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Der Goldtopf (Aulularia)

Titus Maccius Plautus: Der Goldtopf (Aulularia) - Kapitel 6
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDie Lustspiele des Plautus, Dritter Band
authorPlautus
translatorJohann Jakob Christian Donner
firstpub1865
year1865
publisherC. F. Winter'sche Verlagshandlung
addressLeipzig und Heidelberg
titleDer Goldtopf (Aulularia)
pages121-200
created20060214
sendergerd.bouillon
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Vierter Act.

Erste Scene.

Strobilus, der Knecht des Lykonides.

Strobilus. So wie ich es treibe, kommt es einem wackern Knechte zu.
Was der Herr ihm heißt, das muß er ungesäumt und willig thun.
Denn ein Sklave, der im Dienste seinem Herrn gefallen will,
Denke früh an seines Herrn Geschäfte, spät an eigene.
Wenn er schläft, so schlaf' er also, daß er denkt: ich bin ein Knecht.
Wer, wie ich jezt, einem Herrn dient, der verliebt ist, und gewahrt,
Daß der Herr nicht seiner Liebe Meister wird, der halte ja
Ihn vom Abgrund fern, und treib' ihn nicht dahin, wohin's ihn zieht.
Eine Binsenmatte schnüren wir den Knaben um den Leib,
Wenn sie schwimmen lernen sollen, daß sie minder der Gefahr
Bloßgestellt sind, daß sie leichter schwimmen und die Hände dreh'n.
Eine solche Matte sei der Sklave dem verliebten Herrn,
Die getreu ihn oben halte, daß er nicht zu Boden sinkt.
Was der Herr verlangt, ergründ' er also, daß sein Auge weiß,
Was die Stirne will, und rascher, als ein rasches Viergespann,
Eil' er auszurichten, was er ihm gebeut. Wer also thut,
Wird vom Farrenschwanze nicht an seine Pflicht gemahnt; der Rost
Mag die Kett' umzieh'n, er reibt sie nicht an seinem Fuße blank.Der Sinn ist: er wird niemals gefesselt werden.
Mein Gebieter liebt die Tochter dieses armen Euklio,
Nun vernahm er, daß man sie dem Megador vermählen will.
Darum schickt er mich auf Kundschaft, um zu hören, was geschieht.
Jeden Argwohn fern zu halten, sez' ich mich auf den AltarGötteraltäre gab es in Rom nicht bloß in den Tempeln, sondern auch auf offener Straße. :
Was sie thun in beiden Häusern, kann ich alles hier erspäh'n.
(er sezt sich zur Seite auf einen Straßenaltar.)

Zweite Scene.

Euklio kommt aus dem Tempel zurück. Strobilus.

Euklio. Sage doch Niemand, o Treue, daß mein Gold da drinnen ist!
Daß es Jemand findet, fürcht' ich nicht; es liegt gar gut versteckt.
Wahrlich, eine schöne Beute machte wohl, wer diesen Topf,
Schwergefüllt mit Gold, entdeckte: Göttin, das verhüte du!
Geh' ich jezt, für's Opfer mich zu baden»Für's Opfer mich zu baden.« S. die Anmerkung zu 3, 10, 110. , um dem Megador
Meine Tochter ohne Säumen zuzuführen, wenn er ruft!
Göttin Treue, dich beschwör' ich, daß ich meinen Topf von dir
Unversehrt zurückerhalte: deiner Treue hab' ich ihn
Anvertraut, in deinem Hain und Heiligthum ihn aufbewahrt.
(geht ab.)

Strobilus. Große Götter! Was vernahm ich jezt von diesem Menschen da!
Einen Topf, gefüllt mit Gold, hat er im Tempel hier versteckt!
Treue, sei doch ja nicht treuer gegen ihn, als gegen mich!
Und ich glaub', es ist der Vater der Geliebten meines Herrn.
Jezt hinein: das Heiligthum durchsuch' ich, ob ich nicht das Gold
Finde, während er zu Haus ist. Treue, find' ich diesen Schaz,
Weih' ich dir ein wohlgefülltes Maß vom besten HonigweinHonigwein, d. i. Wein mit Honig gekocht. ,
Weihe dir's, mir aber trink' ich's, wenn's ich dir zuvor geweiht.
(während er auf den Tempel zugeht, krächzt ein Rabe.)

Euklio. (kommt ängstlich zurück)
Nicht umsonst ist's, daß der Rabe jezt zu meiner Linken schreit.Unter den vorbedeutenden Vögeln des Alterthums spielen auch die Raben und Krähen ihre Rolle. Unglücklich war ihre Vorbedeutung, wenn sie sich zur Linken, glücklich, wenn sie sich zur Rechten sehen ließen. Nur war rechts und links bei Griechen und Römern nicht einerlei, weil die Augurn dort eine andere Stellung hatten, als hier. Danz.
Mit den Füßen scharrt' er Einmal auf der Erd' und krächzte laut:
Plözlich fing mein Herz im Leib zu springen an, Seiltänzern gleich,
Schlug mir hoch im Busen auf. Was säum' ich noch und laufe nicht?
(er wendet sich nach dem Tempel, und gewahrt den Strobilus, der eben durch die Tempelpforte geht; er zieht ihn zurück, und schlägt ihn.)
Auf, heraus, du Regenwurm, der eben aus der Erde kroch,
Daß du nirgends sichtbar warst; jezt sieht man dich, und schlägt dich todt.
Warte nur, du Hexenmeister, jämmerlich soll dir's ergeh'n!

