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Der Golem

Gustav Meyrink: Der Golem - Kapitel 21
Quellenangabe
titleDer Golem
authorGustav Meyrink
typefiction
year1916
publisherKurt Wolff Verlag
created20011208
senderserge@cosmos.phy.tufts.edu
copyright1915 by Kurt Wolff Verlag Leipzig
firstpub1915
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Schluß

»– – – wie ein Stück fett!«

Das ist der Stein, der aussieht wie ein Stück Fett.

Die Worte gellen mir noch in den Ohren. Dann richte ich mich auf und muß mich besinnen, wo ich bin.

Ich liege im Bett und wohne im Hotel.

Ich heiße doch gar nicht Pernath.

Habe ich das alles nur geträumt?

Nein! So träumt man nicht.

Ich schaue auf die Uhr: kaum eine Stunde habe ich geschlafen. Es ist halb drei.

Und dort hängt der fremde Hut, den ich heute im Dom auf dem Hradschin verwechselt habe, als ich beim Hochamt auf der Betbank saß.

Steht ein Name darin?

Ich nehme ihn und lese in goldenen Buchstaben auf dem weißen Seidenfutter den fremden und doch so bekannten Namen:

ATHANASIUS PERNATH

Jetzt läßt es mir keine Ruhe mehr; ich ziehe mich hastig an und laufe die Treppe hinunter.

»Portier! Aufmachen! Ich gehe noch eine Stunde spazieren.«

»Wohin, bitt schän?«

»In die Judenstadt. In die Hahnpaßgasse. Gibt's überhaupt eine Straße, die so heißt?«

»Freilich, freilich« – der Portier lächelt malitiös – »aber in der Judenstadt, ich mache aufmerksam: ist nicht mehr viel los. Alles neu gebaut, bitte.«

»Macht nichts. Wo liegt die Hahnpaßgasse?«

Der dicke Finger des Portiers deutet auf die Karte: »Hier, bitte.«

»Und die Schenke ›Zum Loisitschek‹?«

»Hier, bitte.«

»Geben Sie mir ein großes Stück Papier.«

»Hier, bitte.«

Ich wickle Pernaths Hut hinein. Merkwürdig: er ist fast neu, tadellos sauber und doch so brüchig, als wäre er uralt. –

Unterwegs überlege ich:

Alles, was dieser Athanasius Pernath erlebt hat, habe ich im Traum miterlebt, in einer Nacht mitgesehen, mitgehört, mitgefühlt, als wäre ich er gewesen. Warum weiß ich denn aber nicht, was er in dem Augenblick, als der Strick riß und er »Hillel, Hillel!« rief, hinter dem Gitterfenster erblickt hat?

Er hat sich in diesem Augenblick von mir getrennt, begreife ich.

Ich muß diesen Athanasius Pernath auffinden, und wenn ich drei Tage und drei Nächte herumlaufen sollte, nehme ich mir vor. – – –

Also das ist die Hahnpaßgasse?

Nicht annähernd so habe ich sie im Traum gesehen! –

Lauter neue Häuser.

Eine Minute später sitze ich im Café Loisitschek. Ein stilloses, ziemlich sauberes Lokal.

Im Hintergrund allerdings eine Estrade mit Holzgeländer; eine gewisse Ähnlichkeit mit dem alten geträumten »Loisitschek« ist nicht zu leugnen.

»Befehlen, bitt' schön?«, fragt die Kellnerin, ein dralles Mädel, in einen rotsamtenen Frack buchstäblich hineingeknallt.

»Kognak, Fräulein. – So, danke.«

»– Hm. Fräulein!«

»Bitte?«

»Wem gehört das Kaffeehaus?«

»Dem Herrn Kommerzialrat Loisitschek. – Das ganze Haus gehört ihm. Ein sehr feiner reicher Herr.«

– Aha, der Kerl mit den Schweinszähnen an der Uhrkette! erinnere ich mich. –

Ich habe einen guten Einfall, der mich orientieren wird:

»Fräulein!«

»Bitte?«

»Wann ist die steinerne Brücke eingestürzt?«

»Vor dreiunddreißig Jahren.«

»Hm. Vor dreiunddreißig Jahren!« – ich überlege: der Gemmenschneider Pernath muß also jetzt fast neunzig sein.

