämpft hat und die Berichte seiner jungen Attachés auch auf ihre sprachliche Gepflogenheiten durchzusehen pflegte.

Sieht man aber schärfer hin, so sind seine Briefe dort, wo in ihm einmal der große Choleriker sich regte, Musterbeispiele einer vernichtenden Grobheit, und wenn man auch allenthalben auf den Rädern eines zermalmenden Zornes die Bremse der guten Form knirschen hört, so konnte man doch den alten, ihm ins diplomatische Handwerk pfuschenden Wrangel, den in der Konfliktszeit vom Ausland her polemisierenden Emigranten oder den Führer der konservativen Fronde kaum furchtbarer abfertigen, als es hier geschieht. Ein vulgäres oder gar beschimpfendes Wort wird man in keinem seiner Briefe finden – es genügte vollkommen, daß der Funke des Zornes einschlug in jene Pulverkammer, die mit junkerlicher Ironie, mit zermalmendem Selbstbewußtsein und einer geradezu verheerenden sprachlichen Durchschlagskraft vollgestopft war ...

Se. Excellenz,
dem kgl. General der Kavallerie v. Wrangel.

Berlin, 11. April 1864.

Ew. Excellenz haben vor Kurzem an den Kgl. Gesandten in Stockholm eine für den Grafen Manderström Damals Königlich Schwedischer Außenminister. und den König von Schweden bestimmte diplomatische Eröffnung richten lassen, deren Charakter mit der auf Befehl Se. Majestät des Königs von Allerhöchstdessen Regierung verfolgten Politik nicht in Einklang steht.

Ich weiß durch Ew. Excellenz eigene Mitteilung, daß Hochdero Ansichten über auswärtige Politik mit den meinigen nicht durchgehends übereinstimmen. Ich kann hinzufügen, daß auch meine Meinungen über die Art, wie der Krieg auf der cimbrischen Halbinsel zu führen wäre, nicht überall mit dem, was dort unter Ew. Excellenz Befehl geschieht, in Einklang steht. Dennoch werde ich niemals mir gestatten, einem Ew. Excellenz untergebenen Offizier meinerseits militärische Aufträge zugehn zu lassen. Aus denselben Gründen, welche hierbei für mich leitend sind, glaube ich Hochdieselben bitten zu dürfen, Mitteilungen, welche für die Beurteilung der preußischen Politik im Auslande von so wesentlichem Einflusse sein können, wie die von Ew. Excellenz an Herrn von Rosenberg Rosenberg war damals Kgl. Preußischer Gesandter in Stockholm. Einen Schlüssel zu diesem geharnischten Schreiben gewinnt der Leser aus der folgenden Stelle in Bismarcks ›Gedanken und Erinnerungen‹: ›Mein alter Freund, der Feldmarschall Wrangel, schickte unchiffriert die gröbsten Injurien gegen mich telegraphisch an den König, in denen in Bezug auf mich von ›Diplomaten, die an den Galgen gehörten‹, die Rede war. Wir verblieben infolge dieser Episode Jahre hindurch in persönlicher Verstimmung, bis bei einer der vielen Gelegenheiten, wo wir Tischnachbarn waren, mich der Feldmarschall verschämt lächelnd anredete: ›Mein Sohn, kannst Du gar nicht vergessen?‹ Ich antwortete: ›Wie soll ich vergessen, was ich erlebt habe?‹ Darauf er nach längerem Schweigen: ›Kannst Du auch nicht vergeben?‹ Ich erwiderte: ›Von ganzem Herzen.‹ Wir schüttelten uns die Hände und waren wieder Freunde wie in früheren Zeiten.‹ gerichtete nur nach vorgängiger Verständigung mit mir an den Königlichen Gesandten gelangen zu lassen.

v. Bismarck.

*

An Otto Petri in Rotterdam.

Ew. Wohlgeborn haben die Güte gehabt, mir einige Exemplare des bei Ihnen nach-gedruckten ›Kladderadatsch‹ vom 7. Mai, sowie ein Exemplar der Niederländischen Staatsverfassung zu übersenden. Ich ergreife mit Vergnügen den Anlaß, Ihnen als Gegengabe ein Exemplar der konfiszierten Originalnummer und der preußischen Verfassungsurkunde zu überreichen.

Es wird mich freuen, wenn die Lektüre dazu beiträgt, Ihrem Interesse für staatsrechtliche Studien neuen Stoff zu gewähren.

Berlin, 3. Juni 1865.

v. Bismarck.

*

An Gerhard v. Thadden!

Geehrter Herr von Thadden!

Ich danke Ihnen, daß Sie sich meiner zum 1. April Der 1. April war bekanntlich Bismarcks Geburtstag. Der Brief wird verständlich, wenn man sich folgendes vergegenwärtigt: Bismarck war von den Konservativen, zu deren Führern Herr v. Thadden gehörte, abgerückt, und die Folge waren in der konservativen ›Kreuzzeitung‹ jene gegen ihn gerichteten Angriffe, die der Kanzler dann in seiner Rede vom 9. Februar 1876 als ›Giftmischerei‹ bezeichnete. Mit den übrigen Konservativen stellte sich schützend vor das Parteiorgan auch Herr von Thadden. Als er ungeachtet dieser Kontroverse einige Wochen später Bismarck zum Geburtstag gratulierte, erfolgte der hier wiedergegebene Brief. erinnert haben, indem Sie mir ein meine Verdienste über Gebühr rühmendes Gedicht ins Gedächtnis rufen. Ich habe dasselbe mit Vergnügen wieder gelesen und finde es heute nicht minder anwendbar, als vor dreizehn Jahren Die ›dreizehn Jahre‹ beziehen sich auf die um diesen Zeitraum zurückliegende Konfliktsperiode.. Ich glaube nämlich noch heute ›furchtlos und treu für des Königs Macht und Rechte‹ im Gefecht zu stehn. Auch heute darf ich sagen ›Viel Feind, viel Ehr‹, nur sind von den ehemaligen Feinden, gegen die ich damals ›für Königs Macht und Rechte‹ gekämpft hatte, einige ausgeschieden und andere für sie eingetreten.

Daß ich Sie, geehrter Herr, in dieser Gesellschaft sehe, das tut mir in der Seele wehe. Das sage ich Ihnen auch ›vor Gottes Angesichte‹ und kann mein Bedauern nicht unterdrücken, daß auch Sie gegen Recht und Wahrheit in das Geschrei eingestimmt haben ›Groß ist die Dianer der Epheser‹.

Darauf läßt sich von meinem Standpunkt aus weiter nichts erwidern.

v. Bismarck.

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