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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 15
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Jean Paul an den Pfarrer Morus in Töpen

der ihn bei seinem Gönner, dem Kammerrat und Gutsbesitzer von Oerthel, verdächtigte, Jean Paul Er hieß bekanntlich mit seinem Taufnamen Johann Paul Friedrich Richter. habe, als Mentor des jungen Oerthel, dessen freiwilligen Tod ›als ein Lehrer des Atheismus und des Selbstmordes‹ verschuldet.

P. D.
Töpen, 3. September 1787.

Ich hatte bisher bessere Dinge zu tun, als daß ich schlechte zu widerlegen Zeit gehabt: blos dies verschob meine Antwort auf Ihre neulichen Beleidigungen auf dem Wege. Auch der Ehre des Herrn Kammerrates bin ichs schuldig, einen Vorwurf abzuweisen, der ihn am Ende auch antastet: denn bin ich ein Lehrer des Selbstmordes und Atheismus, was ist denn ein Vater, der einen solchen Lehrer zum Lehrer seines Kindes macht?

Aber ich frage vielmehr, was ist ein Mann, der diesen giftigen Vorwurf ohne Beweise einem Nebenmenschen zu machen vermag, der ihn nie beleidigte? Ich weiß recht wohl, Sie werden Ihre damalige Feld- und Kontroverspredigt auf die Wirkung schieben wollen, welche die Sonnenhitze gerade auf Ihren Kopf gemacht: allein ich rede hier von Ihrem Herzen, das in eine noch viel schlimmere Hitze geriet. Ahmten Sie damit den sanften liebevollen Stifter unserer Religion etwa nach, der nie auf Meinungen, sondern auf Taten drang?

Ich muß diese Präservationskur mit Ihnen auf Kosten meiner Zeit vornehmen, um Ihnen auf künftighin den Vorwurf des Atheismus abzugewöhnen, auf den ich Sie, wie jeder Jurist Ihnen beweisen kann, injuriarum verklagen könnte. Lassen Sie mich meinen Weg fortziehn, auf dem ich die Wahrheit untersuche, liebe und verteidige, nicht, weil sie ›Akzidentien‹ zuwirft, sondern weils Pflicht ist. Lassen Sie mich glauben, daß diese Welt mehr für die Nachahmung der Gottheit Christi, und daß eine künftige erst für ihre genauere Kenntnis gemacht sei, und daß einer, der lieber Christi Gottheit beweiset als seine Lehren vollzieht, einem Bauern gleicht, der den ganzen Tag heraldisch untersuchte, ob sein Herr wohl von älterem Adel wäre, übrigens aber ihm Liebe und Folgsamkeit völlig abschlüge.

Und lassen Sie mich endlich versichern, daß ich nur Ihre Intoleranz, aber weder Sie noch Ihren Stand hasse, der der verehrungswürdigste und der entehrteste aller Stände ist, und den bekleiden und beschimpfen selten zweierlei zu sein scheint.

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