»Fräulein!«

»Bitte?«

»Ist hier niemand unter den Gästen, der sich noch erinnern kann, wie die alte Judenstadt von damals ausgesehen hat? Ich bin Schriftsteller und interessiere mich dafür.«

Die Kellnerin denkt nach: »Von den Gästen? Nein. – Aber warten S': der Billardmarqueur, der dort mit einem Studenten Carambol spielt, – sehen Sie ihn? Der mit der Hakennase, der Alte, – der hat immer hier gelebt und wird Ihnen alles sagen. Soll ich ihn rufen, wenn er fertig ist?«

Ich folgte dem Blick des Mädchens:

Ein schlanker, weißhaariger, alter Mann lehnt drüben am Spiegel und kreidet seine Queue. Ein verwüstetes, aber seltsam vornehmes Gesicht. Woran erinnert er mich nur?

»Fräulein, wie heißt der Marqueur?«

Die Kellnerin stützt sich im Stehen mit dem Ellenbogen auf den Tisch, leckt an einem Bleistift, schreibt in Windeseile ihren Vornamen unzählige Male auf die Marmorplatte und löscht ihn jedesmal mit nassem Finger rasch wieder aus. Dazwischen wirft sie mir mehr oder minder sengende Glutblicke zu; – je nachdem sie ihr gelingen. Unerläßlich ist natürlich das gleichzeitige Emporziehen der Augenbrauen, denn es erhöht das Märchenhafte des Blickes.

»Fräulein, wie heißt der Marqueur?«, wiederhole ich meine Frage. Ich sehe ihr an, sie hätte lieber gehört: Fräulein, warum tragen Sie nicht nur einen Frack? oder etwas Ähnliches, aber ich frage es nicht; mir geht mein Traum zu sehr im Kopf herum.

»No, wie wird er denn heißen,« schmollt sie, »Ferri heißt er halt. Ferri Athenstädt.«

»So so? Ferri Athenstädt! – Hm, – also wieder ein alter Bekannter.«

»Erzählen Sie mir doch recht, recht viel von ihm, Fräulein,« girre ich, muß mich aber sofort mit einem Kognak stärken, »Sie plaudern gar so herzig!« (Ich ekle mich vor mir selber.)

Sie neigt sich geheimnisvoll dicht zu mir, damit mich ihre Haare im Gesicht kitzeln, und flüstert:

»Der Ferri, der war Ihnen früher ein ganz ein Geriebener. – Er soll von uraltem Adel gewesen sein – es ist natürlich nur so ein Gerede, weil er keinen Bart nicht trägt – und furchtbar viel Geld g'habt habn. Eine rothaarige Jüdin, die schon von Jugend auf eine ›Person‹ war« – sie schrieb wieder rasch ein paarmal ihren Namen auf – »hat ihn dann ganz ausgezogen. – Punkto Geld mein' ich natürlich. No, und wie er dann kein Geld nicht mehr gehabt hat, ist sie weg und hat sich von einem hohen Herrn heiraten lassen: von dem ...« – sie flüsterte mir einen Namen ins Ohr, den ich nicht verstehe. »Der hohe Herr hat dann natürlich auf alle Ehre verzichten müssen und sich von da an nur mehr Ritter von Dämmerich nennen dürfen. No ja. Aber daß sie früher eine ›Person‹ g'wesen ist, hat er ihr halt doch nicht wegwaschen können. Ich sag immer –.«

»Fritzi! Zahlen!« ruft jemand von der Estrade herab. –

Ich lasse meine Blicke durch das Lokal wandern, da höre ich plötzlich ein leises metallisches Zirpen, wie von einer Grille, hinter mir.

Ich drehe mich neugierig um. Traue meinen Augen nicht:

Das Gesicht zur Wand gekehrt, alt wie Methusalem, eine Spieldose, so klein wie eine Zigarettenschachtel, in zitternden Skeletthänden sitzt ganz in sich zusammengesunken – der blinde, greise Nephtali Schaffranek in der Ecke und leiert mit der winzigen Kurbel.

