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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 16
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Napoleon I.

Auch in diesen Ausbrüchen wird man die monomane Lebenslinie des Kaisers nicht übersehen können. Mit dem frühzeitigen, durchaus vulkanischen und durchaus noch ›korsischen‹ Eifersuchtserguß gegen Josephine – er betrog sie damals genau so, wie sie, die große Liebe seines Lebens, ihn mit so ziemlich allen ›Prominenzen‹ der Direktorial- und Konsularzeit betrogen hat – verschwinden auch in diesem Teile seines Briefwechsels alle erotischen und eigentlich wohl auch alle persönlichen Angelegenheiten, und das, was bleibt und dominiert, ist die oft und vor allem bei den weiblichen Mitgliedern seines Hauses angebrachte Sorge um die Korrektheit und den guten Ruf der jungen Dynastie.

Man bewerte übrigens den letzten der hier angeführten Briefe, das Reskript Es ist seinerzeit als Nachschrift des Kaisers an einen von Bertrand an Hudson Law gerichtetes Protestschreiben angefügt worden und schließt sich der bei Lutz in Stuttgart 1910 erschienenen Ausgabe des napoleonischen Briefwerkes an. an den britischen Residenten von St. Helena, nicht als ein Dokument des Abstieges. Vereinsamt und äußerlich wehrlos stand der Kaiser damals ja nicht so sehr im Abwehrkampfe gegen diesen Hudson Law, der selbst kaum schlecht, sondern eben nur subaltern und seiner Rolle als Wärter des gefangenen Löwen nicht gewachsen war ...

Es war ureigentlich das britische Kabinett selbst, an das sich dieses Schreiben, das drittletzte von seiner Hand, richtete.

*

An Josephine.

Verona, 3. Frimaire des Jahres V.
(13. November 1796).

Ich liebe Dich garnicht mehr. Im Gegenteil, ich verabscheue Dich! Häßlich bist Du, ungeschickt, dumm, höchst unansehnlich. Du schreibst mir nie, liebst in keiner Weise Deinen Mann. Und Du weißt genau, welche Freude Deinem Manne Deine Briefe bereiten und schreibst ihm nicht einmal ein paar hingeworfene Zeilen.

Was, madame, tun Sie eigentlich den ganzen Tag und welch wichtiges Geschäft raubt Ihnen wohl die Zeit, an Ihren Geliebten zu schreiben? Welche Neigung schiebt die Liebe beiseite und erstickt jene zärtlich und beständige Neigung, die sie mir einst versprochen? Wer mag wohl der bevorzugte Geliebte sein, der eben Ihre ganze Zeit in Anspruch nimmt, über Ihre Tage verfügt und Sie verhindert, sich Ihrem Manne zu widmen?

Nehmen Sie sich in acht, Josephine! In einer schönen Nacht werden Ihre Türen eingedrückt werden, und ich werde es sein, der vor Ihnen steht. Ich bin wirklich besorgt, liebe Freundin, so lange von Dir nicht zu hören, schreibe mir schnell vier Seiten voll der liebenswerten Dinge, die mein Herz mit Freude und Glück erfüllen.

In Kurzem hoffe ich Dich in meine Arme zu schließen und Dich mit einer Million von Küssen, so heiß wie am Äquator, zu bedecken.

Bonaparte.

*

An die Fürstin Pauline Borghese.

Paris, 16. Germinal des Jahres XII.
(6. April 1804.)

Madame und liebe Schwester,

mit Bedauern habe ich vernommen, daß Sie so töricht waren, sich den Sitten und Gebräuchen Roms nicht anzupassen, daß Sie die Bewohner verächtlich behandeln und Ihre Augen ständig auf Paris richten. Obwohl ich mit größeren Angelegenheiten beschäftigt bin, will ich Ihnen doch meine Wünsche mitteilen und dringend hoffen, daß Sie sich danach richten.

Lieben Sie gefälligst Ihren Mann und Ihre Familie, seien Sie entgegenkommend, passen Sie sich der römischen Sitte an und bedenken Sie wohl, daß Sie, wenn Sie in Ihrem Alter sich üblen Einflüssen hingeben, auf mich nicht mehr rechnen könnten.

Seien Sie gewiß, daß Sie in Paris keine Aufnahme finden werden und ich Sie nur in Gegenwart Ihres Gatten empfange. Überwerfen Sie sich mit ihm, so ists Ihr eigener Schade, denn jeder Aufenthalt in Frankreich wird Ihnen dann untersagt sein. Es ist Ihr Glück und meine Freundschaft, die Sie in diesem Falle sich verscherzten.

Bonaparte.

*

An den Fürsten Cambacérès, Erzkanzler des Reiches.

Paris, 20. Februar 1809.

Mein Vetter, lassen Sie Herrn R... Wahrscheinlich ist der Staatsrat Graf Regnauld de Saint-Jean-d'Angély gemeint. zu sich rufen und teilen Sie ihm mit, daß seine Frau sich auf die unanständigste Art benimmt und daß ihr Boudoir der Skandal von Paris ist.

