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Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma

Fritz Reck-Mallaczewen: Der grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma - Kapitel 12
Quellenangabe
authorFritz Reck-Malleczewen
titleDer grobe Brief von Martin Luther bis Ludwig Thoma
publisherSchützen-Verlag
printrun6.-10. Tausend
year1940
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170306
projectidc74a7813
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Friedrich Wilhelm I. von Preußen an den Kammerrat Gretsch in Amt Taplacken in Ostpreußen

1719

Die halbfreien Hintersassen des Amtes hatten sich über Gretsch beschwert und waren zu diesem Zwecke eigens nach Berlin gekommen.

26. April 1719.

Es ist gut, Kammerrat sein in Preußen, denn sie stehlen, rauben, plündern die Untertanen, drücken, lügen, schreiben, weil es so weit abgelegen ist und Wir glauben müssen, was Kammer schreibt. Glauben die Herren, daß die Leut so weit wären hergekommen zu klagen, wenn es nit so wäre geschehn?

F. W.

*

An das Generalfinanzdirektorium,
als einige Beamte sich nicht wollten nach Tilsit in Ostpreußen versetzen lassen ...

Wusterhausen, 3. November 1714.

Die Leut wollen mir forcieren, sie sollen aber nach meine Pfeife danze, oder der Deubel hole mir.

Ich lasse hängen und braten wie der Zar und traktiere sie wie Rebeller. Ordre an Herzog von Holstein Damals Gouverneur der Festung Königsberg i. Pr., die genannte Canailles, die garnit wollen nach Tilse Tilsit. gehn, mit ihre gepuderte Perücken geschlossen nach Friedrichsburg Fort der Festung Königsberg. in die Karre Nämlich zum Sandkarren bei den Fortifikationsbauten. bringen zu lassen.

Die Herren werden sich wundern, daß so hart bin und nit meine Manier ist. Es ist meine Schuld nit, ich kann nit helfen. Wenn Warnen nit hilft, Zusprechen nit hilft, was kann ich denn tun, als es muß zur Exekution kommen oder ich bin nit der Herr.

Wann ich ein Offizier was befehle, so wird obödiert. Aber die verfluchte Blacksch ... Oft wiederkehrender Lieblingsausdruck des Königs für alle Zivilbeamten. wollen was voraus haben und mir nur nit obödieren.

Ich will sengen und brennen und als Tyrann mit ihnen verfahren, danach hab sich das Generalfinanzdirektorium zu achten.

Friedrich Wilhelm.

*

An den Kronprinzen Friedrich. Aus dem September 1728. Der Brief führte zwischen Vater und Sohn den offenen Konflikt herbei.

Sein eigensinniger böser Kopf, der nicht seinen Vater liebet, denn wenn man alles tut, absonderlich seinen Vater liebet, so tut man, was er haben will, nicht, wenn er dabei stehet, sondern wenn er nicht alles sieht.

Zum andern weiß er wohl, daß ich keinen effeminierten Kerl leiden kann, der keine menschlichen Inclinationen hat, der sich schämt, nicht reiten noch schießen kann, dabei malpropre an seinem Leibe, seine Haare wie ein Narr frisieret und nicht verschneidet und ich dies alles tausend Mal reprimandieret, aber alles umsonst und keine Besserung in nichts ist. Zum andern hoffärtig und recht bauernstolz ist, mit keinem Menschen spricht als mit welchen, und nicht populär und affable ist und mit dem Gesicht Grimassen macht, als wenn er ein Narr wäre und in nichts meinen Willen tut, als mit der Force angehalten.

Nichts aus Liebe, und Er dazu nichts Lust hat, als seinem eigenen Kopfe folgen, sonsten alles nichts nütze ist.

Dies ist die Antwort.

Friedrich Wilhelm.

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