Ich trete zu ihm.

Im Flüsterton singt er konfus vor sich hin:

»Frau Pick,

Frau Hock.

Und rote, blaue Stern

die schmusen allerhand.

Von Messinung, an Räucherl und Rohn.«

»Wissen Sie, wie der alte Mann heißt?« frage ich einen vorbeieilenden Kellner.

»Nein, mein Herr, niemand kennt weder ihn noch seinen Namen. Er selbst hat ihn vergessen. Er ist ganz allein auf der Welt. Bitte, er ist 110 Jahre alt! Er kriegt bei uns jede Nacht einen sogenannten Gnadenkaffee.«

Ich beugte mich über den Greis, – rufe ihm ein Wort ins Ohr: »Schaffranek!«

Es durchfährt ihn wie ein Blitz. Er murmelt etwas, streicht sich sinnend über die Stirn.

»Verstehen Sie mich, Herr Schaffranek?«

Er nickt.

»Passen Sie mal gut auf! Ich möchte Sie etwas fragen, aus alter Zeit. Wenn Sie mir alles gut beantworten, bekommen Sie den Gulden, den ich hier auf den Tisch lege.«

»Gulden«, wiederholt der Greis und fängt sofort an, wie ein Rasender auf seiner zirpenden Spieldose zu kurbeln.

Ich halte seine Hand fest: »Denken Sie einmal nach! – Haben Sie nicht vor etwa 33 Jahren einen Gemmenschneider namens Pernath gekannt?«

»Hadrbolletz! Hosenschneider!« – lallt er asthmatisch auf und lacht übers ganze Gesicht, in der Meinung, ich hätte ihm einen famosen Witz erzählt.

»Nein, nicht Hadrbolletz: – – Pernath!«

»Pereles?!« – er jubelt förmlich.

»Nein, auch nicht Pereies. – Per– nath!«

»Pascheies?!« – er kräht vor Freude. – –

Ich gebe enttäuscht meinen Versuch auf.

»Sie wollten mich sprechen, mein Herr?«, – der Marqueur Ferri Athenstädt steht vor mir und verbeugt sich kühl.

»Ja. Ganz richtig. – Wir können dabei eine Partie Billard spielen.«

»Spielen Sie um Geld, mein Herr? Ich gebe Ihnen 90 auf 100 vor.«

»Also gut: um einen Gulden. Fangen Sie vielleicht an, Marqueur.«

Seine Durchlaucht nimmt das Queue, zielt, gickst, macht ein ärgerliches Gesicht. Ich kenne das: er läßt mich bis 9 kommen, und dann macht er in einer Serie »aus«.

Mir wird immer kurioser zumute. Ich gehe direkt auf mein Ziel los:

»Entsinnen Sie sich, Herr Marqueur: vor langer Zeit, etwa in den Jahren, als die steinerne Brücke einstürzte, in der damaligen Judenstadt einen gewissen – Athanasius Pernath gekannt zu haben?«

Ein Mann in einer rotweißgestreiften Leinwandjacke, mit Schielaugen und kleinen goldenen Ohrringen, der auf einer Bank an der Wand sitzt und eine Zeitung liest, fährt auf, stiert mich an und bekreuzigt sich.

»Pernath? Pernath?« wiederholt der Marqueur und denkt angestrengt nach – »Pernath? – War er nicht groß, schlank? Braunes Haar, melierten kurzgeschnittenen Spitzbart?«

»Ja. Ganz richtig.«

»Etwa vierzig Jahre alt damals? Er sah aus wie ––«, Seine Durchlaucht starrt mich plötzlich überrascht an. – »Sie sind ein Verwandter von ihm, mein Herr?!«

Der Schieläugige bekreuzigt sich.

»Ich? Ein Verwandter? Komische Idee. – Nein. Ich interessiere mich nur für ihn. Wissen Sie noch mehr?«, sage ich gelassen, fühle aber, daß mir eiskalt im Herzen wird.

Ferri Athenstädt denkt wieder nach.