Sie soll das sofort abstellen, denn wenn sie sich fernerhin noch einmal so benimmt, werde ich gezwungen sein, ihr öffentlich mein Urteil über sie kund zu tun.

Napoleon.

*

An Jêrome, König von Westphalen. Der bekannte, von Napoleon übrigens zärtlich geliebte ›König Lustik‹. Der Brief ist an unwesentlichen Stellen etwas gekürzt.

Schönbrunn, 17. Juli 1809.

Ich habe von Ihnen einen Tagesbefehl gelesen, der Sie zum Gespött von ganz Deutschland, von Österreich und Frankreich machen wird. Gibt es denn in Ihrer Umgebung keinen Freund, der Ihnen einmal gehörig die Wahrheit sagt? Sie sind König und Bruder des Kaisers, was im Kriege auf höchst lächerliche Eigenschaften hinauskommt, da man vor allem Soldat, und wieder Soldat und nochmals Soldat sein muß ...

Sie aber führen den Krieg wie ein Satrap. Mein Gott, haben Sie das etwa von mir so gelernt?

Man ist unzufrieden mit Ihnen! Kienmayer Feldmarschalleutnant Baron Kienmayer, damals während des Feldzuges 1809 österreichischer Kommandant in Böhmen. mit seinen zwölftausend Mann macht sich ganz einfach lustig über Sie. Sie stellen zwar große Ansprüche, haben auch etwas Geist und einige gute Eigenschaften, doch werden sie durch Ihre Albernheiten vollkommen in den Schatten gestellt. Dabei bilden Sie sich außerordentlich viel ein, wissen aber von den Dingen absolut nichts ...

Lassen Sie doch diese Dummheiten! Schicken Sie Ihr diplomatisches Corps nach Kassel zurück, halten Sie weder Gefolge noch Gepäck und halten Sie keine andere Tafel, als die Ihre. Führen Sie Krieg wie ein junger Soldat, den es nach Ruhm und Ansehn verlangt, suchen Sie Ihre hohe Stellung und der Achtung Frankreichs und Europas, die auf Sie schauen, zu verdienen und bemühen Sie sich in Gottes Namen in Ihren Schriften und Reden um so viel Geist, daß Sie sich wenigstens angemessen ausdrücken können.

Napoléon

*

An Elisa Bonaparte, Prinzessin von Lucca und Piombino.

Fontainebleau, 13. November 1807.

Dieser elende Hainguerlot Nicht festzustellen. unterhält also noch immer Beziehungen zu Ihnen! Ich verbitte es mir, daß Sie mit diesem Intriganten irgendein Einverständnis, direkt oder indirekt, unterhalten, und wenn Sie sich diesem meinem Befehle nicht unterwerfen, so werden Sie nicht nur in einem sicheren Schlosse eingesperrt werden, sondern sich dadurch auch meine Achtung verscherzen.

N.

*

An den General Savary Damals Polizeiminister., Herzog von Rovigo, als sich Bourienne, Napoleons Geschäftsträger in Hamburg, durch Unsauberkeiten in Geldsachen kompromittiert hatte ...

Dresden, 30. Juni 1813.

Teilen Sie Bourienne mit, daß er jede Art der Korrespondenz mit Hamburg, gleichgiltig unter welchem Vorwande, abzubrechen habe. Untersteht er sich auch nur noch ein einziges Mal, direkt oder indirekt sich um Hamburger Angelegenheiten zu kümmern, so werde ich ihn verhaften und ihn alles zurückerstatten lassen, was er bislang in dieser Stadt sich zusammengestohlen hat.

Napoleon.

*

An den britischen Residenten in St. Helena, Hudson Law.

23. November 1817.

Dieser Brief hier, sowie die Schreiben vom 26. Juli und 26. Oktober, stecken voller Lügen! Ich bin achtzehn Monate nicht aus meinem Hause herausgekommen, weil ich mich vor den Beleidigungen dieses Beamten schützen wollte. Heute, bei geschwächter Gesundheit, lehne ich es ab, derartig widerwärtige Schriftstücke zu lesen ...

Ob sich nun dieser Beamte, wie er immer wieder durchblicken läßt, durch geheime oder mündliche Instruktionen seines Ministers ermächtigt glaubt oder ob er aus eigenem Antriebe handelt, ist einerlei: was man auch seiner Vermummung für Schlüsse ziehn möge – ich kann ihn nur als meinen Mörder betrachten.

Hätte man einen Mann von Ehre hierher geschickt, ich wäre wahrscheinlich etwas weniger gequält worden – man hätte sich in diesem Falle eben nur die Vorwürfe Europas und die der Nachwelt erspart, die sich durch die schwülstigen Briefe dieses Mannes kaum werden täuschen lassen.

Napoleon.

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