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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 20
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Blücher

Einst in den düsteren Jahren nach Jena hatte der alte Marschall, einer Psychose nah, mit dem Pallasch nach der Fliege an der Wand gestochen und dabei ›Napoleon‹ geschrieen ...

Nun, nach Waterloo und in den Tagen der zweiten Pariser Occupation, kam der Groll zum vollen Ausbruch. Die Existenz eines ›Pont Jéna‹ in Paris erinnerte ihn nun einmal an die dunkelsten Tage seines Lebens, und so gab er kurzer Hand Befehl, die Brücke zu sprengen. Er stieß natürlich auf den heftigsten Widerspruch der Bevölkerung und des eben erst restaurierten Bourbonenhofes, für den Talleyrand verhandelte ... ja, er stieß sogar auf den Widerspruch seines Waffengefährten Wellington Näheres über dieses Hin und Her und die Reibereien zwischen den preußischen und englischen Truppen während der Pariser Besetzung berichtet der englische Gardekapitän Gronow, der die Schlacht bei Waterloo und die ihr folgende Pariser Okkupation selbst miterlebt hat, in seiner Weise. ›Marschall Blücher‹, so schreibt Gronow, ›war ein Prachtkerl, aber ein sehr ungeschliffener Diamant. Von dem Augenblick seiner Ankunft in Paris ging er jeden Tag in den ›Salon des Etrangers‹, wo er mit den höchsten Einsätzen Rouge et Noir spielte. Verlor er, so fluchte er auf Deutsch auf das ganze Franzosenpack und schoß wütende Blicke auf die Croupiers. Für gewöhnlich brachte er es fertig, alles zu verlieren, was er bei sich hatte, ebenso alles Geld, das sein im Vorzimmer wartender Diener als Reserve mit sich führte ...
Um jene Zeit liefen Gerüchte um – und keineswegs unbegründete Gerüchte –, daß Blücher und Wellington auf gespanntem Fuß miteinander stünden. Die Preußen wollten die Jenabrücke in die Luft sprengen. Dies zu verhüten, schickte der Herzog ein Bataillon von unserem Regiment (1. Garderegiment) ab, und die preußischen Pioniere, die die Brücke für die Minenlegung bereits angebohrt hatten, wurden auf gute Weise nach Hause geschickt. Der Vorfall hinterließ aber zwischen den beiden Höchstkommandierenden so etwas wie eine Spannung ... ‹
. Aus jenen erregten Tagen stammt der nachfolgende Brief, der, offiziell an den preußischen Gesandten von der Goltz gerichtet, in Wirklichkeit an Talleyrand selbst sich wendet ...

Die Brücke wird gesprengt, und ich wünsche, Herr Talleyrand setzte sich vorher drauf! Wie kann dieser verächtliche Mensch die Brücke ein kostbares Monument nennen! Unsere Nationalehre erfordert die Vernichtung dieses zu unserer Beschimpfung errichteten Denkmales.

Ew. Hochgeborn werden mich verbinden, wenn Sie diese Meinung zur Kenntnis des Herrn Talleyrand bringen.

Blücher.

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