»Wenn ich nicht irre, galt er seinerzeit für verrückt. – Einmal behauptete er, er hieße – warten Sie mal, – ja: Laponder! Und dann wieder gab er sich für einen gewissen – Charousek aus.«

»Kein Wort wahr!« fährt der Schieläugige dazwischen. »Den Charousek hat's wirklich gegeben. Mein Vater hat doch mehrere 1000 fl von ihm geerbt.«

»Wer ist dieser Mann?«, fragte ich den Marqueur halblaut.

»Er ist Fährmann und heißt Tschamrda. – Was den Pernath betrifft, so erinnere ich mich nur, oder glaube es wenigstens – daß er in späteren Jahren eine sehr schöne, dunkelhäutige Jüdin geheiratet hat.«

»Mirjam!« sage ich mir und werde so aufgeregt, daß mir die Hände zittern und ich nicht mehr weiterspielen kann.

Der Fährmann bekreuzigt sich.

»Ja, was ist denn heute mit Ihnen los, Herr Tschamrda?«, fragt der Marqueur erstaunt.

»Der Pernath hat niemals nicht gelebt«, schreit der Schieläugige los. »Ich glaub's nicht.«

Ich schenke dem Mann sofort einen Kognak ein, damit er gesprächiger wird.

»Es gibt ja wohl Leut', die sagen, der Pernath lebt noch immer«, rückt der Fährmann endlich heraus, »er is, hör ich. Kammschneider und wohnt auf dem Hradschin.«

»Wo auf dem Hradschin?«

Der Fährmann bekreuzigt sich:

»Das ist es ja eben! Er wohnt, wo kein lebender Mensch wohnen kann: an der Mauer zur letzten Latern.«

»Kennen Sie sein Haus, Herr – Herr – Tschamrda?«

»Nicht um die Welt möcht ich dort hinaufgehen!«, protestiert der Schieläugige. »Wofür halten Sie mich? Jesus, Maria und Josef!«

»Aber den Weg hinauf könnten Sie mir doch von weitem zeigen, Herr Tschamrda?«

»Das schon«, brummte der Fährmann. »Wenn Sie warten wollen bis 6 Uhr früh; dann geh ich zur Moldau hinunter. Aber ich rat Ihnen ab! Sie stürzen in den Hirschgraben und brechen Hals und Knochen! Heilige Muttergottes!«

Wir gehen zusammen durch den Morgen; frischer Wind weht vom Flusse her. Ich fühle vor Erwartung kaum den Boden unter mir.

Plötzlich taucht das Haus in der Altschulgasse vor mir auf.

Jedes Fenster erkenne ich wieder: die geschweifte Dachrinne, das Gitter, die fettig glänzenden Steinsimse – alles, alles!

»Wann ist dieses Haus abgebrannt?«, frage ich den Schieläugigen. Es braust mir in den Ohren vor Spannung.

»Abgebrannt? Niemals nicht!«

»Doch! Ich weiß es bestimmt.«

»Nein.«

»Aber ich weiß es doch! Wollen Sie wetten?«

»Wieviel?«

»Einen Gulden.«

»Gemacht!« – Und Tschamrda holt den Hausmeister heraus. »Ist dieses Haus jemals abgebrannt?«

»I woher denn!« Der Mann lacht. –

Ich kann und kann es nicht glauben.

»Schon siebzig Jahr' wohn ich drin,« beteuert der Hausmeister, »ich müßt's doch wahrhaftig wissen.«

– – – Sonderbar, sonderbar! – – –

Der Fährmann rudert mich in seinem Kahn, der aus acht ungehobelten Brettern besteht, mit komischen schiefen Zuckbewegungen über die Moldau. Die gelben Wasser schäumen gegen das Holz. Die Dächer des Hradschins glitzern rot in der Morgensonne. Ein unbeschreiblich feierliches Gefühl ergreift Besitz von mir. Ein leise dämmerndes Gefühl wie aus einem früheren Dasein, als sei die Welt um mich her verzaubert – eine traumhafte Erkenntnis, als lebte ich zuweilen an mehreren Orten zugleich.

Ich steige aus.