Strobilus. Welcher Dämon treibt dich um? Was, Alter, hast du denn mit mir?
Wirfst mich da zur Erde, schleifst mich da herum, und prügelst mich?

Euklio. Prügelwürdigster, du fragst noch, du nicht Dieb, nein Dreimaldieb?

Strobilus. Dieb? Was hab' ich dir gestohlen?

Euklio.                                                           Gib's heraus!

Strobilus.                                                                             Was denn?

Euklio.                                                                                                   Du fragst?

Strobilus. Nichts entwandt' ich dir.

Euklio.                                             Heraus mit dem, was du für dich entwandt!

Strobilus. Nun, was willst du?

Euklio.                                     Was ich will? Du bringst's nicht fort.

Strobilus.                                                                                             Was hast du nur?

Euklio. Lege nieder!

Strobilus.                   Alter, daß du das gewohnt bist, glaub' ich gern.

Euklio. Leg' es nieder! Laß die Possen jezt; ich treibe keinen Spaß.

Strobilus. Niederlegen? Was? So sprich doch, was es ist, mit Namen aus!
Nichts entwandt' ich, nichts berührt' ich.

Euklio.                                                             Weise mir die Hände her.

Strobilus. Siehe da!

Euklio.                     Weis' her!

Strobilus.                                   Da sind sie.

Euklio.                                                           Weise nun die dritte noch.

Strobilus. Raserei, Wahnwiz, Gespenster jagen hier den Alten um.
Thust du mir Unrecht, oder nicht?

Euklio.                                                 Das größte, weil du noch nicht hängst.
Doch das kommt noch, wenn du nicht gestehst.

Strobilus.                                                                 Was soll ich dir gesteh'n?

Euklio. Was du stahlst.

Strobilus.                     Die Götter sollen mich verderben, wenn ich stahl!

Euklio. Oder jemals stehlen wollte? Schüttle gleich den Mantel aus!

Strobilus. Wie du willst.

Euklio.                             So hast du's wohl im Rocke.

Strobilus.                                                                       Taste, wo's beliebt!

Euklio. Bösewicht, jezt wirst du zahm, damit ich's ja nicht merken soll.
Eure Schliche kenn' ich. Zeige mir die Rechte noch einmal!

Strobilus. Hier!

Euklio.             Und jezt die Linke!

Strobilus.                                         Sieh, hier zeig' ich beide dir zugleich.

Euklio. Länger such' ich nicht. Heraus da!

Strobilus.                                                   Was denn?

Euklio.                                                                         Ach, du treibst nur Scherz!
Sicher hast du's.

Strobilus.                   Ich? Und was?

Euklio.                                                 Das sag' ich nicht; du hörtest's gern.
Gib heraus, was du von mir hast.

Strobilus.                                             Rasest du? Wie dir's gefiel,
Hast du mich durchsucht, und fandest nichts bei mir, was dein gehört.
(er will gehen.)

Euklio. Bleibe, bleib! Wer war der Andre, der mit dir im Tempel war?
Gott! Der stört jezt Alles durch; und lass' ich diesen, läuft er fort.
Doch ich hab' ihn um und um durchsucht, er hat nichts. Geh, wohin
Dir's beliebt. Daß Gott dich strafe!

Strobilus.                                                 Du entbeutst mir schönen Dank.

Euklio. Jezt hinein, um deinem Freund den Hals zu brechen! Gehst du jezt,
Oder nicht?

Strobilus.           Ich gehe.

Euklio.                             Laß dich ja vor mir nicht wiederseh'n!
(er geht in den Tempel.)

Strobilus. Mit Geißelhieben tödte man mich heute noch,
Fang' ich in meinem Garne nicht den alten Kauz!
Das wagt er nicht mehr, daß er hier sein Gold versteckt.
Ich glaube fest, er holt es sicher jezt heraus,
Weist einen andern Ort ihm an. Doch still, da knarrt
Die Thüre! Sieh, der Alte trägt sein Gold heraus.
Ich stelle mich indessen an die Thüre hier.

Euklio. (kommt mit dem Goldtopf aus dem Tempel zurück)
Ich glaubte, bei der Treue sei die größte Treu;
Doch hätte sie mir um ein Haar das Maul geschmiert.
Kam nicht der Rabe mir zum Glück, war's aus mit mir.
O käme doch der Rabe wieder her zu mir,
Der mir's verrathen; etwas Gutes – sagt' ich ihm;
Denn gute Bissen wären doch verlornes Gut.
Jezt denk' ich nur auf einen Ort, wohin ich das
Verstecken soll. Silvanus' abgelegner Hain
Liegt vor der Stadt, von dickem Weidicht überdeckt:
Da nehm' ich Plaz. Denn eher als der Treue will
Ich Gott Silvanus trauen.
(er geht ab.)

Strobilus.                               Schön! Das heiß' ich Glück.
Die Götter alle sind mir hold! Jezt lauf' ich ihm
Dorthin voraus, steig' auf den nächsten Baum hinauf,
Und lausche da, wohin er seinen Schaz vergräbt.
Mein Herr gebot zwar, seiner hier zu warten; doch –
Wo mir Gewinn winkt, wag' ich auch das Ungemach.
(er geht ab.)

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