»Wieviel bin ich schuldig, Herr Tschamrda?«

»Einen Kreuzer. Wenn Sie mitg'holfen hätten rudern, – hätt's zwei Kreuzer 'kost.«

Denselben Weg, den ich heute nacht im Schlaf schon einmal gegangen, wandere ich wieder empor: die kleine, einsame Schloßstiege. Mir klopft das Herz und ich weiß voraus: jetzt kommt der kahle Baum, dessen Äste über die Mauer herübergreifen.

Nein: er ist mit weißen Blüten besät.

Die Luft ist voll von süßem Fliederhauch.

Zu meinen Füßen liegt die Stadt im ersten Licht wie eine Vision der Verheißung.

Kein Laut. Nur Duft und Glanz.

Mit geschlossenen Augen könnte ich mich hinauffinden in die kleine, kuriose Alchimistengasse, so vertraut ist mir plötzlich jeder Schritt.

Aber, wo heute nacht das Holzgitter vor dem weißschimmemden Haus gestanden hat, schließt jetzt ein prachtvolles, gebauchtes, vergoldetes Gitter die Gasse ab.

Zwei Eibenbäume ragen aus blühendem, niederem Gesträuch und flankieren das Eingangstor der Mauer, die hinter dem Gitter entlang läuft.

Ich strecke mich, um über das Strauchwerk hinüberzusehen, und bin geblendet von neuer Pracht:

Die Gartenmauer ist ganz mit Mosaik bedeckt. Türkisblau mit goldenen, eigenartig gemuschelten Fresken, die den Kult des ägyptischen Gottes Osiris darstellen.

Das Flügeltor ist der Gott selbst: ein Hermaphrodit aus zwei Hälften, die die Türe bilden, – die rechte weiblich, die linke männlich. – Er sitzt auf einem kostbaren, flachen Thron aus Perlmutter – im Halbrelief – und sein goldener Kopf ist der eines Hasen. Die Ohren sind in die Höhe gestellt und dicht aneinander, daß sie aussehen wie die beiden Seiten eines aufgeschlagenen Buches. –

Es riecht nach Tau, und Hyazinthenduft weht über die Mauer herüber. – – –

Lange stehe ich wie versteinert da und staune. Mir wird, als träte eine fremde Welt vor mich, und ein alter Gärtner oder Diener mit silbernen Schnallenschuhen, Jabot und sonderbar zugeschnittenem Rock kommt von links hinter dem Gitter auf mich zu und fragt mich durch die Stäbe, was ich wünsche.

Ich reiche ihm stumm den eingewickelten Hut Athanasius Pernaths hinein.

Er nimmt ihn und geht durch das Flügeltor.

Als es sich öffnet, sehe ich dahinter ein tempelartiges, marmornes Haus und auf seinen Stufen:

ATHANASIUS PERNATH

und an ihn gelehnt:

MIRJAM,

und beide schauen hinab in die Stadt.

Einen Augenblick wendet sich Mirjam um, erblickt mich, lächelt und flüstert Athanasius Pernath etwas zu.

Ich bin gebannt von ihrer Schönheit.

Sie ist so jung, wie ich sie heut nacht im Traum gesehen.

Athanasius Pernath dreht sich langsam zu mir, und mein Herz bleibt stehen:

Mir ist, als sähe ich mich im Spiegel, so ähnlich ist sein Gesicht dem meinigen.

Dann fallen die Flügel des Tores zu, und ich erkenne nur noch den schimmernden Hermaphroditen.

Der alte Diener gibt mir meinen Hut und sagt – ich höre seine Stimme wie aus den Tiefen der Erde –:

»Herr Athanasius Pernath läßt verbindlichst danken und bittet, ihn nicht für ungastfreundlich zu halten, daß er Sie nicht einlädt, in den Garten zu kommen, aber es ist strenges Hausgesetz so von alters her.

Ihren Hut, soll ich ausrichten, habe er nicht aufgesetzt, da ihm die Verwechslung sofort aufgefallen sei.

Er wolle nur hoffen, daß der seinige Ihnen keine Kopfschmerzen verursacht habe.«

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